TS86/15: Kundendienst + Krisenbilder + Amy Schumer + Denkfunk-Hase + Heer-Sturm-Stahl-Fußnote

+++ Satire-Aktion bei Facebook zum Thema Kundendienst
Die satirische Herangehensweise an Politik, Gesellschaft und Alltagsphänomene produziert immer wieder Erfolgsprojekte. Ein Satire-Account bei Facebook mit dem Namen Kundendienst kommentiert Einträge von Kunden auf deutschen Firmenaccounts, sammelt sie und veröffentlicht diese dann unter genanntem Link. Die Seite hat Zehntausende von Fans. Das Seiteninfo zum Account gibt erwartungsgemäß nichts her; stattdessen verfügt das Projekt schon über knapp 58.000 Likes. Es berichten 20minuten.ch, die Mitteldeutsche Zeitung und  YuTella


+++ Griechenland-Satire auf "DeutschlandRadioKultur"
Es sei die Satire zum Sommerloch-Start, kündigt DeutschlandRadioKultur Kulturschock an und verkündet: Griechenland gerettet – Staat vermarktet Krisenbilder. Dabei schlage etwa das Abfilmen eines verelendeten griechischen Rentners mit 100 Euro zu Buche. Der "Spaß" kostet 300 Euro, wenn er weint.


+++ Stand-up-Feminismus ein Riesenerfolg in den USA
Der Freitag berichtet über die US-Komikerin Amy Schumer, die ihren Erfolg für feministische Botschaften einsetzt. Dazu nutzt sie die amerikanische Fernsehserie Inside Amy Schumer auf dem Kanal Comedy Central. Nach drei Jahren im Nachtprogramm habe die Sendung jetzt den Mainstream erreicht. Schumer gelte nicht nur als neuer Star am US-Comedy-Himmel, „sondern als feministische Jeanne d’Arc des derben Humors mit tiefer Note“ (Quelle). Bei Schumer taucht übrigens ein Terminus auf, den Carolin Kebekus in letzter Zeit gelegentlich verwendet: „fuckabilty“, der den „Wert“ einer Frau bestimme.
Der Freitag weiter: Inside Amy Schumer sei die einzige konsequent feministische Sendung im (nord)amerikanischen Fernsehen.


 

+++ Premiere: Denkfunk.de hat mich zum Lachen gebracht!
Irgendetwas geht … bei dem von SaSe durchgehend kritisierten Follow-the-money-Bündnis Denkfunk.de. Auf dem Facebook-Account der elitären Vereinigung fand in den letzten Wochen eine erfreuliche Themenfokussierung auf Griechenland statt.
Anstelle der bisher ausschließlichen Videos liefern die Abo-Akquisiteure jetzt auch häufiger Grafiken mit Zitaten oder pointierten Aussagen politisch relevanter Akteure. In die Reihen dieser mischen sich dann bedauerlicherweise immer wieder Denkfunk-Autoren, die mit quälend unwitzigem und politisch irrelevanten Blabla offensichtlich vom Ruhm der vorgenannten abzustauben trachten (hier). Dieser Redaktion gefallen haben: das Udo-Lindenberg-Zitat, das Süssmuth-Zitat, die Zitate von Norbert Häring, Yanis Varoufakis und Tsipras.
Die eigentliche „Information“, also der ursprüngliche Anspruch dieser undurchsichtigen Zusammenrottung Denkfunk (hier und hier), kommt jedoch nach wie vor nur von den Usern/Postern. In dem (verzichtbaren) Tom-Wolf-Thread postet Gino J. einen interessanten Link auf die Epoch Times. Immer wieder sind es (nur) die Leser/User/Poster auf Denkfunk, die auf aktuelle Artikel und Infos verweisen. Zum Zählen der Beiträge/Zitate von Kabarettisten, die erwähnenswert sind, kommt man über Wochen hinweg mit einer Hand aus: An erster Stelle natürlich Georg Schramm, dann Max Uthoff mit einer gehaltvollen Äußerung. Für das nächste interessante Zitat muss man schon weit scrollen auf dem Denkfunk-Facebook-Account bis Christoph Sieber.

Immerhin hat Denkfunk.de der SaSe-Redaktion jetzt zum wirklich allerersten Male ein spontanes und befreites Lachen beschert mit nachstehender Fotomontage. Ein fulminanter Erfolg für eine Kabarettisten-Vereinigung, die leider hier gerade wieder beweist, dass sie Teil des Systems ist und nicht dessen Kritiker!


Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Facebook Denkfunk, Thread  20.07.0215

Im Seiteninfo des Facebook-Accounts heißt es: „Wir lieben augenöffnende und zum Lachen bringende Videos“ (Quelle). Da erhebt sich die Frage, warum Denkfunk dieser Liebe nicht einfach nachgibt? Da ist ja der Account aus der ersten Meldung lustiger (hier zum Phänomen von „Schlepphoden“). Eine zuverlässige Adresse für tiefergründigen Humor bietet ansonsten weiterhin – und ohne Abo! – der Postillon.


+++ Offtopic: Innenansichten zum NSU-Prozess und die Zschäpe-Verteidigung
Die Differenzen zwischen der Angeklagten im NSU-Prozess Beate Zschäpe und ihrem Pflichtverteidiger-Trio mit den martialisch klingenden Namenskluster Heer-Sturm-Stahl war gestern wieder Thema der Nachrichten. Wer sich für die Innenansichten prozessbeteiligter Nebenklage-Rechtsanwälte interessiert, dem sei wärmstens das juristische Webtagebuch der Anwaltssozietät Schön & Reinecke in Köln empfohlen.  Rechtsanwalt Eberhard Reinecke vertritt im NSU-Prozess Nebenkläger und berichtet von Anfang an auf dem Blog, der den Untertitel „ein weblog über uns, die justiz und die welt“ trägt, über die Skurrilitäten des NSU-Prozesses. Den aktuellen Blogeintrag sollte man konzentriert lesen. Er enthält mehr Informationen, als ausformuliert sind.

Hinweis auf eingeschränkte journalistische Unabhängigkeit: Die Anwaltskanzlei Schön & Reinecke vertritt seit Jahren äußerst erfolgreich (!!! – ein Ausrufezeichen pro gewonnenen Prozess) Karin Burger in presserechtlichen Verfahren (die aber [bisher] nichts mit SaSe zu tun haben).

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