HInfo34: Offener Brief an Maschinenring Tettnang: Rüde Zumutung statt Presseauskunft

Das Spannende an der Journalisten-, mehr aber noch der Blogger-Tätigkeit ist die Erfahrung, dass Recherchen den Fragenden – so er denn offen bleibt – oft an ganz andere Orte und zu unerwarteten, neuen Themen führt. So geschehen mit meiner aktuellen und umfangreichen Recherche rund um ein Unternehmen im Landkreis Bodenseekreis, das eine Journalistenkollegin massiv bei deren Arbeit auf Lokalebene behindert. Die Veröffentlichung dieser Story muss noch warten, weil eine Presseauskunft des Landratsamts Bodenseekreis aussteht.

Für die publizistische Lücke dazwischen hat sich dann wohl der Maschinenring Tettnang (MR) entschlossen, einen richtig dicken Klops in dieser Redaktion abzuliefern. Denn im Kontext der oben angedeuteten Recherche und zum Thema Vermittlung von Saisonarbeitskräften hatte ich auch an diese Institution eine Presseanfrage gerichtet.

Dabei rückt der Maschinenring Tettnang nicht zum ersten Mal in den Fokus dieses Blogs – und inzwischen sogar den des Südkurier. Im Kontext mit der Berichterstattung über die Reaktionen der Landwirte auf das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hatte SaSe das Foto eines Protestplakats in Langenargen veröffentlicht (TS91/19), für das der Maschinenring Tettnang verantwortlich zeichnet. Er wird im Impressum der Webseite www.bodensee-bauern.de genannt.

Die Vorkommnisse reihen sich: die Erlebnisse der recherchierenden Kollegin im Bodenseekreis, die subkutan unverschämte Mail des Hubert Hengge, Geschäftsführer des Maschinenrings Tettnang, an mich und die Bauernproteste gegen das Volksbegehren, die inzwischen jedes legale und moralische Maß überschreiten. Sie alle sind meines Erachtens im Zusammenhang zu sehen. Sie haben alle dieselbe Ursache.

Die von mir so sehr geschätzte Kollegin Caty Kuko beim Südkurier hat zu den Bauernprotesten am 23. September 2019 einen imposant kritischen Artikel geschrieben: „Schmutzige Kampagne gegen Bienen-Volksbegehren? Mancher Bauernprotest zielt unter die Gürtellinie“. Lesenswert!

In dem Artikel kommt auch Hubert Hengge in seiner oben genannten Eigenschaft als MR-Geschäftsführer zu Wort. Er verurteilt zwar Aktionen wie „aufgehängte Puppen [und] persönliche Angriffe“, verharmlost diese jedoch als Verfehlungen Einzelner und sucht sie durch die Existenzangst der Landwirte zu rechtfertigen.
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Der Protest der Landwirte gegen das Volksbegehren "Rettet die Bienen" nimmt inzwischen so bedrohliche Formen an, dass sogar der Südkurier kritisch berichtet. Diese theatralische Installation eines Landwirts in Langenargen fällt durch Geschichtsvergessenheit, Geschmacklosigkeit, Melodramatik und Egozentrik auf. Sie wie auch die Details im Südkurier-Artikel geben einen alarmierenden Vorgeschmack darauf, wozu sich Landwirte hinreißen lassen, die ihre Fleischtöpfe bedroht sehen. Hubert Hengge, Geschäftsführer des MR Tettnang jedoch, hat hier Verständnis! Foto: Elke Krieg

Der Protest der Landwirte gegen das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ nimmt inzwischen so bedrohliche Formen an, dass sogar der Südkurier kritisch berichtet. Diese theatralische Installation eines Landwirts in Langenargen fällt durch Geschichtsvergessenheit, Geschmacklosigkeit, Melodramatik und Egozentrik auf. Sie wie auch die Details im Südkurier-Artikel geben einen alarmierenden Vorgeschmack darauf, wozu sich Landwirte hinreißen lassen, die ihre Fleischtöpfe bedroht sehen. Hubert Hengge, Geschäftsführer des MR Tettnang,  jedoch äußert Verständnis für solche Aktionen!
Foto: Elke Krieg

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Imagetechnisch ist Hengge bestimmt ein absoluter Glücksgriff für die Landwirte!

