SaSe76: Kabarettist mit Nazikeule: Serdar Somuncu schweigert die Schweiz

Der Kabarettist Serdar Somuncu hat es wieder geschafft: Der Boulevard berichtet. Nachdem ihm die zelebrierte Hybris, die kommentierte Ausgabe von Hitlers Mein Kampf als „unnötig“ und „Betrug“ zu bewerten (vgl. TS1/16), nicht nachhaltig genug in die Medien brachte, hat er sich jetzt ein ganzes Land als Gegner erwählt: die Schweiz. Somuncu schweigert gegen die Eidgenossen.

Therefore: Auf dem Arosa Humorfestival hatte der „Hassist“ den Schweizern in ihrer kollektiven Eigenschaft als Nazis den Weg erleuchtet. Das Schweizer Fernsehen (SRF) jedoch sendete seinen Auftritt in einer Zusammenstellung von Beiträgen des Festivals nicht. Eine Insubordination, der (und vor allem dem „Opfer“!) man mit dem Label „Zensur“ die richtige Aufmerksamkeit verschafft. Die Schweizer Boulevad-Zeitung Blick tut Somuncu dann auch den Gefallen, springt artig übers Stöckchen und titelt: Deutsch-Türke wirft SRF Zensur vor: „Die Schweizer sind aufrichtige Nazis“:

Der Kabarettist Serdar Somuncu rastet nach einem Auftritt am Arosa Humorfestival auf Facebook aus: Sein Auftritt kommt nicht am Fernsehen. Nun wirft er SRF vor, ihn wegen seiner Kritik an der Schweiz zu zensieren.
(Blick 04.02.16: „Deutsch-Türke wirft SRF Zensur vor: ‚Die Schweizer sind aufrichtige Nazis‘“; Hervorhebg. SaSe)

By the way: Es gibt wenig, was dem Wesen der Satire diametraler entgegensetzt wäre als „ausrasten“?

In der Schweiz berichtet über den Vorgang auch das Badener Tagblatt. Die Aargauer Zeitung hat das Gespräch mit Somuncu gesucht und schlägt sich in ihrer Berichterstattung eher auf die Seite der Presse- und Meinungsfreiheit. Damit bekräftigen die Redakteure den Zensur-Vorwurf, zu dem der Artikel auch weitere Fälle beim SRF benennt. Der Vorgang verdient dann noch einen Kommentar: Somuncu-Zensur: Bitte kein Wohlfühl-SRF.

Übrigens sollen die Zuschauer bei Somuncus Auftritt die Veranstaltung in Scharen verlassen haben.


Die Schweizer seien aufrichtige Nazis
Auf dem Arosa-Humorfestival hatte Somuncu die Schweizer wie folgt satirsch charaktersiert und pauschal als ganze Nation verurteilt:

„Die schlechte Nachricht ist: Ich bin Türke. Die Gute ist: Ich glaube nicht an Gott. Der Laden ist also sicher..noch! Ehrlich gesagt, ich bin wirklich froh hier sein zu dürfen. Denn ich bin auf der Flucht. Nicht aus Syrien. Sondern von Deutschland in die Schweiz. Die Deutschen sind mir zu weich geworden. Die sind mittlerweile sogar freundlich zu Flüchtlingen. Da lobe ich mir die Schweizer. Sie sind wenigstens aufrichtige Nazis. Wenn Ihnen was nicht passt: Ausschaffungsinitiative und Zack sind die Ausländer wieder raus. Gegen Ihren Christoph Arschblocher ist der Höcke von der AfD ein blutiger Anfänger.“
(Facebook Serdar Somuncu Faden vom 04.01.16 mit Transkript des Textes vom Auftritt; Hervorhebg. SaSe)

Die Auswahl (ganz fürnehm: „Selection“) von Beiträgen des Festivals wird vom Schweizer Fernsehen in zwei Tranchen ausgestrahlt. Die erste Folge kam am Sonntag; die zweite ist für den 10. Januar 2016 vorgesehen. Der ungeheuerliche Vorgang von Majestätsbeleidigung liegt nun in der Tatsache, dass Somuncu mit seinem Beitrag in der SRF-Auswahl nicht vorkommt. Damit strebt das Happening zum Höhepunkt: Zensur! Und damit kennt sich Somuncu aus, denn er ist Autor der Kabarettistenvereinigung Denkfunk, bei der Zensur zum Tagesgeschäft gehört (Übersicht dokumentierter Fälle)!

Das Schweizer Fernsehen hält dem entgegen: „Redaktionelle Auswahl ist keine Zensur“ (Quelle). Blick zitiert den Bereichsleiter Comedy und Quiz beim SRF, Rolf Tschäppät, wie folgt:

SRF wählt die Künstler und ihre Auftritte nach verschiedenen Kriterien aus, zum Beispiel Herkunft, Bekanntheit oder Genre. Entscheidend ist schlussendlich ein guter Mix für die Sendungen.»
(zitiert nach Blick 04.01.16: „Deutsch-Türke Serdar Somuncu wirft SRF Zensur vor).

