SaSe66: Satire in „Grünheide-TV“ und ein CDU-Politiker, der zu spät auf seine Gattin hört

Der „Fall“ hatte eigentlich ganz harmlos angefangen. Aufgrund dieses Artikels in der Märkischen Online-Zeitung begann ich zu recherchieren. Inzwischen wächst sich der Vorgang allerdings zu einer Skurrilität aus, die einen Sendeplatz in der Reihe „Irrsinn der Woche“ bei extra3 verdient hätte.


Grünheider CDU-Fraktionsvorsitzender zieht Interview zurück
Zur Skurrilität trägt maßgeblich bei, dass einer der Protagonisten der nachstehend zu berichtenden Provinzposse in Brandenburg, der CDU-Fraktionsvorsitzende Joachim Wagner, der SaSe-Redaktion telefonisch untersagt, die ihr wenige Minuten zuvor telefonisch erteilten Angaben und Auskünfte zum Vorgang zu veröffentlichen. Diese von Joachim Wagner erteilten Auskünfte waren samt und sonders völlig harmlos und tragen lediglich zum Verständnis der gesamten Angelegenheit bei.
Wenn SaSe-Leser jetzt auf dieses Verständnis verzichten müssen, wenden sie sich bitte an die CDU Grünheide!

Da der Vorgang selbst inzwischen schon massive juristische Auswirkungen hat, wird sich SaSe – ohne Anerkenntnis einer Rechtspflicht – der „Weisung“ des CDU-Fraktionsvorsitzenden Joachim Wagner fügen und sämtliche Zitate von ihm nicht veröffentlichen. Die im Gespräch mit Wagner gewonnenen Informationen sind von diesem archaischen Verdikt allerdings und presserechtlich abgesegnet nicht betroffen.
SaSe-Leser werden jedoch gebeten, das durch das Veröffentlichungsverbot dokumentierte Verständnis von Pressefreiheit der CDU Grünheide zur Kenntnis zu nehmen!

Hätte Herr Wagner doch nur auf seine Ehefrau gehört! Die nämlich hatte die Verständigung während des gesamten Interviews mit ihm durch permanente „Zwischenrufe“ und Anweisungen aus dem Hintergrund erschwert und ihrem Mann in schrillen Tönen mehrfach untersagt, Auskunft zu erteilen. Diese Interferenzen waren so massiv, dass ich im Ersttelefonat den Antrag stellte, ob die offensichtlich uneinigen Ehepartner vielleicht nacheinander sprechen könnten, damit ich überhaupt irgendetwas verstehe. Akkustisch.

Das kommt davon, wenn man nicht auf Mutti hört. Jetzt hamma den Salat!


Wo die Heide wackelt
Grünheide ist eine Gemeinde im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Dort sendet ein Bürgerfernsehen – Grünheide TV – mit Erfolg. Gegen dieses TV-Projekt aber, so lernte ich (zunächst nur) aus dem Artikel der Märkischen Online-Zeitung, formiert sich Widerstand: ein vom örtlichen CDU-Fraktionsvorsitzenden Joachim Wagner „unterstütztes“ Bürgerbegehren.

Ohne die Interpretationshilfe von Frau Wagner könnte man geneigt sein, das eigenartig zu finden. Mit ihr verbietet sich das von selbst.

Was dem MOZ-Artikel nicht zu entnehmen ist, für das Verständnis aber wichtig: Die Gemeinde Grünheide unterstützt dieses besondere Bürgerprojekt Grünheide TV finanziell mit 100.000 Euro. Dafür gibt es auch einen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss. Diese Information ist unverzichtbar, um das Bürgerbegehren gegen das Bürgerfernsehen korrekt einordnen zu können. Wenn uns das Ehepaar Wagner (oder Teile davon) dafür schon nicht zur Verfügung steht!

Aufgrund von recherchierten Informationen, die im Zitat zu verwenden mir leider von dem Grünheider CDU-Fraktionsvorsitzenden Wagner nachträglich und mutmaßlich nach massiver Intervention seiner Gattin untersagt wurden, die aber auch aus anderen Quellen und schierer verwaltungsrechtlicher Logik verfügbar sind, richtet sich das Bürgerbegehren also nicht direkt gegen Grünheide TV selbst und an sich, sondern gegen den Gemeinderatsbeschluss zugunsten der finanziellen Unterstützung des Senders.

Um das herauszukriegen, braucht man weder Joachim Wagner noch die NSA!


