TS38/16: Die AfD und die irrelevanten anderen Themen

+++ Vermeintlicher AfD-Tweet droht mit Absetzung der „heute-show“
Die Aufregung sei groß, behauptet die HuffPo, die gesicherten Fakten dahinter lassen sich auf Teppichkantenhöhe zusammenkehren: Auf Twitter droht(e) ein angeblicher Landesverband AfD-Bremen-Nord der heute-show aufgrund ihres (phantastischen Einspielers) mit Christine Prayon und Oliver Welke zum AfD-Programmentwurf (vgl. TS37/16): „macht euch ruhig lustig über uns … eure sendung setzen wir als 1. ab“. Der Landesverband AfD Bremen hat sich von dem Tweet distanziert: „wir weisen darauf hin, dass die AfD Bremen – Nord Seite auf Twitter KEINE offizielle Seite des LV Bremen ist“.
Weitere Berichterstattung: Tagesspiegel + Spiegel online + DWDL + Weser-Kurier.


+++ „Wirtschaftsglosse“ im „Manager-Magazin“
Auch die Hohepriester der Wirtschaftswissenschaften-Religion (herrlich skizziert in Horst Evers Alles außer irdisch!) kommen nicht ohne Satire aus. Das beruhigt. Eva Müller setzt sich im Manager-Magazin in der „Wirtschaftsglosse“ Mein Handy stalkt mich mit den belastenden Segnungen moderner Vernetzung als Opfer individualisierter, durch vorherigen Datenabgriff erst ermöglichter Werbung auseinander.
Senf: Man lacht über die Pointen natürlich weitaus authentischer aus einer Lebensform heraus ohne Smartphone …


+++ „VICE“: Ist Hans-Peter Friedrich insgesamt ein Satire-Projekt?
VICE sei so froh gewesen, als der CSU-Politiker  Hans-Peter Friedrich im Zuge der Edathy-Affäre von der politischen Bühne abgeräumt worden war, gesteht das Magazin in einem aktuellen Beitrag über den Flurschaden-Mann. Und dann tauchte der am 13. März mit einem eigenen Twitter-Account auf: @HPFriedrichCSU. Ein Tweet am 18. März 2016 allerdings ließ hoffnungsvolle Bedenken auch in der Community aufkommen, ob es sich nicht doch um einen Satire-Account handele. Eingehende Recherche brachte diese Hoffnung zu einem frühen Tod, der seinen sprichwörtlichen Verheißungen widerspricht (von wegen: „zuletzt“!). Der/die/das VICE-Staff wuppt jetzt die verführerische Frage in den Raum, ob es sich bei Hans-Peter Friedrich einfach insgesamt um ein Satire-Projekt handele?


+++ Kinostart „Anhedonia“: Gelungene Kritik an der Spaßgesellschaft
Harald Mühlbeyer
bespricht auf Kino-Zeit.de den neuen Satirefilm Anhedonia – Narzissmus als Narkose (Trailer). Abgesehen von dem Segen der Tatsache, dass das epidemische Leiden der Anhedonie endlich, aufrüttelnd und satirisch thematisiert wird, stelle der Film in Machart, Plot und Inventar höchste Ansprüche an den Satirefreund, was ihn von Blogbuster-Begleiterscheinungen entfernt halten wird. In Extension Brecht’scher Brechungen komme es hier zum Äußersten: Nicht einmal die Ironie sei ernst gemeint! „Alles ist Spiel, auch das Spiel mit dem Spiel“.

Alles ist durchdrungen von einer Kritik an der Spaßgesellschaft, gehalten im Ton der Spaßgesellschaft; eine Gesellschaftssatire, die ihre Satirehaftigkeit satirisch ironisiert, weil damit genau diese postpostmoderne Uneigentlichkeit, der hippe Unernst, wiederum auf die Schippe genommen wird.
(Harald Mühlbeyer auf Kino-Zeit.de 17.03.16: „Anhedonia – Narzissmus als Narkose“)


Daten & Fakten
(zitiert nach ibid.):
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr:  2015
Länge: 80 (Min.)
Verleih: Interzone Pictures
Kinostart: 31.03.2016

Cast & Crew
Regie: Patrick Siegfried Zimmer

Drehbuch: Sebastian Schultz, Patrick Siegfried Zimmer
Kamera: Marius von Felbert
Schnitt: Habiba Laout
Musik: Patrick Siegfried Zimmer
Hauptdarsteller: Robert Stadlober, Paula Kalenberg, Blixa Bargeld, Dirk von Lowtzow, Wieland Schönfelder


+++ „Erzählmirnix“ entzaubert den Gender-Pay-Gap-Hype
Häufiger als gelegentlich staune ich über den Mut der Erzählmirnix-Herausgeberin Nadja Hermann, sich derart explizit Konsens-Empörungswellen aufrecht entgegenzustellen! Beispiel: Gender Pay Gap.
Und es spricht entschieden gegen den Feminismus, wenn deren Aktivistinnen immer wieder so große Probleme mit der erfolgreichen Comic-Zeichnerin und Autorin haben …


+++ Satire ist Thema im Rechtskundeunterricht für Flüchtlinge
Die bayerische (!) Justiz (!) wolle Flüchtlinge mit Bleibeperspektive mit den Spielregeln in Deutschland vertraut machen. So berichtet es die Main-Post. Deshalb biete das Land spezielle Schulungen an, die sich mit dem deutschen Werte- und Rechtssystem beschäftigen. Die Referenten seien amtierende RichterInnen und StaatsanwälteInnen. Auf dem Unterrichtsplan stehen neben der Gleichberechtigung  auch die Meinungsfreiheit im Allgemeinen und Satire im Besonderen, die es, auch bei Witzen über Religion, auszuhalten gelte.

Senf: So weit die Theorie

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