Die deutschen Medien halten sich bei ihrer Berichterstattung eng an die Schweizer Vorlagen. Der Focus und die SHZ greifen den Vorgang auf, journalisteln aber nicht über den Blick-Bericht hinaus.

Eingehender beschäftigt sich das Radio Ostschweiz, FM1today, mit dem Skandälchen: „Hassprediger“ Serdar Somuncu poltert gegen das SRF. Für den Fall, dass die Wortwahl „poltern“ die Botschaft dem Leser noch nicht klar genug herübergebracht hat, embedden sie Somuncus Auftritt bei TV Total:

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Auch der Auftritt beim Arosa Filmfestival ist inzwischen als Video verfügbar und wird in einen weiteren Artikel eingebettet. Blick macht aus der Tatsache dann gleich wieder eine eigene Meldung.


Mit Rassismus gegen Rassismus?
Interessant ist die Diskussion, die sich auf Somuncus Facebook-Account erhebt. Eine Posterin stellt etwa die entscheidende Frage, wie man Rassismus mit Rassismus bekämpfen wolle. Ein anderer User wirft den Veranstaltern vor, ihre Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. Wer Somuncu einlade, müsse wissen, was er sich da ins Haus hole.
Viele (Schweizer) Poster aber stimmen Somuncu durchaus zu und attestieren ihm, einen Nerv getroffen zu haben. Differenzierter sieht das Steve K.:

Wenn man das Schweizer Politiksystem nicht versteht, sollte man lieber keine Witze machen, statt sich mit seiner Unwissenheit zu blamieren.
Dazu kommt, dass der Serdar wohl keine Ahnung hat, worum es in den Initiativen geht. Und des Weiteren: es zeugt von keiner hohen politischen Reife, mit der Nazi-Keule zu argumentieren und das Wort “ Arsch“ vor einen Namen zu setzen. Man kann für oder gegen eine Initiative sein, man kann jemanden mögen oder eben nicht. Es ist die Art und Weise der Argumentation, die etwas über Niveau aussagt. Serdar, du bist wie die Nazis, die du beschimpfst, halt einfach nur politisch am anderen Ende, aber genau so dämlich.
(Facebook Serdar Somuncu Thread 04.01.16; Hervorheb. SaSe)

Und nicht nur mir fallen die Parallelen zwischen Somuncu und Til Schweiger auf …

Leider gleitet die Diskussion über den entscheidenden Kernpunkt des Somuncu-Rassismus hinweg und verliert an Tiefenschärfe. Dafür stellt der Poster Bruno die historischen Zusammenhänge her und arbeitet gleich zwei Pointen heraus: die Wer-ohne-Schuld-werfe-ersten-Stein-These sowie das bildstark auf den Punkt gebracht künstlerische Wirkprinzip Somuncus:

Cool, ein Türke (verantwortlich für den Genozid an mehr als 1,5 Mio. Armeniern) der bei den netten Deutschen (verantwortlich für den Holocaust an 6,3 Mio. Menschen) lebt, betitelt die Schweizer als Nazi ! Oh Mann, ist das witzig, wir murksen mal paar Millionen Menschen ab und machen uns dann richtig lustig darüber. […]
Da kommt einer, scheisst kurz auf die Bühne und behauptet das sei Kunst. Das ist ja noch nicht schlimm. Das tragische dabei ist bloss, dass ihm dabei soviel applaudieren. Aber das war ja in Deutschland schon immer so. Einer marschiert voraus und alle anderen heben den Arm und laufen hinter her. „Heil Somuncu !!“
(ibid.; Hervorheb. SaSe)

Dem ist dann auch nichts mehr hinzuzufügen, zumal es für die Vorgehensweise des Provokation-um-der-Provokation-willen-Kabarettisten Serdar Somuncu kein treffenderes Bild als das von der fäkalen Entleerung auf die Bühne gibt.

Meinen/unseren Schweizer Nachbarn biete ich zum Trost die Behauptung an, dass sich viele deutsche Satiriker für Somuncus widerliche Art und seine mit verstörender Wollust exerzierte Koprolalie in Grund und Boden schämen. Er gilt als degoutanter Prolet under den deutschen Kabarettisten, worüber auch seine oft sehr klugen Analysen, die er in Polit-Talks zum Besten gibt, nicht hinwegtrösten. Ein ganzes – noch dazu ein urdemokratisches – Volk als Nazis zu verunglimpfen hat mit Satire natürlich überhaupt nichts zu tun. Serdar Somuncu macht Kabarett so zu einem Synonym für furchtbar schlechtes Benehmen.

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