TS68/15: TV-Satiriker-Schuld + Grexit-Drama + „Anstalt“-Job + Auschwitz-Karikatur + Zecken-Posting

+++ "ZEIT": TV-Satiriker trügen Mitschuld am Vertrauensverlust in die Medien
So geht es los: Der aktuelle Zeit-Titel Alles Lügen?, der sich mit der Frage beschäftigt, warum so viele Menschen den Berichten der großen Medien nicht mehr glauben (Meedia ordnet ein). Eine zu dieser Frage durchgeführte Studie kam zu dem vernichtenden Ergebnis, dass 53 Prozent der Befragten der politischen Berichterstattung wenig bis gar nicht trauen. Neben der repräsentativen Umfrage enthält der Zeit-Titel auch ein Essay von Götz Hamann. Meedia hebt in seiner Berichterstattung hervor: 'Neu an der Analyse ist, dass Die Zeit den TV-Satirikern ebenfalls eine gewisse Mitschuld am Vertrauensverlust einräumen. 'Medien sind bei den satirischen Welterklärern längst fester Bestandteil jener Elite, die unter Generalverdacht steht'. Immer treibt Welke & Co. 'nur die Lust am Skandal'. Zudem befriedigen sie 'den simplen Wunsch' ihres 'Publikums nach einer moralisch klar geordneten Welt'" (Quelle) Dazu fällt dem Meedia-Autor Alexander Becker passend und kommentierend der juristische Streit zwischen den Zeit-Journalisten und den Satirikern von Die Anstalt ein.

Senf: Die ZEIT-Ursachenforschung für das verspielte Vertrauen in die Medien ist auch ein böser Affront gegen Institutionen wie den BILDblog, Stefan Niggemeier et al. Jetzt sollen es die Satiriker gewesen sein, wo sich doch Niggemeier und seine Journalistenkollegen seit Jahren und Tag für Tag viel Mühe damit machen, die Schwachstellen und Fehltritte von Medien zu dokumentieren und durch ihre faktenbezogene Kritik zur Verbesserung der Leistung beizutragen.


+++ Offtopic: "Meedias" Stefan Winterbauer erklärt das mediale Grexit-Drama
Das Thema Griechenland muss doch den Medienkonsumenten und Nichtentscheidern drei Kilometer weit zum Hals heraushängen? Eine entlastende, wohltuende und mit den vielen Quellenverweisen gut belegte Analyse des Bankrott unserer Medienrepublik (bei diesem Thema) leistet Stefan Winterbauer auf Meedia.  Sie belegt, dass viele (für Griechenland sprechende) Fakten konstant nicht zur Kenntnis genommen werden. Winterbauer macht mit vielen Verlinkungen anschaulich, wie Medien Emotionen gegen die Griechen schüren – nicht nur die BILD-Zeitung. Und er stellt eine ganze Reihe interessanter Fragen: „Warum lassen die meisten Medien unerwähnt, dass Griechenland vor Zinsen einen Haushaltsüberschuss erwirtschaftet? Warum werden Falschaussagen wie die über die angeblich hohen Griechen-Renten immer weiter und weiter verbreitet? Warum dieser Hass der Bild-Zeitung auf Griechenland? Warum dieses Herumreiten auf Äußerlichkeiten wie den offenen Hemden von Tsipras und Varoufakis?“ (Quelle).
Ja: warum? Und bei all dem steht noch zu befürchten, dass die dazugehörigen Antworten (nur) von den einschlägigen Verschwörungstheoretikern kommen werden.  SaSe-Vorschlag: Macht es wie die ZEIT (oben). Am langen Ende sind einfach die TV-Satiriker schuld! Apropos Satiriker: Genau von denen kommt dann auch die Lösung: Der Postillon fordert den Bixit, den  Ausschluss der BILD-Zeitung aus der Euro-Zone, damit die Krise in Ruhe gelöst werden kann.


+++ „Die Anstalt“ zu Gast in Leipzig
Einer Einladung des Instituts für Journalistik an der Universität Leipzig folgend, diskutierten die Anstalt-Macher Claus von Wagner, Max Uthoff und Dietrich Krauß mit Dr. Uwe Krüger über die Frage, ob Satire als die neue Form des Journalismus in Deutschland gelte. Der These, Satire löse den klassischen Nachrichten-Journalismus ab, widersprachen die Satiriker. Sie fänden ihr Material ja genau in diesen Nachrichten. Das Grundprinzip der Kunstform bleibe nach wie vor: Zuspitzung (Quelle).


+++ Griechenland: Satire-Zeitschrift versteigt sich zum Auschwitz-Vergleich
Auch mit dieser Meldung bleiben wir bei obigen Themen: Medien und Griechenland. Die griechische Satire-Zeitschrift To Pontiki hat eine Karikatur veröffentlicht, die das Ringen um eine Rettung Griechenlands mit dem Schicksal der Auschwitz-Häftlinge vergleicht. Zu sehen ist Wolfgang Schäuble mit Wehrmachtshelm und Waffe. Daneben eine griechische Familie. Alle stehen vor einem Eingangstor, das an Auschwitz erinnert und den krönenden Schriftzug „There is no alternative“ trägt. Auf Twitter stürme es wegen dieser Karikatur. Video von Focus online zu diesem Fauxpas. Berichterstattung HuffPo.


+++ Österreich: Zecken-Posting illustriere das Problem mit Satire im Netz
Die Meldung fällt in die gut gefüllte Rubrik <Satire nicht erkannt>. In Österreich sorgt derzeit ein Fake-Posting einer Mutter für Aufregung, die angeblich ihre Kinder nackt in den Wald setzt, um sie durch Zeckenbisse immunisieren zu lassen. Das Posting allerdings war nicht ernstgemeint und karikiert die Impfgegner. Der österreichische Kurier resümiert: „Das Zecken-Posting jedenfalls illustriert sehr schön das Problem mit Satire im Netz: Je subtiler sie die Realität karikiert, desto glaubwürdiger ist sie. Bisweilen so glaubwürdig, dass Satire-Meldungen manchmal nach einer kurzen Runde im Stille-Post(ing)-Verfahren als Nachrichten in einem Medium landen, das nicht gründlich genug nachrecherchiert hat“ (Quelle).

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