SaSe89: Strafbefehl gegen Satire: Kaufhaus Bozen GmbH und Heinz Peter Hager würgen strippenlose Bloggerlein

Nach dieser Knaller-Headline gebe ich erst einmal eine Runde Baldrian für alle involvierten Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und die Rechtsanwälte der Signa Holding GmbH aus. Ganz ruhig: einatmen, ausatmen, Zeit vergeht. Natürlich würgt weder die ehrenwerte Kaufhaus Bozen GmbH noch deren Vorsitzender Dr. Heinz Peter Hager noch der „Blender“ und „Goldjunge mit Pokerface“ (siehe unten) René Benko mitsamt seiner Signa Holding GmbH irgendjemanden. Also zumindest einmal nicht irgendwelche Satiriker, kritischen Bürger und den Empfänger eines Strafbefehls in Höhe von 2.000 Euro. Das mit dem Gewürge ist einfach nur eine meinungsäußernde Metapher zur Attraktivitätssteigerung einer Headline und so weit weg von einer Tatsachenbehauptung wie das Projekt Kaufhaus Bozen von … Hach, jetzt bin ich doch mal etwas vorsichtig …


Es ist der Klassiker: Kapital gegen Bürger!

Der nachstehend zu berichtende Fall ist der Klassiker: Finanzstarke Investoren mit exzellenten Verbindungen in die Politik – etwa der Kein-Strippenzieher Dr. Heinz Peter Hager– gegen kritische Bürger und urbane Vernunft. Spielort: Bozen!

Bei Strafanzeigen gegen – ordnungsgemäß gekennzeichnete und formal korrekte -Satire geht mir regelmäßig der Hut hoch! Deshalb springt SaSe denjenigen Kollegen/innen, die mit solchen widerlichen Maßnahmen überzogen werden, gern bei. Ungefragt! Unbedankt in der Regel leider auch. In diesem nicht!
Zum Sprung setzt SaSe nun an für die Satire-Seite kaufhaus-bozen.bz. Die Betreiber derer wurden jetzt für ihre Satire von der „Gegenseite“ mit einer Strafanzeige attackiert. Die Anzeige mündete in einen Strafbefehl der italienischen Behörden in Höhe von 2.000 Euro.

Der erste „Kontrollblick“ bei der Recherche führt ins Impressum der angegriffenen Seite, die heißt, um das hier einmal vollkommen ohne Zu-eigen-Machung zu erwähnen: kaufhaus-bozen.bz. Alles okidoki. Die Webseite kaufhaus-bozen.bz ist als Satire gekennzeichnet. Und nicht nur das: Das Impressum weist auch noch einmal ausdrücklich auf den Streisand-Effekt hin … Seherqualitäten?

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Bildzitat Screenshot Impressum kaufhaus-bozen.bz

Bildzitat Screenshot Impressum kaufhaus-bozen.bz

Ich bitte die SaSe-Leser um Verständnis dafür, dass die Satire-Seite kaufhaus-bozen.bz aus pur Jurisprudenz-strategischen Gründen von SaSe nicht hypergelinkt wird. Ich möchte die Abmahn-, Klage- und Strafanzeigen-Latte für Herrn Dr. Heinz Peter Hager und die Anwälte der Signa-Holding GmbH nicht unsportlich tief installieren. Sicherlich finden Interessierte, Kabarettisten, Satirefreunde, Kapitalismuskritiker und die ach so engagierten GÖPs die Webseite kaufhaus-bozen.bz auch ohne eine solche Hilfe?
Und natürlich mache ich mir die Inhalte von kaufhaus-bozen.bz in keiner Weise zu eigen! Dafür sind auch einfach meine Anwälte zu gut!

Was den Satiriker von kaufhaus-bozen.bz passiert und Berichterstattungsanlass für SaSe ist, komprimiert aktuell das Nachrichtenportal salto.


