TS32/15: Nicht-satirischer Lesetipp + ZDF Eichwald, MdB

+++ Der nicht-satirische Lesetipp: Cicero
Texte, welche die Welt weiterbringen: Cicero 17.04.15, Bernhard Pörksen: Trolle, Empörungsjunkies und kluge Köpfe: Die fünfte Gewalt des digitalen Zeitalters.  Das ist eine sprachlich bereichernde („Empörungskreisläufe“, „Mininarrative“ etc.), das chaotische Ganze analysierende, bedacht abwägende Betrachtung des Für und Widers der sogenannten Gegenöffentlichkeit, ihrer Macht und Struktur, ihrer Aktionsformen und Rollenmuster. Über ihren Einfluss auf Politik, Justiz und Öffentlichkeit werde nicht nachgedacht, weil sie außerhalb des gewohnten linear-kausalen Ursache-Wirkungsprinzips stehe. Oder liege. Bei all dem sei sie aber auch manipulier- und korrumpierbar. Der Artikel endet konsequent fazitlos!


+++ zdfneo "Eichwald, MdB" – Spitzenkritik bei Spiegel online
Die neue Polit-Satire Eichwald, MdB , deren erste Folge am Donnerstag auf zdfneo ausgestrahlt wurde, hat es verdient. Und es bekommen: eine sehr gute Kritik auf Spiegel online: In Berlin musst du die Scheiße über Bande spielen. Darin hebt Christian Buß auf die überzeugenden Leistungen des Hauptdarstellers Bernhard Schütz als desillusionierter Bundestagsabgeordneter Hajo Eichwald ab, der irgendwie und in jeder Hinsicht den Anschluss verpasst hat. Spon-Labels für Eichwald: „Turbo-Opportunist“, „schützenswerter Anachronismus“, „Stromberg des Plenarsaals“. Die Sitcom sei ein „Glücksfall für das ZDF“, „ein kleiner Schritt in Sachen Polit-Satire, aber ein großer für das Humorverständnis und den Realitätssinn des ZDF“ (Quelle).

Kritik lässt Buß außen vor. Zu nennen wären und genannt worden sind (u. a. Berliner Zeitung): das enorme Tempo, mit der die Sendung gedreht wurde; dito das Sprechtempo der Akteure. Da muss der Zuschauer die Lauscher aber ganz scharf stellen, um alle Namen und Gags mitzubekommen.

SaSe-Senf oder –Frage an die Macher: Ist das stark frequentiere Unflat-Lexikon wirklich notwendig, um Authentizität zu erreichen? Schon die erste Folge quillt über von „Scheiße“, „Fotze“, „Eiern“, „fuck-fuck-fuck“ etc.
Was diesem Blog in der Spon-Kritik fehlt: Die Würdigung der würzenden Auftritte von Maren Kroymann in der Rolle der Fraktionsvorsitzenden Birgit Hanke. Sie setzt der Macho-Truppe rund um Eichwald eine noch zynischere, aber in Wirkung und Eleganz, in der Subtilität des Witzes höher angesiedelte Energie entgegen. Ein Interview mit Kroymann und Schütz zu ihren Rollen in der Politsatire veröffentlichte die Berliner Morgenpost. Und was Eichwald, MdB mit Sigmar Gabriel und dem Eisbärenkostüm zu tun hat, liest der Interessierte bei Cicero.

Das ZDF hat alle vier Folgen der ersten Staffel schon vor Ausstrahlung in der Mediathek eingestellt:

+ Eichwald, MdB, Folge 1: Der Konkurrent
+ Eichwald, MdB, Folge 2: Die Ampel
+ Eichwald, MdB, Folge 3: Die Dienstreise
+ Eichwald, MdB, Folge 4: Der Industrielle

Weitere Infos auch bei Wiki.

Aktualisierung vom 20.04.15:
In einer Fernsehkritik bei netzpolitik.org bezeichnet Markus Beckedahl die Sendung als einen "gescheiterten Versuch" zum Thema politische Satire "voller Fremdschämen". Er wäre nicht in der Lage gewesen, alle vier Folgen durchzuhalten, weil ihm seine Lebenszeit dafür zu schade sei.

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