TS69/15: Der Queen ihr Pfeiler + Rabauken-Affäre + Daniels Stachel + Interreligiöser Dialog + „Kriechenland“ + Holocaust-Leugnung

+++ Die nervige Queen-Berichterstattung: "RP online" mit starker Mediensatire
Das kommt jetzt von ungewohnter Seite? (SaSe hat gerade eben gelernt, dass einführende Fragestellung der Dernière Crie des (ZEIT-)Journalismus ist; siehe Meedia Wochenrückblick.) RP-online nimmt sich die Medienberichterstattung zum Besuch der britischen Monarchin vor und verhohnepipelt diese angemessen! Kostprobe: "+++ 12.06 Uhr +++ Rainald Becker sagt, dass die Queen nun vorfahre, während man sieht, wie sie vorfährt, und Mareile Höppner sagt, dass sie glaube, dass die Queen nun vorfahre.“ Oder: "+++ 11.44 Uhr +++ Engelmann-Segelflug sagt, dass Prinz Philip der letzte Pfeiler der Queen ist, der noch steht. Puh.“ Phantastisch. Damit hat sich der Queenbesuch wenigstens für die Freunde der Satire gelohnt! 

+++ Off topic: Rabauken-Affäre erreicht die Politik
In TS52/15 (Stichwort: „Bananenjustiz“) und TS66/15 wurde die sogenannte Rabauken-Affäre thematisch schon eingeführt.  Dieser Justizskandal der besonders skurrilen Güte, der auch von der FAZ mitgeschrieben wird, macht weiter gute Fortschritte. Vorangetrieben wird der gesamte Blödsinn von der Generalstaatsanwaltschaft Mecklenburg-Vorpommern. Die jedoch habe sich, so zumindest der von der FAZ befragte Rechtsexperte  und Professor für Strafrecht Holm Putzke, nach Paragraf 344 Strafgesetzbuch (Verfolgung Unschuldiger) selbst strafbar gemacht. Die Rabauken-Affäre erfasst jetzt auch die Politik: Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) habe sich von seinem Justizminister distanziert! Damit die gesamte Branche diesen möglicherweise Rechtsmissbrauch durch eine Generalstaatsanwaltschaft mitbekommt, berichtet auch Meedia.

Weitere Berichterstattung über das "Rabauken-Urteil":
+ FAZ 27.05.15: Strafbefehl wegen Beleidigung: Was ist ein Rabuke?
+ Nordkurier 27.05.15: Kritik an Rabauken-Jäger-Urteil reißt nicht ab
+ Journalisten-Handbuch 30.05.15: Pressefreiheit mit Rabauken: Jagdszene aus Mecklenburg
+ FAZ 01.06.15: Urteil gegen Nordkurier: Rabauken legen nach
+ Anti-Jagd-Blog 26.06.15: Rabauken-Jäger-Urteil: Übt der Generalstaatsanwalt Druck aus?
+ Faz11.06.15: "Nordkurier-Posse": In Mecklenburg-Vorpommern sind Rabauken angesagt


+++ Fußball: Satire-Blog-Meldung erregt Aufmerksamkeit
Wenig ehrt Satire mehr, als wenn sie entweder missverstanden oder über ihre eigenen Grenzen hinaus rezipiert wird. Das hat jetzt der möglicherweise eher unbekannte Satire-Blog DanielsStachel geschafft. Daniel Trumino aus Ötisheim  hat sich unter diesen Prämissen der Satire verschrieben. Trumino gebührt allein schon Lob dafür, dass er seinen Satire-Blog nicht aus der Anonymität heraus betreibt (siehe dazu SaSe-Ortsbestimmung hier). Am 25. Juni 2015 hatte der Blogger satirisch gemeldet: Heiko Westermann wechselt zum VfB Stuttgart. Die Stuttgarter Nachrichten griffen die satirische Fiktion in einem eigenen Artikel auf.  SaSe-Glückwunsch an Trumino!


