Tag Archiv:Christine Prayon

TS16/18: „Die Anstalt“: Eine ganze Sendung zur fatalen Mega-Stall-Ideologie

Die Macher der ZDF-Kabarettsendung Die Anstalt haben besonders 2015 und 2016 auf diesem Blog viel Kritik zu lesen bekommen. Es hat eher nichts mit SaSe zu tun, aber viele der von mir früher kritisierten Phänomene – insbesondere die ätzende Moralisierer-Attitüde oder etwa auch das Ken-Jebsen-Gedächtsnis-Kabarett  – haben sich inzwischen erledigt; ebenso wie dieser gruselige Denkfunk!

Zwar komme ich über die entblößenden Mails von Max Uthoff immer noch nicht hinweg, aber die Sendung selbst erreicht von Ausstrahlung zu Ausstrahlung neue Höhepunkte satirischer Kunst; etwa die Folge vom 20. November 2018.

Wie gespuckt passend auf das SaSe-Thema 1.000-Kühe-Stall in Ostrach (inklusive des deprimierenden Ausgangs des Petitionsverfahrens im Landtag Baden-Württemberg) beschäftigten sich die Satiriker von Die Anstalt am 18. Dezember 2018 mit dem Ernährungskosmos und der planetenverzehrenden Ideologie der Massentierhaltung. Weiterlesen

TS68/16: Plagiatoren, Bescheidene, Großverdiener und Entglaubwürdigte der Satire-Szene

+++ Kurt Krömer: Die Plagiatoren unter den Komikern
Oliver Pocher
, Bülent Ceylan, Giovanni Zarella und Jan Leyk sollen Witze klauen. Schreibt Meedia und bezieht sich dabei auf den Komiker Kurt Krömer, der diesen Ideenklau entdeckt hat. In einem humorigen Brief „vom Bundesamt für Witzeverwaltung“ konfrontiert er die Plagiatoren mit dem Vorwurf – und verwendet dabei eine weiteren satirischen Dreh (er schreibt sich selbst an). Von der Technik her bemerkenswert!


+++ Interview mit Christian Ehring
Satire erregt inzwischen sogar die Aufmerksamkeit von Portalen wie finanzen.net. Dort findet sich ein Interview mit Christian Ehring, dem – dem Interview, nicht Ehring – zuvorderst anzuloben ist, dass es erneut den Fokus auf den Anfang der ganzen vermaledeiten Böhmermann-Affäre richtet: den vom „Irren vom Bosporus“ (Diktum Martin Sonneborn) nicht goutierte extra3-Satire in Liedform. Ehring gibt darin an, Böhmermann nicht gram sein zu wollen für die gestohlene Show. Er sei trotz seines Fernsehjobs „ein öffentlichkeitsscheuer Mensch“; Medienhypes seien ihm zuwider. Die extra3-Redaktion bezeichnet er – sympathisch – als „bodenständige Satire-Manufaktur“. Weiterlesen

TS38/16: Die AfD und die irrelevanten anderen Themen

+++ Vermeintlicher AfD-Tweet droht mit Absetzung der „heute-show“
Die Aufregung sei groß, behauptet die HuffPo, die gesicherten Fakten dahinter lassen sich auf Teppichkantenhöhe zusammenkehren: Auf Twitter droht(e) ein angeblicher Landesverband AfD-Bremen-Nord der heute-show aufgrund ihres (phantastischen Einspielers) mit Christine Prayon und Oliver Welke zum AfD-Programmentwurf (vgl. TS37/16): „macht euch ruhig lustig über uns … eure sendung setzen wir als 1. ab“. Der Landesverband AfD Bremen hat sich von dem Tweet distanziert: „wir weisen darauf hin, dass die AfD Bremen – Nord Seite auf Twitter KEINE offizielle Seite des LV Bremen ist“.
Weitere Berichterstattung: Tagesspiegel + Spiegel online + DWDL + Weser-Kurier.


+++ „Wirtschaftsglosse“ im „Manager-Magazin“
Auch die Hohepriester der Wirtschaftswissenschaften-Religion (herrlich skizziert in Horst Evers Alles außer irdisch!) kommen nicht ohne Satire aus. Das beruhigt. Eva Müller setzt sich im Manager-Magazin in der „Wirtschaftsglosse“ Mein Handy stalkt mich mit den belastenden Segnungen moderner Vernetzung als Opfer individualisierter, durch vorherigen Datenabgriff erst ermöglichter Werbung auseinander.
Senf: Man lacht über die Pointen natürlich weitaus authentischer aus einer Lebensform heraus ohne Smartphone … Weiterlesen

TS146/15: Linkshumorlos + Unterscheidung + Heiko Sakurai + „Kristallnachtsmärkte“ + Cat-Content

+++ Christine Prayon (auch) über Kabarett: „Humorlos, aber links“
Im Schatten der Ereignisse von Paris hatte die SaSe-Lieblingskabarettistin Christine Prayon am vergangenen Samstag einen Auftritt in den Mitternachtsspitzen. In der gewohnt tiefen (und tieferen) Analyse untersucht Prayon den medialen Umgang mit dem Wort „Flüchtlinge“. Dabei koppelt sie das Phänomen als solches wieder an die Ursache an – auch hier die etwas tiefer liegende: Kapitalismus!
An der Stelle, wo sie wieder im Kabarett ankommt und dort konstatiert „humorlos, aber links“, läuft es mir kribbelig den Rücken runter! Denn nichts überschreibt die SaSe-Kritik am Gros der Kabarettisten kürzer und treffender als „humorlos, aber links“.

