TS18/20: Bürgermeisterwahlkampf Spaichingen: Viel Munition für rechte Publizistik!

Puuh. Eigentlich habe ich eine wichtige andere Recherche zu erledigen. Aber im Spaichinger Bürgermeister-Wahlkampf grätscht schon der Nächste ins Match. Wie wird das erst werden, wenn die kleine Stadt im Landkreis Tuttlingen der Ziellinie am 15. März 2020 zustrebt?

Vorgeschichte (vgl. auch TS16/20): Am 15. März 2020 ist in Spaichingen heiß ersehnte Bürgermeisterwahl. Der Amtsinhaber Hans Georg Schuhmacher (parteilos) ist offensichtlich nicht sehr beliebt. Nicht mehr. Bei seiner Wahl am 11. März 2012 war das noch etwas anders: Schuhmacher wurde mit 64,4 Prozent der abgegebenen Stimmen im Amt bestätigt (Quelle).


Die interessante Rolle des
Heuberger Bote
Schuhmacher selbst sah den Wahlkampf schon Ende letzten Jahres eröffnet, als er in seiner auf der Homepage der Stadt Spaichingen veröffentlichten Presseschelte die Redakteurin des Heuberger Boten im Wahlkampf befindlich konstatierte. Nach zahlreichen Protesten zu diesem Publikationsort ist der entsprechende Beitrag dann wieder aus der Rubrik „Aktuell“ der Stadt-Homepage verschwunden.

Dafür übten die Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen ihren traditionellen „Bergreden“ (eine spezielle Gemeinderatssitzung) am 20. Januar 2020 heftig Kritik – je nach politischem Standort für oder gegen Schuhmacher (Berichterstattung mit Link auf alle „Bergreden“).

Insbesondere die Rede des Spaichinger FDP-Fraktionsvorsitzenden Leopold Grimm führt jetzt zu einer regelrechten Schlammschlacht, die via Heuberger Bote ausgefochten wird. Und zwar: nur dort! In besagter „Bergrede“ hatte Grimm zum Wahlkampfthema Schließung Klinikum Spaichingen und hinsichtlich des Gemeindeverwaltungsverbandes (GVV) Heuberg nur einen einzigen Satz gesagt: „Wo war die Verwaltungsgemeinschaft?“ (Quelle).


Die speziellen „offenen“ Briefe in Spaichingen
Diese Frage wiederum beantwortete ihm der Denkinger Bürgermeister Rudolf Wuhrer (Freie Wähler) in einem angeblich offenen Brief an Leo Grimm.

Nun muss man eine Spezialität aus Spaichingen kennen: Dort versteht man unter einem „offenen“ Brief eben keinen offenen Brief, sondern die exklusive und ausschließliche Information an den Heuberger Boten i. e. Schwäbische Zeitung (auf SaSe onomatopoetisch markiert als „SchwäZ“). Das war schon hier der Fall gewesen. Veröffentlichungen auf der eigenen Partei-Homepage, wie sich das im Jahr 2020 gehört, kennt das Spaichinger Establishement nicht … und wird in dieser Haltung auch vom Heuberger Bote unterstützt. Lol.

Nicht einmal der FDP-Mann Leo Grimm selbst habe den offenen Brief von Wuhrer erhalten, wie der nächste SchwäZ-Artikel dann enthüllt. Allerdings ist es zumindest für ortsfremde Presse auch schier unmöglich, den FDP-Politiker Leo Grimm zu erreichen … oder gar eine Antwort von ihm zu erhalten (guckst du hier).

Zu der Frage, ob es zu den journalistischen Sorgfaltspflichten gehört, vorher zu prüfen, ob ein „offener“ Brief tatsächlich offen ist und ob sein Adressat ihn überhaupt erhalten hat, erlaube ich mir kein Urteil, weil ich seit Kurzem aus kompetentem Munde zu diesen Fragen dauerbelehrt werde.
Als Bloggerin aber kann ich mir erlauben zu schreiben: Wäre so ein Gefühl?

