Tag Archiv:Nadja Hermann

TS38/16: Die AfD und die irrelevanten anderen Themen

+++ Vermeintlicher AfD-Tweet droht mit Absetzung der „heute-show“
Die Aufregung sei groß, behauptet die HuffPo, die gesicherten Fakten dahinter lassen sich auf Teppichkantenhöhe zusammenkehren: Auf Twitter droht(e) ein angeblicher Landesverband AfD-Bremen-Nord der heute-show aufgrund ihres (phantastischen Einspielers) mit Christine Prayon und Oliver Welke zum AfD-Programmentwurf (vgl. TS37/16): „macht euch ruhig lustig über uns … eure sendung setzen wir als 1. ab“. Der Landesverband AfD Bremen hat sich von dem Tweet distanziert: „wir weisen darauf hin, dass die AfD Bremen – Nord Seite auf Twitter KEINE offizielle Seite des LV Bremen ist“.
Weitere Berichterstattung: Tagesspiegel + Spiegel online + DWDL + Weser-Kurier.


+++ „Wirtschaftsglosse“ im „Manager-Magazin“
Auch die Hohepriester der Wirtschaftswissenschaften-Religion (herrlich skizziert in Horst Evers Alles außer irdisch!) kommen nicht ohne Satire aus. Das beruhigt. Eva Müller setzt sich im Manager-Magazin in der „Wirtschaftsglosse“ Mein Handy stalkt mich mit den belastenden Segnungen moderner Vernetzung als Opfer individualisierter, durch vorherigen Datenabgriff erst ermöglichter Werbung auseinander.
Senf: Man lacht über die Pointen natürlich weitaus authentischer aus einer Lebensform heraus ohne Smartphone … Weiterlesen

TS25/16: Die an Satire scheitern – und die nicht!

+++ Eine universitäre Köpenickiade: Hannah-Arendt-Institut fällt auf Satire rein
Das ist ein kapitales Stück, wie Neues Deutschland berichtet: Es geht um einen (angeblich wissenschaftlichen) Vortrag „Der deutsch-deutsche Schäferhund“ , der am 6. Februar 2015 an der TU Berlin gehalten und im Dezember 2015 in der Zeitschrift Totalitarismus und Demokratie veröffentlicht wurde. Der gesamte Vortrag und die dort vorgetragenen Fakten seien jedoch frei erfunden – ohne dass dies jemandem der wissenschaftlichen Entscheidungsträger und Adressaten aufgefallen wäre, informiert der Telepolis-Artikel „Ein Plädoyer gegen den akademischen Konformismus“ einer (wohl fiktiven) „Christiane Schulte & Freund_innen“: Kommissar Rex an der Mauer erschossen? Der Vortrag sei eine Wissenschaftsparodie gewesen:

Der Grund dafür war, dass der Text mit den „Human Animal Studies“ (HAS) das Vokabular der neuesten akademischen Mode aufgriff und gleichzeitig altbekannte Rhetorik zum „DDR-Unrechtsstaat“ reproduzierte. Akademische Mode kombiniert mit politischem Konformismus – der Vortrag parodierte zwei klassische Strategien akademischer Ein- und Unterordnung und erschien gerade deshalb als „kritisch“ und „innovativ“.
(„Christiane Schulte & Freund_innen“ am 16.02.16 auf Telepolis: Kommissar Rex an der Mauer erschossen?)

Der Telepolis-Artikel beschreibt dezidiert das Instrumentarium, mit dem die Satire vorgegangen sei, um den Fake zu etablieren. Der Redaktion von Neues Deutschland (ND) liegen weitere Dokumente zu dem Vorgang vor, die unter anderem belegen sollen, dass der stellvertretende Direktor des Hannah-Arendts-Institut, ein bekannter Extremismusexperte, den Artikel persönlich bearbeitet – und dabei den Fake, die Satire offensichtlich nicht bemerkt habe.
Das Fazit bei ND: Weiterlesen

