TS59/16: Justiz & Satire, AfD & Dackel, die Rechten & die „heute show“, Böhmi & Merkeli

+++ „Spiegel online“ definiert Satire
Der Jurist Jan Hedde versucht sich in Spiegel online an einer Satire-Bestimmung. Seine Ansätze sind dort besonders zitierungswürdig, wo sie das Verhältnis von Satire und Rechtsprechung behandeln – aus der Feder eines Juristen:

Satire ist ein Transportmittel für Aussagen, die anders nicht bewegt werden können.
Satire funktioniert, indem sie für ihre Aussagen zunächst eine Umgebung des Unernsten schafft. Dort sind Aussagen möglich, die in einem ernsten Rahmen Widerspruch provozieren würden, gegebenenfalls auch Gegenmaßnahmen. In der unernsten Welt ist Widerspruch gegen Satire nicht möglich, denn wer sich in diese Welt begibt, kann nicht auf eine Ordnung hoffen, die ihm beisteht. Eine Justiz, die Satire bewerten will, gibt sich der Lächerlichkeit preis. Sie müsste die Satire verstehen und gleichzeitig beweisen, dass es sich um eine ernste Sache handelt.
[…]
Der Preis für die Unangreifbarkeit der Satire besteht in ihrer geringen Bedeutung im Diskurs. Gesellschaftliche Themen werden satirisch begleitet, aber nicht satirisch geführt. Und auch in der gegenwärtigen Auseinandersetzung ist Satire nur Gegenstand, nicht Akteur.
[…]
Die Frage, was Satire darf und was nicht, ist vergleichsweise leicht zu beantworten: Solange sie in der Sphäre des Unernsten bleibt, darf sie alles. Nur eines nicht: langweilen.
(Jan Hedder in Spiegel online 01.05.16: „Serie ‚Das Wort‘: Das ist Satire“; Hervorhebg. SaSe)

Senf: Man wünschte sich, jemand möge die zentralen Sätze dem peitschenkompetenten Medienanwalt Ralf Höcker in den Schreibtisch gravieren! Und ein paar anderen …
Dazu passend eine Satire auf diese ganz besondere Zunft aus Österreich.


+++ „extra3“ & die Optimierung: Dackel-Aktion
Die Satiriker von extra3 werden stetig besser. Und sie schaffen es immer häufiger, sich in der umtriebigen Satireszene an die Tagesmeldungen-Spitze zu setzen. Neueste Aktion mit gelungenem Rekurs auf den Parteitag der AfD und unter Anwendung des Hashtags AfD: „Mehr Aufmerksamkeit für den Dackel!“ Hier einige Beispiel-Tweets:  Homo-Hunde + Weil wir es können + Gegen chinesische Billigkopien + Herrchenrasse. Das Logo der AfD wurde entsprechend der typischen Anatomie dieses urdeutschen Hundes gelängt. Dazu Slogans wie: „Wer Dackelland nicht liebt, soll Dackelland verlassen“. Beim Plakat „Burka-Verbot jetzt!“ allerdings ist unter der Verschleierung ein Nicht-Dackel zu erkennen. Eine schöne Bildstrecke dazu in der Huffington Post.


+++ Rechtspopulistischer Blog „Unzensuriert“ arbeitet sich an „heute show“ ab
„Unzensuriert.at ist eine im Februar 2009 gegründete rechtspopulistische Plattform aus Wien“ (Wiki). Mit Satire haben die braunen Jungs bekanntermaßen ein durchgehendes Problem. Mit Bezug auf die heute show am vergangenen Freitag titelt Unzensuriert.at: „‘Arschloch‘ Welke will zum Akademikerball eingeladen werden“ [Quelle1].

Die ZDF-„heute show“, die sich als Politsatire-Sendung sieht und derzeit verzweifelt daran scheitert, die AfD-Erfolge in Deutschland zu verhindern, fühlte sich am Freitag also berufen, die Österreicher für ihre Wahlentscheidung zu ohrfeigen. Satirisch versteht sich. Da gibt es offenbar auch keine Tabus. Die „Ösipussies“, wie die Österreicher von Oliver Welke bezeichnet wurden, dürfen im deutschen Fernsehen durch den Dreck gezogen werden, weil sie am 24. April nicht das gewählt haben, was sich die derzeitige politische Elite unserer Nachbarn wünscht. Oliver Welke sagte also über die Österreicher im „Murmeltiergehege“, dass diese gegenüber den Deutschen Komplexe hätten und das zurecht. Und „Norbert“, so Welke weiter, sei einfach kein Führername.
(Unzensuriert.at 01.05.16: „‘Arschloch‘ Welke will zum Akademikerball eingeladen werden“)

Auch der österreichische Boulevard hat so seine Probleme mit der Ösis-Schelte der heute show.

Quelle 1: https://www.unzensuriert.at/content/0020651-Arschloch-Welke-will-zum-Akademikerball-eingeladen-werden


+++ Er ist wieder da!
Böhmi gibt Zeiti Interviewi! Das erste seiner Art nach dem Skandal. Das ist bisher für Nicht-Abonnenten nur in Auszügen verfügbar und sei ab heute am Kiosk erhältlich. Schön für den Kiosk.
Die Zweitberichterstattung hängt sich an Jan Böhmermanns Kanzlerinnenkritik auf und scheut dabei auch nicht vor dem Pleonasmus „scharfe“ vor „Kritik“ zurück. Meedia dagegen konzentriert sich eher aufs Wesentliche – bevor es ebenfalls auf die Alarm-Alarm:-Böhmermann-übt-Merkel-Kritik-Linie einschwenkt.

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