TS144/15: Satire in Terrorzeiten

+++ Das Netz turnt es den Kabarettisten vor: #DoItLikeDeMaiziere
Wenn SaSe und andere (vgl. TV-Kritik Die Anstalt bei Meedia) kritisieren, dass einige Satiriker die Satire schneiden (vgl. TS143/15 Meldung 3), dann zeigt das Netz, wie man Kritik an der Politik kreativ-humorig-witzig verpackt und mithin auf den Punkt bringt – am Beispiel der unsäglichen DeMaizière-Äußerung auf der Hannover-Pressekonferenz am 17.11.15. Meedia hat die Highlights der unterhaltsamen Reaktionen zusammengestellt.


+++ Helge Schneider und der Terror: Kontemplativ – gelassen – witzig
Auch der Künstler und Musiker Helge Schneider zeigt eine die User offensichtlich beeindruckende lockere Art, mit dem Terror umzugehen. Nachdem er am Dienstagabend einen Auftritt in Hannover absagen musste, hat er auf seinem Facebook-Profil ein Video eingestellt mit der gelassenen Botschaft: „Dann komme ich Donnerstag wieder“. Ein Fan postet als Antwort: „Das zaubert mir ein Lächeln“ (Quelle).
Künstler und Satiriker, die den Menschen im ernstgelagerten Deutschland so erfolgreich beistehen, haben zweifellos ihren Job gemacht: ein Lächeln in die Gesichter zaubern! Die Botschaft hat in etwas mehr als 24 Stunden knapp 6,5 Millionen Aufrufe erhalten.


+++ „Meedia“-TV-Kritik „Die Anstalt“ vom 17.11.2015
Oben schon erwähnt und eine Grundkritik dieses Blogs verstärkend pointiert die Meedia-TV-Kritik von Stefan Winterbauer an Die Anstalt vom 17.11.2015 (Mediathek) die an Gewicht gewinnenden Defizite der Kabarettsendung. Auch Winterbauer stellt fest, dass die Kabarettisten (zunehmend) Applaus von der falschen Seite erhalten, weil sie zum Beispiel in der Sendung am Dienstag wieder einmal die Verschwörungstheoretiker munitionieren.
Er erwähnt nicht, dass Max Uthoff und Claus von Wagner zu der dubiosen Vereinigung D(d)enkfunk (Übersicht in HInfo6) gehören, in der Thesenlieferanten und Sympathisanten der Truther-Szene eine unangefochtene Heimat haben – etwa Dirk Müller oder Inge Hannemann (hier).

Das Meedia-Resümee:

“Die Anstalt” ist eine handwerklich sehr gut gemachte Sendung mit eindeutiger Haltung und einem leider immer drückender werdenden Hang zur Schwere und immer stärker werdendem Linksdrall. Das verstörende dabei ist, dass Clips aus der Sendung bei Facebook teils auch von verschwörungtheoretischen Wirrköpfen Applaus bekommen, die ganz sicher nicht im linken Meinungspektrum zu verorten sind. Man kann sich seine Fans halt nicht immer aussuchen. Wer den Weltschmerz in sich spürt und auf Regierung und Staat so richtig sauer ist, ist bei der “Anstalt” derzeit gut aufgehoben. Wer lachen möchte, sollte ein anderes Programm wählen oder in den Keller gehen.
(Meedia Stefan Winterbauer 18.11.15: „V – wie Verschwörung, W – wie Weltschmerz: Wer bei Die Anstalt“ im ZDF lachen will, sollte lieber im Keller bleiben“)

Zum gravierendsten Defizit der Sendung äußert sich Winterbauer nicht, weil ihm die Hintergründe möglicherweise nicht bekannt sind: Es ist der absolute Glaubwürdigkeitsverlust von Max Uthoff zuvorderst, Claus von Wagner etwas abgeschwächt als Mitwirkende und Werbezugpferde eines intransparenten manipulativen Zusammenschlusses mit Drahtziehern, die im Dunkeln bleiben wollen, mit Redakteuren, die mit Fake-Profilen im Netz unterwegs sind und außerdem schamlos kritische Beiträge zensieren und zensieren.


+++ Satire in Terrorzeiten
Wann hat man schon einmal Gelegenheit, die Lippische Zeitung zu erwähnen? In Terrorzeiten! In denen gibt genanntes Blatt einen aktuellen Überblick über die Dispositionen, Argumente und Strategien von Kabarettisten in Terrorzeiten. Aber die unterliegende dpa-Meldung dazu wurde natürlich auch vom Focus, der WELT et. al. verwurstet.
Eine (möglicherweise) eigenständige Betrachtung der Kombi Terror & Satire dagegen wagt der Tagesspiegel.

 

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