TS17/16: Die grell-bunten Früchte satirischer Arbeit

+++ Haftandrohung für ägyptische Satireaktion
Der ägyptische Satiriker Shady Hussein Abu Zaid und der Schauspieler Ahmed Malek sind aufgrund einer Satireaktion zum Jahrestag der Revolution in ernsten Schwierigkeiten. Die beiden Künstler bliesen Kondome zu Ballons auf, beschrifteten sie mit Edding, verschenkten sie anschließend auf dem Tahrir-Platz an Polizisten und filmten das Ganze. Zum Hintergrund muss man wissen, dass der 25. Januar in Ägypten nicht nur Jahrestag der Revolution ist, sondern seit 2009 auf Anordnung Mubaraks auch „Tag der Polizei“. Die Polizisten fingen die aufgeblasenen Kondome fröhlich auf, die sie für Luftballons hielten. Wie die FAZ berichtet, sei eine Haftstrafe für die beiden Künstler nicht unwahrscheinlich.


+++ BR-Sendung „quer“ bietet Pegida-Klingelton zum Download an
Christoph Süß
und seine satirisch geankerte BR-Sendung quer verdient eigentlich auch mehr (SaSe-) Aufmerksamkeit. Mit dem jüngsten Coup platzieren sich der satirische Altmeister und sein Team in den Medien: Auf der Webseite der Sendung steht „für den ambitionierten Pegida-Mob und die Ironie-Fans unter den Journalisten“ der perfekte Klingelton zum Download bereit.
En passant eingesammelte sprachliche Perle dort: „Dahoimity“! Weiterlesen

TS6/16: Einiges zur Armlängen-Distanz und noch mehr zu Somuncus Schweiz-Galama

+++ <Köln>: Nadja Hermann röntgt die Verhaltensanweisungen
Danke, Erzählmirnix, für diese treffende Analyse!
Fairerweise muss man allerdings darauf hinweisen, dass sich die Kölner Oberbürgermeisterin inzwischen für ihre Äußerung entschuldigt hat. Ihre Empfehlung war die Antwort auf eine gezielte Nachfrage bei einer Pressekonferenz.


+++ Somuncu-Schweiz-Zensur-Eklatt, die Dritte
Es war klar, dass das eine lange Geschichte wird: Phase 1, Phase 2. Weiter geht es: Die Springer-Presse nimmt sich des Themas an. Und obwohl jetzt schon dokumentiert ist, dass die strittige Nazi-Passage entgegen Somuncus Behauptung beim Auftritt auf dem Arosa Humor-Festival nicht vorkam, behauptet Die Welt sie neuerlich – mit Referenz auf die Angaben des Flegel-Kabarettisten Serdar Somuncu.
Mutmaßlich unwahr behauptet er im Gespräch mit dem Springerblatt des Weiteren: Weiterlesen

TS157/15: Beredtes Schweigen + Letzter Vorhang + Verladener Gast + Couragierte Hermann

+++ „Die Anstalt“ 08.12.2015: Kritiker-Schweigen
Die jüngste Ausgabe von Die Anstalt am 8. Dezember 2015 (Mediathek) mit den Themen Terror und Krieg ist der ausführlichen TV-Kritik würdig. Nachdem ich selbst mehrfach darauf hingewiesen habe, dass die Sendung und ihre Macher aufgrund ihrer Verwicklungen in die intransparente Denkfunk-Agglomeration (für mich) jede Glaubwürdigkeit verloren haben, steht SaSe eine „reguläre“ TV-Kritik nicht mehr zu Gesicht.
Was sich bisher ansonsten als offizielle TV-Kritik findet, ist leider mehr als dürftig. Die klar linke Freiheitsliebe, namentlich Julius Jamal, ist zwar voll des Lobes, findet für dieses Lob allerdings kaum Worte. Die Anstalt, „wohl die beste deutsche Kabarettsendung“, finde sich zum Jahresende in Bestform. Nach einer dreizeiligen Inhaltsangabe folgt eine dreizeilige Bewertung. Echte Begeisterung sieht anders aus?
Der Tagesspiegel macht in einem Kommentar zur ausufernden Hasskultur in Deutschland eine unklare, weil referenzlose Andeutung: „ […] alles ein Fall für die Anstalt“. Für welche Anstalt? Für Die Anstalt?

