TS55/15: Antirussische Ente + Claus von Wagner + Serdar Somuncu + Keine Mohammed-Cartoons

+++ Lügenpresse: "BILDblog" dokumentiert krassen Fall
Eine ergiebige Satire-Vorlage liefert der BILDblog und dokumentiert, wie „ein klassischer Russland-Aufreger“, den es gar nicht gibt, seinen Erfolgszug durch die großen deutschen Zeitungen feiert: Die antirussische Ente vom verbotenen Oktoberfest. Wie üblich auszeichnend für den BILDblog ist die umfassende Dokumentation, bei der Mats Schönauer auch nicht die Mühe scheut, 48 Zeitungen zu verlinken, die den tendenziösen Dummfug übernommen hatten. 


+++ 3sat-Interview "Die Anstalt": Wenn Satire den Journalismus ersetzt
Die Sendung Kultur-Zeit (3sat) geht in einem Interview mit den drei Die-Anstalt-Machern Max Uthoff, Claus von Wagner und Dietrich Krauß den Themen „investigativer“ Journalismus, Kabarett und  Medienkritik nach. Die Kabarettisten berichten darin von ihrem Staunen über die empfindlichen Reaktionen angesehener Journalisten auf Kritik. Insbesondere das Label „investigativ“ wird zurückgestuft. Krauß: "Wir machen keine Primärrecherche".
SaSe-Tipp an Herrn von Wagner: Ein vergleichbares Aha-Erlebnis hinsichtlich „empfindlicher Reaktionen angesehener“ … Kabarettisten können Sie sich verschaffen, wenn Sie der auch von Ihnen geförderten Kabarettistenvereinigung Denkfunk.de kritische Fragen stellen …


+++ 3sat-Interview mit Serdar Somuncu: dito
Auch der umstrittene Kabarettist Serdar Somuncu wurde von Kultur-Zeit zu dem nämlichem Thema – "Wenn Satire den Journalismus ersetzt" – sowie der These der zunehmenden Boulevardisierung der Nachrichten befragt: hier. Somuncu stellt Letztgenanntem das neue Phänomen der Gegenöffentlichkeit (im Internet) gegenüber. Zum Publikum von Sendungen wie heute-show und Die Anstalt behauptet er, diese hätten vielleicht teilweise dieselbe Schnittmenge mit der BILD-Zeitung. Zum Stichwort "Lügenpresse" verweist er auf die gegenüber anderen Ländern in Deutschland seiner Meinung nach bestehende Pressevielfalt (siehe dazu auch oben 1. Meldung ….). Erschütternd ehrlich antwortet er auf die Frage, worin er seinen Job als Satiriker sehe: Es gehe ihm um Selbstverwirklichung. Er sei kein Aufklärer, er sei kein Agitator. Er versuche einen Diskurs zu führen mit sich selbst über etwas …

Wie solche Selbstgespräche aussehen, dazu empfiehlt diese Redaktion den Somuncu-Auftritt am 25. Mai 2015 im Tele5 Fat Chicken Club. (Bevor Sie davon auch nur den Ton einschalten, sollten Sie Kinder aus dem Raum schicken … Es geht AUSSCHLIESSLICH um Wichsen, Fotzen, Bumsgestelle, Löcher, Ficken etc.) Mit Satire oder Kabarett hat das nichts mehr zu tun!


+++ Kein Cartoon ist ein Menschenleben wert
Die Schweiz am Sonntag hat den Chefredakteur Jørn Mikkelsen der Jyllands-Posten interviewt. Der sieht die Diskussion um Mohammed-Karikaturen seit zehn Jahren in der Frage stecken „Trauen wir uns oder nicht?“. Diese Frage gelte es zu überwinden 300 Menschen hätten inzwischen mit ihrem Leben dafür bezahlt. Auch deshalb müsse der Akzent mehr auf die Meinungsfreiheit gelegt werden und nicht auf die Karikaturen selbst. Deshalb habe sich Jyllands-Posten entschlossen, die strittigen Cartoons nicht mehr zu zeigen. Diese Selbstzensur möchte er jedoch nicht als Schwäche interpretiert sehen. Man könne die Debatte auch fortführen, ohne ständig die alten Bilder zu zeigen.

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