TS02/20: Landespolitik: Steuergelder verpulvern mit Scheinheiligkeit und „Heldentütle“

Wir bleiben Tagessenf-technisch für den Moment noch in dem publizistisch NACHHALTIG ergiebigen Langenargen am Bodensee. Dort hat die Bloggerin Elke Krieg einmal wieder und aus ihrem Alltag heraus eine Schwachsinnsaktion der Sondergüte aufgespießt: das „Heldentütle“.

Die (Schwachsinnsaktion) trägt, auch wenn das hier assoziiert werden könnte, KEINEN semantischen Konnex zu dem Pfui-Wort des vorherigen Senfes in sich oder „behütet“ diesen gar. Es geht um das „Heldentütle“.

(Wie bin ich dieses Jahr eigentlich drauf?)

Weiter mit dem „Heldentütle“, angesichts dessen man sich spontan mit „Grundgütiger!“ an die Instanzen zu wenden genötigt fühlt, die sich offensichtlich schon längst vom Erdenirrsinn abgewandt haben oder – befeuert durch das „Heldentütle“ – sich vor Lachen in die Ecke schmeißen. Darf es wahr sein?

Das „Heldentütle“ gehört bekennend zur Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung Baden-Württemberg.

Gute Nacht!

Sie ist mithin Baustein eines Gesamtkonzeptes, in dem es freilich, die Kollegin erwähnt es in ihrem Artikel, nicht – nur mal so als Beispiel – um die missbräuchliche Verwendung von Paragraf 13b Bau-Gesetzbuch geht  – das sicherlich „nachhaltigste“ Ei, welches die hiesige Kommunalpolitik allem Klimarettungsbemühungen in die Fresse wirft.

Wie exzessiv diese am 31. Januar 2019 vorläufig erst einmal außer Kraft getretene Sonderregelung zum Beispiel in der Gemeinde Ostrach (Landkreis Sigmaringen) missbraucht wurde, hat der Blogger Franz Schreijäg detailliert ausgerechnet: Insgesamt haben die Ostracher Gemeinderäte in letzter Zeit sage und schreibe Flächen im Umfang von 66 Fußballfeldern für Gewerbe und Wohnen zur Bebauung freigegeben.
Darauf einen Hopfensteiner!

Man könnte also das aus Steuergeldern finanzierte „Heldentütle“ nehmen (ich empföhle hier die Ausgabe „groß“) und sie den Räte-Jungs dort rechts und links um die Ohren hauen.

Das für alle Bürger aus der Rubrik „wir ändern nix“ verlässlichste Signal am „Heldentütle“ und an der Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung ist jedoch die schreiende Message, dass es auf jeden Fall auch in Zukunft nur um eines geht: Konsum, Konsum,  Konsum! Deshalb gibt es dazu auch gleich einen „Heldenshop“, der die Bürger auf alle Eventualitäten ihres besinnungslosen Konsumverhaltens „nachhaltig“ vorbereitet:

Ein nachhaltiger Einkauf beginnt bereits bei der Wahl der Tragetasche – Mehrwegtaschen sind hier die beste Lösung. Doch manchmal hat man sie nicht dabei oder der Einkauf fällt größer aus, als gedacht. Für diese Fälle gibt es das HeldeN!-Tütle, eine nachhaltig produzierte Papiertüte.
(Land Baden-Württemberg Webseite „Heldenshop“; Produkt „Helden-Tütle groß“)

Meine Idee wäre ja eher: Ein nachhaltiger Einkauf beginnt bereits bei der Überlegung, ob ich wirklich all das brauche, was sich da in meinem Einkaufswagen aufgetürmt hat. Als an Nachhaltigkeit interessierter Konsument kaufe ich stattdessen nur das, was auch auf meinem Einkaufszettel steht. Und zu dem passend habe ich die entsprechende Transportlogistik (Körbe, Tüten, Kartons) schon zum Einkaufen mitgebracht.

Das hat dann auch den Vorteil, dass ich mich nicht auf das mehr als vage Versprechen der Landesregierung verlassen muss, irgendwann, irgendwo, irgendwie wieder etwas aufzuforsten. Nicht selten weisen solche Aufforstungsaktionen die tatsächlichen nachhaltigen Merkmale hochgeföhnten Schwachsinns auf (mehr und noch mehr).

Die Kritik (jenseites von SaSe) an dem protzig als „Nachhaltigskeitsstrategie“ daherkommenden und ebenfalls nicht neuen Projekt ist auch nicht mehr ganz jung! Aber diese „Nachhaltigkeitsstrategie“ ist dann doch so „nachhaltig“, dass sie weder mir noch der Kollegin Krieg bisher im Alltag oder bei der journalistischen Arbeit begegnet wäre.

Trotzdem werde wohl auch ich nicht drum herumkommen, ein größeres Kontingent „Heldentütle“ im „Heldenshop“ zu bestellen. Die dabei zum Einsatz kommenden Verpackungsmaterialien und das CO2 für den Transport nehme ich in Kauf. Die Bestellung hat hygienische Gründen: Aus der Erfahrung der vergangenen zwei Jahre und unter der Prämisse der Thementreue dieses Blogs ist davon auszugehen, dass ich Tütle in Truppenstärke in Nullkommanichts verbrauchen werde, wenn ich mich publizistisch weiterhin mit den diversen Sonnenkönigen und Feudalherren in den umliegenden Rathäusern, den eng getakteten Verstößen gegen die Gemeindeordnung und gemeinderätlich sanktionierten Flächenfraß beschäftige. Wegen der Emesis!
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Ins "Heldentütle", das Ihnen im Kontext dieses Blogs begegnet, schauen Sie besser nicht hinein ... Tüte gerade halten. Foto: Elke Krieg

Ins „Heldentütle“, das Ihnen im Kontext dieses Blogs begegnet, schauen Sie besser nicht hinein … Tüte gerade halten!
Foto: Elke Krieg

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