Tilo Jung, (umstrittener1 umstrittener2) Betreiber des Videokanals Jung & naiv, freut sich auf Facebook verständlicherweise darüber, dass seine Arbeit (pointierte Fragen in den Bundespressekonferenzen) in der Sendung thematisiert weil parodiert wurde. Er bewertet das als „Ritterschlag“. Auf dem Jung-und-naiv-Facebook-Account erhebt sich dann auch eine lebhafte Diskussion (bis jetzt: 500 Kommentare). Weiterlesen

TS151/15: Helikopter-Eltern + AfD-Logik + Rechnung + #heimkommen + Gargamel

+++ SaSe-Star Roderich Trapp über Helikopter-Eltern
Die satirischen Qualitäten des Wuppertaler-Rundschau-Kolumnisten Roderich Trapp wurden auf diesem Blog schon in der Vergangenheit gelobt (TS75/15 und TS102/15) . In seiner Wochenend-Satire Helikopter-Eltern findet er nach der Erstbegegnung mit dem Bezeichnungsphänomen neuerlich zu polemischen Höhen:

Das deckt sich mit dem, was ich aus Elternkreisen höre. Der durchschnittliche Grundschüler aus gutem bis besserem Hause wird heute mit dem SUV bis auf den Schulhof gebracht und auf Händen in den Klassenraum getragen, wo Mutti ihm dann vor dem Unterricht noch rechtzeitig den Helm abnimmt. Danach muss sie noch rasch ins Lehrerzimmer, um mit dem unfähigen pädagogischen Personal dessen indiskutable Notengebung zu diskutieren, in der sich die unstrittige Hochbegabung des von Geburt an frühgeförderten Leibesfrüchtchens immer noch nicht ausreichend widerspiegelt. Die whatsapp-Gruppe „Frau Schmidt muss weg“ findet das auch.
(Wuppertaler Rundschau 29.11.2015 Roderich Trapp: „Helikopter-Eltern“)

Dass Trapp neulich bei Dieter Nuhr (vermutlich in einer Vorstellung von) gewesen sei, wollen wir ihm deshalb großzügig nachsehen … Weiterlesen

TS147/15: Kein Umzug + Kein ESC + Kein Beruf + Kein Schutz

+++ „Schwierige“ Satire-Aktion in Potsdam
Die Potsdamer Neuen Nachrichten berichten über eine eigenartige Satireaktion. In der Stadt finden sich derzeit mehrere Plakate, auf denen der Umzug der Stadtverwaltung in eine Leichtbauhalle angekündigt wird, um Platz für Flüchtlinge zu machen. Der Stadtverwaltung selbst ist davon nichts bekannt. Wer hier platte rechte Häme vermutet, liegt falsch; zumindest grenzen sich die bisher unbekannten Urheber der Satireaktion von dieser Interpretation expressis verbis ab:

Mit der Aktion soll auf die aus Sicht der Macher gescheiterte Wohnpolitik der Verwaltung aufmerksam gemacht werden. „Seit Jahren fehlt es an sozialem Wohnraum für Alteingesessene und Neuankömmlinge. Nicht die Menschen, die aus Krieg und Elend geflohen sind, sollen nun die Konsequenzen der verfehlten Wohnpolitik tragen“, heißt es in dem Aufruf.
(Potsdamer Neue Nachrichten 23.11.2015: „Satire-Aktion: Der Umzugsschwindel“)

Die Stadtverwaltung lässt verlautbaren, nichts gegen die Satireaktion zu unternehmen. Und sie dreht den Spieß um und unterstellt ihrerseits den Satirikern, die Diskussion über den sozialen Wohnungsbau auf dem Rücken der Flüchtlinge auszutragen. Von Wohnungsnot könne in Potsdam auch nicht die Rede sein.

Parallel dazu gibt es auch noch eine schon etwas ältere Aktion der Satirepartei DIE PARTEI rund um das Potsdamer Hotel Mercure. Dabei wird die Diskussion über die Zukunft des Gebäudes mit den Terrroranschlägen von 9/11 verknüpft, was zu Diskussionen im Netz führt. In der PNN-Berichterstattung kritisch erwähnt wird auch, dass sich im Ortsverband der Spaßpartei inzwischen „bekannte Aktivisten der linken Szene“ engagieren würden.


