TS39/20: Landesgartenschau Überlingen 2020 & Corona: Management bockt in der Fieber-Haft

[Aktualisierung vom 19.03.2020:
Blitzartig hat „Bruder Jakob“, namentlich der BÜB+-Gemeinderat Dirk Diestel, auf diesen TagesSenf reagiert. Er hat mir untenstehende Stellungnahme zukommen lassen, die ich zu beachten bitte. Ähnliches und Gleichlautendes ist auch auf dem brillanten BÜB+-Blog zu finden: hier und hier.]


Sage mir, welche Metaphern du benutzt, und ich sage dir, wie viele Tassen du noch im Schrank hast:

Beispiel Landesgartenschau Überlingen, Oberbürgermeister Jan Zeitler (SPD) und die Geschäftsführung der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH. Die dabei versammelten Blitzbirnen haben nun die „herzliche Einladung zur feierlichen Eröffnung“ der Landesgartenschau Überlingen 2020 verschickt.

Dabei kommt folgende sehr feinfühlige und der krankhaften Zeit angemessene Metapher zum Einsatz:
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TS39LandesgartenschauÜberlingenFieberHaftSSEinladung

Der rote Kringel um das Fieber-Attest stammt von mir!

Von der Metapher zur Tasseninventur: Oberbürgermeister Jan Zeitler und die Geschäftsführung der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH, Roland Leitner und Edith Heppeler, können den Schrank verkaufen. Er wird fürderhin nicht mehr benötigt! Zumindest nicht für Tassen.

Aber das ist noch nicht alles. Die Verantwortlichen für die Landesgartenschau in Überlingen haben im Angesicht der weltweiten Corona-Pandemie noch nicht einmal einen Plan B! So jedenfalls berichtet es der Südkurier am 13. März 2020. Konkreter noch sagt Oberbürgermeister Jan Zeitler gegenüber der Zeitung: „Das [i. e. ein Plan B] wäre völlig abwegig.“

Die ganze Welt ruft den Notstand aus und Bayern den Katastrophenfall. Alle möglichen Länder machen ihre Grenzen dicht. VW schließt seine Werke. Das Robert-Koch-Institut bereitet uns vorsichtig auf eine Pandemie-Dauer von etwa zwei Jahren vor. Und der Überlinger Oberbürgermeister hält einen Plan B betreffs der millionenteuren Landesgartenschau 2020 für „völlig abwegig“?

Ganz dickes Lob deshalb für den Südkurier-Redakteur Stefan Hilser, der für dieses Ausmaß an Verantwortungslosigkeit in einem Kommentar vom 13. März 2020 (mit Bezug zu obigem Artikel) die richtigen Worte findet:

Einen Plan B gebe es nicht, die Landesgartenschau starte am 23. April. Diese Aussage von OB Jan Zeitler lässt außer acht [sic], wie dynamisch die Corona-Krise verläuft. Und es sendet an die, die wegen Corona jetzt ihren Alltag mit Plan B organisieren müssen, die falschen Signale.
(Südkurier 13.03.2020, Kommentar Stefan Hilser: „In der Corona-Krise ist Plan B für die Landesgartenschau unverzichtbar“)

Nachdem Hilser die aktuell und punktuell exerzierte Solidarität mit den vom Virus besonders Gefährdeten und die dafür notwendige soziale Kompetenz lobend herausstellt, anschließend das löbliche Beispiel der evangelischen Kirchengemeinde Überlingen nennt, kommt er zum brandgefährlichen Malus der Touristenstadt:

Welches Signal sendet Zeitler aus?
Wer so spricht, muss sich fragen lassen, welches Signal er aussenden will. Die jungen Familien, die ab Dienstag nicht wissen, wie sie ihre Kinder betreuen. Die Selbstständigen, die um ihre Firma fürchten. Die Musiker, die aus Verantwortlichkeit ihre Instrumente im Koffer lassen. Die sozialen Kontakte, die nach Aufforderung des Robert-Koch-Instituts eingeschränkt werden müssen. Die vielen Lebensbereiche, für die nun ein Plan B gefunden werden MUSS.
Welches Signal will Zeitler aussenden, wenn er tapfer ausspricht, dass die LGS stattfinden wird, dass es keinen Plan B gibt?
Ibid.

Das Attribut „tapfer“ verstehe ich hier als den für den „seriösen“ Journalismus gebotenen Euphemismus zu dem treffenderen Adjektiv „hirnamputiert“?

Hilser stellt dann noch – inzwischen lächerlich obsolete – Überlegungen dazu an, dass ein Plan B nicht unbedingt gleich Absage heißen müsse. Er baut dem Freezer und kompletten Realitätsverweigerer Zeitler und seinen grobethischen Amigos in der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH noch goldene Brücken, die heute, nur wenige Tage später, schon längst eingestürzt sein dürften.

