HInfo41: Regionalverband Bodensee-Oberschwaben: Die Sache mit dem Pressetisch

Verbandsversammlung des Regionalverband Bodensee-Oberschwaben (RV BO) am 6. Dezember 2019 in Friedrichshafen. Die Kollegin Elke Krieg war anwesend und hat hier und hier berichtet.

Ich war nicht anwesend. Und schreibe trotzdem. Typisch wieder.

Unter anderem berichtet Krieg – und belegt es mit Foto – ein ziemlich schräges Phänomen: Der Pressetisch habe sich im Rücken der Versammlung befunden.  Ad eins.
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Das ist Presseberichterstattung unter härtesten Bedingungen wie hier bei der Verbandsversammlung des Regionalverband Bodensee-Oberschwaben am 6. Dezember 2019 in Friedrichshafen. Der Pressetisch steht im Rücken der Versammlung, so dass Journalist*innen und Reporter*innen schwer bis gar nicht erkennen können, wer aus der Versammlung spricht oder wie Gesprochenes auf die Versammelten wirkt. Foto: Elke Krieg, Blog AGORA-La

Das ist Presseberichterstattung unter härtesten Bedingungen wie hier bei der Verbandsversammlung des Regionalverband Bodensee-Oberschwaben am 6. Dezember 2019 in Friedrichshafen. Der Pressetisch steht im Rücken der Versammlung, so dass Journalist*innen und Reporter*innen schwer bis gar nicht erkennen können, wer aus der Versammlung spricht oder wie Gesprochenes auf die Versammelten wirkt.
Foto: Elke Krieg, Blog AGORA-La

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Haarsträubend! Wie sollen Journalist*innen und die Reporter*innen der Lokalpresse unter solchen Bedingungen arbeiten? Sie können schwer bis gar nicht erkennen, wer gerade spricht.

Krieg bedankt sich in ihrem Bericht über die RV-BO-Verbandsversammlung bei der freundlichen Kollegin vom Südkurier, die ihr dabei geholfen habe, die Verantwortlichen der Redebeiträge aus der Rückenoptik heraus zu identifizieren.

Überdies habe der Verbandsversammlungsvorsitzende Thomas Kugler (CDU/Bürgermeister von Pfullendorf) die Presse weder summarisch begrüßt noch deren anwesende Vertreter gar namentlich mit Höflichkeit adressiert.  Ad zwei.

Wie bei Rüpels dahoim. Unüblich. Und problematisch. So etwa erschien nach dem Event dieser SchwäZ-Artikel des Kollegen Siegfried Großkopf über die Veranstaltung. Eigenartig, murmelt die Kollegin Krieg, die den Mann vom Sehen her kennt. Bei der wahrhaft überschaubaren Veranstaltung in Friedrichshafen jedoch hatte sie ihn nirgends entdecken können. Hätte der Verbandsvorsitzende Kugler die Presse namentlich begrüßt,  ließe sich dieses publizistische Wunder eher klären. Am Pressetisch jedenfalls saß Großkopf nicht. Und nur dort hätte er hingehört.

Okay. Stand bis der Dinge hierhin: Eine nette Kollegin vom Südkurier, von der wir – also Krieg und ich – bis heute gar keinen Bericht zu diesem Event finden können. Dafür allerdings gibt es einen Artikel in der SchwäZ von einem Kollegen, den Krieg bei der Veranstaltung selbst nirgends gesehen habe.

Dieses Durcheinander erhellt zugleich sehr eindrücklich die tiefe Sinnhaftigkeit von – im günstigsten Fall namentlicher – Pressebegrüßungen durch Veranstaltungsleiter. Das hat auch etwas mit Transparenz zu tun. Im Übrigen sollten Veranstaltungsteilnehmer wissen, ob und welche Presse anwesend ist. Und die Kolleg*innen sollten wissen, von welchen dieser Berichte zu erwarten sind; und von welchen nicht …

Aber es wird SaSe-Leser wenig überraschen, dass Thomas Kugler all das selbstverständlich erklären kann – wenn er dann nach fünf Tagen die Zeit findet, eine entsprechende Presseanfrage zu beantworten. Immerhin: Er hat sie gefunden (im Gegensatz zu).
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Positionierung des Pressetisches mit voller Absicht
Zuerst kommt heraus: Der Pressetisch im Rücken der Versammlung war volle Absicht. Und zwar: Informationsabsicht. Und wer das nicht glauben möchte, der lese die erstaunliche Erklärung selbst:

Der Pressetisch wird bei uns immer so aufgestellt, dass die dort Sitzenden die üblicherweise an die Wand projizierten Karten und Texte hinter der Verwaltungsbank gut einsehen können.
Im Übrigen haben die meisten Redner aus der Verbandsversammlung vorne am Rednerpult gesprochen, so dass Blickkontakt von Angesicht zu Angesicht gegeben war.
(Presseauskunft des RV-BO-Verbandsvorsitzenden Thomas Kugler am 13.12.2019 per Mail an diese Redaktion)

Ich persönlich bin ja davon überzeugt: Den „Karrieresprung“ vom Bürgermeister-Amt in Sauldorf (ein Kaff, das außerhalb desselben ohnehin kein Mensch kennt!) auf den Bürgermeister-Sessel in Pfullendorf kann ohnehin nur derjenige schaffen, der noch die abseitigsten Phänomene halbwegs glaubwürdig als vollkommen normal und logisch darstellen kann.
Und diese pfiffige Erklärung Kuglers ändert auch nichts daran, dass ich seinerzeit wohl nicht die einzige Bürgerin von Sauldorf war, die scheißfroh über diesen Hops war.