Legitime Kritik an einem Investitionsprojekt in Bozen
Hinter der satirischen (!) Webseite kaufhaus-bozen.bz steht eine kleine Gruppe von AktivistInnen (redaktionell vertreten durch Michael Schlauch, Gaia Palmisano und Paolo Plotegher), die sich mit einem großangelegten Investitionsprojekt in Bozen auseinandersetzt. „Großangelegt“ ist kaum übertrieben und heißt nach Angaben der dort agierenden Signa Holding GmbH: mehrere hundert Millionen Euro“. Und zwar für:

Das Gesamtprojekt Kaufhaus Bozen-Bolzano umfasst einerseits ein innerstädtisches Shoppingcenter, ein Hotel und Wohnungen andererseits auch Büroräumlichkeiten sowie umfangreiche Grünflächen und ein ausgearbeitetes Verkehrskonzept mit integriertem Busbahnhof. Der Entwurf besticht durch internationale Toparchitektur von David Chipperfield und ist mit dem städtebaulichen Masterplan für Bozen sowie mit den Überlegungen zur Bebauung des Bahnhofareals kompatibel.
(Signa Holding GmbH: „Kaufhaus Bozen“; Hervorheb. SaSe)

Die Kritik an solchen Großprojekten darf als legitim bewertet werden. Die Satiriker auf kaufhaus-bozen.bz erklären das so:

Zum Verständnis: diese Seite war und ist seit ihrer Eröffnung am 02.03.15 durch eine kleine Gruppe von AktivistInnen als Satire gekennzeichnet. Sie diente und dient der kritischen Auseinandersetzung mit einem großangelegten Investitionsprojekt, welches das Gesicht der kleinen Stadt Bozen in den künftigen Jahrzehnten grundlegend ändern wird und über deren vielfältigen Auswirkungen noch grundlegender Informationsbedarf bei den Bürgern besteht.
(kaufhaus-bozen.bz: „Wie wir mit Kritik umgehen“ [1])

So weit, so gut, so leicht erkennbar: legitimes zivilgesellschaftliches Engagement! In satirischer Form.

Der Name der Satire-Webseite ist eine Persiflage auf die Investoren, die Kaufhaus Bozen GmbH. Deren Vorsitzender ist Dr. Heinz Peter Hager, der Mann, der auch die Strafanzeige gegen die Satiriker erstattet hat. Die ist im (italienischen) Volltext sowohl auf der Satire-Seite kaufhaus-bozen.bz anzusehen wie dem Salto-Artikel als pdf beigefügt, weshalb zum Urheber kein Konjunktiv notwendig ist.


Bozener Gemeinderatsbeschluss gegen „Kaufhaus Bozen“

Das Großinvestor-Projekt “Kaufhaus Bozen“ sorgt schon länger für Medienberichte. Zum Beispiel im Sommer 2015, als der Bozener Gemeinderat „das von der Signa-Holding des Tiroler Investors René Benko initiierte Kaufhausprojekt“ (Quelle) abschlägig beschied. Merken Sie sich bitte diesen irrtümlich als relevant bewerteten demokratischen Akt! Er spielt im weiteren Verlauf der Angelegenheit und in den eher noch gesteigerten Aktivitäten der Investoren absolut keine Rolle mehr und steht dem Vorantreiben des Großprojekts in keiner Weise im Wege.

What the fuck sind demokratische Willensbekundungen? Trotz dieses eigentlich unmissverständlichen Votums und einer Reihe politischer Wirrnisse in der Zeit danach (Rücktritt des Bozener Bürgermeister Luigi Spagnolli) wird aktuell „das Volk“ (i. e. die Bewohner von Bozen) selbst zur weiteren Nutzung des Bahnhofsareals befragt. Anfang Februar 2016 berichteten die Südtiroler Nachrichten über dieses verblüffende Referendum mit der Bewertung: Ein wichtiger Schritt für die Landeshauptstadt.

Zwar gibt es auch Stimmen – von Kritikern, natürlich! -, die behaupten, dass das Gemeindestatut Referenden zu Urbanistikfragen nicht erlaubt. Aber wo schon Gemeinderatsbeschlüsse Makulatur sind … Und man könnte das aktuelle Referendum ja auch schlicht in eine unverbindliche Meinungsumfrage umdeklarieren … nicht?

Ich möchte meine Leser ja nicht unnötig noch mehr verwirren, aber selbst die Initiative für mehr Demokratie spricht sich ausdrücklich und öffentlich gegen dieses ganz spezielle Referendum zum Kaufhaus Bozen aus!

Die Befürworter des Projektes werben vielfältig und hochpressionell auf der Webseite Zukunft-Bozen.it und betreiben einen eigenen YouTube-Kanal.