+++ Satire im Auftrag der interreligiösen Dialogs?
Was bitte ist Unitas Frankonia zu Eichstätt? Das ist ein 1855 von Bonn und Tübingen aus begründeter und damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands (Quizshow-Wissen!). Zur Feier seines 55. Stiftungsfestes beschäftigte sich der Verein mit Satire im Spannungsverhältnis zu Religion. So zumindest berichtet es der Donaukurier. Zum Thema „Wie gehen Religionen mit Satire um?“ referiert der Religionswissenschaftler Martin Rötting. Das ist deshalb berichtenswert, weil die Veranstaltung eine neue Perspektive auf die ewige Qualfrage („Was darf Satire?“) wirft. Rötting ist Mitbegründer des Instituts Occurso für interreligiöse und interkulturelle Begegnung. Am Beispiel von Karikaturen und unter Bezug auf Charlie Hebdo habe Rötting bei der Veranstaltung gezeigt, wie Satire als eine Art Transportmittel der Verständigung zwischen den Religionen dienen könne. Das Fazit des Experten: „Humor sei in der Spiritualität der Religionen ein wichtiger Faktor, der in der Form der Karikatur als subtiler Kritik an Missständen erlaubt sein müsse“ (Quelle). Das sind doch einmal andere Töne zum Thema!


+++ Banker satirisch zu „Kriechenland“
Banker & Satire ist eine Kombination mit Seltenheitswert im Pool der von SaSe kuratierten Meldungen. Einen Beitrag dort leistet aktuell  der Autor (humoristischer Bücher) und Journalist Jürgen Sprenzinger (Wiki-Porträt) mit seiner Satire Aus dem Tagebuch eines einfachen Traders: Von Kursen, dem Wetter und den Frauen, veröffentlicht in  Finanzmarktwelt. Thema: Griechenland Kriechenland, Verantwortung, Tiefenwissen, Scheuklappen. Wie jüngst schon beispielhaft an einer Satire von Dr. Hermann Hagemann hervorgehoben (vgl. SaSe22), macht sich auch Sprenzinger die heutzutage seltene Mühe, seine Zuspitzungen zu inszenieren.
Seine bekannteste humoristische Publikation ist Sehr geehrter Herr Maggi!, die 26 Auflagen erreicht hat.
Hinweis: Da einige Satiriker/Kabarettisten es inzwischen schon aus moralischen Gründen ablehnen, zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt noch "Witze" über Griechenland zu machen, sei darauf hingewiesen, dass SaSe Sprenzingers Satire aus formalen Gründen thematisiert – wegen der gelobten Inszenierung! Das Lob ist unabhängig von dem politischen Inhalt! (SaSe möchte ungern ethisch hinter Claus von Wagner zurückfallen … wink)


+++ Satirewürdige Verhältnisse: Rabauken-Affäre vs. Holocaust-Leugnung auf KenFM
Deutsches Recht in der Anwendung dokumentiert satirewürdige Verhältnisse: 1. Da erhält ein Journalist einen Strafbefehl über 1.000 Euro, weil er einen Jäger als „Rabauke“ betitelt hatte. Der Chefredakteur seiner Zeitung (Nordkurier) kommentiert das Urteil und erhält dafür eine Strafanzeige wegen Beleidigung eines Staatsanwalts. Der Rest : siehe oben zum Stichwort "Rabauken-Affäre"!

2. Die Leugnung des Holocaustes ist in Deutschland eine Straftat nach Paragraf 194 Strafgesetzbuch. Seit dem 26. Juni 2015 befindet sich auf dem Facebook-Account des „Journalisten“ Ken Jebsen, KenFM, folgendes den Holocaust leugnende Posting, das in den bisherigen 48 Stunden seit seinem Erscheinen von den Verantwortlichen des Accounts nicht gelöscht oder wenigstens kommentiert wurde. Auch die weitere Diskussion dort ist beeindruckend mit Postings wie „Ihr Deutschen werdet den Juden Auschwitz niemals verzeihen! Erst wenn sie endlich alle weg sind wird Ruhe einkehren“ (Facebook KenFM, Posting Klaus K. am 26.06.15; Hevorhebg. SaSe).


Bildzitat Screenshot ex Facebook KenFM am 27.06.15 / 11.49 Uhr; 2. Posting der Diskussion.
Zentrale Aussage: "Weil der Holocaust eine Lüge ist."

SaSe wird das Holocaust-Postings auf KenFM weiter im Auge behalten. Der Nordkurier hat eine Auflage von knapp über 78.000 verkauften Exemplaren (Quelle). Der Facebook-Account KenFM hat über 200.000 Likes. Unter 1. ging es um ein totes Reh und das Ansehen eines Jägers. Zu 2. geht es um sechs Millionen industriell ermordete Menschen.

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