Seine Mail an mich jedoch soll nicht unbeantwortet bleiben. Im Sinne der von mir so hochgehaltenen Transparenz lasse ich die SaSe-Leser gern daran teilhaben:

[Aktualisierung vom 27.09.2019:
Inzwischen und nach der Veröffentlichung dieses Artikels hat mich eine weitere E-Mail von Hubert Hengge erreicht. Darin droht er mir in Reaktion auf diesen offenen Brief rechtliche Schritte an. Des Weiteren fordert er mich auf, von ihm einzeln gelistete angeblich unwahre Tatsachenbehauptungen zu korrigieren.
Dazu jedoch habe ich nur in einem einzigen Punkt Anlass: In der Presseanfrage-Mail an den Maschinenring Tettnang fehlt tatsächlich der sonst bei mir standardmäßig erfolgende Hinweis auf mein Handicap. Das habe ich im Artikel unten entsprechend korrigiert. Ansonsten sehe ich den juristischen Schritten gelassen entgegen. Die SaSe-Leser werden aber über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten.
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Sehr geehrter Herr Hengge,

es fällt mir schwer, mich für Ihre Mail vom 24. September 2019 in Reaktion auf meine Presseanfrage vom 23. September 2019 zu bedanken. Auch wenn die Diktion Ihrer Mail nicht zu kritisieren ist, empfinde ich Ihre in nur scheinbar freundliche Worte gewandte „Einladung“ als Zumutung. Sie beantworten die von mir gestellten Fragen zum Thema nicht bzw. nicht vollständig, behaupten aber trotzdem:

[…] grundsätzlich sind wir natürlich gerne bereit [sic] Fragen mit öffentlichem Interesse zu unserer Arbeit und unserer Organisation zu beantworten.
(Mail Maschinenring Tettnang 24.09.2019 an Redaktion SatireSenf.de in Reaktion auf eine Presseanfrage vom 23.09.2019)

Schade, dass Sie ausgerechnet in meinem Fall von diesem Grundsatz abweichen.

Warum?

Immerhin geben Sie in Ihrer Mail an mich zum Thema Vermittlung von Saisonarbeitskräften an Landwirte, das auf der Webseite der ominösen MR-Doppelkonstruktion von eingetragenem Verein und GmbH überhaupt nicht erwähnt wird, erste Hinweise:

Eine Antwort möchte ich Ihnen auch gleich auf diesem Weg gerne geben.
Als Selbsthilfeorganisation in Form eines eingetragenen Vereins haben wir eine im Vereinsregister eingetragene Satzung, die unsere Aufgaben beschreibt.
Darin ist u.a. [sic] die Vermittlung von Saisonarbeitskräften beschrieben.
(ibid.)

Auch aufschlussreich: Der Maschinenring Tettnang besteht aus einer nicht transparenten Kopplung eines eingetragenen Vereins und einer Maschinenring  Dienstleistungs GmbH Tettnang. Wo genau die Grenze verläuft, lässt sich an den auf der Vereins-/GmbH-Webseite veröffentlichten Informationen nicht bestimmen. Das könnte praktisch sein.

Die von Ihnen ins Feld geführte Satzung etwa kann ich auf der MR-Webseite gar nicht finden – ein klares Transparenzdefizit. Der „Interessierte“ kann noch nicht einmal feststellen, ob es sich um einen gemeinnützigen Verein handelt.

An dieser Stelle erhöbe sich die Frage nach den Gründen für eine solche Undurchschaubarkeit. Aber dezidierte Fragen beantworten Sie ja – zunächst – nicht. Dazu ist der MR Tettnang – anders etwa als Behörden – ja auch nicht verpflichtet. Aber dann lassen Sie es einfach sein und versuchen bitte nicht, der anfragenden Journalistin den Schwarzen Peter durch eine nicht angenommene „Einladung“ zuzuschieben!

Dieser Trick mit den „Einladungen“ aus Ihrer Branche anstelle von Presseauskünften ist bei mir schon einmal gescheitert!

Immerhin gibt Ihre Mail dann doch Aufschluss darüber, wozu man die unklare Trennung zwischen Verein und GmbH nutzen kann: zur Verschiebung von Verantwortlichkeiten.

Für mich persönlich auch überraschend ist die darin eingebettete Information, dass sich ein eingetragener Verein mit der Vermittlung von Saisonarbeitskräften beschäftigen darf. Informationen dazu sind auf die Schnelle gar nicht zu beschaffen. Das Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg kann dazu überhaupt keine Auskunft erteilen. Und auf den mir vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) Freiburg verbindlich zugesagten Rückruf eines Herrn Enders (?) warten mein Telefon und ich immer noch.
Wir beide rechnen aber damit, dass Godot vorher eintreffen wird.

Und schon taucht die nächste Klippe der mannigfaltigen Unklarheiten in dieser verwirrenden Doppelkonstruktion rund um den Maschinenring Tettnang auf: Sie seien der Geschäftsführer der Maschinenring Dienstleistungs GmbH. Wieso sprechen Sie („wir“) für den Verein? Sind Sie ein gewählter Vertreter desselben? Welche Funktion üben Sie dort aus? Sprechen Sie solcherart im Pluralis Auctoris, Pluralis Modestiae oder gar im Pluralis Majestatis?