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Siehe dazu auch Fluchtursache Kapitalismus in der „Zweiwochenschrift“ Ossietzky. Weiterlesen

TS135/15: Freischreiber + Kondom-Grenze + #UllrichSierau + Selbstherrlich + Pingpong + Skorpion

+++ Satirische Aktion von „Freischreiber“
In der vergangenen Woche hatte der Tagesspiegel angekündigt, alle freien Autoren ab sofort freizustellen. Man wolle mit dieser Aktionen „einen kleinen sechsstelligen Betrag“ einsparen, um den Einbruch bei den Einnahmen aus Anzeigen zu kompensieren. Journalistenverbände hatten protestiert. Satirisch dagegen reagierte der Berufsverband der freien Journalisten, Freischreiber: Per Twitter gab der Interessenverband bekannt, im Tagesspiegel Kleinanzeigen geschaltet zu haben: „Löse Journalistenbüro auf. Biete ungedruckte Manuskripte aus allen Bereichen des Berliner Lebens Kultur, Theater, Rezensionen […]“ (Quelle). Wie Silke Burmester in ihrer taz-Kolumne dazu erklärte, wolle man dieser Aktion seinen „Keks zu deren [i. e. Tagesspiegel] Weihnachtsfeier beisteuern“ und zeigen, dass freie Journalisten Menschen seien.
Der Tagesspiegel hat inzwischen auf diese Aktion reagiert (Meedia). Weiterlesen

TS129/15: Nu(hr) bescheuert + Konsequenz + Bento-Galama + Verlust

+++ Bescheuert: Dieter Nuhr schimpft über Facebook
Die Medienpräsenz von Dieter Nuhr ist wirklich bemerkenswert. Nach meinem subjektiven Empfinden berichten die klassischen Medien über keinen anderen Satiriker so häufig wie über Dieter Nuhr. Dabei geht es fast immer um irgendeinen Ärger, den Nuhr mit X hat – mit Moslems, mit dem stern, mit Rechts-Satirikern etc. Jetzt rechnet er bei Focus online mit den Facebook-Usern ab: „Wie ein Schulhof!“ Und warum geht er dann dorthin – auf den Schulhof, fragt sich der mit Hirn Beglückte? Der Focus-Artikel enthält die Antwort: Er empfindet es als „blanke Notwendigkeit“, bei Facebook mitzumachen.
Was für ein Quatsch! Dümmer als Nuhr sind nur noch seine (FB-)Fans, die dem Selbstdarsteller ohne Botschaft immer noch hinterherlaufen, auch wenn er sie beschimpft. Wie bei Sado-Masos dahoim!
Auch Die Welt interviewt den Meister der Selbstinszenierung – anlässlich der diese Woche startenden neuen Kabarett-Sendung Nuhr ab 18. Es ist ein sehr ausführliches Gespräch, in dem Nuhr seine – stets unerträglich selbstgefällige – Sicht auf Gott & Lotte verrät. Weitere Berichterstattung im Kontext der neuen Sendung: Inforadio + Neue Osnabrücker Zeitung + T-online. Weiterlesen

TS124/15: Grass für Arme + Verloren + لودفيغسبورغ + Kritikerstempel

+++ Didi Hallervorden als „Grass für Arme“
Auch der Publizist Michael Wuliger erhebt in der Jüdischen-Allgemeinen massive Kritik an dem von einzelnen Autoren als „antisemitisch“ klassifzierten Liedchen „Ihr macht mir Mut (in dieser Zeit)“ des Komikers Dieter Hallervorden (vgl. dazu auch TS117/15, SaSe45). Mut mache der Song vor allem der rechts-linken Querfront von Antiamerikanern, „Israelkritikern“ und Verschwörungstheoretikern.


