Tag Archiv:Volker Pispers

TS22/19: TV-Satire mit weißen Männern lässt lachend schwarzsehen

Läuft runter wie Öl:  Die Tageszeitung taz und kuratierend das Medienportal Meedia greifen ein Phänomen in der Satirelandschaft auf, das SaSe vor Jahren schon in diesem Beitrag mit entsprechenden Zahlen kritisiert hatte: Die Dominanz (geografisch bedingt überwiegend) weißer Männer in der Fernseh-Kabarett-Landschaft. Die taz hat dazu die Autorin Sophie Passmann („Alte weiße Männer“) sowie Jagoda Marinic („Sheroes“) interviewt (erschienen im Magazin taz Futurzwei). Passmann beklage des Weiteren, dass einige dieser Männer überhaupt nicht lustig seien.  Die Ursache dafür – für die Dominanz, nicht für das Lustig-Manko – sieht Passmann in der sexistischen Förderung der Medienanstalten und nennt als Beispiel ZDFneo.

Wie komme ich jetzt elegant von dort aus zu der spektakulären jüngsten Die AnstaltSendung vom 12. März 2019? Plump. Die Kabarettisten Max Uthoff (männlich, weiß), Claus von Wagner (männlich, weiß) mit ihren Gästen Philipp Weber (männlich, weiß), Tahnee (Quotenfrau!) und Martin Zingsheim (na?) filetierten die jüngsten medialen Entwicklungen in der Abgasdiskussion. Das taten sie schlicht brillant und ohne das von mir früher auf diesem Blog kritisierte ideologische Sendungsbewusstsein. Weiterlesen

TS61/15: Kein Ende + Kein Spaß + Kein Humor + Kein Zugang + Kein Arsch

+++ „Nuhr ab 18“: Neue Staffel ab 9. Juni 2016
Im Juni startet die ARD-Kabarett-Nachwuchssendung Nuhr ab 18 in die zweite Runde. Als „Neuerung“ bietet die Vermarktung der Serie unter der moderierende Aegide Dieter Nuhrs, des „verlängerten Arms der Pegida“ (Diktum Volker Pispers), an: „Jeweils ein Comedian beschäftigt sich etwas ausführlicher mit ‚seinem Berlin‘“ (Quelle). In der ersten Sendung soll das Felix Lobrecht aus Neukölln sein.
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Senf: Lobrechts Stil kommt einem irgendwie bekannt vor?
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+++ „heute show“: Eine Peinlichkeit, die Kluth zum Schaudern bringe
Eine Abrechnung mit deutschem Humor und der fehlenden Antenne für Ironie habe Andreas Kluth (Leiter des Berliner Büros von The Economist) geleistet, unterrichtet uns die Huffington Post. Sein Artikel sei so treffend, dass er sich schon zum Viralhit entwickelt habe. Als besonders eindrückliches Beispiel für die defizitäre deutsche Satire nennt der Autor die heute show, ein offensichtliches Plagiat von Jon Stewarts The Daily Show. Die Sendung sei so peinlich, dass sie ihn regelmäßig zum Schaudern bringe. Weiterlesen

TS6/16: Einiges zur Armlängen-Distanz und noch mehr zu Somuncus Schweiz-Galama

+++ <Köln>: Nadja Hermann röntgt die Verhaltensanweisungen
Danke, Erzählmirnix, für diese treffende Analyse!
Fairerweise muss man allerdings darauf hinweisen, dass sich die Kölner Oberbürgermeisterin inzwischen für ihre Äußerung entschuldigt hat. Ihre Empfehlung war die Antwort auf eine gezielte Nachfrage bei einer Pressekonferenz.


+++ Somuncu-Schweiz-Zensur-Eklatt, die Dritte
Es war klar, dass das eine lange Geschichte wird: Phase 1, Phase 2. Weiter geht es: Die Springer-Presse nimmt sich des Themas an. Und obwohl jetzt schon dokumentiert ist, dass die strittige Nazi-Passage entgegen Somuncus Behauptung beim Auftritt auf dem Arosa Humor-Festival nicht vorkam, behauptet Die Welt sie neuerlich – mit Referenz auf die Angaben des Flegel-Kabarettisten Serdar Somuncu.
Mutmaßlich unwahr behauptet er im Gespräch mit dem Springerblatt des Weiteren: Weiterlesen

TS164/15: Kabarettistenzensur + Ruinöse Idee + Zymny-Werbung + Hakenpflaster + Badekultur

+++ „Schroeder“ berichtet erneut über „Denkfunk“-Zensur
DASS die Kabarettistenvereinigung D(d)enkfunk exzessiv zensiert, das ist keine Frage mehr. Dass sie es so unverfroren tut, beeindruckt dann aber noch immer wieder. Zensur durch eine Zunft, welche ohne Gedanken- und Meinungsfreiheit gar nicht denkbar wäre und sich permanent auf diese beruft. Der frühere Denkfunk-Autor Schroeder postet auf seiner Facebook-Seite:

Die geheimen Berufsadmins machn nämlich jeden Beitrag oder Leserkommentar von mir umgehend „unkenntlich“. Sie löschn ihn zum Glück nichtn – Nö – meine Texte sindn dann nur für alle anderen facebook-user völlig unsichtbar – ausser für mich selbst. Toll. Auch der BND, die NSA undn das Finanzamt Oban II kann so meine Textn nicht lesn.
(Facebook Schroeder Faden 19.12.2015; Hervorhebg. SaSe)

Folgende artikulierte Schroeder-Norm allerdings möchte sich auch SaSe fürs neue Jahr als Vorsatz nehmen. (Was mit solchen Vorsätzen ab 2. Januar geschieht, ist ja hinlänglich bekannt.)

Es liegtn mir fern, ständig über die firma #denkfunk zu schimpfn. 2-3x die Woche reicht völlign. Schließlichn war ich selbst mal 21 Tagn lang davon völlig überbegeistertn.
(ibid.)

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TS163/15: Schlechteres Hannover + Millionen Fliegen + Pispers und ich + Wie-Satire + Wie-LINKE + Alarm

+++ Neonazi wegen Satire verurteilt
Die Neonazi-Gruppe Besseres Hannover, respektive dessen „Köpfe“, wurde vom Landgericht (Hamburg?) wegen Volksverhetzung zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die Gruppe selbst ist schon vor drei Jahren verboten worden. Zur Verhandlung standen jetzt Videos, die als Satire getarnt ihre Hassbotschaften verbreiteten. Das Hamburger Abendblatt, die Hannoversche Allgemeine, der NDR und Neues Deutschland  verraten mehr Details.


+++ Millionenpublikum für Dieter Nuhrs Jahresrückblick
Nuhr 2015
(Mediathek), der (satirische?) Jahresrückblick von Dieter Nuhr am Donnerstagabend mit den üblichen Ausfällen zum Beispiel gegen Griechenland und anderen Populismen, hat 2,54 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Fernseher gebannt (warum auch immer), wie FinanzNachrichten zu vermelden sich bemüßigt fühlt (warum auch immer). Hier trifft den Leser die ganze überzeugende Wucht des Milionen-Fliegen-Arguments! Weiterlesen

TS162/15: Heuchelei + Plagiat-Humor + Zombie-Ismus + Edle + Bornierte Netzfrauen

+++ Serdar Somuncu: „Weihnachten, die Zeit der Besinnungslosigkeit“
Er bleibt ambivalent, der schwierige Kabarettist Serdar Somuncu: wirklich gute Analysen und treffende Dikta auf der einen Seite und dann wieder ödes Moralpredigertum und Peinlichkeiten wie die Werbung für sein Buch bei hart aber fair am Montag auf der anderen (vgl. TS161/15). In seiner aktuellen Kolumne in der Wirtschaftswoche reflektiert der Hassist über die Verlogenheit unserer Weihnachtsfestinszenierungen. Da sei er dann froh, Muslim zu sein.


+++ „Star Wars“: Plagiat-Humor der Frankfurter Polizei
Fast hätte es die Frankfurter Polizei auf das bewundernswerte Humorniveau ihrer Osloer Kollegen geschafft. Auf Twitter informierte sie die Star-Wars-Fans: „‘Spoilern‘ ist und bleibt keine Straftat. Ja, finden wir auch blöd. Aber war machen die Gesetze ja nicht“. Meedia allerdings berichtet, die Ordnungshüter hätten diesen Tweet bei ihren amerikanischen Kollegen abgekupfert. Weiterlesen

TS157/15: Beredtes Schweigen + Letzter Vorhang + Verladener Gast + Couragierte Hermann

+++ „Die Anstalt“ 08.12.2015: Kritiker-Schweigen
Die jüngste Ausgabe von Die Anstalt am 8. Dezember 2015 (Mediathek) mit den Themen Terror und Krieg ist der ausführlichen TV-Kritik würdig. Nachdem ich selbst mehrfach darauf hingewiesen habe, dass die Sendung und ihre Macher aufgrund ihrer Verwicklungen in die intransparente Denkfunk-Agglomeration (für mich) jede Glaubwürdigkeit verloren haben, steht SaSe eine „reguläre“ TV-Kritik nicht mehr zu Gesicht.
Was sich bisher ansonsten als offizielle TV-Kritik findet, ist leider mehr als dürftig. Die klar linke Freiheitsliebe, namentlich Julius Jamal, ist zwar voll des Lobes, findet für dieses Lob allerdings kaum Worte. Die Anstalt, „wohl die beste deutsche Kabarettsendung“, finde sich zum Jahresende in Bestform. Nach einer dreizeiligen Inhaltsangabe folgt eine dreizeilige Bewertung. Echte Begeisterung sieht anders aus?
Der Tagesspiegel macht in einem Kommentar zur ausufernden Hasskultur in Deutschland eine unklare, weil referenzlose Andeutung: „ […] alles ein Fall für die Anstalt“. Für welche Anstalt? Für Die Anstalt?

