TS52/15: Bananenjustiz + Schuh passt + Lügen-Satire + Dietrich Krauß + Göttlicher Schalk

+++ Bananenjustiz: Hassprediger ja, Rabauke nein?
Am satirischen Themenrand gefischt, sei diese Meldung aufgegriffen:  Im Sommer 2014 hatte der Nordkurier über einen Jäger berichtet, der ein totes Reh an der Anhängerkupplung seines Wagens über die Landstraße geschliffen hatte: hier. Dabei verwendete der berichtende Journalist den Begriff „Rabauke“. Das gefiel dem Jäger nicht, der deshalb Strafantrag gegen den Redakteur stellte. 

Glaub es oder nicht: Das Amtsgericht Pasewalk hat den verantwortlichen Journalisten jetzt zu  einer Geldstrafe von 1.000 Euro verurteilt. Die Verhandlung geriet dabei gemäß Berichterstattung im Nordkurier zu einer Generalabrechnung mit den Medien. Der Anwalt der Zeitung habe für seinen Mandanten Berufung angekündigt. Meedia berichtet ebenfalls.

Berufung? Mit sicherlich guten Chancen, denn die Fehlurteile auf Amtsgericht-Level sind legendär! Dem Bürger bleiben solche Richtersprüche ohnehin unverständlich. Auf der einen Seite darf ein Muslim mit gerichtlichem Segen einen islamkritischen Kabarettisten als „Hassprediger“ bezeichnen (vgl. SaSe19);  ein Journalist aber darf einen Jäger, der gemäß Bewertung seines Jagdverbandes unwaidmännisch gehandelt habe, nicht „Rabauke“ nennen. So schafft man RechtsUnsicherheit!

[Aktualisierung 29.05.15:] Jetzt erhält der Nordkurier Schützenhilfe von der BILD-Zeitung. Die hat den Vorfall mit der Bewertung Skandal-Urteil aufgegriffen, den Originalartikel mit dem inkriminierten Ausdruck "Rabauke" abgedruckt und verschafft dem Jäger seinen Barbara-Streisand-Effekt! (Meedia-Artikel dazu)


+++ Nochmal off topic:  Ein passender Schuh von "Lousy Pennies"
Stephan Goldmann beschäftigt sich in dem Artikel Guter Journalismus braucht mehr Verschwörungstheoretiker auf Lousy Pennies mit dem Versagen der etablierten deutschen Online-Nachrichtenmarken. Sobald die Themen komplexer würden, überließen Vorgenannte das Feld den Bloggern und Einzelpersonen, bei denen der Interessierte häufig  dann die für eine fundierte Meinung notwendigen Informationen finde. Als Beispiel nennt Goldmann die Nachdenkseiten. Für die Blogs beklagt Goldmann aber auch, dass deren Betreiber oft nicht bekannt sind (ergo: kein Impressum) oder nicht einzuschätzen sind. Für das Versagen der „Großen“ führt er mehrere mögliche Gründe an.
Auf SaSe angewendet: Danke, Herr Goldmann, Ihr Lob nimmt diese Redaktion persönlich. Die Betreiberin/Herausgeberin ist im Impressum angegeben, ihre "Triebkraft" benannt. Für den Bereich Satire/Kabarett findet der Interessierte hier Informationen, die sich andere schenken (Beispiel). Und verschwörungstheoretische Qualitäten beweist SaSe nachhaltig mit der durchlaufenden Kritik an Denkfunk. Der Schuh passt! Nur mit den Lousy Pennies klappt es noch nicht so recht …


+++ "Freie Welt": Satire, die lügt!
Autsch! Die „Internet- und Blogzeitung für die zivilisierte Welt“, Freie Welt, demonstriert am 26. Mai 2015 in dem Text Warum die HeuteShow [sic!] lügt sehr schön, was passiert, wenn Empörte Satire nicht verstehen.  Der Dummfug der Autorin erreicht nach der Contradictio in adjecto (eine Satire-Sendung, die „lügt“) ihren zweiten Höhepunkt bei: „Die Aussage, wir bräuchten keine FDP [sic!] ist eine glatte Lüge“. 
SaSe kann Oliver Welke am Bodensee lachen hören!


+++ Interview mit den drei "Die-Anstalt"-Machern
Schön, dass der Hinter-den-Kulissen-Autor Dietrich Krauß mit von der Partei war, als die TZ die Macher von Die Anstalt interviewte. Darin berichten sie von Zuschauerreaktionen, dem Fluch des Erfolges und der Recherchearbeit für die in der Sendung aufbereiteten Fakten. Insbesondere die divergierenden Reaktionen auf die Feminismus-Sendung (28.04.15; Kritik hier) fielen überraschend aus.


+++ Keine TV-Kritik bei "Meedia":  „<Anstalt> zieht über Presse her“
Es war wieder ein grandioses Stück exzellenten politischen Kabaretts, welches Die Anstalt am 26. Mai 2015 mit dem Thema Geheimdienste ablieferte (Mediathek). SaSe wartet noch auf einschlägige TV-Kritiken der „Großen“. Bisher vor liegt ein Artikel bei Meedia mit der oben zitierten despektierlichen Headline, der in ein wörtliches Zitat von Max Uthoff mündet: „Aus gut unterrichteten Kreisen [sic!] ist der Fachterminus für erstunken und erlogen“. Der Meedia-Artikel hat so gut wie keinen Inhalt. Er ist keine TV-Kritik und er ordnet auch nicht ein. Neben einigen Stichworten zum Inhalt beschränkt er sich auf das Zitat und die Nacherzählung in indirekter Rede. Was soll das?


+++ Goldene Worte von Harald Schmidt
Das Diktum ist so treffend, dass Meedia es in seinen "Nachrichtenüberblick am Mittag" vom 27.05.15 als Schlusszitat aufgenommen hat:

Die goldene Regel im Late-Night-Business heißt: Wer einmal weg ist, äußert sich nicht mehr zu dem, was in dem Genre noch passiert. Sonst hab' ich blonde Locken und biete an meinem 65. Geburtstag als Neuentdeckungen Otto Waalkes und Hugo Egon Balder als Gäste an.
(Harald Schmidt beim "SWR UniTalk")

Welch göttlicher Schalk!

https://youtu.be/ovVeTGiyNyE

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