TS162/15: Heuchelei + Plagiat-Humor + Zombie-Ismus + Edle + Bornierte Netzfrauen

+++ Serdar Somuncu: „Weihnachten, die Zeit der Besinnungslosigkeit“
Er bleibt ambivalent, der schwierige Kabarettist Serdar Somuncu: wirklich gute Analysen und treffende Dikta auf der einen Seite und dann wieder ödes Moralpredigertum und Peinlichkeiten wie die Werbung für sein Buch bei hart aber fair am Montag auf der anderen (vgl. TS161/15). In seiner aktuellen Kolumne in der Wirtschaftswoche reflektiert der Hassist über die Verlogenheit unserer Weihnachtsfestinszenierungen. Da sei er dann froh, Muslim zu sein.


+++ „Star Wars“: Plagiat-Humor der Frankfurter Polizei
Fast hätte es die Frankfurter Polizei auf das bewundernswerte Humorniveau ihrer Osloer Kollegen geschafft. Auf Twitter informierte sie die Star-Wars-Fans: „‘Spoilern‘ ist und bleibt keine Straftat. Ja, finden wir auch blöd. Aber war machen die Gesetze ja nicht“. Meedia allerdings berichtet, die Ordnungshüter hätten diesen Tweet bei ihren amerikanischen Kollegen abgekupfert.


+++ Satire-Studie des „British Medical Journal“ zu Zombie-Ismus

Focus: Wie man wissenschaftliche Standards und Satire zusammenbringt, zeigt die jährliche Weihnachts-Satire-Studie des British Medical Journal. Diese selbstironischen Veröffentlichungen zu Weihnachten haben Tradition in der angesehenen Fachpublikation. Die Themen dabei sind lustig bis satirisch, ihre Bearbeitung jedoch muss wissenschaftlichen Anforderungen genügen. Dieses Jahr legen die Weißkittel-Satiriker vor: Zombie-Infektionen: Epidemiologie, Behandlung und Vorsorge.

Mehr zum Thema: Wer an Satire im Themenbereich Medizin interessiert ist, findet in SaSe18 weiterführende Links wie zum Beispiel den satirischen Blog Monsterdoc.


+++ Pispers, Priol, Schramm unterstützen recht-auf-willkommen.de
Die Kabarettisten Volker Pispers, Urban Priol und Georg Schramm werden zusammen mit anderen Künstlern und Institutionen als Unterstützer der neuen „Plattform wider Abschottung und Fremdenfeindlichkeit“ recht-auf-willkommen.de genannt. Gegründet wurde die Plattform von Attac, dem Institut Solidarische Moderne, der Menschenrechtsorganisation Medico International sowie der christlichen Zeitschrift Publik-Forum. Ziele sind die Stärkung der Willkommenskultur, die Beseitigung von Fluchtursachen und das gesellschaftliche Veto gegen nationale Ausgrenzung und eine gewalttätige Abschottung an den Grenzen Europas.


+++ Nicht wirklich offtopic: „Netzfrauen“ machen Karriere mit ihrer Borniertheit
In SaSe72 über den Satiriker Schroeder kam der Wahnsinn schon einmal zur Sprache: Die Netzfrauen (Gründerin: Doro Schreier) hatten am vergangen Sonntag auf Facebook vor einem Schlüsselanhänger in Echtpelz-Optik der Firma Tchibo gewarnt und den Eindruck erweckt, es handele sich hier um ein potenziell tierquälerisches Produkt. Tatsächlich jedoch besteht der Puschel aus 90 Prozent Polyacryl und 10 Prozent Polyester.
Jeder macht mal Fehler (vgl. Vorbemerkung zu SaSe70). Allerdings halten die Damen nicht nur unbeirrt an ihrer alarmistischen und tatsachenunverträglichen Warnung fest, sondern fahren Nachfragern und Kritikern in der Manier verbissener IdeologInnen rabiat über den Mund, wie der Blog Graslutscher hier sehr schön dokumentiert.

Die Unbelehrbarkeit der Netzfrauen führte im nächsten Eskalationsschritt zu der Intervention von Mimikama. Die Internetwatcher griffen den Fall auf, fragten bei dem  Konzern Tchibo nach und dokumentieren die Netzfrauen-Blamage in vollem Umfang. Zum Schluss fordert Mimikama die Netzfrauen auf, sich für diese Falschmeldung zu entschuldigen. Auch juristisch tänzeln die reichlich übermotivierten Damen (Conditio sine qua non im Bereich Tierschutz/Tierrecht) auf sehr dünnem Eis.
Reaktion der Netzfrauen: Die fordern nun ihrerseits Mimikama auf, sich für den Artikel zu entschuldigen! Nachfragende User werden von den Hetzfrauen übelst abgekanzelt und beschimpft. Im Gegenzug erscheinen Links zu älterer Kritik an den Aktivistinnen, die es inzwischen schon zu einem Eintrag bei Psiram geschafft haben.
Graslutscher protokolliert die aggressiv-hilflosen Reaktionen der Katastrophistinnen minutiös. Die Huffington Post sorgt dafür, dass der Vorgang entsprechende Verbreitung findet.

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