SaSe41: Sind das die Leser von „NachDenkSeiten“? Musterantwort zur Flut der Zuschriften von Ken-Jebsen-Fans

Zum Verständnis und zur Einordnung dieses Artikels ist die Zurkenntnisnahme meines offenen Briefs an Professor Dr. Rainer Mausfeld, Universität Kiel, (SaSe40) unverzichtbar sowie diese SaSe-Statusmeldung vom 27. August 2015.

Im Nachgang auf den Journalisten-Prangertext am 26. August 2015 auf den NachDenkSeiten (NDS) erhielt ich eine wahre Flut von E-Mails. Diese Zuschriften kamen zu 95 Prozent von bekennenden Anhängern des umstrittenen Journalisten Ken Jebsen. Daraus ziehe ich den Schluss, daraus muss ich den Schluss ziehen, dass sich ein ebenso beträchtlicher wie beunruhigend großer Anteil der NDS-Leser aus der Gefolgschaft dieses Personenkreises rekrutiert. Dieser Personenkreis wird von nicht wenigen Kritikern der sogenannten Querfront zugeschlagen. Die Otto-Brenner-Stiftung hat gerade erst eine als „Studie“ wohl etwas überdimensioniert etikettierte, nichtsdestrotz interessante Untersuchung dieses Segments sogenannter Gegenöffentlichkeit herausgegeben. „Machwerk der untersten Schublade“ urteilt dazu Albrecht Müller von den NDS; eine Linksammlung zur weiteren Rezeption des Arbeitspapiers findet der Interessierte hier


Konformität der Zuschriften
Die erwähnten Zuschriften weisen fast alle dieselbe Form und denselben Inhalt auf. Massiv dankbar bin ich als jahrelanges Opfer rechtsextremistischer Schmäh- und Drohmails dafür, dass alle Zuschriften, selbst die wenigen anonymen, auf die gängigen Höflichkeitsstandards nicht verzichten. Tadellos: Anrede, Sie-Ansprache, abschließende Grußformel. Tiptop!
Der Inhalt – bis hin zur Mail eines jüdischen Buchautors, der sich schon auf KenFM habe interviewen lassen – ist allerdings immer derselbe: Die Schreiber verlangen (!) Rechenschaft von mir für die Behauptung in der von mir nicht autorisierten NDS-Veröffentlichung meiner Presseanfrage an Professor Mausfeld, Ken Jebsen stehe irgendwie im Konnex mit Antisemitismusvorwürfen.

Als Sprachwissenschaftlerin fasziniert mich diese formale und inhaltliche Konformität der völlig ungesteuerten spontanen Volksempörung.


Es werde Licht!
Inhaltlich irritieren die fehlende Logik und das Verkennen der Verantwortlichkeiten. Da die Veröffentlichung meiner Presseanfrage an Professor Mausfeld ohne meine Zustimmung erfolgte, bin ich für deren Folgen nicht mehr verantwortlich. Es handelt sich bei dieser Veröffentlichung um einen illegitimen Eingriff in mein Urheberrecht, den Albrecht Müller von den NDS und Professor Mausfeld zu verantworten haben.


Tieferer Sinn: Kritiker lahmlegen?
Wollte ich alle E-Mails des Ken-Jebsen-Hofstaates einzeln beantworten, würde das die Redaktion dieses Blogs lahmlegen. Inzwischen mahnen einzelne derer schon die ausbleibende Antwort an, obwohl in diesem Text auf SaSe ausdrücklich um Verständnis dafür gebeten wurde, dass sich die Antworten verzögern werden.

Ungern verstoße ich gegen gängige Höflichkeitsstandards und möchte die Aufklärer nicht unbedankt lassen. Deshalb kann nachfolgende anonymisierte Antwort an einen besonderen Eiferer, der mich heute schon mit seiner zweiten Mail beglückt hat, stellvertretend für alle gelten!

Sehr geehrter Herr [Name für Veröffentlichung entfernt],

zunächst muss ich mich bei Ihnen in aller Form entschuldigen, dass sich die Beantwortung Ihrer Mail vom 26. August 2015 so lange hingezogen hat. Das ist sonst nicht der Stil der SaSe-Redaktion. Allerdings hatte ich in diesem Text auf meinem Blog auch ausdrücklich darauf hinweisen lassen, dass sich die Beantwortung aufgrund der schieren Menge der Zuschriften von Ken-Jebsen-Fans verzögern werde.
Mehr noch: Wenn ich alle erhaltenen Ken-Jebsen-Entourage-Mails beantworten WÜRDE, könnte ich tagelang meine redaktionelle Arbeit auf SatireSenf.de nicht mehr erledigen. Das wollen Sie doch ganz bestimmt nicht, oder?

Allerdings täuschen Sie sich, wenn Sie glauben, dass ich in irgendeiner Form Rechenschaft oder Belege, Dokumente, Beweise etc. für die auf den NachDenkSeiten illegitim veröffentlichte Presseanfrage an Herrn Professor Mausfeld und die darin enthaltene Behauptung vorzulegen hätte. Die Veröffentlichung meiner Presseanfrage durch Herrn Albrecht Müller erfolgte ohne meine Zustimmung. Da ich diese Vorwürfe mithin nicht veröffentlicht habe, brauche ich sie auch nicht zu belegen.

Im Übrigen genießen Sie mein uneingeschränktes Mitgefühl für die Tatsache, dass Sie offensichtlich über keine Suchmaschine verfügen oder eine solche aus anderen Gründen nicht nutzen können/wollen. Wenn Sie bei „Google“ (= eine der bekanntesten und sehr große Suchmaschine!) den Suchauftrag „Ken Jebsen Antisemitismus“ eingeben, erzielen Sie 17.600 Treffer. Da müsste doch auch für Sie etwas dabei sein?

Ungern allerdings möchte ich es am berühmten SaSe-Leserservice fehlen lassen und habe Ihnen deshalb einmal einen Link herausgesucht, der vielleicht auch für Sie anschaulich und kleinschrittig erklärt, wie man Suchmaschinen sinnvoll nutzen kann: Guckst du hier!

Im Übrigen ist Ken Jebsen und die um ihn kreisenden Vorwürfe nur im Kontext mit dem angeblichen GÖP  „Denkfunk“  Thema auf meinem Blog, der sich, wie ausdrücklich angeschrieben, mit „News & Würze zu Satire & Kabarett“ beschäftigt. Und erst durch die Vorgänge auf den NachDenkSeiten ist mir bewusst geworden, dass die Verbindungen zwischen den von Ihnen so sehr geschätzten und geflissentlich verteidigten Journalisten, den NachDenkSeiten selbst sowie dem damit verbandelten GÖP Denkfunk viel enger sind als bisher vermutet!

Wenn Ken Jebsen und Co. also tatsächlich im Auftrag der „Aufklärung“ unterwegs sind, dann ist diese bei mir volle Kanne gelungen! Dafür gebührt auch Ihnen ein aufrichtiges Danke!

Da bei mir inzwischen der – wenn auch möglicherweise falsche – Eindruck entstanden ist, dass die Akteure der GÖPs ein fettes Problem mit der Vertraulichkeit von Mails und dem Urheberrecht Dritter über die von ihnen verfassten Texte haben, weise ich Sie ausdrücklich darauf hin, dass sich diese Mail nur an Sie persönlich richtet und weder weitergeleitet noch veröffentlicht werden darf. Das tue ich dann – selbstverständlich anonymisiert – schon selbst!

Mit freundlichen Grüßen

Karin Burger
Redaktion SatireSenf.de

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