TS68/16: Plagiatoren, Bescheidene, Großverdiener und Entglaubwürdigte der Satire-Szene

+++ Kurt Krömer: Die Plagiatoren unter den Komikern
Oliver Pocher
, Bülent Ceylan, Giovanni Zarella und Jan Leyk sollen Witze klauen. Schreibt Meedia und bezieht sich dabei auf den Komiker Kurt Krömer, der diesen Ideenklau entdeckt hat. In einem humorigen Brief „vom Bundesamt für Witzeverwaltung“ konfrontiert er die Plagiatoren mit dem Vorwurf – und verwendet dabei eine weiteren satirischen Dreh (er schreibt sich selbst an). Von der Technik her bemerkenswert!


+++ Interview mit Christian Ehring
Satire erregt inzwischen sogar die Aufmerksamkeit von Portalen wie finanzen.net. Dort findet sich ein Interview mit Christian Ehring, dem – dem Interview, nicht Ehring – zuvorderst anzuloben ist, dass es erneut den Fokus auf den Anfang der ganzen vermaledeiten Böhmermann-Affäre richtet: den vom „Irren vom Bosporus“ (Diktum Martin Sonneborn) nicht goutierte extra3-Satire in Liedform. Ehring gibt darin an, Böhmermann nicht gram sein zu wollen für die gestohlene Show. Er sei trotz seines Fernsehjobs „ein öffentlichkeitsscheuer Mensch“; Medienhypes seien ihm zuwider. Die extra3-Redaktion bezeichnet er – sympathisch – als „bodenständige Satire-Manufaktur“. Weiterlesen

SaSe94: Rezension „Ist das jetzt Satire oder was?“: Die besten Handwerksmeister der Zunft

Dieses Buch hat das Zeug zur (neuen) Satire-Bibel – post Charlie Hebdo! Für den von der ewigen Qualfrage („Was darf Satire?“) bis aufs Blut gepeinigten Satirefreund bringt es tiefenwirksame Erleichterung, süffig-herb im Abgang! Heraus quellen Linderung und Klärung verheißende Worte von einer Satire-Elite des Landes, wie sie in den Redaktionen von Titanic und taz-Wahrheit vor sich hin erkennt.

Herausgegeben haben diese Labsal spendende Wundauflage mit dem Werbespruch „aktuelle Beiträge zu einer alten Frage“ Heiko Werning und Volker Surmann. Letzter ist praktischerweise gleich der Verleger (Satyr-Verlag). Werning ist ständiger Mitarbeiter des Satiremagazins Titanic, bloggt und schreibt für taz, Jungle World und andere Medien. Hört, hört!

Die Anthologie vereint 38 Autoren, wobei die schändliche Frauenquote (total: 23 Prozent; im Nur-Textbereich gleich nur noch 16 Prozent) leider gleich wieder einen separaten Peitschenhieb mit langem Anlauf verdient hat. Die sieben (von 31) Textbeiträgen aus femininer Feder stammen von Hazel Brugger (die aber auch nur einen Text aus ihrem gerade erschienen Buch Ich bin so hübsch verwurstet – schade!), Silke Burmester, Kirsten Fuchs, Jacina Nandi, Margarete Stokowski, Ella Carina Werner und Elke Wittich. Katharina Greve und Miriam Wurster steuern Cartoons bei. Weiterlesen

TS67/16: Die schwankenden Relevanzgrade von Satire

+++ Computerexperten loben „Postillon“
Das Fachmagazin Chip lobt den Postillon für eine Satire über Windows10 und die dabei zur Anwendung gelangenden Marketingmethoden mit Belästigungsqualität von Microsoft. Bei der Gelegenheit bietet das Magazin auch seinen Upgrade-Stopper an.


+++ Realsatire.de muss sich jetzt schon abgrenzen!
Das erst in wenigen Tagen online gehende Portal Realsatire.de muss sich jetzt schon von der „Real“-Satire abgrenzen.

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Grafik es Facebook Realsatire.de

Grafik ex Facebook Realsatire.de; Foto: Bernd Schulz

Immerhin wird der Start des mit Spannung erwarteten Portals, das aber schon auf Facebook aktiv ist und damit selbst realsatirisch tätig, für den 25. Mai 2016 angekündigt.
WusstenSie übrigens, dass Wolfgang Schäubles Wahlkreisbüro in Offenburg nicht barrierefrei zugänglich ist?