Allerdings kannte auch der FDP-Mann Leo Grimm, der von unabhängiger Öffentlichkeitsarbeit offensichtlich selbst nichts hält, auf (meine) Presseanfrage nicht antwortet und digital mit irritierend vielen Fehlinformationen auftritt, auch nur den Weg zum Heuberger Bote: Der nächste Herr, dieselbe Dame!

Grimms Stellungnahme auf Wuhrers Attacke kannten zu diesem Recherche-Zeitpunkt  nur der Heuberger Bote und Grimm selbst  …. und der stark nach rechts ausfransende Blogger Jochen Kastilan, der sich derzeit wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten muss und Schuhmacher schon seit Jahren die publizistische Stange hält. Der zitierte auf seinem rechtslastigen (und deshalb unverlinkbaren) Blog Neue Bürgerzeitung Inhalte aus der FDP-Stellungnahme, die dem Artikel im Heuberger Bote nicht zu entnehmen sind. Woher Kastilans Informationen stammen, darüber kann man nur spekulieren; beweisen lässt sich nichts, weil der FDP-Mann Grimm meine Pressefrage dazu nicht beantwortet. Kenner der klandestinen Szene in Spaichingen allerdings halten es eher für ausgeschlossen, dass Grimm Kastilan seine Stellungnahme hat zukommen lassen …

Soll ich Ihnen diese konspirativen Informationskanäle mal aufmalen? Ich kann nicht so gut zeichnen …
*

Schlammschlacht, die nächste Fuhre
Ganz aktuell meldet sich nun der Vorsitzende des GVV Heuberg, der Gosheimer Bürgermeister André Kielack (CDU), zu Wort. Sie kommen nie drauf, welchen Instrumentes auch er sich bedient: Heuberger Bote!

Was dort in dem namentlich nicht gekennzeichneten Artikel „Gosheims Bürgermeister wertet Leo Grimms Schreiben als Wahlkampfgetöse“ vom 29. Januar 2020 geschrieben steht, lässt sich – das ist üblicher Spaichinger Standard – schon in den banalsten Angaben nicht überprüfen.

Da steht zum Beispiel, Kielack sei Vorsitzender des GVV Heuberg. Schade, dass diese Info beim GVV Heuberg noch nicht angekommen ist. Dort wird (mit Datum des Screenshots heute) Bürgermeister Gerhard Reichegger als Verbandsvorsitzender genannt.
*

Unüberprüfbare Informationen im Heuberger Bote: Dort meldet sich heute der Gosheimer Bürgermeister André Kielack zu Wort mit dem Anspruch, GVV-Verbandsvorsitzender zu sein. Er ist es tatsächlich, was aber nur verifizieren kann, wer sich der dazugehörigen Mühen unterzieht. Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Homepage des GVV Heuberg am 30.01.2020

Unüberprüfbare Informationen im Heuberger Bote: Dort meldet sich heute der Gosheimer Bürgermeister André Kielack zu Wort mit dem Anspruch, GVV-Verbandsvorsitzender zu sein. Er ist es tatsächlich, was aber nur verifizieren kann, wer sich der dazugehörigen Mühen unterzieht.
Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Homepage des GVV Heuberg am 30.01.2020

*
Kleinigkeit? Nein, durchaus nicht. Umso länger man diese Angelegenheit in Spaichingen und die spezielle Rolle des Heuberger Bote beobachtet, desto mehr Furchen graviert es dem Betrachter auf die Stirn. In nahezu konspirativer Kooperation mit der einzigen örtlichen Zeitung und durch das Zurückhalten von Informationen auf den eigenen Internetpräsenzen (Homepages und Facebook-Accounts der agierenden Parteien und Behörden) wird Bürgern die Möglichkeit genommen, sich unabhängig von der SchwäZ zu informieren.

Das halte ich für überaus problematisch.

