SaSe40: Offener Brief an Professor Rainer Mausfeld, Uni Kiel: Der Denunziant sind mal schön Sie selbst!

Universitätsprofessor lässt Bloggerin für eine Presseanfrage im Internet an den Pranger stellen – Offener Brief

 

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Mausfeld,

der Vorgang ist so einmalig wie unverhältnismäßig: Da rotten sich ein renommierter Wissenschaftler der Universität Kiel und ein bekannter Publizist zusammen, um eine völlig unbedeutende Bloggerin in aller Öffentlich namentlich zu diskreditieren und sie an den Pranger zu stellen. Deren von den beiden „Kapazitäten“ kritisiertes „Vergehen“: eine reguläre, in höflichem Ton gehaltene Presseanfrage an Sie, Herr Professor Dr. Mausfeld.


Vorgeschichte: Was bisher geschah
Am 22. Juni 2015 hielten Sie an der Christian Albrechts Universität Kiel den Vortrag Warum schweigen die Lämmer? Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements. Diesen Ihren Vortrag habe ich auf meinem gewerblichen Blog SatireSenf.de (SaSe) in der Rubrik „Hintergrundinformationen“ am 13. Juli 2015 vorgestellt und über den grünen Klee gelobt. Am 15. Juli 2015 hatte ich den Artikel aktualisiert und den Link auf eine schriftliche Zusammenfassung Ihres Vortrags bei den NachDenkSeiten (NDS) eingestellt. 

Am 6. August 2015 erhielt ich von der Redaktion des Online-Magazins Free21.org eine E-Mail mit der Aufforderung, ein von Ihnen autorisiertes Transkript des Vortrags, das im genannten Magazin veröffentlicht wurde, zu verlinken. Da ich mir nicht vorstellen konnte, dass es eine Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem Magazin Free21.org gibt, dessen Redakteur Tommy Hansen bekennender Zögling des nachhaltig unter Antisemitismusvorwurf stehenden Journalisten Ken Jebsen ist, richtete ich am 10. August 2015 eine in höflicher Diktion gehaltene schriftliche Presseanfrage an Sie zu der „Zusammenarbeit“ mit dem Magazin Free21.org und dessen Umfeld. Insbesondere fragte ich Sie danach, ob, falls es diese Zusammenarbeit überhaupt gibt, diese als ein politisches Statement Ihrerseits zu verstehen sei.

Auf diese Presseanfrage habe ich bis heute (29.08.15) keine Antwort von Ihnen erhalten.

Stattdessen wunderte ich mich am 27. August 2015 über einen Flut von Mails auf meinen Redaktionsaccount, die zu 99 Prozent von erkennbaren Ken-Jebsen-Fans stammen. Erst durch diese E-Mails bin ich darauf aufmerksam geworden, dass Herr Albrecht Müller und Sie auf dem Gegenöffentlichkeitsblog NachDenkSeiten am 26. August 2015 einen atemberaubend denunziatorischen Text gegen mich sowie die meinem Urheberrecht unterliegende Presseanfrage ohne mein Einverständnis veröffentlicht haben.

Als erstes darf ich Sie fragen: Wer gibt Ihnen eigentlich das Recht, Texte, die meinem Urheberrecht unterliegen, ohne meine Zustimmung zu veröffentlichen? Ist dieser Ihr Umgang mit den Rechten Dritter symptomatisch oder war das nur ein funktionaler „Ausrutscher“?


Namensnennung gebettet in Unterstellungen und Verleumdungen
Die verleumderische Wucht des Pranger-Textes auf den NachDenkSeiten ergibt sich aus den Synergieeffekten der von Ihnen sowohl wie von Herrn Müllern gebrauchten Etiketten, die mit einem einzigen Namen in Verbindung gebracht werden, nämlich meinen. Ich darf diese einmal kurz zusammenstellen (Hervorhebungen von mir):

+Gedanken- und Gesinnungspolizei“ (Müller)
+ „Es wird damit nämlich versucht, schon die Ansätze zum Aufbau einer Gegenöffentlichkeit zu stören“ (Müller)
+ „Denunzianten“ (Müller)
+ „das Geraune von Denunziantentum“ (Mausfeld)
+ Kleininquisitorin“ (Mausfeld)
+unter dem vorgeblich seriösen Mantel einer Presseanfrage“ (Mausfeld)
+ „eine der schlichtesten und wirksamsten Propagandatechniken“ (Mausfeld)
+ „bereitwillige Trolle, ‚Hiwi’s‘ etc.“ (Mausfeld)
+ „Denunziantentum“ (Mausfeld)
+ Astroturfing“ (Mausfeld)
+ „… soziale Bewegungen, die den Zentren der Macht gefährlich zu werden drohen, gleichsam von Innen [sic!] zu vergiften und für die Öffentlichkeit zu diskreditieren“ (Mausfeld)
+ „… Techniken, soziale Bewegungen durch systematische Infusion geeigneter Vorwurfsgifte gleichsam von Innen [sic!] zu zersetzen“ (Mausfeld)

Dieser ganze gemeinschaftliche Verschwörungssermon von Herrn Albrecht Müller und Ihnen kulminiert dann in der Nennung meines Namens und dem unerlaubten Abdruck meiner Presseanfrage an Sie.

