TS31/20: Julia Klöckners Beitrag zum Untergang der CDU und ihr Zoff mit Hundeprofi Martin Rütter

Läuft … könnte man sagen? Also das mit dem Image der CDU wenige Tage vor zwei wichtigen Landtagswahlen? Allerdings drängeln sich derzeit die diversen Akteure der CDU so geballt auf der Medienbühne, dass man schnell einmal einzelne Beiträge aus den Augen verlieren könnte. Vor lauter Masken-Gate droht der seit Monaten ungebrochene Einsatz der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) aus dem Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu rutschen. Die nämlich bemüht sich schon seit Sommer 2020 in einem schier unfassbaren Zoff mit dem bundesweit bekannten Hundetrainer Martin Rütter, der Politik im Allgemeinen und ihrer Partei im Besonderen maximalen Schaden zuzufügen.

Was da parallel zu den Absahnaktionen von Unionsabgeordneten abgeht und von dem Medienprofi Rütter in inzwischen zahlreichen Videos dokumentiert ist, sagt dem Bürger alles, was er über Politik und Lobbyismus wissen muss. Klöckners imagetechnisch maximal grobmotorisches Vorgehen in der Causa Rütter ist wahrlich löbelich und zeigt noch mehr Nüsslein, als die zwei Corona-Profiteure mit Bundestagsmandat bisher zur Aufführung brachten.

Mal sehen, ob ich diesen Krimi nacherzählt kriege:
Das Bundeslandwirtschaftsministerium denkt sich maximal bescheuerte und komplett praxisferne neue Regelungen für die Hundehaltungsverordnung aus und verkündet diese im Sommer 2020 über eine Pressemitteilung.

Das verdiente Ergebnis: Shitstorm für Julia Klöckner!
*

Ministerium bietet Rütter Deal an
Als auch DER Experte zum Thema schlechthin, der „Hundeflüsterer“ Martin Rütter, ankündigt, Stellung zu nehmen, erhält dieser einen bemerkenswerten Anruf eines Klöckner-Mitarbeiters. Der bietet ihm mehr oder weniger einen „Deal“ an: Rütter solle sich mal für den Moment mit einem öffentlichen Kommentar zurückhalten. Im Gegenzug sei ihm ein Gespräch mit Klöckner und die Einbindung in die Beratungen angeboten worden. Rütter ließ sich zunächst auf dieses Angebot ein und schickte er eine wohl die Inhalte des Deals bestätigende Mail ans Ministerium.

Und dann hörte er … nichts mehr von dort.

Nach mehreren Monaten des Wartens habe er dann in den Sozialen Medien einen Beitrag über Julia Klöckner angekündigt. „Keine fünf Stunden später habe sich dann das Ministeriumwieder gemeldet“ (Quelle).

Rütter dazu gegenüber Der Westen:

Martin Rütter weiter: „Ich bin wirklich so irritiert darüber, ich kann es überhaupt nicht fassen. Was ist denn das für eine Vorgehensweise? Ich bin empört darüber, weil mir das Thema [i. e. Tierschutz – Anmerkg. K. B.] am Herzen liegt. Und es ist die allergrößte Sauerei, dass die im Prinzip die Hoffnung hatten: Das [gemeint ist das telefonisch erhaltene Angebot, in die Beratungen einbezogen zu werden] schmeichelt dem bestimmt, da fragen wir ihn, nach drei Tagen fragt doch sowieso keiner mehr nach. Das ist doch wirklich absurd.“
(Der Westen 20.02.2021: „Martin Rütter erhält unfassbares Angebot von höchster Stelle – „Ich fasse es nicht“)

Ich verlinke hier schon einmal bis zu dieser Stelle des <Klöckner-Gates> die entsprechenden Videos von Rütter, die auf Facebook einsehbar sind. Man lasse sich von deren Länge nicht schrecken; im ersten und mehr als einstündigen Video geht es nur im ersten Teil um Klöckner. Außerdem ist Rütter der geborene Entertainer. Der Mann füllt mit seinen Shows riesige Hallen. Die Videos sind durch seinen mitreißenden Erzählstil sehr unterhaltsam:

+ Video 17.02.2021 (1:13:58)
+ Video 18.02.2021 (0:50)
+ Video 28.02.2021 (9:55)

Auftritt Klöckner und des Landwirtschaftsministeriums. Die und das bestreiten inzwischen blank, dass es den oben genannten ersten Anruf mit dem entsprechenden Angebot an Rütter überhaupt gegeben habe:

Wir [i. e. Redaktion Der Westen – Anmerkg. K. B.] haben beim Landwirtschaftsministerium nachgefragt. „Es ist falsch, dass sich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft an Herrn Rütter gewandt hat, um eine etwaige Äußerung seinerseits zur Hundeverordnung zu verhindern. Das wäre auch in jeder Hinsicht anmaßend, jeder kann seine Meinung äußern – zudem senden wir genau aus diesem Grund Gesetz- und Verordnungsentwürfe in Expertenanhörungen“, heißt es in der Stellungnahme. Zudem sei es falsch, dass Julia Klöckner einen Mitarbeiter vorgeschickt habe.
(ibid.)