Wenn der derzeit wohl tatsächlich amtierende GVV-Heuberg-Vorsitzende André Kielack (CDU) auch im Namen des GVV spricht und offensichtlich Pressemitteilungen (ähh: eine [1] PM) oder eine „Stellungnahme“ verschickt, warum ist die nicht auf der GVV-Homepage zu finden?
*

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot GVV Heuberg, Rubrik "Presseartikel" - wäre das nicht der ideale und keineswegs exklusiv ein Presseorgan bevorzugender Ort für die "Stellungnahe" des GVV-Vorsitzenden André Kielack gewesen?

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot GVV Heuberg, Rubrik „Presseartikel“ – wäre das nicht der mögliche und keineswegs exklusiv ein Presseorgan bevorzugender Ort für die „Stellungname“ des GVV-Vorsitzenden André Kielack gewesen, z. B. in Verbindung mit dem berichtenden HB-Artikel?

Dazu nimmt André Kielack dieser Redaktion gegenüber wie folgt Stellung: Die GVV-Homepage wurde bisher noch nicht aktualisiert. Er, Kielack,  sei erst seit dem 1. Januar 2020 im Amt. Das Update der Webseite sei geplant. Seine Information direkt und exklusiv an den Heuberger Bote erkläre sich aus der Tatsache, dass die Attacke von FDP-Mann Grimm und – wörtlich – „dessen unwahre Tatsachenbehauptungen“ eben auch und nur im Heuberger Bote erschienen seien.

Tja, ein Teil des Problems …

Kielack räumt ein, dass die Veröffentlichung seiner Stellungnahme in seiner Funktion sowohl als Gosheims Bürgermeister wie als derzeitiger GVV-Vorsitzender in der Rubrik „Pressetexte“ der GVV-HP angemessen wäre.

Insgesamt reagiert der CDU-Mann konstruktiv und elastisch auf die von mir vorgebrachte Kritik. Eine völlig neue Erfahrung im Spaichingen-Kontext für mich.

Hier die Stellungnahme von Kielack im Volltext!

*
Ungewollte Munition für Schuhmacher und Kastilan

Mit all diesem intransparenten Informationsflüssen und der für den Normalbürger schon allmählich nur noch schwer nachvollziehbaren Argumentationsketten zur Causa „Bergreden“ liefern die zitierten Protagonisten alle zusammen dem Schuhmacher-Unterstützer Jochen Kastilan fett Munition.

Der kann zeitgleich noch auf so geschichtsvergessenen und megalomanischen Dummschwätz der hiesigen Journalisten zurückgreifen, wie sie auf der Kampagnen-Homepage „Journalismus zeigt Gesicht“ dokumentiert ist. Dort steht doch tatsächlich so ein intelligenzfreier Murks wie: „Das Geheimnis einer glaubwürdigen Journalistin: die Wahrheit“.

Sie sind also wieder da, die Wahrheitsverkünder. Fürchtet euch!

Und weil eben inzwischen kaum noch einer durchblickt, kommt die rechte Gegenseite zu ihren nur auf den ersten Blick berechtigten Fragen: Was hat ein Notarztstandort und ein Ärztehaus mit der Schließung des Klinikums Spaichingen zu tun?

Natürlich nichts. Kielack reagiert hier nur auf weitergehende Angriffe des FDP-Mannes Grimm, der in seiner Heuberger-Bote-Stellungnahme angebliche falsche Tatsachenbehauptungen erhoben habe. Dabei ging es um die vom Kreis angeblich zugesagte Unterstützung zur Einrichtung eines Notarztsitzes in Gosheim und die Einrichtung eines Ärztehauses.

Immerhin: Wer den Spaichinger Bürgermeisterwahlkampf verfolgt, kann im Verlaufe des Verfahren genau die Ingredienzien notieren, welche zur vielbeklagten Politikmüdigkeit und Demokratieferne der Bürger beiträgt.

Und dann sind sie zur Stelle, die mit dem nach rechts offenen Ohr.

Hast Du etwas zu sagen?

Copyright © 2020. Powered by WordPress & Romangie Theme.