SaSe65: Die ernste Kritik auf „Die Achse des Guten“ an der „heute-show“

Es ist ein gut argumentierter Leserkommentar auf dem von Dirk Maxeiner geführten Blog Die Achse des Guten, dessen prominentester Autor Henryk M. Broder ist. Anhand der heute-show vom 20. November 2015 warnt der Kommentator Ulli Kulke vor der Spaltung der Gesellschaft – durch Satire. Kritisiert wird der Einspieler mit Ralf Kabelka auf der Berliner AfD-Demo (siehe SaSe61 und Videos dort) und ganz explizit die von dem Satiriker getätigten Äußerungen.

Dazu greift der Autor eine konkrete und dokumentierte Szene auf:

In dem Zusammenhang sind zwei Sätze schon bemerkenswert, die Kabelka laut und deutlich ins Mikrofon sagte, die aber in der Berichterstattung völlig untergingen (warum eigentlich?). Die Demonstration war – wie üblich – von mehreren Gegendemonstrationen begleitet worden. Darauf wies ihn ein AfDler hin, und rang dem Heute-Show-Mann auf Antrag doch tatsächlich diesen Satz, quasi als erbetenes Bekenntnis, ab: „Da hinten sind welche, die sind gewalttätig und intolerant, weil sie euch ein paar auf die Fresse hauen wollen“. Ohne Unterbrechung und ungebeten fügte Kabelka nun aber hinzu: „Und ich finde, die Jungs haben Recht“. Nachzuhören etwa bei Minute 34:40 im Heute-Show-Beitrag.
Diese Sätze fanden übrigens tosenden Beifall beim Publikum der Heute-Show. Das ist nicht nur bemerkenswert, das ist beängstigend. „Ein paar auf die Fresse“, jawoll. Selten so gelacht. Das ist Satire.
(Die Achse des Guten, Leserkommentar: „Der neue Volkssport: AfD provozieren“; Hervorheb. SaSe)


Diskussion dieser Kritik wäre wünschenswert

Die Kritik ist substanziell. Die zitierte Äußerung Kabelkas war mir nicht aufgefallen. Damit stehe ich nicht allein, denn in der Berichterstattung der Zeitungen und Blogs kommt sie auch nicht vor: stern + HuffPo + Schlecky Silberstein. Die Blogrebellen bezeichnen den Auftritt als „ein Meisterstück des Konfrontationstheaters“.

Wenn Kulke in seinem Kommentar fragt: „Warum eigentlich?“ (… diese Äußerungen in der Berichterstattung nicht vorkommen), wäre meine Antwort: Weil die aggressive Stimmung der AfD-Demonstranten alles andere in den Hintergrund drängt? Diese Antwort erklärt zwar das Manko, rechtfertigt es aber nicht.

Tatsache ist – und das kann in keinem Fall das Ziel von Satire sein -, dass diese problematische und gewalttolerante Äußerung von Kabelke inzwischen vom politischen Gegner instrumentalisiert wird. Das No-Go-Portal Politically Incorrect titelt am 22. November 2015: „Ralf Kabelka befürwortet Gewalt gegen AfD“.

Aber ich habe ohnehin und völlig unabhängig von der hier vorliegenden politischen Brisanz ein Problem mit dem Vorgehen von Satirikern, auf öffentlichen Veranstaltungen zu erscheinen und die Menschen dort unvorbereitet und überfallartig bloßzustellen. Wer von den „Befragten“ nicht besonders schlagfertig ist, verliert vor den laufenden Kameras von heute-show und extra3 immer. Die Aktionen von Ralf Kabelka und Lutz van der Horst mögen den Publikumsgeschmack bedienen; ob sie mit Satire etwas zu tun haben, bezweifele ich (schon länger).

Damit sind wir wieder beim Stichwort „populistisches Kabarett/populistische Satire“. Der möglicherweise berechtigten Kritik an Kabelka steht aber mächtig die in den Videos gut dokumentierte extrem aggressive Stimmung der Demonstrationsteilnehmer gegenüber.

Es wäre erfreulich, wenn der Gesamtvorgang (Eskalation Auftritt Ralf Kabelka / heute-show auf der Berline AfD-Demo sowie obige Kritik) zu einer kritischen Diskussion innerhalb der Satireszene führen würde. Denn sie zieht schon weitere Kreise. Bei der Diskussion wäre die zitierte und meiner Meinung nach inakzeptable Äußerung Kabelkas nur ein TOP. Gern wüsste ich auch von den Verantwortlichen, wo das satirische Potenzial solcher Beiträge genau liegt. Und vielleicht lohnt sich der selbstkritische Blick auf die Satire-Zunft unter dem Aspekt, inwieweit auch hier das Personal und das politische und mediale Sympathisantenumfeld zu ritualisierten Reaktionen neigt. Meinereiner inklusive!

Ein (beim Start nicht erwartetes) Nebenergebnis dieses Blogs ist aber auch die Erkenntnis, dass zumindest einige Satiriker und Kabarettisten mit Kritik nicht umgehen können und sich einer kritischen Diskussion und heiklen Fragen mit allen Mitteln verweigern. In den meisten Fällen wird sie (Kritik) gar nicht erst aufgegriffen.

Eine passende Internetadresse für diese Diskussion wäre zum Beispiel der FB-Account von D(d)enkfunk (vgl. auch HInfo6), wo sehr viele Satiriker und Kabarettisten versammelt sind. Dort allerdings ist man im Moment mit der Vorbereitung des Denkfunk-Festivals für Abonnenten der PatchworX Media GmbH (HInfo1, HInfo2) am 28. November 2015 beschäftigt; also mit einer pur gewerblichen Veranstaltung! Und nicht mit Gesellschafts- und Politikkritik.

Bis zum Redaktionsschluss dieses Artikels kann ich weder auf dem Facebook-Account der heute-show noch sonst auf den einschlägigen Seiten eine Diskussion der oben zitierten Kritik finden? Wenn diese tatsächlich ausbleiben sollte, dann entzieht sich die „Satire“ der heute-show der Existenzberechtigung. Die Zuschauer dürfen erwarten, dass sie sich den Diskussionen stellt, die sie anstößt, wenn sie wie im vorliegenden Fall selbstreferentiell sind. Bleibt die Diskussion und Reaktion aus, dann geht es tatsächlich nur noch um Schenkelklopfer, Einschaltquoten und Unterhaltung.

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