TS126/15: Ausrede + Rote Linie + Volk + Heimat + „So! Muncu“

+++ „Bericht aus Berlin“: Notfalls ist alles Satire
Es ist ebenso ermüdend wie dreist, wenn sich Publizisten jedwelcher Couleur im Notfall auf Satire versuchen herauszureden (vgl. dazu auch den Fall Peter Hoven alias Dr. Alfons Proebstl TS 125/15). Und das auch dann, wenn die agierenden Journalisten et al. und Sendeformate ansonsten mit Satire so viel zu tun haben wie D(d)enkfunk mit Kabarett. Jüngstes Beispiel ARD Bericht aus Berlin vom Sonntag, 4. Oktober 2015, mit der Hintergrundgrafik von Angela Merkel im Tschador vor einem Reichstag mit Minaretten. Die FAZ untersucht den Vorgang unter Bezug auf die Zuschauerreaktionen. Die Berliner Zeitung kommentiert, die Grafik spiele den Rechtspopulisten in die Hände.


+++ Dieter Hallervorden überschreitet rote Linie
Der Komiker Dieter Hallervorden sprengt einen wichtigen Bereich des deutschen Kabaretts endgültig von jeder Seriosität ab: Nach der umfassenden Kritik an seinem als antisemitisch bewerteten Song „Ihr macht mir Mut (in dieser Zeit)“ setzt der alte Mann jetzt noch einen drauf und gibt dem umstrittenen „Journalisten“ Ken Jebsen ein Interview – expressis verbis in seiner Eigenschaft als Gründer der Kabarettbühne Die Wühlmäuse.

Der Vorgang wird auch auf dem Propagandaschau-Watchblog notiert. Gleich zu Anfang bestätigt Hallervorden ein von Jebsen vorgetragenes Zitat von Hermann Hesse, er glaube nicht an Demokratie. Das sei ihm, Hallervorden, aus dem Herzen gesprochen.

Senf: Das deutsche Kabarett hat schon eine ganze Weile, jetzt aber zunehmend ein fettes Glaubwürdigkeitsproblem. Der eine Teil der Kabarettisten organisiert sich in dem durch und durch intransparenten Zusammenschluss denkfunk, deren Strippenzieher samt und sonders aus dem ebenfalls intransparenten Kleinstverein, Global Change Now e. V., stammen, bei dem demokratische Mitwirkung schon von der Satzung (§ 5 Abs. 6) her ausgeschlossen ist. Noch dazu soll die Verbindung zwischen D(d)enkfunk und Global Change Now e. V. notfalls mit der Ausübung nicht ganz legitimen Drucks geheim gehalten werden.
Dieser sowie ein weiterer Teil von Liedermachern und Kabarettisten gruppiert sich um Albrecht Müller und seine NachDenkSeiten, deren Verbindungen zur Querfront (auch) Thema der Querfront-Studie der Otto-Brenner-Stiftung ist. Diese wurde nach einer anwaltlichen Intervention von Ken Jebsen aus dem Netz genommen.
Ein weiterer Teil des Kabaretts hängt an Dieter Hallervorden und den Wühlmäusen. Hallervorden entblödet sich nach dem Skandal um das oben zitierte Musikvideo nicht, ausgerechnet einem Ken Jebsen ein Interview zu geben und damit seine politische Position klar zu markieren und die Grundwerte dieses Landes wie zum Beispiel Demokratie in Frage zu stellen

Zur Causa Ken Jebsen erhellt auch dieser 3sat-Beitrag aus dem Jahr 2014:

Ich mag mich täuschen, aber noch nie in der Geschichte des Kabaretts waren dessen namhafte Vertreter so tief in dubiose Netzwerke verstrickt und standen in nachweislicher Verbindung zu Rechten, Truthern, Verschwörungsideologen und Antidemokraten wie heute! Mit der Unabhängigkeit verlieren diese Kabarettisten auch jede Glaubwürdigkeit.


+++ Offtopic: Das angeblich so besorgte Volk?
Gemäß Einschaltquoten bei Meedia haben am Dienstag, den 7. Oktober 2015, nur 3,45 Millionen Zuschauer das auch journalistisch brillante Interview von Anne Will mit der Bundeskanzlerin gesehen (ARD 21.45 Uhr; Medienecho und Netzreaktionen). Aber 3,5 Millionen Konsumenten sahen sich um 20.15 Uhr auf RTL „Mario Barth deckt auf“ an? Dann kann es mit der Besorgnis der Deutschen angesichts der Geflüchtetenaufgabe ja nicht so weit her sein?


+++ ARD Dieter Nuhr: „Nuhr daheim“
Fernsehkritiktechnisch braucht SaSe sich zu ARD Nuhr daheim am 8. Oktober 2015 nicht bemühen. Das übernimmt für diesen Nuhr-Auftritt innerhalb der ARD-Themenwoche <Heimat> der stern, auch wenn die TV-Kritik mehrheitlich in die Nacherzählung flüchtet.


+++ „So! Muncu“: Wunschbrief
Quotenmeter veröffentlicht den Leserbrief von Julian Miller zu dem ersten Polit-Talk auf n-tv mit Serdar Somuncu. Miller ist restlos begeistert, spricht von „Katharsis“ und fordert den Kabarettisten als Mitglied jeder Talk-Runde, in denen der konsequente „Seine-Meinung-Geiger“ chronisch fehle.

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