SatBur6: „Netzfrauen“ – wo Realsatire aus Mutterkuchen gebastelt wird

[Satire]
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Sie wohnen in Quadlingen oder Winkie-Land. Die Adresse spielt keine Rolle. Denn es führt kein gesunder Weg dorthin. Und es liegt auch ganz weit weg vom Urheberrecht. Wo auch immer, dort herrschen sie. Nach alter Väter Sitte: streng, humor- und erbarmungslos!

Dazu müssen sie auch nicht auf Besen durch die Lüfte düsen. Ihre Waffe ist mächtiger: Sie gebären, sie haben geboren, sie werden gebären, und was sie geboren haben, wird gebären. Heilige Gravidität in Ewigkeit, Amen! Hier gilt ein an unermüdlicher Reproduktion erschlaffter Uterus als finale Existenzberechtigung mit Hegemonialanspruch. In dieser vom Restuniversum abgesprengten muffig-gynäkologischen Welt bemisst sich die Überzeugungskraft von Argumenten an der Anzahl der in die Welt gepressten Kinder der- oder desjenigen, die oder der diese Argumente ins Feld führt oder solches auch nur möchte.

Es sind – Alarm! – die Netzfrauen!

Wenn die Aufzucht der Nachzucht (gern bis ins zweite oder dritte Glied) das Leben nicht mehr füllt, bessern sie die Welt. Dabei tun sie das Schlimmste: Sie kämpfen. Digital. Mit Blabla. Gegen glyphosatverseuchte Tampons als Schlüsselanhänger und gegen Fleisch. Auch in Form von Männern. Sie kämpfen ausgesucht nur für jene, die sich diese Parteinahme nicht verbitten können. Kinder, Enkel und Weihnachtsgänse eint das nämliche Ausgeliefertsein: im Würgegriff des Netzgrauens.

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SatBur5NetzfrauenKinderweinen

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Im Internet betreiben sie den bestsortierten Gemischtwarenladen der Empörungskultur. Ein Universum der edlen Tat, ein ewig nährender Uterus zum Ausbrüten von Bessermenschen. Wird irgendwo ein Tier gequält, platzt den Hetzfrauen die Fruchtblase. Bekunden Arglose, sich impfen lassen zu wollen, fangen sie an zu laktieren. Monsanto macht ihnen Presswehen.

Die Welt ist soo schlecht! Also jene Welt, der sie bekennend ihre eigenen Nachfahren ausgeliefert haben. Trotz Fleisch und weltumspannender Eliten! Ja: Sie sind gnadenlos. Und ohne Skrupel.

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SatBur5NetzfrauenMondSkandal

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Ihr Geschäft ist die Angst. Ihr Humor ist hölzern-spröde und entfaltet die Appetitlichkeit frisch verödeter Hämorrhoiden. Der Schutz der letzten Ressourcen ist ihnen ein wichtiges Anliegen. Nachdem Hirn im Netzfrauen-Kosmos restlos vergriffen ist, sollen es wenigstens die Herzen sein. An ihrem arbeitsverschlankenden Prinzip der Fuck-off-Recherche vor Boykottaufruf nehmen sich inzwischen Blogger weltweit einen Bleistift. Vergleichbar unbefriedigende Rechercheergebnisse liefert allenfalls noch die medizinische Fachwelt ab, die bisher die Frage nicht klären konnte, warum sich bei den Netzfrauen die Schwangerschaftsstreifen bis ins Hirn rauf ziehen.

Der Sache der Frau verpassen sie einen hundsgemeinen Tritt in den in den ungeschützten Unterleib. Für den Feminismus ein Totalausfall, ketten sie das Weib wieder fest an den Herd. Es sind die Krisenherde dieser Welt, auf der sie ihr alarmistisches Süppchen kochen. Dramaqueens par excellence – mehr Melodram, mehr Eskalation, mehr Apokalypse war nie. Mehr Kitsch auch nicht!

Sie verhüten nicht und sie hüten sich vor nichts. Hier wird die Realsatire noch aus original Mutterkuchen gemacht. Auf Kritik reagieren sie so elastisch wie der frisch genähte Dammschnitt auf den Spagat. Das gynäkologische Ultraschallbild ersetzt den Presseausweis mitsamt dem Pressekodex, die Aggression die Argumentation. Nur sie kennen den Weg zur Schuld: Nicht alle Nazi-Kritiker sind Netzfrauen, aber alle Netzfrauen-Kritiker sind Nazis.

Wenn nichts mehr geht, weder Quellen noch Quallen zu finden oder zu benennen sind und die Forderung nach Charakter den Geburtskanal verlegt, entfaltet sich das Melodram des Opfers. Die bescheidene Forderung nach Logik, Seriosität und Fakten entartet zum erigierten Penis des Maskulismus, dem von Rothschild persönlich das Mützchen gekappt wurde. Die alte Geschichte. Bewährt: Er droht mal wieder mit Penetration.

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SatBur5NetzfrauenMännerlachen

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Im Minenfeld des mutwillig betretenen schieren Dilettantismus ziehen sie aus ihrem klebrig-suppenden Still-BH die Karten Strafanzeige und Anwalt. Ja: „Anwalt“. Nicht: Anwältin. Obwohl: Die Mutter Wassiljew dieser Moralkeulen schwingenden HunnInnen des 21. Jahrhunderts heißt ja auch Schreier. Und nicht: SchreierIn.

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SatBur5NetzfrauenDoroTee

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Bildnachweis: Grafiken mit freundlicher Genehmigung von Netzmänner und Rafael Ernolf Gradenwitz.

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