Tilo Jung, (umstrittener1 umstrittener2) Betreiber des Videokanals Jung & naiv, freut sich auf Facebook verständlicherweise darüber, dass seine Arbeit (pointierte Fragen in den Bundespressekonferenzen) in der Sendung thematisiert weil parodiert wurde. Er bewertet das als „Ritterschlag“. Auf dem Jung-und-naiv-Facebook-Account erhebt sich dann auch eine lebhafte Diskussion (bis jetzt: 500 Kommentare). Weiterlesen

TS155/15: Times-Porträt + Rentner-Karriere + Müller-Tränen + „Mission Lächerlich“

+++ Angekommen: Die „New York Times“ porträtiert Jan Böhmermann
Davon würden die Denkfunk-Kabarettisten träumen? Die New York Times porträtiert den deutschen Entertainer und Comedian Jan Böhmermann. Die von der angesehenen amerikanischen Zeitung formulierte Mission hat in Zeiten der pauschalisierten „Lügenpresse“-Demontage der Medien besonderes Gewicht: Er versuche, eine junge Zielgruppe aus dem Netz wieder für das Fernsehen zu begeistern. Spezielles Lob erhält auch Böhmermanns genialster Coup 2015: Varoufake! Mehr Details.
Warum die deutschen Medien so ein Problem mit Böhmermann haben, fragt sich Alexander Matzkeit auf real virtuality. Weiterlesen

SaSe70: AfD-Postille bedient sich an Kollegenschelte von Andreas Rebers und Dieter Nuhr

[Dies ist eine neue überarbeitete Version des am Tag zuvor veröffentlichten Artikels, der in einer zentralen argumentativen Verknüpfung  fehlerhaft und mithin totaler Quatsch war und auf einem Interpreationsfehler meinerseits beruhte. Danke an den SaSe-Leser, der es gemerkt hat!]

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Offensichtlich steckt der derzeitige globale Kriegserklärungswahn auch die Satiriker an. Die beiden (ARD-)Kabarettisten Andreas Rebers und Dieter Nuhr hatten in einem Artikel in Die Welt eine neue Front – innerhalb der Kabarettszene eröffnet. Dabei geht das Altherren-Duo mit aller Schärfe gegen die ZDF-Kabarettisten der heute-show und von Die Anstalt vor.

Abgesehen vom Personal der heute-show gehören die ZDF-Kabarettisten durchgehend zu dem intransparenten (angeblichen) Gegenöffentlichkeitsprojekt D(d)enkfunk, der auf diesem Blog nachhaltig kritisiert wird (vgl. HInfo6). SaSe berichtete über den Die-Welt-Artikel in TS 153/15.

Jetzt wird diese Kritik noch einmal leidenschaftlich und mit haarsträubenden Kommentierungen und Erweiterungen von der Internetzeitung FreieWelt.net aufgenommen, die der Alternative für Deutschland (AfD) nachstehe, wie hier klassifiziert wird.

Fazit: Die Äußerungen der beiden ARD-Kabarettisten finden begeisterten Beifall bei den Rechten. So berechtigt einzelne Kritikpunkte seien mögen, munitionieren Rebers und Nuhr mit ihrer öffentlichen Kollegenkritik, für die sich auch gar kein konkreter Anlass erkennen lässt, genau die Kräfte im Land, die sich gegen Demokratie und Rechtsstaat wenden. Weiterlesen

TS139/15: Verfehlte Diskussion + Sinnfreies Saugen + Dritte Wahl + Viel van der Horst + Blanker Neid

+++ „Friedensdemo-Watch“: Diskussion über Antisemitismus im Kabarett
Etwas eigenartig und zeitversetzt: Auf dem Facebook-Account Friedensdemo-Watch wird anlässlich eines FB-Postings mit der Aussage „Wir leben in einer seltsamen Zeit in der uns Satiriker die Welt erklären!“ der SHZ-Artikel von Jan-Philipp Hein vom 7. Juni 2015 (!) Fernsehkabarett – Da wo der Antisemitismus blüht diskutiert. Hein reitet darin eine scharfe Attacke gegen den Kabarettisten Uwe Steimle und dessen Äußerungen bei einem Auftritt in den Mitternachtsspitzen. Die dechiffriert Hein als antisemitisch. Einmal in Rage zitiert er weitere Outlets von Volker Pispers und Georg Schramm ebenfalls als antisemitisch. Dabei unterläuft ihm auch noch ein sachlicher Fehler, weil er behauptet, Schramm wäre in Die Anstalt aufgetreten. Das stimmt nicht. Schramm trat nur in Neues aus der Anstalt auf.
Die aktuelle Diskussion auf Friedensdemo-Watch ringt mit dem Begriff des „strukturellen Antisemitismus“, kommt aber hinsichtlich des Fernsehkabaretts zu keinem verwertbaren Ergebnis. Weiterlesen

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