+++ „Erzählmirnix“ zum Xavier-Naidoo-Galama
Wollte man alle Pros und Contras der ausufernden Diskussion um die Nominierung und Denominierung von Xavier Naidoo zum Eurovision Song Contest (ESC) sowie die diversen Solidaritätsadressen zur Kenntnis nehmen, könnte man sich vermutlich tagelang damit beschäftigen. Kürzer und prägnanter geht das bei Erzählmirnix. Nadja Hermann bringt das Phänomen wieder auf den Punkt! Weiterlesen

TS131/15: Querfront-Studie + Massengeschmack + Terror-Trullas + Galgen-Satire

+++ Offtopic: „Querfront-Studie“ wieder online!
So kommen wir vorwärts: Wie auch der Blog Journalistenhatz berichtet, hat die Otto Brenner Stiftung jetzt eine gemeinsame Erklärung mit dem Autor der sogenannten Querfront-Studie Dr. Wolfgang Storz veröffentlicht und die Studie selbst wieder online verfügbar gemacht. Die gemeinsame Erklärung bestätigt, was aus den Fakten ableitbar war: Die Offlinestellung geht zurück auf eine anwaltliche Intervention des „Journalisten“ Ken Jebsen. Der Versuch einer außergerichtlichen Einigung scheiterte. Nun sei das Papier „in einer geringfügig überarbeiteten Fassung“ seit dem 19. Oktober 2015 wieder online.


+++ SWR-„Spätschicht“ heute im Ersten
Am 22. Oktober 2015, also am gewohnten Kabarett-Donnerstag im Ersten, hat die seit zehn Jahren im SWR laufende Kabarettsendung Die Spätschicht Premiere im Hauptprogramm  (Avis). Moderiert wie immer von Florian Schröder sind dabei: Lisa Fitz (D(d)enkfunk-Autorin!), Rüdiger Hoffmann, Andreas Rebers (Denkfunk-Autor ohne Denkfunk-Output), Mathias Tretter, Michael Frowin. Weiterlesen

TS90/15: Riad Sattouf + Erbe + Käseblatt + Auch egal + Harm Bengen

+++ "Charlie-Hebdo"-Autor Riad Sattouf: „Jacky im Königreich der Frauen“
Ein satirischer Beitrag zur Gender-Diskussion: Der Charlie-Hebdo-Autor und –Zeichner Riad Sattouf gab seine Geschlechterfarce Jacky im Königreich der Frauen schon Anfang des Jahres als DVD heraus. Darin nimmt er traditionelle Rollenmuster auf den Arm und stellt Geschlechterklischees auf den Kopf. Mehr zum Inhalt hier, wobei dieser Redaktion nicht klar ist, warum die Saarbrücker Zeitung das Thema jetzt aufgreift. Webseite zum Film; Filmkritiken bei Filmstarts, Die Welt und Deutschlandfunk. Trailer bei YouTube:


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TS85/15: Nuhr-FAZ + „Erzählmirnix“ + Orienthelfer + Buchkäufe + Miesepeter

+++ Zwei Seiten nur Dieter Nuhr in der "FAZ": „Wir leben im digitalen Mittelalter“
Der Komiker Dieter Nuhr hat in einem zweiseitigen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nun einmal grundsätzlich zu den Vorgängen (um seine Person) der vergangenen Wochen Stellung bezogen: Bericht aus dem Shitstorm: Wir leben im digitalen Mittelalter. Das dabei zum Zuge gekommene Phänomen benennt (und reduziert) er als (auf den) Shitstorm und seine persönliche (angebliche) "soziale" Vernichtung. Die von ihm vorgenommenen Löschungen auf seinem Facebook-Account seien keine Zensur, da diese nur systematisch von  „mächtigen Kräften“ ausgeübt werden könne. Es handele sich um eine „Hexenverbrennung des 21. Jahrhunderts“, wobei dem Artikel zu entnehmen ist, dass Dieter Nuhr sich dabei als Hexer und damit als Opfer betrachtet. Die Primitivität und Aggressivität, mit der dabei Andersdenkende verfolgt würden, scheinen Nuhr denselben psychologischen Mechanismen zu folgen, die früher zu Lynchjustiz und Progromen führten. Die Anonymität des Internets bedeute einen zivilisatorischen Rückschritt.  Weiterlesen

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