TS61/15: Investigatives Kabarett + Gérard Biard + „taz“ ordnet ein

+++ "Investigative Comedy“ regt öffentlichen Diskurs an
… schreibt turi2 für medienmacher und bezieht sich dabei auf einen aktuellen Artikel der Süddeutschen Zeitung, der hinter einer Bezahlschranke liegt. Der SZ-Artikel thematisiere auch amerikanische Komiker wie John Oliver und Jon Stewart, welche für die hiesigen männlichen Gegenstücke Claus von Wagner, Max Uthoff und – wie kommt denn der in diese Reihung? – Jan Böhmermann die Vorlage böten. Mit der Recherche harter Fakten bewirkten diese oftmals eher eine öffentliche Debatte, als es die klassischen Medien tun. 


+++ "Focus online" interviewt "Charlie-Hebdo"-Chefredakteur Biard
Die französischer Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo stecke in der Krise. So ganz neu ist die Meldung nicht (siehe unten). Jetzt hat der Focus ein Exklusiv-Interview mit Gérard Biard, dem Chefredakteur von Charlie Hebdo, geführt. Mit dem bekannten Ergebnis: Die Arbeitsbedingungen dort sind nach dem Anschlag auch aufgrund der psychischen Belastung schwierig. Die Zahl der Abonnenten ist von 8.000 auf 200.000 gestiegen. Mit den vielen Spendengeldern (mehr als 4,3 Millionen Euro) gehe man sehr sorgfältig und bedacht um. Sie werden an die Opferfamilien weitergeleitet. Meedia greift die Focus-Berichterstattung auf.
Im Anschluss daran fordert der Focus seine Leser mit der Frage „Halten Sie Charlie Hebdo für fremdenfeindlich und islamophob?“ zu einer Debatte auf, deren Beiträge nach redaktioneller Bearbeitung veröffentlicht werden sollen (hier).

Ähnlich oder gleich wurde in den vergangenen Wochen über '"Charlie Hebdo in der Krise" berichtet bei: +Südkurier 16.04.15  + FAZ 18.05.15 + FAZ 19.05.15 + Deutschlandfunk 23.05.15


+++ "taz" leistet Einordung von "Die Anstalt"
Einige Journalisten reiben sich an der ZDF-Kabarettsendung Die Anstalt. Dabei werden häufig nur einzelne Phänomene herausgegriffen; die berühmte und geforderte journalistische Einordnung unterbleibt. Jüngster Höhepunkt dieser Form der Energiegewinnung ist eine Kolumne von Jan-Philipp Hein in der Schleswig-Holsteinischen Zeitung, in der dem deutschen Fernsehkabarett insgesamt und auch explizit der Anstalt Antisemitismus vorgeworfen wird (siehe SaSe26).
Unter der Überschrift Satire-Formate im ZDF: Lachen ja, aber bitte ernsthaft beschäftigt sich die taz am 13. Juni 2015 mit den beiden satirischen Erfolgsmodellen des ZDF und interviewt die Anstalt-Macher Claus von Wagner, Max Uthoff und Dietrich Krauß. Sowohl die heute-show wie Die Anstalt verkauften sich nicht nur als Schenkelklopfer für besser Informierte, sondern gründeten ihr Erfolgsrezept auf die erfolgreiche Ansprache auch eines politikfernen Publikums – mit der Hoffnung auf ein Ende der Politikverdrossenheit. Wie brisant diese neue Form von Kabarett sei, bewiesen die juristischen Attacken der beiden ZEIT-Journalisten Joffe und Bittner. Das taz-Interview rekurriert auf die amerikanischen Satire-Formate, wägt fein Satire und Comedy gegeneinander ab und differenziert bei der heute-show zwischen Sidekicks, Wortspielen und hochwertigem politischen Wochenkommentar. Auch das Die Anstalt auszeichnende Stilmittel Pathos wird passgenau bewertet und in das Gesamtkonzept eingeordnet: „Mit Pathos bewegt man Menschen nachhaltiger als mit einer klugen Pointe“ (Quelle).

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