TS105/19: Mega-Stall Ostrach: Protest-Sonntag „Mit der Räuberbahn gegen 1.000-Kühe-Wahn“

Die Ravensburger Initiative gegen den 1.000-Kühe-Stall in Ostrach kündigt für den kommenden Sonntag, den 20. Oktober 2019,  eine Protestaktion gegen das Steinzeitprojekt im Landkreis Sigmaringen an.
Die Verantwortlichen der Initiative firmierten vormals unter dem Label AUFSTEHEN Ravensburg.
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Plakat Veranstaltungsankündigung der Initiative gegen den 1.000-Kühe-Stall in Ostrach, Ravensburg

Plakat Veranstaltungsankündigung der Initiative gegen den 1.000-Kühe-Stall in Ostrach, Ravensburg

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Treffpunkt für Aktivisten, Unterstützer und Planeten-Retter ist der Bahnhof in Aulendorf (Landkreis Ravensburg) um 13.15 Uhr. Von dort aus gehe es mit der „Räuberbahn“ durch Ostrach und den Ortsteil Hahnennest. Ihre genauen Forderungen artikulieren die Aktiven hier.

Die Demonstranten wollen vom Zug aus protestieren. Sie fordern dazu auf, Transparente, Plakate, Musikinstrumente, Trillerpfeifen, Kuhglocken und Picknick mitzubringen.

Der Protest vom Zug aus ist unter dem Aspekt sicherlich eine kluge Lösung, dass alle ortsfremden Personen, die sich, aus welcher Himmelsrichtung auch immer, dem Ortsteil Hahnennest betrachtend nähern, innerhalb weniger Minuten von Autos „begleitet“ werden. Darin sitzen dann wenig rachitisch aussehende junge Männer, welche die Besucher unfreundlich anstarren. Das ist das übliche Einschüchterungs-Szenario dort. Ich denke: Hinter den Stahlwänden eines Zugwaggons können Andersdenkende selbst in Hahnennest sicher sein? Da erübrigt sich vielleicht der Polizeischutz, der bei dieser Veranstaltung notwendig war?

Trotz penentranter Transparenzbekundungen der agrarindustriellen Betreiber verhindern zahlreiche Sichtschutzwände den Einblick in das Gelände des Energiepark Hahnennest. Vermutlich aus Gründen.
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Der 1.000-Kühe-Stall – ein effektiver Beitrag zur Klimakatastrophe?
Die Ravensburger Aktivisten bringen das ohnehin hoch umstrittene Projekt in Ostrach auch in den aktuellen politischen Zusammenhang mit der Klimawandel-Diskussion: „Klimaschutz erfordert eine andere Landwirtschaft“ heißt es auf dem Veranstaltungsplakat. Eine andere Landwirtschaft … als die, für welche in Hahnennest derzeit die baulichen Fakten geschaffen werden. Und zwar: mit ausdrücklicher Zustimmung und Unterstützung der Gemeinde Ostrach und ihres Bürgermeisters Christoph Schulz.

Parallel dazu ist beim Verwaltungsgericht Sigmaringen noch immer der Antrag auf Einstweilige Verfügung des BUND Landesverbands Baden-Württemberg anhängig.

Nicht federführend bei der Ravensburger Initiative gegen den 1.000-Kühe-Stall ist die Familie Matschinski. Über den pointierten Leserbrief des Internisten Dr. Frank Matschinski, der von der Schwäbischen Zeitung so bedeutungsschwer gekürzt wurde, hatte SaSe  hier berichtet.

Auch bei der Fridays-for-Future-Demo am 27. September 2019 in Weingarten war der 1.000-Kühe-Stall ein Thema. Mit zahlreichen Plakaten gab die junge Generation ihren Kommentar zu dem Projekt ab.
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Bei der Fridays-for-Future-Kundegebung am 27. September 2019 in Weingarten war der Ostracher 1.000-Kühe-Stall ein Thema! Foto: Micha Matschinski

Bei der Fridays-for-Future-Kundegebung am 27. September 2019 in Weingarten war der Ostracher 1.000-Kühe-Stall ein Thema!
Foto: Micha Matschinski

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Mit freundlicher Erlaubnis des Autors Wolfram Frommlet veröffentlicht SaSe hier seinen Redebeitrag auf der genannten Veranstaltung in Weingarten:
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Liebe Demo-Freunde
Ich werde über die globale Agrarindustrie reden, als einem der bedrohlichsten neo-liberalen Wirtschaftszweige. Er beginnt vor der Haustür – am Beispiel des ebenso irrwitzigen wie rückwärtsgewandten Großprojektes in der Gemeinde Ostrach-Hahnennest: Gemeinderat und Landkreis genehmigten einen 1.000-Kühe Stall – gegen [den] der BUND-Landesverband klagt.
Zuvor einige Anmerkungen zu Agribusiness und multinationalen Nahrungskonzernen.
Im August forderte der WELTKLIMARAT in einem  Sonderbericht eine sofortige, radikale Kehrtwende der weltweiten Agrarpolitik.
NGOs wie Grain, AmazonWatch, Robin Wood, Gesellschaft für Bedrohte Völker dokumentieren den Genozid an Indigen Völkern, Landraub, Vertreibung von Millionen Kleinbauern, die Vernichtung nachhaltiger Landkulturen. Für Palmöl, Zuckerrohr, agrarische Treibstoffe, Fleisch, Soja, Avocados etc….
Für unsere randvollen Tische.
Was Millionen Kleinbauern noch vernichtet sind europäische Agrarüberschüsse und Exporte.

