Tag Archiv:Carsten van Ryssen

TS32/16: Gute Zeiten, schlechte Seiten der „heute-show“ und anderes

+++ DIE PARTEI: Ende der Satire in Hessen?
Irgendwie auch wieder beruhigend, dass selbst eine Satire-Partei in die bekannten Fahrwasser gerät. Till Hahn schreibt auf Der Freitag: „In Darmstadt wird Martin Sonneborns PARTEI von rechts gekapert“. Offensichtlich haben sich in die Spaß-Partei Personen eingeschlichen, die man dort absolut nicht haben will, jetzt aber nicht wieder so einfach los wird. Inzwischen drohen die parteilichen Satiriker sogar schon mit der juristischen Keule:

Auch wenn der Ortsverband auf Facebook betont, nicht rechtsradikal zu sein, der Fall zeigt ein tieferes Problem der PARTEI. Durch die Beliebigkeit ihrer Programme und die von ihnen gepflegte Möglichkeit, sich im Zweifel immer auf den Satire-Anspruch zurückzuziehen, haben sie sich offenbar auch für die Vertreter absurder Verschwörungstheorien attraktiv gemacht. Die Frage ist also, ob man, wenn man nichts ernst meint, noch in der Lage ist, sich ernsthaft von etwas abzugrenzen. Der Landesverbandsvorsitzende Christian Scheef jedenfalls sagt weiterhin: „Wir haben eine klare Trennlinie zum rechten Rand (…) Das geht bis zum Parteiausschluss. Da hört’s dann auf mit der Satire, da fängt das Juristische an.“
(Till Hahn auf Der Freitag 04.03.16: „Meinen die das etwa ernst? Nicht In Berlin In Darmstadt wird Martin Sonneborns Partei von rechts gekapert“)

Die Frankfurter Neue Presse konstatiert ebenfalls: „Schluss mit lustig“.


+++ Interview mit „Die Tagespresse“
Der Satireblog Die Tagespresse ist Österreichs erfolgreichstes Satire-Onlinemagazin. Im Interview erklärt der Herausgeber Fritz Jergitsch den Werdegang des Blogs – ohne dabei jede Antwort, wie leider bei vielen Satirikern üblich, zu einer haha-lustigen Pointe zu verformen. Weiterlesen

TS31/15: extra3-Klopp-Prolo-Song + Was die heute-show nicht zeigt + 2 x „Charlie Hebdo“

+++ extra3: "Jürgen Klopp ist voll der Prolo"
Themensensibilität und gutes Timing der Satiriker von extra3 sorgten in der Vergangenheit schon für fetzige Hits. Anlässlich der Rücktrittserklärung von Jürgen Klopp, dem Trainer des Bundesligavereins Borussia Dortmund, präsentiert extra3 den Song "Jürgen Klopp ist voll der Prolo". MIt Unterstützung entsprechender Berichterstattung (hier) hat der Hit in wenigen Tagen auf YouTube knapp 200.000 Klicks, auf Facebook über 800.000 Klicks generiert!


+++ Was die "heute-show" nicht zeigt
Die Außenreporter-Produktionen nicht nur der heute-show, auch anderer Satireformate, die darauf abzielen, Gesprächs- und Interviewpartner, politische und sonstige Prominenz auf irgendwelchen Veranstaltungen, Messen, Konferenzen mit überfallartigen, satirisch klebrigen Fragen bloßzustellen, sind nach diesseitiger Auffassung manchmal mehr als grenzwertig. Die zweifelhaften „Erfolge“ dieser Überfälle  werden offensichtlich auch nur dann ausgestrahlt, wenn die Opfer vorgeführt werden können. Das ist dem heute-show-Außenreporter Carsten van Ryssen bei der Bundeswehr und einem Manöver der Saarland-Brigade in Ernsdorf wohl nicht gelungen, wie die Saabrücker Zeitung meldet. Der Kommandeur Oberst Stefan Geilen habe dem satirischen Fallensteller professionell geantwortet und sich nicht provozieren lassen. Eine der durchaus witzigen Fragen war die, ob die Bundeswehr den ADAC rufe, wenn ein Fahrzeug liegen bleibe. Der entsprechende heute-show-Beitrag sei erst aus Aktualitätsgründen etc. nicht ausgestrahlt und schließlich ganz aus dem Programm genommen worden.


+++ "Charlie-Hebdo"-Chef kritisiert(e) Medien
Der Chefdredakteur der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo, Stéphane Charbonnier,  hatte bis zu seiner Ermordung durch islamistische Terroristen im Januar 2015 an einem Buch geschrieben, in dem er die Medien scharf kritisiert (Quelle). Er nehme dabei auch explizit Bezug auf die Mohammed-Karikaturen. Diese hätten nie allen Moslems gegolten. „Charb“ kritisiere die Medienberichterstattung über seine Zeichnungen.  Die französische Zeitschrift Nouvelle Observateur veröffentlichte jetzt erste Auszüge des Buchs.


+++ Charlie Hebdo in der Krise
Das zumindest behauptet der Südkurier in einem aktuellen Artikel. Mitarbeiter forderten mehr Mitspracherecht und eine gerechtere Aufteilung des Kapitals. Das hat seit Januar 2015 durch Spenden und Verkäufe einen enormen Zufluss bekommen und betrage jetzt 30 Millionen Euro. Damit immerhin sei der zunächst drohende Bankrott abgewendet. Die Eltern des ermordeten Chefredakteurs halten 40 Prozent der Anteile, wie dem Bericht zu entnehmen ist. Die Redaktion des Satireblatts arbeite immer noch in den Räumen der Zeitung Libération, die den Kollegen sofort nach dem Anschlag Asyl gewährt hatte.


+++ Bei der Geldpolitik der EZB handele es sich um Satire
Die Realsatire der aktuellen Geld- und Finanzwirtschaft hole inzwischen die Satire ein. So kommentiert Bernd Wittkowski, Mitglied der Chefredaktion der Börsen-Zeitung,  auf Finanzen.net und  news02elf den Negativzins: "bekloppt". Bisher hätten alle davon ausgehen müssen, dass die Geldpolitik der EZB Satire sei. Jetzt wisse man, dass es sich um real existierenden Surrealismus handele.

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