SaSe80: Auf Bitte von Barbara Streisand: Bundesgesundheitsminister mahnt Satire zu Wallraff-Doku ab!

[satirisch notiert]

Wohl kaum ein Mensch hat so viel für die Pressefreiheit auf der Welt getan wie Barbara Streisand. Deshalb kann sich diese Redaktion der Bitte der bekannten Schauspielerin nicht entziehen, folgendem Vorgang etwas mehr Internetpräsenz und Suchmaschinen-Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Grundlage ist der diese Woche bei RTL ausgestrahlte Beitrag von Günter Wallraff und seinem Team über die katastrophalen Missstände in deutschen Krankenhäusern. Daraufhin hatte die Journalisten- und Whistleblower-Plattform Nachrichten heute eine satirische Antwort von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe an „Herrn Berufsaufdecker Günter Wallraff & Mitarbeiter c/o RTL“ formuliert.

Der Text ist als Satire klar erkennbar und auf dem Portal auch in der ordnungsgemäß so bezeichneten Satire-Rubrik zu finden. Auch inhaltlich sowie durch die gesetzten Links ist der angebliche Brief des Ministers an das Team Wallraff zweifelsfrei als die verfremdende, freilich allerdings intellektuell etwas anspruchsvollere Kunstform zu identifizieren. Der Adressat Wallraff ist mit seinem Wikipedia-Eintrag verlinkt. Auf den inkriminierten Fernsehbeitrag wird mit Verlinkung auf die Berichterstattung in Die Welt Bezug genommen.

Der Satire-Charakter des fiktiven Briefes verkündet sich auch mit diesen schrillen Signalen:

Ihre Reporterin Pia Osterhaus hat offenbar gar nicht verstanden, dass sich das gesamte Gesundheitswesen in einer Modernisierungs-Umbauphase befindet, also einer Baustelle gleicht, bei der, wie bei jeder Baumassnahme [sic!], es auch einmal zur Staubentwicklung kommen kann.
(Nachrichten heute, Rubrik „Satire“, 13.01.2016: „Gesundheitsminister Hermann Gröhe antwortet Berufsaufdecker Günter Wallraff„)

Oder so: „Mit anderen Worten: Weniger Betten bedeutet automatisch weniger Kranke“ (ibid.).

Fazit: Da wird selbst der oberste Zensor der Republik, unser aller Buski, dann so seine Mühe haben mit der juristischen Argumentation  …


Gröhe will Satire löschen lassen
Daraufhin erhielt der verantwortliche Redakteur von Nachrichten heute am 15. Januar 2016 eine E-Mail aus dem Bundesgesundheitsministerium, in der das Portal dazu aufgefordert wird, „die Falschaussage von Herrn Minister Hermann Gröhe“ von der Internetseite zu entfernen. „Falschaussage“!
Ein für die Illustration des Beitrags verwendetes Konterfei des Ministers wurde ebenfalls zur Entfernung angemahnt.

Der Herausgeber Dr. Alexander von Paleske, Arzt für Innere Medizin und Hämatologie in Zimbabwe und praktischerweise zeitgleich Ex-Rechtsanwalt, lässt sich allerdings von dieser informellen Abmahnung (keine Fristsetzung, keine Ankündigung weitergehender rechtlicher Schritte, keine Benennung der inkriminierten Textstellen etc. – ergo weder form- noch fristgerecht) nicht einschüchtern. In seiner schriftlichen Antwort an das Ministerium weist er auf die Kunstfreiheit nach Grundgesetz hin.
Es erscheint dem Betrachter von außen  durchaus nicht als redundant, ein Bundesministerium an die verfassungsmäßigen Grundrechte zu erinnern …


Die Bastion der Pressefreiheit „DIE ZEIT“

Überdies ist von Paleske krampferprobt, denn 2010 hatte er einem ähnlichen Begehren von ZEIT-Herausgeber Josef Joffe in Reaktion auf eine Satire ebenfalls eine Abfuhr erteilt. Der klagefreudige Joffe (remember: einstweilige Verfügung gegen die Kabarettsendung Die Anstalt 2015) hatte dazu auch gleich einen Anwalt mandatiert. Auch diesen Vorstoß hatte von Paleske souverän abgeschmettert und den Vorgang anlässlich des Joffe-Zoffs mit dem ZDF 2014 noch einmal thematisiert.

Allerdings ist diese Angelegenheit (ZEIT gegen Die Anstalt) dann leider für die Satire-Fraktion am langen Ende nachteilig ausgegangen! Diese Aktualisierung fehlt auf der Nachrichten-heute-Seite.

Hinweis: Ich habe mich mit dem Herausgeber von Nachrichten heute in Verbindung gesetzt. Eine Antwort liegt noch nicht vor. SaSe wird gern weiter über den Vorgang berichten!

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