SaSe82: Die Herkunft des Flüchtlingsbriefes Köthen

Die publizistischen Winkelzüge von „Spiegelfechter“ und „Denkfunk“ und
die vernebelte Rolle der Global-Change-Vereine

Zugegeben: Ich habe eins der Schwerpunktthemen dieses Blogs – die faszinierenden Intransparenzen des Kabarettistenzusammenschlusses D(d)enkfunk alias PatchworX Media GmbH alias Global Change Now e. V. (CGNow) in den letzten Wochen vernachlässigt. Immer wieder jedoch erreichen mich Hinweise von Kritikern (weil vormals Akteure und Kooperationspartner) des Vereins GCNow über die weitreichenden Verbindungen und Aktivitäten von Tom Aslan alias Umman Aslan, dem (nach außen nicht erkennbar in Erscheinung tretenden) Kopf des Gesamtkunstwerks Denkfunk.

Am Beispiel des „Flüchtlingsbriefes aus Köthen“ im Januar 2016 lässt sich die intransparente Vorgehensweise des weit verzweigten Netzwerkes gut dokumentieren. Wobei schon an dieser Stelle zu betonen ist: Nicht die Verbindungen als solche sind verwerflich, sondern die Tatsache, dass sie nicht offengelegt und thematisiert werden. Das verlangt übrigens auch der Pressekodex und wird von seriösen Medienkritikern, zu denen ich Denkfunk & Co. ausdrücklich nicht zähle, auch so gehandhabt!


Der Flüchtlingsbrief auf „Spiegelfechter“
Ein Denkfunk-Autor ist Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf. Wellbrock ist gleichfalls Autor auf dem Portal Spiegelfechter, herausgegeben von Jens Berger, der wiederum mit Albrecht Müller auf NachDenkSeiten zusammenarbeitet.

Am 8. Januar 2016 veröffentlichte Wellbrock-Wolf auf Spiegelfechter den Artikel Offener Brief von Flüchtlingen aus Köthen (Anhalt). Der Brief wird im vollen Wortlaut sowie in arabischer Übersetzung abgedruckt.
Mit keinem Wort, in keiner Fußnote, mit keinem Hinweis erwähnt der Publizist Jörg Wellbrock alias Tom W. Wolf, dass personelle Verbindungen zwischen ihm als Autor von Spiegelfechter, (natürlich und bekannt zu) Denkfunk, vor allem aber und vermutlich unbekannt zur Flüchtlingshilfe Köthen bestehen:

Nachdem die Volksseele weiterhin kocht und die Vorfälle in der Silvesternacht 2015/2016 in Köln und anderswo noch immer die Gemüter erhitzen, wird in Köthen (Anhalt) gearbeitet. Die Initiative „Willkommen in Köthen – weltoffen und bunt“ hat sich vorgenommen, Menschen auf der Flucht konkrete Hilfe anzubieten. Diese geht über die Willkommenskultur hinaus, die Helfer unterstützen Fluchtsuchende bei Behördengängen, Hausaufgaben und dem Erlernen der deutschen Sprache.
Nun hat sich eine Gruppe von Flüchtlingen zusammengetan und einen offenen Brief verfasst, der Nicole Gewinner, Unterstützerin von “Willkommen in Köthen” übergeben wurde und sich in erster Linie an die deutschen Frauen richtet, die jeden Tag helfen. Auf dem Foto sind drei Polizisten aus Köthen und die Flüchtlinge zu sehen, die das Schreiben überreicht haben.
Wir haben den Brief ebenfalls erhalten und drucken ihn hier ab:
(Spiegelfechter 08.01.2016: „Offener Brief von Flüchtlingen aus Köthen (Anhalt)“)

Für den Leser muss meiner Meinung der Eindruck entstehen, dass der Spiegelfechter nichts mit dieser Flüchtlingshilfe zu tun hat und es keine personellen Verbindungen dorthin gibt. Auf den unbefangenen Leser wirkt es wie: Die Flüchtlinge haben von sich aus die Initiative ergriffen und einen Brief geschrieben. Glücklicherweise stand gerade eine Kollegin von Tom Aslan in der Flüchtlingshilfe parat, die den Brief dank ihrer intimen Kenntnis der deutschen Gegenöffentlichkeitsszene im Internet sofort an die „richtige“ Adresse – das Gegenöffentlichkeitsportal Spiegelfechter – weiterleitete.