Was für eine skurrile Darstellung!  In jeder zweiten Gemeinderatssitzung werden heutzutage Bebauungs- und alle möglichen anderen Pläne projizierend an die Wand geworfen. Nicht zuletzt deshalb haben Räume in vielen Fällen vier Seiten. Das ermöglicht es unter anderem, Pressetische so zu positionieren, dass dort Sitzende sowohl (!) den Versammlungsteilnehmern ins Gesicht blicken als auch (!) bildhafte Wandwürfe wahrnehmen können.
Man spricht in diesem Kontext häufig vom multifunktional positionierten Pressemöbel.
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Bekanntes Dilemma: Sie sagt nein, er sagt ja
Aber die fünf Tage zwischen Presseanfrage und -antwort (7 Sätze!) haben sich noch in anderer Hinsicht gelohnt. Denn Kugler widerspricht aufrecht der Unhöflichkeitsbehauptung von Elke Krieg, die Presse sei weder summarisch noch namentlich begrüßt worden:

Die Presse wurde begrüßt. Im Gegensatz zu Frau Fritz vom Südkurier hat sich Frau Krieg vor der Sitzung bei mir nicht vorgestellt, so dass ich Sie auch nicht persönlich begrüßen konnte.
(ibid.)

Aua! Das tut richtig weh.  Denn offensichtlich kommunizieren die einzelnen Funktionäre des RV BO nicht untereinander? Ich glaube nicht, dass Elke Krieg es noch wagen würde, mir unter die Kolleginnen-Augen zu treten, würde sie sich eines solchen professionellen Fehltritts schuldig machen? Selbstverständlich hatte Krieg sich vorgestellt – allerdings „nur“ bei dem stellvertretenden RV-BO-Verbandsvorsitzenden Dipl.-Biol. Dipl.-Ing. Harald Winkelhausen. Die beiden kennen sich aus Langenargen.
Die Presseanfrage an Winkelhausen, ob er nur in diesem Fall mit seinem vorgesetzten Vorsitzenden nicht redet oder grundsätzlich nicht, habe ich mir ge- und erspart.

Aber meine Rede: Sprich mit Fritz und nicht mit Fritzchen! Bei der in unserer Region grassierenden Ehrenkäsigkeit belegt dieser Fall, wie grandios das Vertrauen in das zwischenmenschliche Funktionieren von Fritzchen in die Hose gehen kann.
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Bürgermeisterliche Genialität kompensiert tölpelhaftes Presseverhalten
Aber Kugler hat noch mehr zu bieten:

Um nun nicht nur Frau Fritz mit Namen und die mir unbekannte Frau als unbekannte Person zu bezeichnen, habe ich die pauschale Begrüßung der anwesenden Pressevertreter gewählt.
(ibid.)

Heißt: Krieg hat den armen Mann (mit ihrem unbegründeten Vertrauen in Fritzchen) in schlimmste Nöte manövriert? Aber das ist pure Spekulation.

Keine Spekulation dagegen ist es festzustellen, dass Kugler solche subtilen interkommunikativen Höchstleistungen wie das Herantreten an den Pressetisch und das – gegebenenfalls leicht herablassende – Nachfragen „Und wer sind Sie denn?“ nicht zur Verfügung stehen.

Schlimm. Schlimm. Schlimm.
Eröffnet aber völlig neue Möglichkeiten im Bereich der Bürgermeister-Fortbildung. Ich könnte da Kurse anbieten?
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Klärung des Großkopf-Phänomens
Auch dem letzten Geheimnis dieser rückenstarken Veranstaltung zerrt Kugler gnadenlos die Maske vom Gesicht:

Herr Großkopf (den wir in der Verbandsverwaltung von vielen Sitzungen kennen) kam verspätet und hat in den Zuschauerreihen Platz genommen, um von dort aus besser Bilder machen zu können.
(ibid.)

Das aus dieser folgenreichen Unorthodoxie entstandene Foto des Undercover-Kollegen Siegfried Großkopf allerdings lege ich den SaSe-Lesern wärmstens ans Herz. Bürger dieser Region: Schaut in Frankes Gesicht und erkennt … dass ihr die drei Landkreis Bodenseekreis, Sigmaringen und Ravensburg final abschreiben könnt.
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Kugler bleibt ulkig bis zum Schluss
… seiner Presseantwort, wenn er dann noch schreibt:

Presseberichterstattung ist uns wichtig, deshalb laden wir nicht nur die jeweiligen Lokalredaktionen an dem Ort ein [sic] wo wir tagen, sondern darüber hinaus nach einem deutlich größeren Verteiler. Trotzdem kommt es vor, dass im Einzelfall niemand von der Presse erscheint.
(ibid.)

Jau: „Presseberichterstattung ist uns wichtig.“ Der war gut!

Übrigens: Obwohl ich schon eine spektakuläre Presseanfrage an den RV BO gerichtet hatte und hier auch für überregionale Berichterstattung über den RV BO gesorgt hatte, habe ich keine Einladung zu der Verbandsversammlung erhalten. Schnief.

Zur mangelnden Resonanz der Presse hinsichtlich ins Leere schlappender Einladungen wäre mein brandheißer Tipp an den RV BO: Versuchen Sie es doch einmal mit einem Pressetisch an einem Ort im Raum, von dem aus Presse auch arbeiten kann. Navigationshilfe: Ein Raum, der hat (oft) vier (4) Wände.

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