Es ist sicherlich nicht der angemessene Ton für einen offenen Brief an einen Universitätsprofessor, aber Sie müssen sich schon fragen lassen, ob Sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank haben?

Darf das bitte nicht wahr sein? Ein angesehener Professor stilisiert in aller Öffentlichkeit eine völlig unbekannte Bloggerin mit täglich etwa 100 Zugriffen auf ihren Blog, ohne jede Vernetzung, ohne Facebook-Aktivitäten, ohne Twitter-Tätigkeit etc. zur „Astroturferin!“ und Brunnenvergifterin hoch, die Teil eines dubiosen Netzwerks im Dienste der „Zentren der Macht“ sei und diesem als Hilfswillige (Terminus „Hiwi“) und Troll zur Verfügung steht.

Ein von mir einmal sehr geschätzter Publizist kategorisiert diese Technik als „Meinungsmache durch Übertreibung“. „Maßlose Übertreibung“ wäre im vorliegenden Fall zu ergänzen. Weniger akademisch nennt man so etwas schlicht einen hysterischen Anfall.

Der verleumderischen Wucht Ihrer und Herrn Müllers Verbalinjurien kann ich natürlich nicht das Wasser reichen. Aber schon aus Gründen der sportlichen Fairness: Würden Sie mir bitte erlauben, Sie künftig unter dem Etikett „Verschwörungstheoretiker-Professor aus Kiel“ zu führen?


Bitte belegen Sie Ihre dramatisierenden Behauptungen!
Herr Professor Mausfeld, Sie sind Wissenschaftler und haben einen Ruf zu verlieren. Ich fordere Sie hiermit auf, mir zeitnah Ihre Belege für diese ungeheuerlichen Unterstellungen und Behauptungen im Kontext des Blogs SatireSenf.de vorzulegen. Es ist schwer vorstellbar, dass Sie solche gravierenden Anschuldigungen gegen eine namentlich benannte Person erheben, ohne irgendwelche Belege dafür zu haben. Gern erfahre ich mehr über mich.

Meine Kölner Rechtsanwälte haben mir empfohlen, juristisch gegen Sie und Herrn Albrecht Müller vorzugehen. Das Angebot habe ich dankend ausgeschlagen. Ich präferiere die inhaltliche Auseinandersetzung, der Sie sich ja leider verweigern (ausbleibende Presseantwort; keine Kontaktaufnahme mit mir vor der Denunziation auf NachDenkSeiten). Ebenso wie Herr Albrecht Müller, der eine SaSe-Presseanfrage vor wenigen Wochen zu einem dubiosen Spendenaufruf auf den NDS unbeantwortet ließ.  Ebenso wie Herr Konstantin Wecker (Weltnetz.TV), praktischerweise Freund des Herrn Albrecht Müller,  in seiner Funktion als „Ehrenvorsitzender“ des von diesem Spendenaufruf begünstigten Geistervereins, der noch nicht einmal im Internet zu finden ist! Ebenso wie die Verantwortlichen und ein Autor (Kabarettist) eines irreführend unter dem Label „Gegenöffentlichkeitsprojekt“ firmierenden Konstrukts, deren wahrer und im Handelsregister dokumentierter Geschäftsgegenstand schlicht Vertrieb und Vermarktung ist.
Meine Wahrnehmung: „Gegenöffentlichkeit“, die sich der Öffentlichkeit verweigert … so sie dann kritische Fragen stellt!


Der Unterschied zwischen Ihnen und mir
An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal den dokumentierten Unterschied zwischen dem, der „Denunziantentum“ schreit, und der Person, die des Denunziantentums geziehen wird, herausstellen: Sie werden weder im Internet noch auf Papier oder als bezeugte mündliche Invektive irgendwo ein einziges Wort von mir finden, das Sie, Ihren Vortrag etc. in irgendeiner Weise diskreditiert oder gar kritisiert. Ganz im Gegenteil habe ich Sie und Ihren Vortrag, wie oben belegt, überschwänglich gelobt. Aus heutiger Sicht war das eventuell eine (bedauerliche) Fehleinschätzung.

Um eine durch die weitere Entwicklung der Rezeption Ihres Vortrags eventuell doch notwendige Kritik gemäß Pressekodex und Fairness-/Anstandsregeln abzusichern, habe ich Ihnen eine formvollendete Presseanfrage zukommen lassen, um Ihnen Gelegenheit zu geben, zu der potenziellen Kritik (Verbindungen zu Antisemiten, Neurechten und Verschwörungstheoretikern) vorab Stellung zu nehmen.

Sie dagegen haben mir überhaupt zu gar nichts Gelegenheit gegeben, verstoßen nicht nur gegen jeden Anstand und gegen die Sorgfaltspflichten von Publizierenden, sondern blasen mich und meinen klitzekleinen Blog SatireSenf.de zum Bestandteil dunkler verschworener Mächte auf, an deren Drähten hängend ich als „Kleininquisitorin“ deren dreckiges Geschäft erledige.