+++ Bittere Niederlage für fernsehkritik.tv vor dem Landgericht Köln
Der Prozess der Super Nanny Katharina Saalfrank gegen das Online-Magazin fernsehkritik.tv zog sich zweieinhalb Jahre hin. Holger Kreymeier hatte 2011 in der Video-Folge 77 scharfe Kritik an Saalfrank und ihren Umgang mit der Darsteller-Familie geübt. Dabei ging es um eine Sendefolge der „Super Nanny“ aus dem Jahr 2008. Die ist übrigens – zensiert nach den jüngsten gerichtlichen Vorgaben, aber immer noch SEHR aussagekräftig – weiterhin online.
Das Landgericht Köln hat nun entschieden, sieben der acht von Saalfrank geforderten Unterlassungsbegehren stattzugeben. Fernsehkritik.tv kündigt laut Meedia an, nicht in Berufung gehen zu wollen, weil Saalfrank im deutschen Fernsehen keine Rolle mehr spiele. Stellung zum Urteil nimmt Kreymeier hier (sehr mühsames Skype-Video: schlecht ausgeleuchtet; chaotisch; weniger kluge Äußerungen von Kreymeier wie „Das Gericht war nicht wirklich auf unserer Seite“ etc.).
Die Differenzen zwischen Saalfrank und fernsehkritik.tv waren schon früh von der Holzpresse aufgegriffen worden: z. B. Welt. Wie einzelne Verhandlungen während dieses langjährigen Verfahrens aus Sicht des Medienkritikers abgelaufen sind, beschreibt er hier.
Kreymeier hatte auch schon den sogenannten T-Shirt-Prozess gegen RTL verloren. Weiterlesen

SaSe48: TV-Kritiken zur ZDF-Premiere „Mann, Sieber!“: „Platte Witze“, „Maue Kalauer“, „klamaukig“, „lahm“

Man muss keine ausgewiesene Denkfunk-Kabarettisten-Allergikerin sein, um auf die „Neokabarett“-Premiere des ZDF Mann, Sieber! am 15. September 2015 (Mediathek) – angesiedelt auf dem hochwertigen Die-Anstalt-Sendeplatz am Dienstagabend – mit einem enuyierten Sättigungsgefühl zu reagieren. Die wenigen TV-Kritiken, die verfügbar sind und über den Applaus für den technisch aufwendig gestalteten Klever-Clip hinausreichen, sind sich ziemlich einig: „Neokabarett, das niemand vermisst hat“ „mit einem klamaukigen Einspieler“ (Spiegel), „lahm“ (ibid.), „platte Veralberung“ und „platte Witze“ (Meedia), „wenig originell“ (ibid.), „leidlich lustiger Sketch“ (ibid.), „maue Kalauer“ (Süddeutsche), „böhmermannmäßig“ (ibid.), „Sieber erinnert in seiner Rolle zu sehr an Max Uthoff“ (ibid.), „fehlt die Originalität“ (ibid.), „Lustigsein nach dem Holzhammerprinzip“ (ibid.).

Einige Leserkommentare unter den TV-Kritiken im Internet fordern allerdings, man solle die Sendung sich erst einmal entwickeln lassen. Gegenfrage: Wohin? … wenn man sich die Video-Produktionen der beiden verantwortlichen Kabarettisten Tobias Mann und Christoph Sieber auf Denkfunk ansieht (vgl. z. B. SaSe38). Was soll denn da noch kommen? Weiterlesen

SaSe34: „Anstalt“-Macher Max Uthoff des Chauvinismus geziehen: Eine Verteidigungsrede im Angesicht eines Frauen ignorierenden Kabaretts

Der Kabarettist Max Uthoff hat für diverse Hashtags am 19. Juli 2015 folgenden Wortbeitrag in die Welt entlassen, der auch auf dem Denkfunk-Facebook-Account  veröffentlicht wurde:

nationalismus ist die straßenhure unter den Gefühlen. billig, muss fast jeden ranlassen und wenn man nicht aufpasst [sic!] fängt man sich was schlimmes ein.
(Max Uthoff, Facebook Denkfunk.de. Zitatbeitrag am 19.07.2015)

Das Zitat war mit folgenden Hashtags versehen: #MaxUthoff #Uthoff #Gegendarstellung #Nationalismus #Remchingen #Waldaschaff #Gefluechtete #Fluechtlingsheim #Asyl #Asylbewerber #Fremdenangst #Fremdenhass #Fremdenfeindlichkeit #Rassismus #Diskriminierung #Troeglitz #Freital.

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SaSe31: Dieter Nuhr zensiert Jan Böhmermann und erteilt ihm „Hausverbot“

Zuerst war es in einem Meedia-Artikel von heute nur eine Frage: Warum verschwand das Posting, in dem Jan Böhmermann Dieter Nuhr blamiert?. Es geht um diesen Thread auf Dieter Nuhrs Facebook-Account. Darin hatte Nuhr zu dem vorausgegangenen Ärger wegen seines (mutmaßlich auch noch geklauten) Griechenland-Kredit-Witzes (vgl. TS75/15) nachgelegt:

Kurz angemerkt, nur weil schon wieder hier im Internet ganz vielen die Birne durchbrennt (was die Denkfähigkeit stark einschränkt…Schaum vor dem Mund zeugt nicht von geistiger Tiefe): Dass es den Griechen schlecht geht, ist mir bekannt und extrem erschütternd. Aber 200 Jahre Ausbeutung und Korruption abzulösen durch primitiven Antikapitalismus ist so ziemlich das Dümmste, was man tun kann. Mein Tipp wäre: ein Finanzamt aufbauen, das den Namen verdient, und Korruption bekämpfen, anstatt die anzupissen, die genau dabei helfen wollen.
(Dieter Nuhr Facebook, Posting vom 07.07.2015, 9.44 Uhr)

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