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Bildzitat Screenshot Spiegelfechter

Bildzitat Screenshot Spiegelfechter

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Immer schön im Kreis: „Denkfunk“ verlinkt auf „Spiegelfechter“

Sauber angebahnt: Nun haben die Denkfunk-„Redakteure (= das Personal des Vereins GCNow) eine externe Quelle, auf die sie sich mit ihrer Meldung auf dem Facebook-Account von Denkfunk beziehen können. Selbstverständlich wird auch bei Denkfunk mit keinem Wort erwähnt, dass der – nach SaSe-Meinung und der weiterer Beobachter – Denkfunk-„Chef“ Tom Aslan zufällig auch Sprecher der Flüchtlingshilfe ist, in deren Umfeld dieser Brief entstanden ist – natürlich pur spontan, völlig eigeninitiativ und ohne jede äußere Einflussnahme von Personen, denen solche integrationssignalstarken Aktionen von Flüchtlingen verdammt zupass kommen!

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Bildzitat Screenshot Facebook Denkfunk

Bildzitat Screenshot Facebook Denkfunk

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Tom Aslan ist Sprecher von „Willkommen in Köthen“
Tom Aslan, der auch unter dem Namen Umman Aslan im Netz zu finden ist, ist (nicht nur) nach meiner Meinung und Beobachtung der nicht deklarierte „Kopf“ hinter Denkfunk. Vormals stand er dem intransparenten Verein GCNow vor. Einer der Geschäftsführer des Vereins, Tobias Haase, hat heute die „Redaktion“ von Denkfunk inne (siehe Screenshots vom Denkfunk-Impressum in HINfo5).

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Bildzitat Screenshot (anonymisiert) Impressum "Willkommen in Köthen"

Bildzitat Screenshot (anonymisiert) Impressum „Willkommen in Köthen“

Tom Aslan hat vielfältige Verbindungen in die Occupy-Szene und zu Politikern der Grünen sowie vormals den Piraten. Er betreibt ein Videoportal, in dessen Impressum wieder der Verein GCNow auftaucht. Auf der Vereinswebseite wird diese Verbindung aber nicht erkennbar kommuniziert.
Zu den Interviewpartnern von Tom Aslan gehörten in der Vergangenheit auch schon mal Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulisten wie Andreas Popp von der Wissensmanufaktur oder der frühere AfD-Vize Olaf Henkel. Das Interview mit Popp wurde aber irgendwann aus der Aslan-Videothek entfernt, ist aber im Internet noch verfügbar.


Welche Rolle spielt der Verein Global Change 2009?
Besonders undurchschaubar sind die Verknüpfungen zwischen dem Verein GCNow und dem – eigentlich in Augustusburg ansässigen – Verein Global Change 2009 e. V. (GC2009) In einem Interview auf dem Ethiker-Portal aus dem Jahr 2010 werden diese Verbindungen thematisiert. Angeblich habe sich der frühere Vorsitzende von GC2009, der Geschäftsmann Jörg B., von GCNow distanziert. (Kritiker des Vereins GCNow verweisen immer wieder auf die Rolle von Jörg B.) Das sehen die Interviewpartner Tom Aslan und Manuel S., einer der beiden (heutigen) Geschäftsführer von GCNow, anders:

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Der Verein GC2009 ist inzwischen weitgehend „inaktiv“ im Netz. Im Internet sind auch keine aktuelle Vereinswebseite und keine Informationen zu Satzung, Vorstand, Adresse und Vereinsregisternummer zu finden. Die frühere URL führt inzwischen auf die Webseite „guthabenkrise.de“, zu der sich noch nicht einmal ein Impressum finden lässt. Vor allem aber ist keine Satzung des Vereins GC2009 zu finden. Das ist sehr schade, denn es wäre interessant zu überprüfen, wie der Betrieb der Webseite für eine Flüchtlingshilfe mit der Satzung eines Vereins vereinbar ist, der sich mit Geld- und Wirtschaftssystemen beschäftigt – eine nicht unerhebliche Frage auch im Hinblick auf eine eventuell bestehende Gemeinnützigkeit.

Etwas Erhellung bringt der Eintrag bei Denic zu der nicht mehr verfügbaren Originalwebseite von GC2009, der auch die bisher bekannte Adresse des Vereins in Augustusburg bestätigt:

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SaSe82Bild6SSDenicAuskunftZuGlobalChange2009Bildzitat Screenshot anonymisiert Auskunft Denic zur Webseite des Vereins Global Change 2009, die aber gar nicht mehr verfügbar ist, sondern auf eine Präsenz „Guthabenkrise.de“ ohne Impressum weiterleitet

 

Diese Adresse des Vereins GC2009 in Augustusburg behalten wir im Hinterkopf …


Falsche Angaben zum Domaininhaber?
Unter diesem Aspekt ist es bemerkenswert, dass als Domaininhaber der Webseite der Flüchtlingshilfe Köthen Willkommen in Köthen der Verein GC2009 angegeben wird – mutmaßlich auch noch mit falscher Adresse. Denn die bei Denic angegebene Adresse des Domaininhabers in Köthen ist die des Vereins GCNow, nicht die des Vereins GC2009 in Augustusburg.

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Bildzitat Screenshot Auskunft Denic zur Webseite der Flüchtlingshilfe-Initiative "Willkommen in Köthen"

Bildzitat Screenshot Auskunft Denic zur Webseite der Flüchtlingshilfe-Initiative „Willkommen in Köthen“

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Bildzitat Screenshot, anonymisiert, Auskunft Denic zur Webseite der Flüchtlingshilfe-Initiative "Willkommen in Köthen"

Bildzitat Screenshot, anonymisiert, Auskunft Denic zur Webseite der Flüchtlingshilfe-Initiative „Willkommen in Köthen“

(Und glauben Sie nicht, dass Ihre spätestens hier vielleicht auftretende Verwirrung hinsichtlich der relativen Namensgleichheit der beiden Vereine zufällig entsteht …)

Bei GCNOW spielte Tom Aslan früher die große Rolle. Der Geschäftsführer des Vereins Tobias Haase (einer von zweien) ist Redakteur von Denkfunk, hinter dem wiederum das Marketingunternehmen PatchworX Media GmbH steckt. Deren Geschäftsführerin Melanie W. war zumindest früher die Lebensgefährtin von Tom Aslan alias Umman Aslan.
Meine Meinung: ein im Dunkeln gehaltenes Netzwerk! Der bei Denic als technischer Ansprechpartner für Willkommen in Köthen angegebene Thomas K. spielt und spielte auch beim Verein GCNOW eine wichtige Rolle.

Falsche Angaben zum Domaininhaber für die Webseite Willkommen in Köthen sind zumindest ein Verstoß gegen das Telemediengesetz und können bei Denic gravierende Folgen haben.
Viel dringender aber fragt sich, warum Gegenöffentlichkeitsprojekte und Flüchtlingshelfer sich solcher fragwürdigen Mittel bedienen? Und überdies ist es nicht der erste Fall mit falschen Angaben in und Manipulationen an einem Impressum, der sich für Denkfunk dokumentieren lässt (vgl. dazu HInfo5).