Legitime Reaktion: Satire

Also: Bürgerbegehren gegen das Bürgerfernsehen Grünheide TV, zu dem sich die Gemeinde schon mit oben genanntem Gemeinderatsbeschluss bekannt hatte.

Auf dieses Bürgerbegehren hatte der Betreiber von Grünheide TV, Beppo Küster, mit einer Satire reagiert (siehe Video Nr. 3; gleich der erste Beitrag).

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Dabei hatte er den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat, Joachim Wagner, mit einem Balken im Gesicht „anonymisiert“. Diesen Balken“ kann man auch als Brett (vor dem Kopf) interpretieren. „Mein lieber dicker Joe“ ist eine in der und für die Satire erfundene Kunstfigur.

Zum „besonderen“ Zeitpunkt des Bürgerbegehrens gegen Grünheide TV meditiert Beppo Küster auch hier.


Jetzt brennt die grüne Heide!
Wagner sei, so formuliert es die Märkische Online-Zeitung, der „Protagonist“ des Bürgerbegehrens. Was Joachim Wagner selbst dazu sagt, darf ich – siehe oben – leider nicht berichten, obwohl es vollkommen harmlos ist und eher für den „Protagonisten“ spricht, den Sachverhalt klärt, Hintergründe offenlegt.

Allerdings hat der, das geben weitere Internetrecherchen her, ohnehin und trotz seiner phonstarken Frau nicht so wahnsinnig viel Gewicht im Gemeinderat. Denn in Grünheide verfügt die CDU lediglich über zwei Sitze; die SPD sechs, die Linke drei (Quelle). Auch die AfD ist in diesem Gemeinderat vertreten. Ausrufezeichen.

In der ursprünglichen Version dieses Artikels kamen an dieser Stelle die Statements Wagners zu der verleumderischen Wucht der Grünheide-TV-Satire, der der Gekränkte sogar Straftatbestände anmisst, die nachgerade verblüffen: Internetmobbing!

Eine Information, die SaSe aber veröffentlicht, ist die, dass der CDU-Politiker den gesamten Vorgang hinsichtlich der Satire und mithin über seine strafrechtliche Anzeige gegen Beppo Küster hinaus der Rechtsabteilung der CDU übergeben habe. Da dürfte es dann spannend sein, ob diese ergänzend zum strafrechtlichen Weg weitere, vornehmlich zivilrechtliche Maßnahmen ergreift. Barbara Streisand stehe ihm bei!


SatireSenf

Das war zunächst nur ein interessanter, jetzt aber doch recht unterhaltsamer Vorgang, der weitere Berichterstattung verdient. Nach meiner Einschätzung (von außen) – und auch möglicherweise im Dissenz zu Frau Wagner – ist der Streit um die Satire und deren Grenzen nur ein Nebenkriegsschauplatz, der den Vorgang allerdings mit Fun-Faktor eskaliert. Im Kern steht das Bürgerbegehren gegen ein Bürgerfernsehen, zu dem sich die Gemeinde mit einem Beschluss und entsprechender finanzielle Förderung bekannt hat. Die Gemeinde selbst habe, so weiß die MOZ, den Vorgang ihrerseits an einen Potsdamer Rechtsanwalt weitergeleitet.


Verriet ein Whistleblower Wagners Telefonnummer?
Richtigen Drive kriegt die Chose erst durch das inkonsistente Verhalten des CDU-Politikers, der zunächst und im offenen Widerstand zu den deutlich artikulierten Weisungen seiner Ehefrau dieser Redaktion einige Erklärungen und Erläuterungen gegeben hatte, kurz darauf aber die Erlaubnis zur Veröffentlichung widerrief. Sein Misstrauen eventuell genährt haben könnte, so mein ganz persönlicher Eindruck aus dem zweiten Telefonat und mithin keine Tatsachenbehauptung, auch die Idee der Verletzung des Datenschutzes. Denn der CDU-Fraktionsvorsitzende Joachim Wagner zeigte sich im zweiten Telefonat verblüfft darüber, dass ich seine Telefonnummer herausbekommen hatte. Wagner bezweifelt, dass dies über Internet und in dem Nix hinter Nullkomma möglich ist. Er wähnt, so meine Interpretation seiner diesbezüglichen Äußerungen, der brisante Datensatz sei von einem von ihm sogar namentlich benannten und beschuldigten Buben – doch nicht gar ein „Whistleblower“? – „verraten“ worden.

Nein, extra3, diese Story hat SaSe im Sack!
Und meine Leser werden bis hierhin hoffentlich nicht schon wieder die agierende Partei vergessen haben? Heideblitz, es ist die CDU Grünheide!

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