Bitte antworten und belegen Sie: Wo hätte ich Sie oder Herrn Albrecht Müller je denunziert? Warum ist eine auch presserechtlich vorgeschriebene Presseanfrage für Sie nur ein „vorgeblich seriöser Mantel“? Welchen anderen Weg schlagen Sie mir für ordnungsgemäße Pressearbeit vor, um Kritisierten die Möglichkeit zu geben, zu erhobenen Vorwürfen Stellung zu beziehen?

Wenn ich Teil dieser vernetzten bösen Mächte bin, warum sind dann SaSe-Artikel kaum irgendwo verlinkt? Bitte nennen Sie mir Linkbeispiele auf den in diesem Themenbereich (Kritik an Gegenöffentlichkeitsprojekten) einschlägigen Blogs, Foren und Facebook-Accounts (z. B. Journalistenhatz, Spiegelfechter- und Nachdenkseiten-Watch, Nazienkel, Friedensdemowatch, Aluhut für Ken etc.). (Diese Aufforderung gilt natürlich nur bis Stichtag 26. August 2015, dem Tag des mir von Ihnen aufgenötigten Pranger-Auftritts. Dank Ihres und dem Engagement der NDS wird SatireSenf.de jetzt, wie ich aktuell feststelle,  genau dort verlinkt!)

Okay: Einige SaSe-Artikel (bzw. ein Text von mir) sind tatsächlich verlinkt. Das stimmt. Da muss ich Ihnen Recht geben. Sie sind verlinkt auf … NachDenkSeiten (hier, hier [Punkt 21] und hier [Punkt 21]). Und zwar genau die Artikel (TV-Kritiken Dieter Nuhr), die in das ideologische Beuteschema der NDS passen!


Logik und Plausibilität kahlgeschoren

Wie kann eine angebliche Astroturferin arbeiten, ohne auf Facebook, Twitter oder sonst irgendwo im Netz aktiv zu sein? Wie kann eine „Astroturferin“ fungieren, ohne in irgendeiner Form vernetzt zu sein? WEM bin ich „hilfswillig“? Wer bezahlt mich für diese Dienste? Woran möchten Sie erkennen, dass ich ein „Troll“ sei?

Warum darf ich auf meinem Blog unter Beachtung aller journalistischen Sorgfaltskriterien meine Meinung nicht äußern? Möchten Sie meine Berufsausübung als Publizistin unterbinden oder mindestens erfolgreich torpedieren? Warum benutzen Sie Ihren Namen, Ihr Gewicht, Ihr Renommee als Professor der Universität Kiel, um den Ruf und damit die Existenz einer völlig unbekannten und bundesweit erheiternd irrelevanten Bloggerin zu schädigen? Warum tun Sie so etwas?

Vom Präsidium der Christian Albrechts Universität Kiel habe ich mit gleichem Datum eine Stellungnahme erbeten zu dem Vorgehen eines ihrer Professoren, eine Journalistin/Bloggerin pur für eine Presseanfragen im Internet an den Pranger stellen zu lassen.


Bei dieser Praxis von „Gegenöffentlichkeit“ wird mir angst und bange
Ihr Vorgehen in meinem Fall wirft auch ein neues Licht auf Ihren Vortrag. Ich weiß nicht genau, für welches alternative Medien- und mithin Gesellschaftssystem Sie und Herr Müller eintreten. Aber wenn es ein System ist, in dem mit Andersdenkenden oder auch nur Presseanfragen anders Formulierenden in der Art und Weise umgegangen wird, wie Herr Müller und Sie es mit mir getan haben, dann wird mir angst und bange. Zwei alte Männer ohne jedes Mandat knobeln im stillen Kämmerlein aus, wer die Guten und die Bösen sind und missbrauchen dann ihr bisschen Macht (digitale Reichweite der NDS, Ihr wissenschaftliches Renommee), um mit hysterischen Etiketten das/die Böse abzustempeln.

Offensichtlich also muss man gegenüber den von Ihnen beiden propagierten „Gegenöffentlichkeitsprojekten“ noch viel wachsamer sein, als mir bisher bewusst war. Diesbezüglich danke ich Ihnen für den Weckruf! Ich werde meine Aufmerksamkeit und meine von keinen Dritten gelenkte oder mächtigen Geldgebern unterstützte publizistische Tätigkeit in diese Richtung in Zukunft verdoppeln.

Die deutsche Medienlandschaft hat viel und fundierte Kritik verdient und wird sich damit hoffentlich verbessern. Aber das Schicksal walte, dass Menschen wie Sie und Herr Müller in die Position gelangen, ihre Verschwörungstheorien exekutiv mit Breitenwirkung auszuleben.

Zum versöhnlichen Abschluss: Von Berufspraktikern werde ich gebeten, Ihnen folgenden Expertentipp zu übermitteln: Wer engen, weil sprachheilpädagogischen Umgang mit Lämmern pflegt, sollte nicht zu oft an deren Balg herum schnüffeln.

Mit freundlichen Grüßen

Karin Burger
Redaktion SatireSenf.de

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