Fragen über Fragen, die der MR Tettnang nicht beantwortet.

So geht es munter weiter: Im Impressum der MR-Tettnang-Webseite werden weder Sie noch ein anderer Ansprechpartner im Bodenseekreis überhaupt genannt. Stattdessen zeichnet verantwortlich die Maschinenringe Deutschland GmbH mit dem Geschäftsführer Erwin Ballis. Und an den hatte ich meine Presseanfrage auch gerichtet. Die Antwort kam dann aber von Ihnen.

Sind diese komplett verwirrenden Zuständigkeiten über drei verschiedene Körperschaften hinweg beabsichtigt? In der Rubrik „Kontakt“ auf der genannten MR-Homepage wiederum findet sich eine Telefonnummer in Tettnang, zu der aber kein Name angegeben wird.

Was sind denn das für Zustände?

Aber spannen wir die SaSe-Leser nicht noch länger auf die Folter und kommen endlich zu Ihrem unsittlichen Antrag:

Ein [sic] Gepflogenheit in unserer Organisation und in der Landwirtschaft und [sic] Gartenbau ist [sic], mit Interessenten an unserer Arbeit den direktem [sic] und persönlichem [sic] Kontakt zu pflegen.
Gerne lade ich Sie hierzu ein. Da ich mich ab morgen auf einer 3-tägigen Geschäftsreise befinde, unterbreite ich Ihnen folgenden Terminvorschlag:

Dienstag, 1.10.2019 [sic] um 08:30 Uhr in unserer Geschäftsstelle, Hopfengut 26, 88069 Tettnang.
(ibid.)

Ganz nebenbei: Mit dieser Grammatik-Kompetenz betätigen Sie sich als „Hochzeitsredner“? Mutig.

Wenn ich mich bemühe, eine halbwegs vernünftige Erklärung für diese durch nichts, aber auch gar nichts zu begründende „Einladung“ an mich zu finden, komme ich über die Assoziationskette Bodenseekreis – Obstanbau – Erntezeit nur zu dem Verdacht der Trester-Intoxikation?

Geht‘s eigentlich noch?

Zum einen habe ich abgesehen von der beruflich induzierten Recherche keinerlei Interesse an Ihrer Arbeit. Ich bin Journalistin, nicht „Interessentin“. Zum anderen möchte ich mit Ihnen auch bitte keinen direkten und persönlichen Kontakt pflegen (müssen). Schon gar nicht möchte ich mich mit jemandem, der seine persönlichen Vorlieben in heterosexuellen Beziehungen im Internet breittritt und offensichtlich Gefallen an fluchtunfähigen Frauen findet, auf ein Date in Tettnang einlassen.

Man beachte auch das unsittlich gedehnte Zeitfenster: Presseanfrage am 23. September mit avisiertem Redaktionsschluss auf den 25. September 2019. „Einladung“ nach Tettnang jedoch erst zum 1. Oktober 2019.

Wenn ich mich mit jedem Vertreter einer Institution, an die ich eine Presseanfrage richte, vorher zum Tête-à-Tête treffen müsste, könnte ich meine Wohnung aufgeben und meinen Blog schließen. Zum Schreiben käme ich dann nicht mehr.

Warum behindern Sie mich in meiner Arbeit?

Frage: Musste meine Kollegin Katy Cuko vom Südkurier für Ihr Statement im o. g. Artikel in der Causa durchdrehende Landwirte in Reaktion auf das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ auch erst den „persönlichen Kontakt“ mit Ihnen pflegen und morgens um halb neun in Tettnang vorreiten?

[Aktualisierung vom  27.09.2019: An dieser Stelle hatte ich in der Originalversion des Artikels den Vorwurf erhoben, in meiner Presseanfrage-Mail auf mein Handicap hingewiesen zu haben. Das ist bei mir ein standardmäßiger Hinweis in Presseanfragen. Nach Hinweis von Hubert Hengge habe ich festgestellt, dass dieser Hinweis in der betreffenden Presseanfrage an den Maschinenring Tettnang tatsächlich fehlt. Entsprechend wurde ein sich darauf bezogener Absatz an dieser Stelle gelöscht.]

Beweisen kann ich es nicht. Aber ich vermute doch sehr stark, dass Sie eine solche völlig abseitige „Einladung“ einem männlichen Journalisten gegenüber nicht ausgesprochen hätten? Bei SatireSenf.de handelt es sich „nur“ um einen Blog und die Pressefragen stellende Person ist noch dazu eine Frau – da kann man sich dann solche Unverschämtheiten erlauben?

Ihre Wahl.
Meine Reaktion.

Und: Das mit dem Trester würde ich sein lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Karin Burger
Redaktion SatireSenf.de

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