TS74/16: Von grottenschlechter Satire, wohltuenden Gerichtsbeschlüssen und „heteronormativen Pärchenquatsch“

+++ „Meedia“ spekuliert über die Fernsehzukunft Jan Böhmermanns
Der Erdogan-Skandal habe Jan Böhmermanns Marktwert gesteigert, stellt Meedia in einer Spekulation darüber fest, wie sich die Fernsehkarriere des „Mann des Jahres 2016“ weiterentwickeln werde.


+++ Landgericht Hamburg veröffentlicht Beschlussbegründung
Einen Monat nach dem Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen Jan Böhmermann und seine Erdogan-Satire liegt nun die Beschlussbegründung des Hamburger Landgerichts vor, die Meedia zusammenfasst. Wichtig: Es sei Satire! Aber.
Berichterstattung auch bei Tagesschau , LTO n-tv und FAZ.


+++ OLG Köln weist Erdogan & Höcker endgültig ab
Den Sieg darf Springer-CEO Mathias Döpfner mit Stolz für sich verbuchen: Nachdem schon das Landgericht Köln einen Antrag von Erdogan und seinem Anwalt Ralf Höcker auf einstweilige Verfügung abgewiesen hatte, legte nun das Oberlandgericht Köln nach. Döpfner hatte sich in einem offenen Brief an Jan Böhmermann dessen Schmähgedicht zu eigen gemacht. Gegen die Entscheidung des LG Kölns hatte Höcker – natürlich wieder medienwirksam – Beschwerde eingelegt. Doch das OLG Köln bestätigte den Beschluss der vorangegangenen Instanz. Meedia.
Senf: Was nochmal ist so schlecht an Schadenfreude?


+++ Satire-Guerilla treibe den Kreml in den Wahnsinn
… titelt die Welt. Putin-Satire im Internet sei extrem erfolgreich. Das Netz werde nachgerade mit Putin-Witen geflutet. Das Regime reagiere mit Accountsperrungen.

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+++ Interessant für Satire: Adbusting
Eine neue und spezielle Form der Satire ist das sogenannte Adbusting. Zumindest schlage ich Adbusting dem Genre zu. Deshalb: Adbusting ist eine Kunstform, bei der die Aussage von Werbeplakaten verfremdet (!) wird.
Zum Thema Sexismus macht dabei im Moment die Aktionsgruppe Gegenmaasnahme Heike auf sich aufmerksam. Der Gruppenname bezieht sich erkennbar auf Bundesjustizminister Heiko Maas und seine geplante Verschärfung der Werberichtlinien. Sprachliche Perlen sind auch dabei: „heteronormativer Pärchenquatsch“! Meedia + Berliner Morgenpost.


+++ „Der Freitag“: Eindrückliches Beispiel einer grottenschlechten Satire
Der satirische Murks von Freitag-Community-Mitglied „Karl Valentin“ (!)  Mann im Spiegel ist ein Paradebeispiel dafür, wie Autoren eine im Ansatz gute satirische Idee durch sprachliches Unvermögen ins Klo schreiben. Der Autor befindet sich in einem Bekleidungsgeschäft und tritt dort vor einen Zerrspiegel. Die dabei gewonnenen verstörenden Eindrücke seiner Physis sind untertitelt mit „Satire zum Thema Egoismus“, ließen sich aber ebenso gut als Symbol für die Leistungen von Satire interpretieren. Nur leider steht dem Autor das sprachliche Werkzeug für einen lesbaren Text und eine unterhaltsame Satire nicht zur Verfügung. Der ist voller Wiederholungen, Rechtschreibfehler, schiefer Bilder und penetrant unf falsch verwendeter Anführungszeichen. Eine regelrechte Qual! Beispiel:

Niemals hätte ich gedacht, das [sic!] es einen Spiegel dort geben würde, welcher das „Abbild“ eines Menschen so verzerrt wieder gab [sic!], das [sic!] die dargestellte Person (so auch meine), [sic!] derart entstellt aussah, das [sic!] ich nur noch angewidert in den Spiegel schauen mochte! Dabei bin ich die gleiche [sic!] Person geblieben (mit und ohne Spiegel), so hat der besagte „Spiegel“ jedoch,,“Alles [sic!] auf den Kopf gestellt“, [sic!] mit diesem verzerrten Spiegelbild, das [sic!] ich völlig „von der Rolle war“, obwohl ich mich doch jederzeit von ihm hätte abwenden können.
(Der Freitag Community 18.07.16: „Der Mann im Spiegel“)

Derlei sprachlichen Schrott finden man häufiger auf irgendwelchen privaten Satireblogs. Aber es ist betrüblich, dass Der Freitag so einen legasthenen Murks publiziert. Die Megalomanie des Autors dokumentiert sich aber schon im Pseudonym!

 

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