TS19/15: ZDF Die Anstalt: Eine tiefer gehende Fernsehkritik auf Quotenmeter.de

Aus dem Pool der Fernsehkritiken (siehe unten „Ferner liefen“) zu der neuerlich bemerkenswerten Die-Anstalt-Sendung vom 31. März 2015 (vgl. auch TS12/15, TS13/15, TS16/15) ragt das Zwischenfazit von Manuel Nunez Sanchez auf Quotenmeter.de scharfkantig heraus. 

Ferner liefen:

Der Freitag, 29.03.15: Griechenland für Fortgeschrittene
Ein „Nutzerbeitrag“, der die aktuelle Sendung  in die Gesamtentwicklung von Die Anstalt seit der Übernahme durch Claus von Wagner und Max Uthoff einordnet.

Neues Deutschland, 30.03.15: Und plötzlich ist der Spaß vorbei
Die Kritik feiert das Revival von politischem Kabarett in der Tradition des Anspruchs von Institutionen wie „Scheibenwischer“ oder „Distel“.

Huffington Post, 30.03.15: Fernsehsternstunde im ZDF: "Die Anstalt" zeigt uns, wie verlogen die Diskussion um Griechenland ist
Sebastian Christ ist voll des Lobes für das Aufklärungspotenzial der Sendung, das  Selbstverständlichkeiten der Griechenland-Diskussion entlarve.

Meedia, 31.03.15: Hunderttausende Clicks: Anstalt-Clip über Griechenland wird zum Viralhit
Auch Nora Burgard-Arp sieht die stringente Entwicklung der ZDF-Kabarettsendung mit dem unerschrockenen Zugehen auf genau die Themen, die wehtun.

Frankfurter Rundschau, 31.03.15: TV-Kritik Die Anstalt: Bilder, die den Wahnsinn zeigen
Mit so unbeholfenen Formulierungen wie „Max Ufhoff und Claus von Wagner ist wieder einmal ein großes Fernsehen gelungen“ gelingt David Segler dennoch, die eigentliche Leistung dieser Kabarettsendung herauszustreichen: komplexe Themen aufzugreifen, zu abstrahieren und in verständlichen Bildern auf die Bühne zu bringen. Wie viele andere Kritiker verliert sich auch Segler streckenweise in die Nacherzählung der Sendung. Neu an dieser Kritik ist der Blick auf die Rolle der Gäste, die gemäß der Süddeutschen Fremdtext aufsagen müssten. Segler sieht Uthoff und von Wagner angesichts einer erodierenden Medienlandschaft in der Rolle jener, die gegen Windmühlen kämpfen.

Focus online, 02.04.15: Griechische Medien feiern ZDF-Show “Die Anstalt”
Die reine Chronistenpflicht-Notiz hält lediglich die enorme Resonanz auf die Sendung bei den Griechen fest.


Mehr TV-Kritik auf Quotenmeter.de
Dem gegenüber leistet Manuel Nunez Sanchez auf Quotenmeter.de mehr: In seiner Fernsehkritik Die Abkehr der „Anstalt“ vom Satire-Mainstream misst er nicht nur Quoten, sondern zieht ein „Zwischenfazit der neuen Anstalt“. Er sieht eine Entwicklung weg von der „launigen Unterhaltungssendung“ zu „einer Aufklärungsstunde in politischer Bildung“, ohne dabei in kulturpessimistische Bewertungen à la humorbefreite Zone zu verfallen. Sanchez stellt eine „schrittweise Verschiebung der Grundausrichtung“ der Sendung hin zu einer Ernsthaftigkeit im Sinne der Aufklärung fest.

Entlang der schon recht bewegten Geschichte von Die Anstalt unter Direktive Uthoffs und von Wagners (Zensur-Attacke der ZEIT-Verantwortlichen; November-Sendung mit dem Auftritt des syrischen Flüchtlingschors „Zuflucht“ mit nachfolgendem Grimme-Preis) paddelt Sanchez konzentriert auf den emotionalen Höhepunkt der Griechenland-Sendung zu.

Und bleibt dort nicht stehen. Anschließend verknüpft der Kritiker die Quintessenz seiner Analysen mit den Überlebenschancen einer solchen qualitativ anspruchsvollen Kabarettsendung in Zeiten, in denen Einschaltquoten und Massengeschmack nicht Qualität, aber Existenz von Sendungen bestimmen (können):

Letztlich ist die Frage der Qualitätssteigerung oder -minderung eine der Perspektive, aus der man auf das Format blickt. Die Sendung ist härter und ernster geworden, als sie zuvor jemals war und schreckt nicht davor zurück, eine klare Haltung in brisanten und komplexen Sachverhalten einzunehmen. Die Humordosis wurde mit der Übernahme von Uthoff und von Wagner schrittweise zurückgefahren, der Zuschauer bekommt zunehmend schwere und vor allem schwer verdauliche Kost geboten, der man häufig kaum ohne ein höheres Maß an politischem Interesse und Vorkenntnis gewachsen ist. Sich derartigen Stoff anzuschauen, der den Betrachter nachdenklich und mitunter gar betrübt zurücklässt, ist unangenehm, kann emotional runterziehen und ist damit auch gewiss nicht jedermanns Sache. Der Erkenntnisreichtum, den man aus den 45-60 Minuten «Anstalt» extrahieren kann, ist allerdings bisweilen so groß, dass viele reine Dokumentationen und Reportagen dagegen sehr alt aussehen.
(Quotenmeter.de 02.04.15, Manuel Nunz Sanchez: Die Abkehr der „Anstalt“ vom Satire-Mainstream)

Da sei es interessant zu beobachten, ob das ZDF mitziehen und diese „zutiefst unangenehme, kritische und nachdenklich stimmende Sendung“ weiterhin fördern werde.


Quotenmeter – das Pfui-Teufel der Fernsehkritik?
Diese – nach SaSe-Meinung angenehm tiefer schürfende – Besprechung und Analyse zu der Ausnahme-Kabarettsendung Die Anstalt sollte so ein kleines Blögchen, das noch dazu erst im Aufbau befindlich ist,  hurtig als Ausrutscher bei Quotenmeter.de brandmarken. Zumindest, wenn man sich an der (vernichtenden) Kritik dieses Online-Fernsehmagazins auf Wikipedia orientiert. Der Journalist Thomas Knüwer beschreibt Quotenmeter als eine Fundgrube für „verdrehte Sätze, falsche Bezüge, dümmliche Wortbilder“ (vgl. dagegen Frankfurter Rundschau oben: „ein großes Fernsehen“) sowie „grandios unbeholfene, sinnlose und unterbelichtete Texte“ (Quelle). Das war 2007.

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier bewertet Quotenmeter 2010 als "Möchtegernmedienmagazin“. Holger Kreymeier, Fernsehkritik.TV,  bewertet die Berichterstattung dort 2008 als „unkritisch, kindisch und speichelleckerisch gegenüber Medienkonzernen“.

Die obige und nun auch schon einige Jahre zurückliegende Kritik macht sich allerdings überwiegend an der Personalie Fabian Riedner bei Quotenmeter fest. Der wird im aktuellen Impressum der Plattform (nur noch?) als Ansprechpartner für „Werben und Kooperationen“ genannt. Chefredakteur von Quotenmeter ist aktuell Manuel Weis. Riedner taucht in der Namensliste der Redakteure nicht auf.

Hmmmh … SaSe kehrt sich vom medienkritischen Mainstream mutig ab und lobt die TV-Kritik über Die Anstalt vom 31. März 2015 auf Quotenmeter (trotzdem) als lesenswert!

(Abspann: Donnergrollen …)

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