TS71/19: Tragödie in Tennenbronn: Demografische Grausamkeit erzwingt Rache mit gelben Scheinen

Es ist gar schröcklich, mit welchen Geißeln das Schicksal die Menschensünderlein zu traktieren vermag. Die gruselige Angebotspalette reicht von Kummer, Krankheit und Tod bis hin zu nässenden Hämorrhoiden, eingewachsenen Zehennägeln und dem Deo, das versagt.

Das alles zusammen und potenziert ist Nasendreck gegen das unsägliche Leiden, wie es dem bezahlten (!) Ex-Ortsvorsteher Lutz Strobel in Tennenbronn, einem Stadtteil von Schramberg im Schwarzwald, widerfuhr.

Es gibt Sonnenfinsternis und es gibt Kommunalwahlen. Im Strobel-Fall war es die nämliche in Baden-Württemberg am 26. Mai 2019, die den theatralischen und lautstarken Untergang seines Ortsvorsteher-Universums einleitete. Er wurde vom neu konstituierten Ortschaftsrat Tennenbronn nicht wiedergewählt.

Welche düsteren Leidensfluchten und brennenden Erlebnisräume sich hinter diesem banalen demokratischen Vorgang erstrecken, davon plärrt jetzt eine wehklagende Epistel des Gekränkten Kunde. Und die belegt: Gegen das grausame Schicksal des Lutz Strobel spielt das Event-Angebot der Via Dolorosa allenfalls noch in der zweiten Liga des Pony-Geburtstages!

Dass die Nachwelt überhaupt Kenntnis von dieser Tragödie in Tennenbronn erlangt, ist der publizistischen Hoffnung im Lokalbereich des südwestlichen Baden-Württembergs rund um Rottweil zu danken. Es ist die Neue Rottweiler Zeitung (NRWZ).
„Hoffnung“ deshalb, weil weder dem Südkurier noch Schwäbisch Media zugehörig. (So etwas kennen SaSe-Leser gar nicht!)

Die NRWZ allein erkannte die zeithistorische Relevanz des wehklagenden schriftlichen Selbstbekenntnisses, wie es der von der Demografie so harsch Gepeinigte den Redaktionen zukommen ließ.

Dem Heimatmuseum Schramberg sei wohl geraten, sich hurtig des urschriftlichen Originals dieses Schreibens zu versichern. Immerhin legt es schenkelklopfendes Zeugnis davon ab, dass Größenwahn und Selbstmitleid kein Privileg von Egozentrikern mit orangefarbenem Haupthaar jenseits des großen Wassers (formerly known as „Atlantik“) sind.

Vorzüglich zu lobpreisen ist die redaktionelle Weisheit der NRWZ-Kollegen, der anklagenden Niederschrift aus der Feder des Lutz Strobel folgenden Warn- und Verständnishinweis voranzustellen: „Wir veröffentlichen Strobels Brief im Wortlaut und ohne Schreib- oder Grammatikfehlerkorrekturen: […]“ (Quelle).

Hier ringen Redakteure tatsächlich noch um Leserverständnis.
Sonst würde man es auch nicht glauben können …


Der Konnex zwischen Demokratie und Rinderkennzeichnung
Das Schreiben richtet sich an die „Damen und Herren des Ortschaftsrats“ [Tennenbronn]. Denen könnte möglicherweise die brennende Verbindung zwischen Demokratie und der Brandmarkung von Vieh zur Kennzeichnung von Besitzständen bisher verborgen geblieben sein:

[…]
am Dienstag dieser Woche haben Sie darüber entschieden, wer künftig Ortsvorsteher von Tennenbronn wird oder bleibt.
Nach 1 1/2 Jahren Amtszeit von mir haben Sie in meiner Abwesenheit sich gegen mich entschieden.
Diese demographische Entscheidung muss ich akzeptieren. Das neue Gremium, wovon 5 neue Mitglieder mich gar nicht in meiner Amtsausübung kennen, haben mich nun mit dieser Entscheidung „gebrandmarkt”: Diese Entscheidung des Ortschafsrates gilt es nun zu verarbeiten und damit auch menschlich umzugehen.
(Neue Rottweiler Zeitung 13.07.2019: „Strobel: <Vom Hof gejagt>“; Hervorhebg. K. B.)