Senf: Schade! Gerade wollte ich ihn besuchen …

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TS66/16: Überflutung + Nachbereitung + Hindernis + Sieger + Event und 3 Offtopics

+++ „Ständige Überflutung mit satirischen und pseudosatirischen Sichtweisen“
Alarmierendes Empfinden? Die Neue Passauer Presse leitet eine Theaterkritik zu einem Auftritt von Nadine Konietzny und Sascha Ciric, Ensemble Cabaret des Grauens,  mit folgendem Text ein:

Mal ganz offen gesagt – wer in diesen Tagen durch die ständige Überflutung mit satirischen und pseudosatirischen Sichtweisen der aktuellen politischen Themen nicht schon am Rande seiner Leidensfähigkeit angekommen ist, der hebe den Finger. Soll man sich da wirklich noch einen ganzen Abend mit Satire Live geben? Ja – man sollte! Denn was das Ensemble des „Cabaret des Grauens“ abliefert, entschädigt für so manche unerträgliche Peinlichkeit ihrer meist prominenteren Kollegen.
(Neue Passauer Presse 17.05.16: „Gute Satire im Cabaret des Graunes„)

Abgesehen von der Satire-Füllstandsanzeige: Das – Cabaret des Grauens – muss ja eine dolle Truppe sein?
Angesichts des zunehmenden Versagens des deutschen Fernsehkabaretts – eine der als Dauerregen niedergehenden Klimaxen an satirischer Gehaltlosigkeit dürfte Mann, Sieber! vom 17. Mai 2016 sein – ist der düpierte Satire-Freund zunehmend aufgefordert, sich an Satire in Buchform (= spitzenmäßig! Rezension folgt) zu halten oder das analoge Angebot auf den Kleinkunstbühnen abzugrasen. Wem es noch an Motivation dazu fehlt, kann sich hier täglich neu frustrieren lassen. Weiterlesen

TS65/16: Satire für Ansprüche bis in den klebrigen Partykeller

+++ „Meedia“-Podcast zur ersten „NMR“-Sendung post Erdogan
Wer es nicht mehr lesen kann, der kann es vielleicht noch hören? Meedia versucht, das Böhmermann-Thema durch einen Podcast noch erträglich zu machen. Es besprechen Christopher Lesko und Georg Altrogge (Meedia) die erste Neo-Magazin-Royale-Sendung nach der Pause.
Die „Stimmung“ in der Republik zur Causa Jan Böhmermann skizzierte übrigens sehr drastisch ein Huffington-Post-Artikel vom 6. Mai: An Jan Böhmermann: Es reicht! Sie gehen der halben Republik auf den Keks!

Senf: Mir aufgestoßen ist die Tatsache, dass ich nirgends eine Danksagung von Jan Böhmermann an die vielen Kollegen und Künstler gelesen oder gehört habe, die sich mit ihm solidarisch erklärt hatten – oft über persönliche Einschätzungen hinweg. Dazu passend spricht Lesko in obigem Podcast die nicht mehr realitätsbasierte Selbstwahrnehmung des Entertainers an. Böhmermann habe nicht den Status eines Erwachsenen.
Zum Podcast: Im Übrigen sollte Meedia m. E. bei der geschriebenen Sprache bleiben. Also etwa so.


+++ Hubertus von Sprenger stellt Ralf Höcker in den Schatten
Das könnte den Anwalt mit dem moralisch dauererigierten Zeigefinger kränken: Sein Kollege Rechtsanwalt Michael-Hubertus von Sprenger hat geschafft, was Ralf Höcker (bisher) versagt blieb: Auftrags seines Mandanten Recep Tayyip Erdogan eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Allerdings gegen Jan Böhmermann selbst – nicht, wie Höcker, gegen einen Zweitverwerter wie Mathias Döpfner. Das gelang von Sprenger bei der Pressekammer des Landgerichts Hamburg, das berüchtigt für diese Haltung ist (guckst du hier). Weiterlesen

SaSe93: Antiquität: „Ironie als satirische Waffe im Werk von Jonathan Swift“

Ballast abwerfen. Aufräumen. Dabei fällt mir eine 25 Jahre alte Seminararbeit in die Hände, die nun statt in der Seniorenpapiertonne für alle Zeit vergessen zu werden auf diesem Blog thematisch passend eingenagelt wird: „Irony as a satirical weapon in Swift’s work“. Universität Konstanz, Wintersemester 1989/90, Hauptseminar bei Dr. B. Schleußner im Rahmen meines Studiums der englischen und amerikanischen Literatur (1. Nebenfach zur Linguistik und Philosophie als 2. Nebenfach). Satire war seinerzeit mein Themenschwerpunkt.