Eine eigene Webseite zur Kaufhaus Bozen GmbH kann nicht nur ich, sondern können auch andere nicht finden. Stattdessen schlägt Google auf die exakt definierte Suchanfrage an erster Stelle die Webseite oben genannter Befürworter vor:

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SaSe89KaufhausBozenSS2GoogleSucheGoogle-Suchergebnisse auf die Anfrage „Kaufhaus Bozen GmbH“

Egal, von welcher Seite man sich dem Thema nähert: alles imponierend ehrenwert!


Was sollen die Bozener nicht erfahren?
Der studierte Betriebswirt, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Dr. Heinz Peter Hager persönlich hat die Strafanzeige gegen die Betreiber der Webseite kaufhaus-bozen.bz unterzeichnet. Der Vorwurf: „Urheberrechtsverletzung und Diffamierung“. Daraufhin haben die italienischen Behörden einen Strafbefehl gegen die Betreiber in Höhe von 2.000 Euro erlassen. Den Vorwurf der Diffamierung sähe die Staatsanwaltschaft aber nicht bestätigt, erklären die Beschuldigten auf ihrer Satire-Seite [2].

Strittig aber sei wohl ein auf der Satire-Webseite gesetzter Link zu Suchergebnissen auf Google – und an dieser Stelle zitiere ich vorsichtshalber den Salto-Artikel -, „unter denen einige von den rechtskräftigen Verurteilungen René Benkos wegen Korruption“ (Quelle) berichtet werden. Wer das juristische Risiko bei diesem Thema mildern will, lässt den Link auf die Suchergebnisse weg und empfiehlt den Lesern die selbstständige Recherche mit dem Suchbefehl „René Benko Korruption“. SaSe mildet das juristische Risiko.


Links zu René Benko als Kasus Knaxus?
Die Herausgeber von kaufhaus-bozen.bz vermuten deshalb auch:

WIR NEHMEN ZUR KENNTNIS:
+ dass die Signa Holding auf Kritik (sei es auch in Form von einer Parodie) mit dem Versuch antwortet, Kritikern den Mund zu verbieten und es nicht zu einer offenen Debatte kommen zu lassen
+ dass im Hinblick auf die baldige Bürgerbefragung Ende März 2016, die über das Projekt in Bozen (zum zweiten Mal) entscheiden soll, ein Interesse besteht, den Bürgern Benkos Korruptionsvergangenheit vorzuenthalten
(kaufhaus-bozen.bz, „Wir wir mit Kritik umgehen“ [1]; Hervorhebg. SaSe)

Relativ ungefährlich dagegen ist es, auf einen presserechtlich lange genug abgehangenen Artikel im österreichischen Standard vom 26. Juli 2015 zu verlinken, der René Benko als „Goldjunge mit Pokerface“ bezeichnet und Kritiker zitiert, die ihn für einen „Glücksritter und Blender“ halten. „Blender“ – passt gut [Achtung: reine persönliche Meinungsäußerung!] zu „großangelegten Investitionsprojekten“ mit mehreren hundert Millionen Euro Investitionsvolumen in Landeshauptstädten, deren Gemeinderat sich schon dagegen ausgesprochen hat!

Auch der Standard weiß:

Dass die Gerüchteküche brodelt, wenn ein junger Innsbrucker aus normalen Familienverhältnissen aus dem Nichts heraus groß ins europäische Immobiliengeschäft ein- steigt, hat ihn nie überrascht. Kritiker tut er als Neider ab. Und gegen unliebsame Medienberichte gehen seine Leute schnell einmal gerichtlich vor. Sucht er von sich aus Publizität, werden sämtliche Informationen gezielt gestreut.
(Der Standard 26.07.2015: „René Benko: Goldjunge mit Pokerface“; Hervorheb. SaSe)

Hinter den im aktuellen Fall – remember: kaufhaus-bozen.bz – im Vordergrund stehenden Akteur und Wirtschaftsprüfer Dr. Heinz Peter Hager sollten andere nicht aus dem Blick geraten, wie der Standard schon im Sommer 2015 Vorder- und Hintergrund schied:

Auch Benko geizt mit öffentlichen Auftritten. Auf dem Societyparkett tanzt er selten. Sein Privatleben – er ist mit einem Ex-Model verheiratet und Vater von vier Kindern – schützt er vor Seitenblicken. Und in der Signa hält er sich operativ im Hintergrund und aus dem Schussfeld. Seit er wegen versuchter verbotener Intervention rund um ein manipuliertes italienisches Steuerverfahren verurteilt wurde, agiert er von der Spitze des Beirats aus. Das Landesgericht Wien sah in der Causa einen „Musterfall für Korruption“. Das Urteil schadete Benkos Image auch in Deutschland. Ihn selbst habe es persönlich hart getroffen.
(ibid.)

