TS70/16: Die Meldungen vor brotlastigen Bäckern und textlastigen TagesSenfen

+++ „Datteltäter“ im „heute-journal“
Ob das jetzt so eine irre Auszeichnung ist, als Satiriker vom ZDF-Nachrichtenjournal beworben zu werden? So jedenfalls geschehen vergangene Woche mit der Gruppe Datteltäter, die von den ZDF-Nachrichtenpersonal als „Gegenwicht zur IS-Propaganda“ gewürdigt werden.

Senf: Ja, toll, diese Datteltäter, die von Anfang an auf SaSe gute Kritiken bekommen haben. Bloß: Diese ZDF-„Werbung“ würde ich als Macher und Satiriker als Alarmsignal begreifen? Die Datteltäter-Thematik läuft der Regierung natürlich gut rein. Ginge deren satirische Kritik ein bisschen tiefer als bloß bis an die Oberfläche und würde sich um Ursachen für den deutschen Zulauf zugunsten der Gotteskrieger kümmern, wäre es vermutlich rasch vorbei mit dem Lob?


+++ Mathias Richling über Erdogans Blödbommel-Pimpel
Von Mathias Richling hört man eher auch kaum noch etwas. Er dümpelt im SWR mit seiner Show so vor sich hin, immer im ewig gleichen Stil. Da wird sich die Stuttgarter Zeitung (vor der Haustür) gefreut haben, dass sie mal etwas findet, was Richling aus der ignorierten Ecke heraushebt.  Und sie hofft:

In seiner Show, die am Freitag, 27. Mai, 23.30 Uhr, im SWR-Fernsehen läuft, setzt er die Kanzlerin ins Harem des Präsidenten. Unser Kolumnist Uwe Bogen war bei der Aufzeichnung der Sendung, die erneut für Ärger am Bosporus sorgen dürfte.
(Stuttgarter Zeitung 27.05.16: „Erdogan bleibt Zielscheibe der Satire – Richling lästert über das „Phallusymbol“ des Präsidenten“)

Hinweis: Den Ausdruck „Blödbommel“ habe ich von dem kreativen Lexikonbereicherer Schroeder übernommen. Da der sich aber auch nicht mit fremden Feder zu schmücken aufraffen kann, weist dieser mich darauf hin, dass der Terminus aus der Komödie Sch’tis stamme.
Es würde sich bei Schroeders Wort-Produktivität und –Kreativität („Witzenschaftler“ & Co.) übrigens lohnen, eine eigene fortlaufend zu aktualisierende Datei „Schroeders Lexikon“ anzulegen. Schau‘n wir mal , ob ich meine Prokrastination überwinden kann …


+++ Dirk Müller wirbt für das „Querfront-Kabarett“ „Die Anstalt“
Das Phänomen als solches wurde gerade erst im letzten TagesSenf ausführlich gewürzt. „Mister Dax“ Dirk Müller, der beim Kopp-Verlag seine Bücher herausgibt, bewirbt öffentlich Die Anstalt aufgrund ihrer letzten Sendung zum Thema TTIP. Diese Werbung wird auch von der Branche registriert.

Senf: Abgesehen von dem ekligen politischen Muff hinter einigen Denkfunk-Autoren wirkt hier auch der blanke Filz derer untereinander.


+++ Die Republik freut sich auf die Böhmermann-Pause?
Nein, das ZDF seilt ihn nicht ab, den raumgebenden Kreativen Jan Böhmermann, vermeldet Meedia. Nach der Sendung am 2. Juni 2016 und der darauf folgenden Sommerpause von Neo Magazin Royale wird es am 25. August weitergehen.

Senf: Die Medien atmen auf; ihr Fortbestand ist besichert. „Raumgebend“ ist das Gegenteil von „raumgreifend“? Es ist ein versuchter Euphemismus für physische Bescheidenheit, für die er, das Böhmermännchen,  ja nicht kann und auf die es auch gar nicht ankommt, die sich aber für kleine attributive Seitenhiebe permanent in den Vordergrund drängt und deshalb kritisch beobachtet gehört.
Der Focus hat eine Zwischenbilanz zu „zwei Monaten Böhmermann-Affäre“ gezogen.


+++ Rassismus kann auch Spaß machen?
Ganz im Sinne der Schroeder-Parole „Auseinanderhalten“ wendet sich SaSe gegen die flächendeckende Diskriminierung von Rassismus. Dass solcher auch Spaß machen kann, zeigt untenstehender chinesischer Werbespot für ein Waschmittel. Aber die Political-Correctness-Wächter schlafen ja nicht!
Der Clip wäre gar nicht so schlecht, wenn der Chauvi nicht ausgerechnet so stark pigmentiert wäre. Die Idee, Sexisten reinzuwaschen, hat was.

*

 

+++ Böhmermann-Kritik von Cantz-Seite
Immer wenn der Böhmermann-Hype beginnt zu schwächeln kommt garantiert noch ein Schlaubär um die Ecke und gibt seinen Senf dazu. Jetzt: Verstehen-Sie-Spaß?-Spagatgrinser Guido Cantz. Er sieht Böhmermann als Fernsehmacher, der sich über sein Publikum stelle. Das gehe aber gar nicht, so der Leute-Verarscher per Kamera: „Der Respekt vor dem Publikum ist extrem wichtig“. Ein sehr gefälliges Statement, das die Welt vermutlich nicht ungern überbringt.


+++ Offtopic: Treffliche Analyse der Gauland-Boateng-Sause
Stefan Winterbauer untersucht auf Meedia, wie es eigentlich zu diesem vielleicht doch nicht ganz angemessenen Hype um die angebliche Boateng-Beleidigung des AfD-Rechts-Rechtsaußen-Berufsprovokateurs Alexander Gauland kam und welche journalistischen Bild-Zeitungsmethoden hinter dem Vorgehen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung stehen.


+++ In eigener Sache: Wie sehr aus der Zeit gefallen?
Kritik kann ja alles Mögliche sein: überraschend, berechtigt, konstruktiv, polemisch, persönlich, verletzend, vernichtend u. v. a. m. Aber: „rührend“? Das zumindest ist das Attribut, das mir sofort bei einer Kritik an diesem Blog auf Facebook eingefallen ist (Privataccount, deshalb kein Screenshot). Die Puppe Schroeder, mit der ich mir unverhüllt konspirativ die Linkbälle zuspiele, verlinkte einen TagesSenf, woraufhin eine Posterin maximal minimalistisch die Gesamtpräsenz SatireSenf.de bezeichnend schreibt: „etwas sehr textlastig“ – gemeint: dieser Blog.

Goodness gracious me! Wie sehr aus der Zeit gefallen bin ich? Deshalb komme ich hier (i. e. dieser Welt in dieser Zeit) auch vorne und hinten nicht mehr zurecht? Eine Zeit, in der Metzgern ihre Fleischlastigkeit, Druckereien der Verbrauch von Papier und Publizisten der Umgang mit Text „angekreidet“ wird.
Der satirischen Norm verpflichtet, Normen zu hinterfragen, werde ich künftig darauf achten, weniger Videos, weniger Bilder und noch mehr Text outzuputten.

Im Zustand „out of time“ nicht allein vergewissert mich Schroeders Schlagfertigkeit, welcher der Lesekompetenzbedürftigen sofort anbietet: „Soll ich dir vorlesn?“ DAS ist Altruismus pur.

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