TS14/20: Bürgermeisterwahlkampf Spaichingen: Markus Hugger könnte den Zauberwürfel rocken

Das – von vielen/manchen/einigen (?) Spaichinger Bürgern so empfundene – Lichtlein kam in einer Meldung (nicht nur) des Heuberger Bote vom 7. Januar 2020 daher: „Markus Hugger kandidiert in Spaichingen“. Auch der Südkurier und die Neue Rottweiler Zeitung meldeten gleichlautend.

In Spaichingen ist am 15. März 2020 Bürgermeisterwahl. Die ersehnte. Denn seit Jahren macht der amtierende Spaichinger Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher (parteilos) unrühmliche Schlagzeilen. Und vielen Bürgern und Gemeinderäten bereitet seine Amtsführung nachhaltiges Bauchweh und bohrende Kopfschmerzen. Es sei nur an den feudalen Abbruch der Gemeinderatssitzung vom 16. Dezember 2019 erinnert.

Das von mir wahrgenommene Stimmungsbild in Spaichingen zur Causa Schuhmacher: Es herrscht die schiere Angst! Nicht nur als senfende Bloggerin ereilen den Fragenden von allen Seiten dringliche Warnungen, wie gefährlich es sei, kritisch über Schuhmacher zu berichten. Hallo?

Dann kommt ja so etwas noch hinzu!

Nun tritt Markus Hugger (CDU) auf den Plan, der bisher (noch) Bürgermeister im benachbarten Immendingen (ebenfalls Landkreis Tuttlingen) ist. Dort wurde er 2018  wiedergewählt. Mit 98 Prozent der abgegebenen Stimmen, wie er stolz hervorhebt. Nun ja. Genau genommen waren es sogar 98,6 Prozent (Quelle). Allerdings bei einer Wahlbeteiligung von 41,8 Prozent – und bei einer Wahl ohne Gegenkandidat. Mithin ein Wahlergebnis, das nicht wirklich so viel aussagt.

Zumindest nicht so viel, wie die Immendinger Gemeinderäte, bei denen der Heuberger Bote die Reaktionen auf diese unerwartete Kandidatur abgefragt hat: „So reagiert Immendingens Gemeinderat auf die Kandidatur von Bürgermeister Hugger in Spaichingen“. Die Räte loben Hugger quer durch alle Fraktionen hinweg über den grünen Klee hinsichtlich seine Amtsführung. Um anschließend und völlig unlogisch Verständnis für den avisierten Wechsel nach Spaichingen zu äußern.

Vor so viel Großmut kann man nur niederknien: Jetzt  haben die Bürger in Immendingen schon mal einen Lege artis amtierenden Bürgermeister – auch keine Selbstverständlichkeit in Baden-Württemberg -, da lassen die den so einfach ziehen? Dieser logische Bruch irritiert.

Hugger erklärt die Kandidatur selbst und zurückgenommen als eine Maßnahme der persönlichen Weiterentwicklung. Das erscheint strategisch sinnvoll. In Sicht- und Reichweite dieses Gegners allzumal. Wir wollen das nicht vertiefen.
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So sieht sie aus, die Alternative für den Rathaussessel in der Stadt Spaichingen. Der bisherige Bürgermeister von Immendingen, Markus Hugger (CDU), wirft seinen Hut in den Ring.  Wie viel Mut gerade diese Bewerbung erfordert, wissen nur diejenigen, welche den unfassbaren Zoff in Spaichingen zwischen dem amtierenden Bürgermeister und dem Rest der Welt über die Jahre hinweg verfolgt haben.  Foto: Holger Fetzer

So sieht sie aus, die Alternative für den Rathaussessel in der Stadt Spaichingen. Der bisherige Bürgermeister von Immendingen, Markus Hugger (CDU), wirft seinen Hut in den Ring. Wie viel Mut gerade diese Bewerbung erfordert, wissen nur diejenigen, welche den unfassbaren Zoff in Spaichingen zwischen dem amtierenden Bürgermeister und dem Rest der Welt über die Jahre hinweg verfolgt haben.
Foto: Holger Fetzer

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Am vergangenen Samstag dann warf CDU-Mann Markus Hugger am Spaichinger Rathaus seine Bewerbung ein. Nun  verbleiben acht Wochen eines in seiner Dynamik noch nicht abzuschätzenden Wahlkampfs. Der stark rechtsdrehende publizistische Unterstützer Schuhmachers hat sich schon in Stellung gebracht und wirft der SchwäZ i. e. Heuberger Bote vor, was der/dem nicht vorzuwerfen ist: die Verwertung von Pressemitteilungen (die deshalb auch als „pm“ gekennzeichnet werden).
Ich bin immer gern dabei, wenn es gegen die SchwäZ geht, aber Substanz sollten die Vorwürfe dann doch haben?

Kenner der Spaichinger Rathaus-Szene zum bevorstehenden Run auf den Verwaltungschef-Sessel: „Schlammschlacht nicht ausgeschlossen.“ Derweil steppt bei den in ungewöhnlicher Dichte und Folge stattfindenden Gemeinderatssitzungen dort der Bär. Zum Beispiel gestern Abend auf dem Dreifaltigkeitsberg. (Senf folgt.)

Hugger kann eine durchaus sehenswerte Leistungsbilanz in Immendingen vorweisen. Aus meinen diversen Berichtsgemeinden fällt mir – außer Ostrach – ad hoc keine ein, in der das alle Fraktionen übergreifende Loblied zum Bürgermeister so spontan anzustimmen wäre. Was ja auch nicht per se positiv ist.

Vor allem aber beweist Hugger mit dieser Kandidatur Mut.

Die Demokratie-relevante Brisanz seiner mannhaften Ich-bin-die-Alternative-Choreografie (zu Amtsinhaber Schuhmacher) liegt in der Tatsache, dass in Spaichingen für diesen ganz normalen demokratischen Vorgang überhaupt Mut notwendig ist …

Und Geschick. Wie beim Zauberwürfel. Bloß dass in Spaichingen die Eck- und Randsteine rasiermesserscharf sind.  Ob Hugger den Spaichinger Bürgermeister-Würfel verletzungsfrei und erfolgreich gelöst kriegt, dafür falten sich unter dem Dreifaltigkeitsberg derzeit jede Menge Hände. Die Anzahl derer lässt sich erst nach dem 15. März 2020 bestimmen.
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Foto: Dieter Kaiser / pixelio.de

Foto: Dieter Kaiser / pixelio.de

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