Und da sind wir beim Megaprojekt 1.000-Kühe in Ostrach. In Ellwangen ist bereits von einem Megastall mit 1.500 Kühen die Rede.
Synonyme für eine neoliberale Wachstumsideologie, die nur einen Wert kennt: Gewinne.

1.0          1000 Kühe benötigen ca 58 Millionen Liter Trinkwasser im Jahr. Niemand will beantworten, woher diese Mengen kommen, zu welchem Massenpreis sie verkauft werden.
2.0          Die Leistungszeit bei Hochleistungskühen liegt bei maximal sieben Jahren- Für dieses Fleisch gibt es außer Hundefutter keinen Bedarf
3.0          1.000 Hochleistungskühe produzieren Tausend Kälber pro Jahr. Die männlichen werden “entsorgt“, die weiblichen sofort den Mutterkühen entzogen.
4.0          1.000 Kühe produzieren ca 12 Millionen Liter Milch pro Jahr. Für diese Milch gibt es keinen Bedarf bei uns. Also schafft man künstliche Märkte. Das nennt man dann „Entwicklungshilfe“
5.0          2018 kaufte die EU 400.000 Tonnen Milchpulver. Mit Millionen Kosten für Lagerung und steuerlich subventioniert für den Export.
In der BRD lagern zZt ca 60.000 Tonnen Milchpulver. Dazu ein gigantischer Butterberg.
6.0          Exporte, die töten:
Überschussbutter wird nach Indien exportiert und in ghee-butter verwandelt.
Millionen Frauen mit ein, zwei Büffeln gehen zugrunde, weil sie gegen diese Importe nicht ankommen. Die indische Regierung – der Zig Millionen Kleinbauern egal sind – verhandelt über ein neues Freihandelsabkommen;  Schwerpunkt der Import von Milchprodukten. Die indischen Bauern haben dagegen keine Chance. Die größten europäischen Milchkonzerne tun alle, um dabei zu sein – ein Milliardendeal.
Agrarüberschüsse gehen nach Afrika, Asien, Karibik, Lateinamerika.

7)            KONSEQUENZEN:
Millionen Kleinbauern verrecken, ziehen in die slums der mega-cities, das Land stirbt – die Jungen sehen keine Chance, fliehen nach Europa.

Wer schafft die Fluchtursachen?

Dasselbe gilt für Zigtonnen aus Italien exportiertes Tomatenmark. Auf den lokalen Märkten verrotten die  Tomaten… und die Hähnchen, wegen der Hähnchenabfälle aus unseren Massenställen, die wir nicht zu essen bereit sind. Nein, das ist kein Rassismus. Das ist Nahrungshilfe. Weil die Afrikaner und Asiaten ja zu unterentwickelt sich, sich selbst zu ernähren. Aber für uns – Kaffee, Kakao, Tee, Tabak, grüne Böhnchen  im Winter, Papaya und Baumwolle – für Ausbeuterlöhne – das kriegen sie schon hin.

Ein paar Namen hinter der unwiderruflichen Zerstörung der gesamten Bauernpopulation in etlichen Ländern –  milliardenstarke Nahrungskonzerne wie Nestlé, Danone und Lactalis, zu dem inzwischen die Omira gehört. Wer also wird die Ostracher Milch kaufen und sie wohin exportieren?

Solche agroindustriellen Megaprojekte vernichten auch die mittelständischen Familienbetriebe bei uns,  sie benötigen Futtermittel aus Monokulturen – Mais, Soja – woher?

Es geht, wie bei Vielem, was Multinationale Konzerne auf die Märkte werfen und was die Welt nicht braucht – es geht nicht primär um Milch und Fleisch: es geht um SCHEISSE für angeblich ökologisches Agrargas. Verseuchte Scheisse, voller Pharmaka, Nitrate, multiresistente Keime, wenn sie von den Biogasanlagen auf die Felder verteilt wird.

Stopp für diesen Megastall.
Keine Genehmigung weiterer Megaställe, eine enkeltaugliche, zukunftsgerechte, Artenvielfalt bewahrende Landkultur, die nicht von Discountern, Landmaschinen- und Chemie- und Gen-Industrie beherrscht wird.
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Die Gemeinde Ostrach gegen den Rest der Welt? Nicht ganz. Aber was die Jugend davon hält, dass parallel zur aktuellen Klimawandel-Diskussion im Ostracher Ortsteil Hahnennest ein 1.000-Kühe-Stall gebaut wird, bringt sie zum Beispiel auf dieser FfF-Demo am 27. September 2019 in Weingarten zum Ausdruck. Foto: Micha Matschinski

Die Gemeinde Ostrach gegen den Rest der Welt? Nicht ganz. Aber was die Jugend davon hält, dass parallel zur aktuellen Klimawandel-Diskussion im Ostracher Ortsteil Hahnennest ein 1.000-Kühe-Stall gebaut wird, bringt sie zum Beispiel auf dieser FfF-Demo am 27. September 2019 in Weingarten zum Ausdruck.
Foto: Micha Matschinski

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