SaSe30: BR „Sonntags-Stammtisch“: Monika Gruber tituliert griechische Regierung als kriminelle Rotzbuben

Vielleicht sollte man die Idee von Kabarettisten in Talkshows doch nicht so rundherum ablehnen (vgl. SaSe29)? Oder ist das Chemtrail-Konstrukt der Verschwörungstheoretiker unter besonderer Würdigung von bayerischen Kabarettisten doch noch einmal auf den Prüfstand zu nehmen? Auf jeden Fall hat die Griechenland-Krise, wie schon von einigen Kommentatoren festgestellt, auch gewisse Clearingeffekte. Und zwar auch in der Kabarett-Szene! 

Die schonungslose Offenlegung der politischen Ansichten der Kabarettistin Monika Gruber im gestrigen Sonntags-Stammtisch des Bayerischen Rundfunks allerdings trug leichte Züge des Schockfrostens. Zu Gast in der Sendung waren außer Gruber: der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel, der Biophysiker Wolfgang M. Heckl und der Karikaturist Dieter Hanitzsch. Thema war – unter anderem und im zweiten Teil der Sendung  – die Griechenland-Krise.

Kurz bevor sich Gruber und Moderator Helmut Markwort vor lauter politischer Gesinnungseinigkeit auch noch in die Arme fielen, war die Sendung dann glücklicherweise zu Ende. Das bedeutete insbesondere für den Karikaturisten Dieter Hanitzsch eine mutmaßliche Erlösung.  Denn er allein trug  die gesamte Sendung hindurch das Fähnlein der Aufrechten  mit ökonomischen Sachverstand und Empathie! Er allein widersprach den neoliberalen Thesen. Er allein stellte an den richtigen Stellen die wichtigen Fragen (z. B. Maastricht-Kriterien etc.) Und all das tat er völlig unaufgeregt, mit überzeugender Beharrlichkeit und diplomatischem Geschick.

Als sich Gruber – möglicherweise unter Einfluss des bei der Extremhitze ja auch nicht ungefährlichen und von ihr lustvoll und reichlich genossenen Biers? – zu der Etikettierung der griechischen Regierung (Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis) als „kriminelle Rotzbuben“ verstieg, erhob Hanitzsch sein sofortiges, ruhig und souverän vorgebrachtes Veto! Grubers Blick wandte sich nach dieser – dringend notwendigen – Maßregelung wieder dem Bierglas zu! Heimat.

Hinsichtlich Monika Gruber war die Sendung eine Offenbarung! Hier gerierte sich eine Kabarettistin zum politisch aktuellsten Thema in einer Art und Weise, wie sie Georg Diez in seiner Spiegel-Kolumne vom 3.  Juli 2015 so treffend skizziert hat:

Kein Unterschied, ob "Bild", "Zeit" oder ARD: In den deutschen Medien schwingen sich Journalisten reihenweise zu pöbelnden Parteigängern auf, statt Fakten und Analysen zur Griechenlandkrise zu bringen.
[…]
Viele fallen gerade aus der Rolle, viele zeigen ihr wahres Gesicht. Das ist so ziemlich das einzig Gute an dieser mal wieder desaströsen Woche im Dschungelcamp der deutschen Medien.

(Spiegel 03.07.15, Georg Diez: "Der Kritiker: Im Dschungelcamp der deutschen Medien", Hervorheb. SaSe)

Gar trefflich: „pöbelnde Parteigänger“, „zeigen ihr wahres Gesicht“. Zu diesem Clearing-Effekt der Griechenland-Krise wünschte man sich, Hans Joachim Friedrichs möge aus dem Grab auffahren und Rolf-Dieter Krause sowie Sigmund Gottlieb den Presseausweis abnehmen für das, was sie sich letzte Woche geleistet haben. Und die Kabarettistin Monika Gruber entpuppte sich im gestrigen  Schmusekurs mit den für das Elend der griechischen Bevölkerung mitverantwortlichen politischen Strippenziehern und Medienvertretern als … Mmh! Sagen wir mal so: … als fürs politische Kabarett nicht mehr ernst zu nehmen. Wer braucht Kabarettisten, die die Bild-Zeitung paraphrasieren?
Zudem trägt sie jetzt auch noch das Schandetikett von CSU-Mann Theo Waigel, der ironiefrei bekannte, Monika Gruber sei seine Lieblingskabarettistin. Buäh!
 

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