Beunruhigend, solche Personen wie Jan Zeitler in diesen herausfordernden Zeiten in verantwortlicher Position der Stadt Überlingen sitzen zu wissen. Mit Stand heute – dem 17. März 2020 – findet sich dieser himmelschreiende Bullshit auf der Homepage der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH:
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Bildzitat (bearbeitet) Screenshot der Homepage der Landgartenschau Überlingen 2020 GmbH zum Thema Corona am 17.03.2020!!! Ich hoffe, das Überlinger Stadtarchiv archiviert dieses Dokument. Es ist von zeitgeschichtlicher Bedeutung für die kapitale Fehleinschätzung eines Oberbürgermeisters angesichts einer globalen Katastrophe.

Bildzitat (bearbeitet) Screenshot der Homepage der Landgartenschau Überlingen 2020 GmbH zum Thema Corona am 17.03.2020!!! Ich hoffe, das Überlinger Stadtarchiv archiviert dieses Dokument. Es ist von zeitgeschichtlicher Bedeutung für die kapitale Fehleinschätzung eines Oberbürgermeisters angesichts einer globalen Katastrophe.

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Spätestens an dieser Stelle ist zu fragen, ob der Aufsichtsrat der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH überhaupt noch existiert, handlungsfähig und seine Verantwortung wahrzunehmen bereit ist? Mal abgesehen von der Tatsache, dass OB Zeitler kraft seines Amtes der Vorsitzende dieses Aufsichtsrates ist. Ich kann dazu leider so gar nichts finden?

Abgesehen von allen anderen Katastrophen derzeit könnte man doch jetzt damit beginnen, den für mich gar nicht mehr bezifferbaren Schaden für die Stadt Überlingen irgendwie einzufangen, abzufedern, vorzubeugen oder sonst  wie zu begrenzen?

Im Sinne der aktuelle Parole von Solidarität und Einfühlsamkeit versuche ich es mit meiner Frage an den Aufsichtsrat einfach mal musikalisch:
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Aktualisierung vom 19.03.2020:

Stellungnahme des Aufsichtsrats der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH Dirk Diestel, die mich am 17.03.2020 per Mail erreicht hat:

Liebe Frau Burger,
mit Interesse lese ich Ihren Beitrag zum Thema Corona und die Auswirkungen auf die LGS Überlingen, die OB Jan Zeitler nicht , bzw. einen Plan B, als „abwegig“ sieht. Zu recht fragen Sie, ob der Aufsichtsrat der LGS GmbH, der aus Mitgliedern der Gemeinderatsfraktionen und der BWGrün GmbH besteht, frei nach „Bruder Jakob“ schläft.

Dazu muss ich feststellen – weil selbst als Vertreter der Gemeinderatsfraktion BÜB+ im Aufsichtsrat vertreten – dass zumindest ich bereits am Mittwoch 11.3. mich in einer E-Mail an den Vorsitzenden des AR, Herrn OB Zeitler, gewandt hatte mit der Frage, ob im Rahmen der am 12.3. stattfindenden Aufsichtsratssitzung auch über einen meiner Meinung nach notwendigen Plan B gesprochen werden wird. Ich selbst musste dieser AR Sitzung fernbleiben, weil ich nach einem Aufenthalt in Südtirol noch für weitere drei Tage auf die Teilnahme an Sitzungen verzichten sollte.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwerwiegend Virusepidemien ausarten können: Ich habe sechs Jahre in Taiwan gelebt, dort noch SARS und Vogel- und Schweinegrippe persönlich erlebt.
Aus diesem Grund war mir vollkommen klar, dass die LGS Überlingen nicht in der Form stattfinden kann, wie es seit 10 Jahren geplant ist, zumindest eine Verschiebung der Eröffnung ins Auge gefasst werden muss.
Herr Zeitler antwortete mir, dass die LGS Geschäftsführung sich zu dem Thema äußern würde. Was dann tatsächlich in einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag mitgeteilt und im Südkurier am 14.3. veröffentlicht wurde, war für mich unfassbar und – als Mitglied des Aufsichtsrates – nicht vertretbar. Das habe ich nach Veröffentlichung des Südkurier Artikels Herrn Zeitler als Vorsitzenden des Aufsichtsrates und den Aufsichtsratsmitgliedern aus dem Gemeinderat in einem Schreiben dargelegt.
Zu meiner Meinung stehe ich nach wie vor, sehe mich sogar täglich mehr darin bestätigt. Nachdem jetzt aber dem Aufsichtsrat ein „Schlafen“ vorgeworfen wird, muss ich das zumindest für meine Person richtigstellen.

Mit freundlichen  Grüßen

Dirk Diestel
Stadtrat der BÜB+
Aufsichtsrat der LGS GmbH

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