Oh jeh: eine Verurteilung wegen „versuchter verbotener Intervention und ein manipuliertes italienisches Steuerverfahren“? Das ist aber arg hässlich! Der Standard-Artikel, der offensichtlich bisher von dem Beschriebenen in keiner Weise juristisch beanstandet wurde und deshalb frohen Herzens und ohne (presse)rechtliche Folgen befürchten zu müssen zitiert werden darf, weiß noch mehr:

Womit Benko jüngst für Schlagzeilen sorgte: Niki Lauda, Ex-Rennfahrer und Airline-Gründer, stieg in den illustren Kreis seiner Geldgeber ein. In Deutschland erlebte er beim Versuch, die Warenhauskette Galeria Kaufhof zu erwerben, um sie mit den Warenhäusern der Karstadt-Gruppe zusammenzuführen, eine Schlappe. Und in Wien ermittelte die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft rund um den Erwerb eines schicken Chalets in Oberlech am Arlberg durch die Signa Holding.
(ibid.; Hervorheb. SaSe)

Eiweiwei! Da würde ich doch mal als klar erkennbare Meinungsäußerung die Frage anhängen: „Wer will schon Umgang mit SOLCHEN Leuten haben?“ Oder gar die für Äonen in Bauzement gegossene Zukunft eines Innenstadtareals der Landeshauptstadt in deren Hände legen?

Auch das Bozener Projekt wird in dem maximal genussreichen Standard-Artikel erwähnt, allerdings noch auf dem Kenntnisstand, zu dem die Kritiker dachten, dass demokratische Gemeinderatsentscheidungen etwas gelten.

In Bozen heißt es für Benko vorerst dennoch zurück zum Start: Ein großes Kaufhausprojekt scheiterte Ende dieser Woche am Gemeinderat –
(ibid.)

Zum Stichwort Demokratie allerdings muss ich meine Sicht der Dinge revidieren und folge den diesbezüglichen Ausführungen der Satire(!)kollegen auf kaufhaus-bozen.bz:

DEMOKRATIE KANN MAN KAUFEN
Die Bürger Bozens stehen voll und ganz hinter dem Kaufhaus. Laut nicht-repräsentativen Umfragen stimmen 80% der Bürger, die sich nicht selbstständig informiert haben und vorher in unserem Showroom mit Halbwahrheiten belehrt wurden, für unser Projekt. Das sagt unser eigens für die Öffentlichkeitsarbeit eingerichteter Bürgerverein „Zukunft Bozen“, vertreten durch Heinz Peter Hager, [weitere hier genannte Namen wurden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen für die Veröffentlichung auf SaSe entfernt – K. B.]. Dank großzügiger finanzieller Unterstützung ist es uns möglich, als breit aufgestellter Bürgerverein im Namen aller Bürger Bozens zu sprechen und beliebige Versprechungen zu verbreiten.
[Hier wurde eine Textpassage entfernt, deren potenzieller Tatsachenkern ich nicht überprüfen kann und die deshalb ein zu großes juristisches Risiko darstellt – K. B. = die Mutter der Porzellankiste]
Die bloße Inszenierung von Demokratie reicht als seriöser Indikator des Wählerwillens aus, um genug Druck auf Bozens Politiker zu machen, damit diese das Projekt schnell bewilligen. Es ist uns zu verdanken, dass sich die Gemeinde nicht lange an unwichtigen Details aufhält und Bozens Innenstadt in versprochenen 4-5 Jahren ein fertiges Megastore bekommt. Das Motto von Zukunft Bozen ist und bleibt: die Freiheit von allen Lobbys. Zukunft Bozen agiert im Übrigen unabhängig von René Benko und seiner Signa Holding. (update 28.02.16: das hindert die Signa Holding nicht daran, eine automatische Weiterleitung von kaufhaus-bozen.com zur Desinformationskampagne von Zukunft-Bozen zu schalten)
(kaufhaus-bozen.bz über Startseite zu „5. Bürgerbeteiligung und Partizipation“: „Demokratie kann man kaufen“, [3])

Die neue Südtiroler Tageszeitung spricht im Kontext der dennoch und in Missachtung des Gemeinderatsbeschlusses lancierten Volksentscheids von einem Missbrauchten Referendum.

