Tag Archiv:Ralf Höcker

TS74/16: Von grottenschlechter Satire, wohltuenden Gerichtsbeschlüssen und „heteronormativen Pärchenquatsch“

+++ „Meedia“ spekuliert über die Fernsehzukunft Jan Böhmermanns
Der Erdogan-Skandal habe Jan Böhmermanns Marktwert gesteigert, stellt Meedia in einer Spekulation darüber fest, wie sich die Fernsehkarriere des „Mann des Jahres 2016“ weiterentwickeln werde.


+++ Landgericht Hamburg veröffentlicht Beschlussbegründung
Einen Monat nach dem Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen Jan Böhmermann und seine Erdogan-Satire liegt nun die Beschlussbegründung des Hamburger Landgerichts vor, die Meedia zusammenfasst. Wichtig: Es sei Satire! Aber.
Berichterstattung auch bei Tagesschau , LTO n-tv und FAZ. Weiterlesen

TS72/16: TagesSenf – schon leicht eingetrocknet und noch dazu offtopic

+++ Offtopic – Wissen: Drei runde Klammern statt gelber Stern
Vice berichtet über einen Geheimcode von Nazis, mit dem sie offen im Internet Juden markieren: Drei rund Klammern vor und drei runde Klammern nach einem Namen sind der Code!


+++ Offtopic: Reichsbürger – unterschätzt, brandgefährlich und von Satire missachtet
Gleich zwei Fernsehbeiträge haben sich letzte Woche mit dem Reichsbürgerphänomen beschäftigt und sind dabei zu der Einschätzung gelangt, dass deren Gefährlichkeit in der öffentlichen Wahrnehmung offensichtlich unterschätzt werde. Beispiel: ARD-Kontraste: Wie gefährlich sind die Reichsbürger? (Unten auch als Video)
Dazu passend nehme ich auch vergleichsweise wenige Attacken der Profi-Satire gegen diese Deppenagglomeration wahr. Weiterlesen

TS63/16: Furioses Comeback von Jan Böhmermann mit #verafake

+++ Jan Böhmermann bleibt unberechenbar
Das muss man ihm lassen, dem Böhmi: Nach den Wochen auf der Stillen Treppe (die hinter dem Ziegenstall) meldet sich der Satiriker furios zurück. Sein #verafake, bei dem das Neo Magazin Royale (NMR) in der Sendung vom 12. Mai 2016 einen gefakten Kandidaten in die Vera Int-Veen-Sendung Schwiegertochter gesucht eingeschleust hatte, ist furios – und mit sozialer Dimension. Und auch die en passant von Böhmermann gesetzten „zarten“ Anspielungen auf die Erdogan-Affäre sind gelungen! Dabei nimmt er sich auch selbst auf die Schippe mit dem „Scherzanwalt Dr. Christian Witz“ – eine Anspielung auf seinen Anwalt in der Erdogan-Affäre Dr. Christian Schertz. Meedia erklärt die Details des jüngsten NMR-Coups.

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Vor fünf Jahren waren Vera Int-Veen und RTL mit ihrem rücksichtslosen Umgang mit Menschen schon einmal in die Schlagzeilen geraten. Damals ging es um die RLT-Sendung Mietprellern auf der Spur.

Im Übrigen bleibt Meedia dran an der Story (z. B. die Twitter-Reaktionen) und berichtete, dass das Schwiegertochter-gesucht-Fake-Video bei RTL zunächst auch nach der Ausstrahlung von NMR immer noch online gewesen sei. Der Artikel wurde dann aktualisiert – inzwischen hatte RTL reagiert und das Video entfernt.

Und mehr noch. Jan Böhmermann hat tatsächlich etwas bewegt, denn einen Tag später vermeldet – u. a. wieder Meedia -, RTL habe das Produktionsteam ausgetauscht. Und noch einen oben drauf: Jetzt beschäftigt sich die Landesmedienanstalt mit der Sendung!

Der Journalist und „Satiriker“, der RTL seit Jahren für seinen Umgang mit Menschen in den einschlägigen Reality-Soaps kritisiert und dafür auch nervenaufreibende und sehr teure Presserechtsprozesse in Kauf nimmt, ist Holger Kreymeier mit seinem Fernsehkritik.TV.
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+++ Detlef Seif verliest Böhmermanns Schmähgedicht im Bundestag
Im Zuge der Diskussion im Bundestag darüber, ob der Majestätsbeleidigungsparagraf 103 des Strafgesetzbuches sofort abgeschafft werden soll, hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Detlef Seif das Böhmermann-Schmähgedicht noch einmal in Gänze verlesen (Meedia): Weiterlesen

TS59/16: Justiz & Satire, AfD & Dackel, die Rechten & die „heute show“, Böhmi & Merkeli

+++ „Spiegel online“ definiert Satire
Der Jurist Jan Hedde versucht sich in Spiegel online an einer Satire-Bestimmung. Seine Ansätze sind dort besonders zitierungswürdig, wo sie das Verhältnis von Satire und Rechtsprechung behandeln – aus der Feder eines Juristen:

Satire ist ein Transportmittel für Aussagen, die anders nicht bewegt werden können.
Satire funktioniert, indem sie für ihre Aussagen zunächst eine Umgebung des Unernsten schafft. Dort sind Aussagen möglich, die in einem ernsten Rahmen Widerspruch provozieren würden, gegebenenfalls auch Gegenmaßnahmen. In der unernsten Welt ist Widerspruch gegen Satire nicht möglich, denn wer sich in diese Welt begibt, kann nicht auf eine Ordnung hoffen, die ihm beisteht. Eine Justiz, die Satire bewerten will, gibt sich der Lächerlichkeit preis. Sie müsste die Satire verstehen und gleichzeitig beweisen, dass es sich um eine ernste Sache handelt.
[…]
Der Preis für die Unangreifbarkeit der Satire besteht in ihrer geringen Bedeutung im Diskurs. Gesellschaftliche Themen werden satirisch begleitet, aber nicht satirisch geführt. Und auch in der gegenwärtigen Auseinandersetzung ist Satire nur Gegenstand, nicht Akteur.
[…]
Die Frage, was Satire darf und was nicht, ist vergleichsweise leicht zu beantworten: Solange sie in der Sphäre des Unernsten bleibt, darf sie alles. Nur eines nicht: langweilen.
(Jan Hedder in Spiegel online 01.05.16: „Serie ‚Das Wort‘: Das ist Satire“; Hervorhebg. SaSe)

Senf: Man wünschte sich, jemand möge die zentralen Sätze dem peitschenkompetenten Medienanwalt Ralf Höcker in den Schreibtisch gravieren! Und ein paar anderen …
Dazu passend eine Satire auf diese ganz besondere Zunft aus Österreich. Weiterlesen

TS48/16: Jan Böhmermann und: Boris Palmer leistet die Arbeit deutscher Satiriker!

+++ „FAZ“ nutzt Böhmermann-Hype zur Abrechnung mit „heute-show“
Ich kann es nicht ändern: SaSe beschäftigt sich in den letzten Tagen nur noch mit Jan Böhmermann! Aber unter den vielen Kommentaren und Meinungen zur Satire-Staatsaffäre finden sich auch viele, die vom Spezialfall Böhmermann losgelöst Grundsätzliches über Medien, Satire und deren Rezeption thematisieren. Wie zum Beispiel die FAZ mit Pubertär statt politisch. Darin extrahiert Friederike Haupt die infantilen und infantilisierenden Tendenzen deutscher Fernsehsatire.  Ihr präferierter Untersuchungsgegenstand dabei ist die heute-show, der sie insbesondere deren Kritik an der FDP und die nicht ausreichende Würdigung der Arbeit von Politikern vorwirft.

Senf: Apropos Infantilisierung: Ein Paradebespiel dafür war die in ihrem schrillen Klamauk schier unerträgliche Sendung Mann, Sieber! gestern Abend (Mediathek).


+++ „Zentralrat der Ziegen zeigt Böhmermann an“
Am satirisch elegantesten löst das ganze Galama mal wieder Der Postillon! Weiterlesen

TS24/16: Von schwarzer Humor über Günther Lachmann bis Volker Schwenck

+++ Marie Meimberg über schwarzen Humor
Auf Stefan Niggemeiers brandneuer Internetpräsenz Über Medien reflektiert Marie Meimberg im Kontext der Verurteilung des Vbloggers Julien wegen Volksverhetzung unterhaltsam und beweglich über schwarzen Humor, dem exzessiven Gebrauch von Fäkalsprache (Koprolalie, Pornolalie & Co.) sowie der intellektuellen Beweglichkeit jener, die damit (nur) Klicks machen (wollen).

Hinweis: Marie Meimberg ist die Ehefrau des Regisseurs und Autors Manuel Meimberg, der das Drehbuch für die ZDF-Nazi-Satire Familie Braun geschrieben hat. Ich würde dazu neigen, obigen Reflexionen der Gattin als indirekte Widerlegung des Teils der harschen TV-Kritik an Familie Braun ins Kalkül ziehen zu wollen, die den Machern der Nazi-Satire Oberflächlichkeit etc. unterstellt.


++ Offtopic & by the way: Der Fall Günther Lachmann
Wenn wir schon gerade auf Über Medien sind, empfiehlt sich aus aktuellem Anlass und zur Causa des (Ex-)Welt-Journalisten Günther Lachmann dieser informative Hintergrundartikel von Boris Rosenkranz über die publizistischen Aktivitäten der Familie Lachmann. Und die Fortsetzung der Story hier.
Nebenbefund: Lachmann hat sich interessanterweise den Medienanwalt Ralf Höcker zur Seite geholt … Weiterlesen

SaSe77: Die ARD-Wetter-Doku oder wie Sven Plöger die Generation Kachelmann verstört

[satirischer Senf statt Satiresenf]

Nein.“
„Doch!“
„Oh.“

So in etwa dürften die Exklamationsgewitter in Deutschland nach der Ausstrahlung der zweiteiligen informativ-unterhaltsamen ARD-Wetterdokumentation Wo unser Wetter entsteht (Mediathek) mit Sven Plöger zu beschreiben sein. Dabei umwölkt das „Nein“ die auffrischende Fassungslosigkeit über eine ganz neue öffentliche Selbstrepräsentation und Themenfokussierung eines (deutschsprachigen) Wettermoderators. Für die Generation Jörg Kachelmann der Fernsehzuschauer bedeutete diese Dokumentation nahezu eine Inversionswetterlage des bisherigen Metereologen-Verständnisses.

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Verlautbarungstechnische Isobaren des klassischen Wetterfrosches Foto: Hans Peter Dehn / pixelio.de

Verlautbarungstechnische Isobare des bisher dominierenden Wetterfrosch-Typs
Foto: Hans Peter Dehn / pixelio.de

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Das waren jahrelang in der Unabwendbarkeit von Blitzeis über die Menschheit gekommene Selbstdarsteller aus der Schweiz, welche die Medien primär mit den Schlagzeilen aus ihren ganz persönlichen Feuchtgebieten vollgraupelten. Welche Schichtungen dort stattgehabt haben sollen oder eben nicht. Weiterlesen

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