Das ist wenig glaubwürdig. Der Hundeprofi hat einen Zeugen für das Telefonat und hatte anschließend auch gleich ein Gesprächsprotokoll angelegt.

Die Behauptung, besagte Mail Rütters sei „versehentlich“ nicht weiter bearbeitet worden, spricht auch für sich.

Rütter ist ja eher so der gemütlich Typ und arbeitet beharrlich an seiner Reiner-Kalmund-Optik. Aber jetzt platze ihm dann doch der Kragen, berichtet schon wenige Tage später wieder Der Westen: „Wollen die uns verarschen?“ (Quelle).

Nach seinem Instagram-Video habe das Landwirtschaftsministerium erneut mit ihm Kontakt aufgenommen. Dieses Mal allerdings kam die Mail vom Leiter der Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Wieder sei er um einen Austausch gebeten worden (Quelle). Allerdings war jetzt nicht mehr von einem Gespräch mit Julia Klöckner persönlich die Rede. Rütters Team fragt deshalb nach. Und es geschieht wieder nichts. Keine Antwort. Keine Reaktion. Rütter lässt das nächste Video raus.

Besonders lobenswert: Rütter wirkt immer wieder auf seine Fans ein, sich bei öffentlichen Äußerungen zum Thema an die Höflichkeitsstandards zu halten. Das scheint zu funktionieren, wie sein nächstes Video inklusive weiterem Verlaufsbericht belegt. Zu diesem Verlauf gehört es wohl auch, dass Klöckners Social-Media-Team in anständigem Ton gestellte Fragen zum Thema gelöscht habe:

+ Video 28.02.2021 (2:25)
+ Video 01.03.2021 (9:01)

Rütter redet Tacheles: Klöckner interessiere sich „einen Müll für Tiere“.

Schön, dass wir an des Hundetrainers politischem Reifeprozess teilnehmen dürfen. Denn das (Klöckners ethische Interesselosigkeit) hätte man ihn schon vor seiner Julia-„Posse“ und seinen ganz persönlichen Erfahrungen mit der Dame sagen können.
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Rütter über Klöckner: „dreiste Lügen“
Der Krimi geht weiter – betrieben vorzüglich auch von der CDU-Landwirtschaftsministerin selbst.  Bei einem ihrer albernen Bäumchen-Pflanz-Termine wird sie vor laufender Kamera auf die Auseinandersetzung mit Rütter angesprochen. Klöckner versucht nun, Rütter „noch ein paar andere Interessen zu unterstellen“. Pointe in diesem Video ist Rütters Ansage: „Jetzt sind wir an einem Punkt, wo dreist gelogen wird.“

Fragt die Satirikerin: Ja, stimmt, Martin, und was daran ist jetzt neu?

Wiederholt drückt Rütter dann noch sein blankes Entsetzen über das Verhalten von CDU-Blondi aus.

Das nächste Rütter-Video kommt wenige Tage später: „Es wird immer dreister mit der Lügerei.“ Jetzt zieht er Konsequenzen, spielt unverhohlen auf die Bundestagswahl im September an und verleiht seiner Hoffnung Ausdruck, dass Klöckner dann als Landwirtschaftsministerin erledigt sei und in den Vorstand von Nestlé wechselt.

+ Video 04.03.2021 (4:29)

Und gleich noch ein Video, das auf ein Statement von Klöckner Bezug nimmt. In dieser Stellungnahme der Landwirtschaftsministerin  werden mit subtilen sprachlichen Mitteln neue Nebelkerzen entzündet. Und wieder O-Ton Rütter: „Es wird dreist gelogen.“

+ Video 06.03.2021

Vorbildlich: Rütter fordert auch hier seine Fans noch einmal auf, wenn sie Klöckner schreiben wollen, dies nur in einem gemäßigten Ton zu tun.

Die ganze Causa Julia-Klöckner-Martin-Rütter ist so dermaßen abstrus, dass sich jeder weitere Kommentar erübrigt.

Im Übrigen spiegelt dieser Image-Gau der Landwirtschaftsministerin nur das wieder, was viel zu viele Bürger tagtäglich auch auf kommunaler Ebene erleben.

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