Die Satirekollegen des Blogs Metronaut legen bei ihrer Berichterstattung den Akzent von René Benko und die Karstadt-Chose mit der Headline: Pressefreiheit: Karstadt-Besitzer René Benko geht gegen Satire-Seite vor. Und diejenigen bei Gipfelbote decken auf: Peinliche Justizpanne Bei [sic!] Kaufhaus-bozen.bz-Anklage Aufgedeckt [sic!].

Wer den Vorgängen über Twitter folgen möchte, findet hier Stoff!


Satiriker mit Standing
Die Satire-Seite kaufhaus-bozen.bz lässt sich aber nicht so platt-derb-unelegant einschüchtern. Sie wählt die juristische Gegenwehr:

WAS WIR DARAUS LERNEN
Besorgt nehmen wir zur Kenntnis, dass es zwei Möglichkeiten gibt. Entweder Benko traut den Einwohnern Bozens nicht zu, Satire erkennen zu können oder die absurden Darstellungen dieser Seite liegen gefährlich nah an der Realität (was wir lieber nicht glauben möchten). Nur so können wir uns erklären, dass man trotz Überspitzung und unseriöser „Renderings“ eine so große Verwechslungsgefahr zwischen der „ernsten“ und der satirischen Seite vermutet, dass man bereit ist, gerichtlich lautstark nach Zensur zu verlangen (worauf sich die Justiz nach unserem Kenntnisstand nicht einlassen wollte). Wir werden uns dadurch jedenfalls nicht entmutigen lassen und haben keine andere Wahl, als unsere Rechte vor Gericht zu verteidigen.

(ibid.)

Nach Auskunft der Betreiber von kaufhaus-bozen.bz wurde Widerspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Hier wird es zum (straf- nicht zivilrechtlichen) Gerichtsverfahren kommen. Das jedoch kann sich Monate hinziehen. Überdies wird Inhalt dieses Gerichtsverfahren lediglich der strafrechtlich relevante Vorwurf in den Aspekten sein, die nicht schon von der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen worden sein sollen (siehe oben).


Aktuelles Interview mit Heinz Peter Hager
Inzwischen legt salto ein Interview mit dem Anzeigeerstatter Heinz Peter Hager vor: Haben Sie kein Humor, Herr Hager? Seine Argumente sind die einschlägig bekannten (gegen Satire): Die Seite enthalte „Unwahrheiten“ (Ja, es ist Satire!) und „Bösartigkeiten“ (Ja, es ist Satire!). Hager definiert im referenzurteillosen Raum, was er unter Satire versteht bzw. welche (moralischen!) Ansprüche er an die Gattung stellt, wobei die meisten der von ihm genannten Kriterien dem Wesen der Satire widersprechen (Stichworte: Unwahrheiten, Bösartigkeiten). Im Übrigen verweist er auf „die Anwälte von Signa“ (das ist das Unternehmen von René Benko), die tätig seien. Das ist das bekannte Prozedere: Das Kapital schickt seine Rechtsanwälte ins Feld!

Das juristische Drohszenario spielt auch im Kontext der Wochenzeitung Dolomiten eine Rolle und wird ebenfalls im Hager-Interview erwähnt. Wegen dort gefallener Äußerungen werde er „eine persönliche, große Schadensersatzklage“ gegen die Zeitung stellen. Den Kollegen in und bei den Dolomiten reiche ich zum Troste und zur Stärkung der Kampfbereitschaft diesen Link! Ich habe fünf Presserechtsprozesse von insgesamt fünf Presserechtsprozessen gewonnen; das könnt ihr auch!

Diese Äußerungen von Hager verstärken den Eindruck, dass in der Causa Benko-Bozen alles und jeder mit Abmahnung, Anzeige und Klage bedroht wird, der sich kritisch oder abweichend zu den Investorenwünschen und ihren überwältigenden Aktivitäten äußert. (Meine ladefähige Adresse, Herr Hager, finden Sie im Impressum dieses Blogs! You are welcome!)

