TS93/15: Troll-Juchu + Satire-Krücken + So sehen + Blechen + Inlandsterror + Stromkasten-Sex

+++ "stern"-Stimme Micky Beisenherz: „Troll, dass es dich gibt“
In seiner stern-Kolumne beschäftigt sich Micky Beisenherz in seiner bekannten unterhaltsamen Diktion mit Trollen, Shitstorm und Til Schweigers imponierenden Persistieren gegen den braunen Mob. Dabei hebt er wohltuend auch auf das durchgehende Stilmerkmal der rechtsnationalen Geistesleuchten ab: „Rechtschreibung kommt nicht von rechts“. 


+++ Griechenland-Satire auf Krücken bei "SPON"
Ach Gottchen, ja: Die derzeit produktivste Satire-Vorlage sind irgendwelche mehr oder weniger innovative Phantasien zur Griechenland-Rettung. Mit einem Produkt dieses Formats kommt auch die Satire-Redaktion von Spiegel online um die Ecke. Gehumpelt: Filmrechte für 586 Milliarden verkauft: Griechenland saniert!. Unter Verwendung des einschlägig bekannten Personals (Varoufakis = Bruce Willis etc..) wird ein Hollywood-Drehbuch fiktionalisiert, das kein Klischee auslässt. Bei aller Liebe: Die Satire ist weder lustig noch eröffnet sie eine neue Perspektive. Sie tuckert auf bekannten Gleisen unter Verwendung bekannter Stilmittel. Auch angesichts der humanitären Katastrophe in Griechenland bleibt hier die geliebte Sprech- und Sichtweise Satire ganz weit unter ihren Möglichkeiten.


+++ Inhaltliche Auseinandersetzung mit Dieter-Nuhr-Gag auf "der Freitag"
Der (geklaute) Witz von Dieter Nuhr zum Griechenland-Referendum hat wochenlangen Wind im Blätter- und Klicks im Internet-Wald gemacht (siehe auch Pressespiegel in SaSe33). Zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Nuhr-Diktum kam es dabei mehrheitlich nicht (Ausnahme: SaSe33). Das holt jetzt ein Freitag-Community-Mitglied in der Rubrik "Das kann man auch mal so sehen“ nach: Dieter Nuhr zum griechischen Referendum.


+++ Offtopic: Facebook-Hetzer muss 7.500 Euro Strafe zahlen
Der Bayerische Rundfunk reicht passend zum Thema Shitstorm (vgl. SaSe33) die erfreuliche Nachricht herein, dass ein rassistischer Facebook-Hetzer, der gegen eine Asylbewerberunterkunft im Landkreis Passau gepostet hatte, jetzt zu einer doch sehr empfindlichen Geldstrafe von 7.500 Euro verurteilt worden ist.  Da kam ein Metzger vor dem Amtsbericht Düsseldorf billiger weg (500 Euro – Bericht). Insgesamt sollte bei der ganzen aufgeregten Shitstorm-Diskussion dieses wichtige Mittel eines Rechtsstaates jedoch nicht aus dem Blickfeld geraten? Wenn die Neurechten, Nazis, Rassisten und Antisemiten für ihre menschenverachtende Postings im Internet häufiger zu saftigen Geldstrafen verurteilt werden würden, hätte das ggf. auch korrigierenden Einfluss?


+++ Satire-Stoff: Fruchtbare Sprachregelung von Sascha Lobo
Phantastisch: Attacken auf Flüchtlingsheime: Nennt sie endlich Terroristen! fordert Sascha Lobo in seiner Spiegel-Kolumne am 29. Juli 2015 und reißt damit eine wichtige neue Perspektive auf. Man möchte sich vor den Kopf schlagen und sich fragen, warum das selbst noch nicht bemerkt hat? Tagtäglich wollen uns Politiker und Medien mit dem ideologischen Kampfbegriff (vgl. Professor Mausfeld – Warum schweigen die Lämmer?) „Terroristen“ nach außen hin ausrichten (ISIS, Al Quida & Co.). Dabei wütet der Terrorismus schon lange im eigenen Land – und konzentriert vor den Flüchtlingsheimen! Lobo bezeichnet ihn als „neuen, völkischen Terrorismus“. Diese Begriffsanwendung findet sofort Verbreitung. Auf der Suche nach den angemessenen Begriffen ist auch die Zeit, Froben Homburger und die Sächsische Zeitung.


+++ Boris Rosenkranz mit Satire-Qualitäten: „Sex auf dem Stromkasten“
Ein Lese- und Lachgenuss ist  die auf Stefan Niggemeiers Blog erschienene Bilder-Analyse von Boris Rosenkranz mit dem vielversprechenden Titel Sex auf dem Stromkasten zu der momentan heiß diskutierten Aufklärungssendung im ZDF Make Love. Darin beschäftigt er sich mit der „altbackenen, teils rätselhaften Bildersprache“ des Films, anschaulich gemacht durch die entsprechenden Screenshots: ein Professor, der auf Häusern und Heuballen redet, dabei Fenster auf Ohr oder Wange trägt; Schriftzüge in der Landschaft; Buchstaben, die von einem Wasserrad fortgespült werden; die „weibliche Ejakulation“, die aus dem Himmel purzelt, und ähnlicher in seiner Sinnhaftigkeit nicht einzuordnender technischer Blödsinn mehr.


+++ Flüchtlingsdebatte: Das schwierige Ding mit den Zahlen

Ohne Worte


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