Das damals noch auf einer Schreibmaschine (!) getippte, im Original 19 Seiten umfassende „Werk“ über Jonathan Swift, m. M. n. DER Klassiker unter den Satirikern, gibt durchaus aktuell anwendbares Instrumentarium an die Hand; etwa die verschiedenen Formen von Ironie sowie den Unterschied zwischen Ironie und Lüge (heute euphemisierend als „Fake“ bezeichnet), etwa anzuwenden auf den fehletikettierten Beschiss von Kai Diekmann (Original; Aufdeckung) mit seinem angeblichen Interview Jan Böhmermanns. Weiterlesen

TS64/16: Satirewege: Brötchen, Bühnen, Knast und Heuchelei

+++ Satire im Brötchen
SaSe versucht ja nun wirklich alle Erscheinungsformen von Satire zu erfassen, muss jedoch zugeben: Diese ist mir auch neu. Satire im Brötchen! Ein Kölner Gastronom hatte einen „Erdogan-Burger“ mit Ziegenkäse angeboten und wurde dafür im Internet bedroht. Die Bedrohung muss so substanziell gewesen sein, dass er sein Restaurant vorübergehend schloss, wie die Deutsche Welle berichtet.
Der Inhaber, Jörg Tiemann, habe mit der spontanen Aktion ein Zeichen setzen wollen gegen den Versuch des türkischen Staatschefs, die Meinungsfreiheit in Deutschland zu untergraben. Mehr zu diesem Zeichensetzungsversuch, wobei das Mehr zeigt, wie dramatisch die Situation inzwischen ist …


+++ Wegen Satire im Gefängnis
Ein Stückchen weiter (der Zynismus bietet sich hier einfach an) ist eine Satiriker-Gruppe in Ägypten. Deutschlandradio Kultur berichtet: „Die Satiriker Atfal al-Shawarea kritisierten den ägyptischen Staat und seine Repressionen gegen Künstler oder Journalisten, immer wieder luden sie kurze Clips auf Youtube hoch. Dafür sind sie nun festgenommen worden.“  Das Eintrittsbillett-Video für den Knast (ägyptische Gefängnisse sind berüchtigt!) thematisierte den Angriff von Sicherheitskräften auf das Gebäude des ägyptischen Journalistenverbandes. Weiterlesen

TS63/16: Furioses Comeback von Jan Böhmermann mit #verafake

+++ Jan Böhmermann bleibt unberechenbar
Das muss man ihm lassen, dem Böhmi: Nach den Wochen auf der Stillen Treppe (die hinter dem Ziegenstall) meldet sich der Satiriker furios zurück. Sein #verafake, bei dem das Neo Magazin Royale (NMR) in der Sendung vom 12. Mai 2016 einen gefakten Kandidaten in die Vera Int-Veen-Sendung Schwiegertochter gesucht eingeschleust hatte, ist furios – und mit sozialer Dimension. Und auch die en passant von Böhmermann gesetzten „zarten“ Anspielungen auf die Erdogan-Affäre sind gelungen! Dabei nimmt er sich auch selbst auf die Schippe mit dem „Scherzanwalt Dr. Christian Witz“ – eine Anspielung auf seinen Anwalt in der Erdogan-Affäre Dr. Christian Schertz. Meedia erklärt die Details des jüngsten NMR-Coups.

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Vor fünf Jahren waren Vera Int-Veen und RTL mit ihrem rücksichtslosen Umgang mit Menschen schon einmal in die Schlagzeilen geraten. Damals ging es um die RLT-Sendung Mietprellern auf der Spur.

