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TS34/15: heute-show in Bielefeld + Protektive Kuhoptik + Jan Böhmermann + TV-Satire boomt

+++ Syrischer <heute-show>-Reporter findet keine Fremdenfeindlichkeit in Bielefeld
Natürlich nutzen Lokalredaktionen die Gelegenheit, vom Ruhm der heute-show zu profitieren. Zum Beispiel wenn Dreharbeiten in ihrem Verbreitungsgebiet stattfinden; noch dazu mit lokalkolorierten Mitwirkenden. Für das Westfalen-Blatt war die Berichterstattung über solche Dreharbeiten doppelt erfreulich, konnte das satirische Fernsehteam doch keine relevante Fremdenfeindlichkeit in der Bielefelder Fußgängerzone nachweisen. Mitwirkender war der gebürtige Paderborner Student Mazyar Gheiby, der gerade an seiner Bachelor-Arbeit schreibt. Den Passanten jedoch wurde er als syrischer Journalist angedient.  Dass der nur etwas Persisch konnte, fiel niemanden auf.  Heute-show-Außenreporter Ralf Kebelka übersetzte. Beide Akteure stellten dann abschließend und löblich für Bielefeld fest: „Hier ist keiner ausländerfeindlich!“


+++ <Postillon>: Keine Gruppenvergewaltigungen von Kühen
Wie es sich für anspruchsvolle Satire gehört, hat das neue Produkt aus dem Hause Postillon, Immer mehr Inderinnen verkleiden sich als Kuh, um weniger belästigt zu werden, einen äußerst bitteren Hintergrund. Mit Quellenangabe hinterlegt: „Seit Kurzem drohen etwa im westindischen Bundesstaat Maharashtra bei Besitz, Verzehr und Verkauf von Rindfleisch fünf Jahre Gefängnis, für die sexuelle Belästigung einer Frau gibt es lediglich maximal drei“ (Quelle).
Der Postillon gehört nicht nur in der Sparte Satire, sondern in den inoffiziellen Blogcharts zu den meistgelesenen Blogs überhaupt. Recht eigentlich behauptet er mit 4,2 Millionen Zugriffen im März 2015 Platz 1 (Quelle).


+++ Post für Jan Böhmermann macht Darmwindprotokoll bei <Stern>
Hach Gottchen: Bei den Promis wird wirklich jeder Darmwind zur Meldung! Der Stern meint, aus einer vergleichsweisen harmlosen Zuschrift eines offensichtlich gekränkten Helene-Fischer-Fans an den Berufsprovokateur und Satiriker Jan Böhmermann eine Meldung stricken zu müssen. Okay, zuvor hatte Böhmermann selbst diese Meldung auf Twitter zum Thema gemacht. Aber die kontinuierlichen, großteils unwitzigen, offensichtlich einem permanenten Verlautbarungszwang entspringenden, weder Mensch noch Welt dienenden Böhmermann-Tweets erreichen inzwischen selbst die Qualität einer Satirevorlage. Aber sie richten seinen Followern einen Logenplatz im Böhmermann-Briefkasten ein (siehe dazu auch Briefgeheimnis).
Dabei enthält die zitierte Fan-Post keins der Ingredienzien, wie sie den Shitstorm-nahen „Zuschriften“ eignen, die all (!) jene nahezu täglich erhalten, die gegen den Mainstream schwimmen: übelste Beleidigungen und Drohungen. Die nach Stern-Diktion „gepfefferte“ Abschlussbemerkung der Fischer-Verteidigerin, „Ich werde Ihre Scheiß-Show selbstverständlich nicht anschauen, hoffe auf baldige Absetzung“, ist ungewöhnlich höflich (Sie-Anrede) und begrenzt sich selbst aufs Metaphysische (hoffen) statt sonst gern von Schmähzuschriftenverfassern angedrohter konkreterer Interventionen. Die Empörte verwendet sogar eine den gängigen Höflichkeitsstandards entsprechende Abschlussformel für ihr Schreiben: „mit unfreundlichen Grüßen“. Wissen wir das auch!
Der im stern-Artikel gesetzte Link auf den (mutmaßlich der Verfasserin gehörenden oder ihre Identität preisgebenden) Facebook-Account ist schon gar nicht mehr zugänglich.


+++ <Neue Zürcher Zeitung>: TV-Satire boomt
Die besondere Funktion von TV-Satiren in ihrem neuen investigativen Gewande untersucht Lennart Laberenz in seinem Artikel Lachen bis zum bitteren Ende in der Neuen Zürcher Zeitung. Das Format profitiere davon, dass  Fernsehnachrichten immer seichter würden. Besonderen Raum räumt Laberenz der Kabarettsendung Die Anstalt vom 31. März 2015 ein.

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