Auch SaSe hat eine ordnungsgemäße Presseanfrage an Herrn Dr. Hager gestellt, auch wenn das in diesem Fall und angesichts seiner gerade erst zum Thema verlinkten Stellungnahme gegenüber Salto presserechtlich und zur Erfüllung der sogenannten „journalistischen Sorgfaltspflichten“ nicht notwendig wäre (guckst du hier). Eine Stellungnahme des Kein-Strippenziehers lag bis zum Redaktionsschluss dieses Artikels noch nicht vor und wird ggf. nachgereicht.


Kabarett, Satire und die Webseite kaufhaus-bozen.bz

Solche Projekte wie Satireseite kaufhaus-bozen.bz sind die Nagelprobe der so lautstark, so leichtfüßig, so überall von jedem politischen Kabarettisten und Satiriker – und ganz besonders von den „Meinungsbildhauern“ (copyleft: Schroeder) – verkündeten Kapitalismus- und Elitenkritik! Die räkeln sich alle – sorry – gemütlich-feige in der Etappe! Die Front und der relevante Einzelfall toben in den Briefkästen und Portmonees satirischer Aktivisten wie diejenigen um Michael Schlauch. Ich kann nichts auf der Webseite kaufhaus-bozen.bz finden, was grenzwertig wäre, offensichtlich unseriös, jenseits von Satire oder in anderer Weise fragwürdig. Natürlich kann man immer so lange Haare spalten, bis auf dem Hackstock irgendein sogenannter „Tatsachenkern“ von Satire liegenbleibt, der mit lautem Hallo inkriminiert wird. Das geht aber nur zivilrechtlich, nicht strafrechtlich. Vermutlich sogar in Italien.

Und nicht zuletzt: Die Betreiber von kaufhaus-bozen.bz geben dieser Redaktion gegenüber an, vorher (vor der Strafanzeige) noch nicht einmal eine Abmahnung erhalten zu haben. Da ist sie wieder, die Nachtigall mit den Eisenschuhen! Und – sorry für Meinungsäußerung: Wie schäbig ist das denn, wenn sich Großinvestoren und ihre Dienstleister in dieser Art und Weise auf kritische Bürger stürzen? Ugh, diavolo!

Schade, schade, schade, dass wir keine glaubwürdigen, engagierten Gegenöffentlichkeitsprojekte, Projekte der Gegenöffentlichkeit und GÖPs (Gegenöffentlichkeitsprojekte) haben, die den vom Großkapital Attackierten in einem solchen Fall zur Seite springen. Man dächte da so an die ADHS-verdächtigen Aktivisten der Occupy-Bewegung, TTIP-Kritiker oder what ever: An diesem spitzkantigen Einzelfall könnten sonst Satiriker und Kapitalismus-Kritiker beweisen, wie ernst es ihnen mit ihrer Kritik ist. Denn offensichtlich tut die Satire-Seite kaufhaus-bozen.bz den „großangelegten“ und – just my five cents – schiefliegenden Investoren richtig weh. Sonst hätten sie und ihre „Dienstleister“ den Streisand-Effekt-gefährlichen Weg über eine bescheuerte Strafanzeige nicht gewählt. Umso wichtiger ist es, dass diejenigen, die solches juristische Instrumentarium virtuos zu bedienen wissen, mit dieser schäbigen (= Meinungsäußerung, gelle) Tour nicht durchkommen.

Sie denken bei der URL von kaufhaus-bozen.bz bitte an das „bz“ nach dem Dot? Danke!

Kaufhaus-bozen.bz: David II meldet sich zur Stelle!

Nicht verlinkte Quellen:
[1]: http://www.kaufhaus-bozen.bz/de/denuncia.html
[2]: http://www.kaufhaus-bozen.bz/de/denuncia.html
[3]: http://www.kaufhaus-bozen.bz/de/index.html

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Nachtrag vom 15.04.2016:
In der Sendung vom 15. April 2015 hat das ARD-Politikmagazin MONITOR die Machenschaften des „Großinvestors“ René Benko im Kontext mit Karstadt umfassend thematisiert und durchleuchtet.

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