TS56/15: Von Satire Beleidigte wie etwa Dr. Christian Eckl vom Regensburger Wochenblatt: „Gans schön Ecklhaft“

+++“Gans Schön Ecklhaft“:  Redakteur erstattet Strafanzeige gegen Satireblog
Über das eigenartige Verhältnis von (manchen?) Bayern zu Satire berichtete ja schon SaSe90. Mein persönliches Urteil über diesen Volksschlag war eigentlich schon 1993 mit der „Ethnografie“ von R. W. B. McCormack Tief in Bayern abgeschlossen (sehr zur satirischen Lektüre empfohlen!).
Der Fall des Facebook-Satireblogs Gans Schön Ecklhaft (GSE) leuchtet die Satirefähigkeit dieser exotischen Ethnie und besonders der publizistischen „Elite“ ebendort noch etwas eindrücklicher aus. Es berichtet: Regensburg-digital. Gegenstand der GSE-Satiriker ist das Regensburger Wochenblatt und sein Redaktionsleiter Dr. Christian Eckl.

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Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Facebook Gans schön Ecklhaft

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Facebook Gans schön Ecklhaft

Bei dem FB-Account GSE handelt sich um einen sogenannten Watchblog von anonymen Betreibern, der schon seit 2012 am Start ist. Aufgespießt und satirisch behandelt werden dort sowohl journalistische wie orthografische Fehlleistungen und sonstige Merkwürdigkeiten im Regensburger Wochenblatt. Der Namensgeber und Redaktionsleiter Dr. Christian Eckl macht seiner Zunft jetzt dadurch besondere Ehre, dass er Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Satire-Accounts gestellt habe, wie Regensburg-digital berichtet. Tatvorwurf: Urheberrechtsverletzungen und Beleidigung (*brmmpf*). Sein Verständnis von Pressearbeit rundet der Journalist mit Leitungsfunktion Eckl dadurch ab, dass er eine ausführliche Presseanfrage von Regensburg digital zu dieser Strafanzeige unbeantwortet gelassen habe. Anders die Satiriker von Gans Schön Ecklhaft: Die kündigen an, die Sache im Falle einer Anklage notfalls bis „zum jüngsten Gericht“ durchzustehen. Den melodramatischen Charakter der Strafanzeige haben sie in untenstehende Grafik geeckt.

Nachtrag 01.05.16: Inzwischen gibt es auch einen ausführlichen Beitrag des Bayerischen Rundfunks über den Vorgang – hier in Textform!

Senf: Auch Eckl düngt jetzt zunächst einmal den Streisand-Effekt, wie auch die Leser-Kommentare unter dem Artikel auf Regensburg-digital zeigen. Denn bisher war der Satire-Account Gans schön Ecklhaft noch relativ unbekannt und verfügt bis jetzt gerade mal über 600+ Likes.
Dass Eckl gegenüber den Journalistenkollegen von Regensburg digital Fragen nicht beantwortet, spricht ebenfalls für sich. Denn interessant wäre zu wissen, worin genau die behaupteten Urheberrechtsverletzungen und „Beleidigungen“ bestehen?

Aus eigener umfangreicher Erfahrung mit derlei Strafanzeigen (insbesondere mit dem Tatvorwurf „Beleidigung“) aus meiner Blogzeit als Herausgeberin des tierschutzkritischen Blogs Doggennetz weiß ich zuverlässig, was derzeit auch im Kontext Jan Böhmermann immer wieder berichtet wird: Die meisten (in meinem Fall: ALLE) Strafanzeigen gerade mit dem Vorwurf „Beleidigung“ werden von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Ob das im Fall Gans schön Ecklhaft auch so ist, bleibt abzuwarten.
Ebenfalls aus dem genannten Erfahrungstopf schöpfe ich das Wissen, dass die behaupteten Urheberrechtsverletzungen in vielen Fällen vom Zitatrecht abgedeckt sind bzw. in den gegen mich erstatteten Strafanzeigen waren. Again: Ob das im Fall von Gans schön Ecklhaft auch so ist, bleibt abzuwarten. Die Regensburger Staatsanwaltschaft gibt gegenüber Regensburg-digital an, dass die Ermittlungen wohl in drei bis vier Wochen abgeschlossen seien. Bis dahin ist einfach nur dafür zu sorgen, dass Gans schön Ecklhaft ausreichend bekannt wird.

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Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Facebook Gans schön Ecklhaft

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Facebook Gans schön Ecklhaft

 

+++ Der „Telegraaf“ „beleidigt“ Erdogan
Vielleicht möchte Dr. Christian Eckl eine Selbsthilfegruppe mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gründen?
Die Türkei macht munter weiter mit Einreiseverweigerungen für Journalisten. Dem ARD-Korrespondenten Volker Schwenck folgten in der Rolle der am Flughaften Istanbul Abgewiesenen  der US-Reporter David Lepeska, ein Bild-Fotojournalist  und die niederländische Pressevertreterin Ebru Umar. Diese Behinderungen von Pressefreiheit kommentiert auch der Geschäftsführer Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen.

In Reaktion auf die Ausweisung Umars veröffentlicht der niederländische Telegraaf eine Karikatur, die den türkischen Staatspräsidenten als Affen darstellt, berichtet Meedia:

Vom Felsen herab stützt sich Erdogan mit zerbrochenem Bleistift in der Hand auf ein Blatt mit dem Titel „Europa“. Ihm zu Füßen liegen ein umgekipptes Tintenfass und eine Frau, bei der es sich offensichtlich um die Journalistin Ebru Umar handelt. Überschrieben ist die Karikatur mit „Der lange Arm von Erdogan“ – es ist ein Sinnbild für die Unterdrückung der Pressefreiheit.
(Meedia 26.04.16: „Ob er da auch klagt? Der niederländische Telegraaf verhöhnt Erdogan als Affen„)

Einer der wenigen EU-Politiker, der klare Worte für das Gebahren des türkischen Staatspräsidenten findet, ist EU-Präsident Martin Schulz. Der warnt das Land in der Wirtschaftswoche vor schwarzen Listen für Journalisten

Übrigens liegen gegen Jan Böhmermann inzwischen Hunderte („im oberen dreistelligen Bereich“) von Strafanzeigen vor, weiß neben anderen die Berliner Morgenpost.


+++ „heute show“-Posting auf Facebook empört
„Je suis Böhmi“ kommt auf den Prüfstand … zum Beispiel wenn die heute show auf Facebook ein knackiges Posting zur österreichischen Bundespräsidentenwahl und deren braunes Ergebnis veröffentlicht. Die Huffington Post titelt: Satirischer Facebook-Post der „Heute Show“ [sic!] zur Österreich-Wahl verärgert viele Internetnutzer. Und tatsächlich: knapp 7.000 Kommentare dort! Auch die österreichische Presse berichtet: hier, hier und hier. Eine Strafanzeige gibt es auch schon wieder!

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