Nicht zuletzt ist zu fragen, ob es nicht Munition für „besorgte Bürger“ und Rechte liefert, hinter die Internetaktivitäten einer Flüchtlingshilfe einen Verein mit dem Namen „Global Change“ zu stellen. Genau dieser angeblich von dunklen Mächten geplante „Wandel“ und „Bevölkerungsaustausch“ etc. in Deutschland durch die Geflüchteten gehört zu den zentralen Behauptungen der Rassisten und Nationalisten.


Sieht aus wie, ist aber …
Noch einmal: Das publizistische Zusammenspiel zwischen Spiegelfechter und Denkfunk im Kontext des „Flüchtlingsbriefs aus Köthen“ mitsamt dem undurchsichtigen Netzwerk von bestehenden und halbtoten Vereinen dahinter, deren Satzung(en) mit „Flüchtlingshilfe“ kaum verträglich vorzustellen sind, sind nicht per se verwerflich. Aber als „Gegenöffentlichkeitsprojekte“, die so vehement, umfassend und dauerempört die klassischen Medien kritisieren, ist meines Erachtens von beiden – Spiegelfechter und Denkfunk – zu erwarten, dass sie sich an die Minimalstandards von Telemediengesetz und Pressekodex halten, korrekte Angaben machen und Verbindungen offenlegen!

Meiner Meinung nach sieht der Vorgang „Flüchtlingsbrief aus Köthen“ aus wie: Die Geflüchteten im Umfeld der Flüchtlingshilfe Willkommen in Köthen sind ganz allein auf die politisch sehr gut verwendbare Idee gekommen, sich in einem offenen Brief von den Vorgängen in Köln zu distanzieren. Dieser offene Brief wurde dann dem Spiegelfechter zugeleitet, der ihn ohne jeden Hinweis auf die bestehenden personellen Verbindungen publiziert. Denkfunk bezieht sich mit seiner Veröffentlichung wiederum auf den Spiegelfechter, ebenfalls ohne auf die bestehenden Verbindungen hinzuweisen.

De facto aber war der Ablauf wie oben dokumentiert, was den Brief in ein ganz anderes Licht rückt.

Der Herausgeber der Querfront-Seiten, André Hüssy, der sich vormals eingehend und gut dokumentiert mit den NachDenkSeiten beschäftigt hatte, und der jetzt die Querfront-Aktivitäten protokolliert, hat die seiner Meinung nach bestehenden Verbindungen zwischen all diesen „Gegenöffentlichkeitsprojekten“ in dieser Grafik dargestellt:

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Mit freundlicher Genehmigung von André Hüssy, QuerFrontSeiten

Mit freundlicher Genehmigung von André Hüssy, QuerFrontSeiten

Übrigens: Der Verein GCNow beantwortet eine ausführliche Presseanfrage dieser Redaktion (vom 1. Oktober 2015) zu all diesen Intransparenzen, Widersprüchlichkeiten und Personalverflechtungen nicht!

Das macht: Lärmbelästigung durch Nachtigall.


Abgekürzt: Alles der nämliche Murks
Das aufwendige Dokumentationsverfahren, das SaSe (und viele andere) hier zu den sogenannten Gegenöffentlichskeitsprojekten, insbesondere Denkfunk, seit Monaten betreibt (vgl. Übersicht in HInfo6), lässt sich auch abkürzen: Ob Gegenöffentlichkeitsprojekte (Denkfunk, Spiegelfechter, NachDenkSeiten etc.) oder etablierte Medien: Überall der nämliche Murks, überall nicht offengelegte Verbindungen und Netzwerke. Bloß dass die einen es den anderen mit maximalem Lärm ankreiden; die Ersten weniger mächtiger sind als die Zweiten, es an ihrer Stelle aber ganz offensichtlich auch nicht anders machen würden. Oder noch kürzer: Alles für die Tonne! Und namhafte politische Kabarettisten wie Max Uthoff, Claus von Wagner (beide: Die Anstalt), Andreas Rebers, Serdar Somuncu, Urban Priol etc. mittendrin in diesem schier undurchschaubaren Filz. Great!

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