Der Mann hat ja so recht: Demografie und Demokratie – schier weiß man nicht, was schlimmer ist? Angesichts von den ja auch tierschutzrelevanten Brandmarken ist dem Humanisten Erstgenannte fast sympathischer?
*

Die zahlreichen Wundmale des Märtyrers
Mit Demokratie hat Strobel, wie er selbst und frei bekennt, ohnehin nicht so viel am Hut. Schon vor Jahren sei der Vorsatz in ihm gereift, für seine Amtsführung keinesfalls mehr Rechenschaft abzulegen. Oder kurz: Es den Sonnenkönigen gleichzutun.

Und diese Amtsführung selbst ist voller Rätsel, wie der zunehmend mit gesträubtem Haar Lesende zu lernen hat:

Vom 1. Tag an war ich im Ort und bei den Menschen unterwegs um sehr mühsam das Vertrauen in ihren Ort, in ihre Stadt aufzubauen.
Jeden Abend, wirklich jeden Abend und jedes Wochenende war ich bei Terminen unterwegs, habe auch von mir aus Höfe besucht. Ich war bei allen Hauptversammlungen, war bei den Bürgern am Stammtisch, bei privaten Feiern. Ich war präsent um gerade das Vertrauen wieder aufzubauen.
(ibid.)

Ein Ortsvorsteher in der Diaspora!

Abweichende Berichterstattung des Südkuriers, wonach dieser rasende und permament um Liebe ringende Ortsvorsteher 2018 nur an drei von insgesamt elf Gemeinderatssitzungen teilgenommen habe, sind vermutlich den grausamen Praktiken zuzuschreiben, wie sie eben mit der Vertreibung eines Hundes vom Hof so einhergehen?

Dabei hatte der Hund monströse Summen investiert, um es sich auf dem Hof gemütlich zu machen.

Ich habe finanziell gut 20.000 Euro in meine Wohnung investiert. Ich habe 2018 Urlaubstage verfallen lassen und einige 100 Überstunden. Ich war diesen 18 Monaten nie im Urlaub.
(ibid.)

Soo bitter!

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Der Märtyrer und Heilige Sebastian hat abgewirtschaftet, sobald die Welt von den Leiden des gechassten Tennenbronner Ortsvorstehers Lutz Strobel Kenntnis erlangt! Die einmalige Gelegenheit dazu gewährt uns bezeichnenderweise die löbliche Neue Rottweiler Zeitung! Foto: Klaus Rupp / pixelio.de

Der Märtyrer und Heilige Sebastian hat abgewirtschaftet, sobald die Welt von den Leiden des gechassten Tennenbronner Ortsvorstehers Lutz Strobel Kenntnis erlangt! Die einmalige Gelegenheit dazu gewährt uns bezeichnenderweise die löbliche Neue Rottweiler Zeitung!
Foto: Klaus Rupp / pixelio.de

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Strafe muss sein: lange währender Krankenstand!

Spätestens bei der letzten Passage der Strobel-Memoiren sollte sich der Ortschaftsrat Tennenbronn noch einmal gut überlegen, ob er wirklich auf einen Mann mit derart seherischen Qualitäten verzichten kann:

Ich habe nun viel von mir geschrieben, viele Sätze mit Ich begonnen. Mir war und ist jedoch das WIR viel wichtiger. Jedoch musste ich nun diese persönliche Stellungnahme so abgeben.
Ich werde mir nun viel Zeit nehmen müssen, um von meiner Erkrankung gesund zu werden und wieder Lebensmut und Freude zu bekommen.
(ibid.,Hervorhebg. K. B.)

Den Brandfleisch-Geruch und den des nassen, weil nun ja obdachlosen Hundes noch in der Nase, weht den Leser hier schon das nächste Geschmäckle an: Der Voll-das-Opfer-Klageführende kündigt hier weit vorausschauend einen sehr langen Krankenstand an?

Leute, das wird teuer!


Künftige Verwendungsmöglichkeiten von gebrandmarkten Märtyrern?
Jetzt guckt sie blöd, die Stadt Schramberg: Wie soll sie diesen Mann künftig weiterbeschäftigen oder auch weiter beschäftigen? Sofern er überhaupt jemals wieder gesunden wird! Stichwort: Frühverrentung?

Eine Dozententätigkeit im Integrationsmanagement der Stadt Schramberg – etwa als Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache – kommt nach diesem Brief eher weniger infrage? Obwohl: Mehr fremd als die deutsche Sprache dem Lutz Strobel kann eine Zunge dem Sprachverwender kaum sein?

Allenfalls und unter besonderer Berücksichtigung von Strobels bitterer Empirie mit demografischen Grausamkeiten böte sich noch ein Job in der Friedhofsverwaltung an?

Demokratie im Schwarzwald – voller Untiefen und Fährnisse!

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