Im Übrigen bleibt Meedia dran an der Story (z. B. die Twitter-Reaktionen) und berichtete, dass das Schwiegertochter-gesucht-Fake-Video bei RTL zunächst auch nach der Ausstrahlung von NMR immer noch online gewesen sei. Der Artikel wurde dann aktualisiert – inzwischen hatte RTL reagiert und das Video entfernt.

Und mehr noch. Jan Böhmermann hat tatsächlich etwas bewegt, denn einen Tag später vermeldet – u. a. wieder Meedia -, RTL habe das Produktionsteam ausgetauscht. Und noch einen oben drauf: Jetzt beschäftigt sich die Landesmedienanstalt mit der Sendung!

Der Journalist und „Satiriker“, der RTL seit Jahren für seinen Umgang mit Menschen in den einschlägigen Reality-Soaps kritisiert und dafür auch nervenaufreibende und sehr teure Presserechtsprozesse in Kauf nimmt, ist Holger Kreymeier mit seinem Fernsehkritik.TV.
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+++ Detlef Seif verliest Böhmermanns Schmähgedicht im Bundestag
Im Zuge der Diskussion im Bundestag darüber, ob der Majestätsbeleidigungsparagraf 103 des Strafgesetzbuches sofort abgeschafft werden soll, hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Detlef Seif das Böhmermann-Schmähgedicht noch einmal in Gänze verlesen (Meedia): Weiterlesen

TS62/16: Gesamtkotzwerke, diverse

+++ Böhmermann-Trara: Schlappe für das Dreamteam Ralf Höcker & Erdogan
Die Affäre Jan Böhmermann hat die nächste juristische Eskalationsstufe erreicht. Bundesweit bekannt wurde der offene Brief von Springer-Chef Mathias Döpfner an Jan Böhmermann. Juristisch brisant darin war die explizite Formulierung, dass Döpfner sich die Aussagen des Entertainers in seinem Schmähgedicht in vollem Umfang zu eigen mache. Als performative Formel war das eine Provokation, der die auf diesem Gebiet einschlägigen Rechtsanwälte nicht widerstehen können. Und es hat geklappt: Erdogan geht jetzt auch gegen Döpfner juristisch vor.
Inzwischen aber hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan entweder die Kanzlei gewechselt oder das Heer seiner deutschen Rechtsanwälte – zukunftsträchtig? – erweitert. War es in den Attacken gegen Jan Böhmermann selbst noch der Anwalt Michael-Hubertus von Sprenger,  wird der „Irre vom Bosporus“ (Diktum Martin Sonneborn; ich mache mir dessen Aussage aber nicht zu eigen …)  jetzt (auch?) von der Anwaltskanzlei Höcker vertreten. Der Medienanwalt Dr. Ralf Höcker hatte sich zuletzt durch Mandate für AfD-Politiker in die Schlagzeilen gebracht. Weiterlesen

TS61/15: Kein Ende + Kein Spaß + Kein Humor + Kein Zugang + Kein Arsch

+++ „Nuhr ab 18“: Neue Staffel ab 9. Juni 2016
Im Juni startet die ARD-Kabarett-Nachwuchssendung Nuhr ab 18 in die zweite Runde. Als „Neuerung“ bietet die Vermarktung der Serie unter der moderierende Aegide Dieter Nuhrs, des „verlängerten Arms der Pegida“ (Diktum Volker Pispers), an: „Jeweils ein Comedian beschäftigt sich etwas ausführlicher mit ‚seinem Berlin‘“ (Quelle). In der ersten Sendung soll das Felix Lobrecht aus Neukölln sein.
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Senf: Lobrechts Stil kommt einem irgendwie bekannt vor?
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+++ „heute show“: Eine Peinlichkeit, die Kluth zum Schaudern bringe
Eine Abrechnung mit deutschem Humor und der fehlenden Antenne für Ironie habe Andreas Kluth (Leiter des Berliner Büros von The Economist) geleistet, unterrichtet uns die Huffington Post. Sein Artikel sei so treffend, dass er sich schon zum Viralhit entwickelt habe. Als besonders eindrückliches Beispiel für die defizitäre deutsche Satire nennt der Autor die heute show, ein offensichtliches Plagiat von Jon Stewarts The Daily Show. Die Sendung sei so peinlich, dass sie ihn regelmäßig zum Schaudern bringe. Weiterlesen

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