TS125/19: 1.000-Kühe-Stall Ostrach: HGV unterbindet Verbraucher-Aufklärung?

Die Ravensburger Initiative gegen den geplanten 1.000-Kühe-Stall in Ostrach läßt sich auch von der bösen Knüppel-zwischen-die-Beine-Berichterstattung einer übergeschnappten Redaktionsassistentin nicht entmutigen. Nachdem ihre Protestaktion in der „Räuberbahn“ im Oktober 2019 ein bisschen in die Hose ging (die SchwäZ berichtete emotionslos), haben die Aktivisten sich jetzt eine pfiffige neue Aktion einfallen lassen.
Hier die dazu auch dieser Redaktion zugegangene Pressemitteilung im Volltext (Hervorhebung von dieser Redaktion):

Auf dem am 07.12.2019 stattfindenden Weihnachtsmarkt in Ostrach bekamen einige Besucher kleine Geschenke
Drei Nikoläuse in Begleitung ihrer Engel ‚verschenkten‘ staatlich subventioniertes Milchpulver an Weihnachtsmarktbesucher. Das Milchpulver sei zum einen bereits von allen Steuerzahlern bezahlt worden. Zum anderen wäre eine regionale Verwendung doch angebrachter als der verheerende Export nach Afrika und Asien, wodurch dortige lokale Märkte zerstört würden.
Die meisten Besucher nahmen die kleinen Cellophan-Beutelchen mit der verbundenen Botschaft interessiert entgegen. In den Gesprächen zeigten sich viele Besucher bereits gut informiert, waren aber doch über Zahlen, Zusammenhänge und Auswirkungen überrascht.

Leider wurden die Nikoläuse und ihre Engel von den Veranstaltern nach ca. 1 Stunde aufgefordert, diese „politische Aktion“ einzustellen.

Die Frage, die sich der himmlischen Heerschaft daraufhin stellte:
Stört eine Aktion, in der die Verbraucher über ihre eigene Gesundheit, bzw. das Wohlergehen ihrer Kinder und Tiere aufgeklärt werden, den vorweihnachtlichen Frieden?
Ein Frieden, der denen nützt, die keine Diskussion darüber wollen, dass der erlaubte Grenzwert für Nitrat, das in den um Ostrach liegenden Gebieten ins Trinkwasser gelangt, bereits jetzt überschritten ist. Ein Frieden, in dem es keinen Platz gibt für die 1000 Kälber, die jedes Jahr im geplanten 1000-Kühe-Stall in Ostrach anfallen. Ein Frieden, in dem die Verbraucher mit Agrargas vom Hahnennest, anstatt mit nachhaltigem Biogas versorgt werden sollen. Ein „schweigender“ Frieden sozusagen.

Aber noch ist nicht alles zu spät. Noch läuft die Klage des BUND gegen die Genehmigung des 1000 Kühestalls in Ostrach Hahnennest. Und noch gibt es Menschen, die sich aktiv gegen das geplante Mega-Projekt stellen und sich für eine nachhaltige und enkeltaugliche Landwirtschaft einsetzen.
Ganz im Sinne einer -nicht nur an Weihnachten- friedvolleren Welt!

RV, 9.12.2019
Initiative gegen den geplanten 1000-Kühe-Stall in Ostrach

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Eine pfiffige VErbraucherinformationsaktion der Ravensburger Initiative gegen den 1.000-Kühe-Stall wurde vom Handels- und Gewerbeverein Ostrach e. V. untersagt. Die Aktivisten hatten kleine Tütchen mit Milchpulver zuzüglich Informationstexten zu dem damit verbundenen Subventionswahnsinn verteilt. Foto: Ravensburg Initiative gegen den geplanten 1.000-Kühe-Stall in Ostrach

Eine pfiffige Verbraucherinformationsaktion der Ravensburger Initiative gegen den 1.000-Kühe-Stall auf dem Ostracher Weihnachtsmarkt am 7. Dezember 2019 sei vom Handels- und Gewerbeverein Ostrach e. V. untersagt worden. Die Aktivisten hatten kleine Tütchen mit Milchpulver zuzüglich Informationstexten zu dem damit verbundenen Subventionswahnsinn verteilt.
Foto: Ravensburg Initiative gegen den geplanten 1.000-Kühe-Stall in Ostrach

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Bitte was? Die Veranstalter (des Ostracher Weihnachtsmarkts) haben die Aktion untersagt?

Veranstalter des Weihnachtsmarkes ist der Handels- und Gewerbeverein Ostrach e. V. Die Vorsitzende Birgit Bauknecht war kurzfristig für eine Stellungnahme telefonisch nicht zu erreichen. Aber da möchte ich dann schon noch einmal nachfragen, was der Grund und vielleicht auch die Rechtsgrundlage dieses „Abbruchs“ der auch global relevanten Verbraucherinformation sein sollen? Presseanfrage geht noch heute raus.

Allerdings Gratulation an die Aktivisten: Besser kann es kaum laufen. Denn diese Intervention seitens des HGV ist ja nachgerade mehrsprachig!
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Aktualisierung vom 11.12.2019: Presseauskunft des HGV
Rasch und schriftlich hat der HGV meine Presseanfrage beantwortet. Thomas Mogg, Schriftführer, bestätigt den Aktionsabbruch an sich:

Wir wurden von Marktbesuchern und Standbetreibern auf die Aktion angesprochen. Daraufhin haben wir das Gespräch mit den Aktivisten gesucht und angemerkt, dass wir als Veranstalter mit der Aktion bedingt durch die Nachfragen in Verbindung gebracht werden und insoweit weder dafür oder dagegen Stellung beziehen wollen, weil aus unserer Sicht dies auf einem Weihnachtsmarkt unpassend wäre. Reaktion der Aktivisten war, dass man dies nachvollziehen könne und die Aktion beenden werde.
(Presseauskunft HVG per Mail am 11.12.2019)

Das Problem bei dieser Aktion der Ravensburger Aktivisten scheint mir das nämliche zu sein wie bei der „Demo“ in der Räuberbahn im Oktober 2019: die fehlende Anmeldung und Vorababklärung einer Protestaktion mit Verantwortlichen. Verständlich erscheint die Sorge des Veranstalters, mit der Aktion in Verbindung gebracht zu werden. Wie wir aus der Vergangenheit und den aus dieser berichteten verschiedenen Bedrohungsszenarien für Kritiker des 1.000-Kühe-Stalls wissen, kann eine solche Positionierung ernsthaft Probleme nach sich ziehen.

Veranstalter und Aktivisten haben sich konstruktiv geeinigt. Die Aktion wurde (friedlich) beendet. Aber es bleibt ein leichtes Störgefühl … in beide Richtungen.

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