SaSe48: TV-Kritiken zur ZDF-Premiere „Mann, Sieber!“: „Platte Witze“, „Maue Kalauer“, „klamaukig“, „lahm“

Man muss keine ausgewiesene Denkfunk-Kabarettisten-Allergikerin sein, um auf die „Neokabarett“-Premiere des ZDF Mann, Sieber! am 15. September 2015 (Mediathek) – angesiedelt auf dem hochwertigen Die-Anstalt-Sendeplatz am Dienstagabend – mit einem enuyierten Sättigungsgefühl zu reagieren. Die wenigen TV-Kritiken, die verfügbar sind und über den Applaus für den technisch aufwendig gestalteten Klever-Clip hinausreichen, sind sich ziemlich einig: „Neokabarett, das niemand vermisst hat“ „mit einem klamaukigen Einspieler“ (Spiegel), „lahm“ (ibid.), „platte Veralberung“ und „platte Witze“ (Meedia), „wenig originell“ (ibid.), „leidlich lustiger Sketch“ (ibid.), „maue Kalauer“ (Süddeutsche), „böhmermannmäßig“ (ibid.), „Sieber erinnert in seiner Rolle zu sehr an Max Uthoff“ (ibid.), „fehlt die Originalität“ (ibid.), „Lustigsein nach dem Holzhammerprinzip“ (ibid.).

Einige Leserkommentare unter den TV-Kritiken im Internet fordern allerdings, man solle die Sendung sich erst einmal entwickeln lassen. Gegenfrage: Wohin? … wenn man sich die Video-Produktionen der beiden verantwortlichen Kabarettisten Tobias Mann und Christoph Sieber auf Denkfunk ansieht (vgl. z. B. SaSe38). Was soll denn da noch kommen?


Zuschauerstimmen
Und das ist offensichtlich nicht nur SaSe-Meinung:

Wie kommen Sie darauf, dass die Sendung „hochintellektuell“ war? Wie soll ein Christoph Sieber, der sich nach eigenen Angaben „durch eine 10-jährige Schulkarriere gequält“, dann Pantomime gelernt hat, zu so etwas fähig sein? Ich fand Siebers Beiträge für sein Bildungsniveau schon immer anmaßend, aber nie intellektuell.
(Ausschnitt aus Leserkommentar „Art. 5“ zu Spiegel-TV-Kritik)

Christoph Siebers „kabarettistisches“ Strickmuster ist schnell erklärt: Klischee plus lexikalische „Arschloch“-„Scheiße“-Derivate plus anämischer Witz = Kabarett. Im Übrigen gelingt weder ihm noch Tobias Mann das, was den wirklich guten Kabarettisten ausmacht: Die Kunst selbst und die Botschaft hinter das Ego zurücktreten zu lassen. Selbstkritische Töne oder gar so eine todesmutige und buchstäblich exhibitionistische Bühnennummer wie die von Sebastian Pufpaff in Pufpaffs Happy Hour (er zieht sich aus und turnt in einem malenden Ganzkörperkondom mit Flatterband über die Bühne) sind bei den beiden von sich selbst spürbar eingenommenen Erklärbären aus Mann, Sieber! undenkbar.

Aber gerade dem jüngeren Publikum bieten die beiden Denkfunk-Autoren Kabarett in der Funktion, die Christine Prayon in Die Anstalt vom 26.05.2015 so schön auf den Punkt gebracht hat: „Ich gucke lieber heute Abend Die Anstalt. Das reicht mir an kritischer Auseinandersetzung mit dem Thema.“

Dazu passen dann auch die Einschaltquoten von Mann, Sieber! (hier): 1,49 Millionen Zuschauer mit einem Marktanteil von 8,6 Prozent mit einem „durchaus ordentlichen Einstand“ bei den 14- bis 49-Jährigen.

Weitere Zuschauerstimmen:

Kabarett ohne Ende, nun auch Sieber mit einer eigenen Sendung. Die Themen sind inzwischen überall die gleichen. Man zieht die Politik und deren Macher durch den Dreck bis kein Fleckchen mehr sauber bleibt. Das suggeriert Meinungsfreiheit und kommt gut an. Der Zuschauer haut sich begeistert auf die Schenkel und kommentiert „Denen hat er’s aber gegeben!“ Nur die, die damit gemeint sind interessiert das absolut nicht und verändert wird damit auch nichts. Es ist eben Gaudi für das Volk, mehr nicht. Sieber macht sich damit billig und bald interessiert sich keiner mehr für ihn.
(Leser „Winki“ in den Kommentaren zur Spiegel-TV-Kritik)

Oder:

Keinesfalls sehenswert, eher niveaulos! Klamauk gibt es genug, mittlerweile auch in den Öffentlich-Rechtlichen. Aber so wird wenigstens die Vorfreude auf die nächste Sendung der „Anstalt“ noch weiter verstärkt.
(Leser „rosskal“ in den Kommentaren zur Spiegel-TV-Kritik)

Qualitätsverlust und die Kupferbasis der angeblichen Innovationen bleiben den Zuschauern nicht verborgen:

Ein Problem der deutschen Comedy-Landschaft besteht in ihrer mangelnden Originalität. Ein Großteil der Formate und Inhalte ist von amerikanischen Shows abgekupfert.
(Ausschnitt aus Leserkommentar „waltermichael“ zu Spiegel-TV-Kritik)


Wird das ZDF zur „Denkfunk“-Dependance?
Einmal abgesehen davon, dass diese xte Auflage von Nur-Männer-Kabarett Frauen weiterhin konsequent ausschließt und ignoriert (vgl. dazu auch SaSe34), fragt sich der kritische Beobachter, ob das ZDF allmählich zur Dependance für Denkfunk-Kabarettisten-avanciert? Nicht nur dürfen diese beim ZDF im redaktionellen Teil Werbung für die Marketinggesellschaft PatchworX Media GmbH machen (vgl. SaSe15 unten), nicht nur sind viele Denkfunk-Kabarettisten wiederholt zu Gast bei Markus Lanz (Tobias Mann 12.03.15; Tobias Mann und Christoph Sieber 03.09.15; Chin Meyer 03.04.2015 und schon wieder am 15.09.2015), sondern es gehören auch die beiden Macher des ZDF-Kabarett-Flaggschiffs Die Anstalt Max Uthoff und Claus von Wagner als Werber zu dieser unklaren Zusammenrottung, die keine kritischen Fragen beantwortet.

Ausschnitt aus Bildzitat Screnshot Denkfunk: Hier sind sie alle versammelt, die ZDF-Kabarettisten: Tobias Mann, Christoph Sieber, Max Uthoff, Claus von Wagner; die beiden Letztgenannten aus Anfass-Incentive für eine exklusive Veranstaltung für Denkfunk-Mitglieder i. e. PatchworX Media GmbH

Ausschnitt aus Bildzitat Screnshot Denkfunk: Hier sind sie alle versammelt, die ZDF-Kabarettisten: Tobias Mann, Christoph Sieber, Max Uthoff, Claus von Wagner; die beiden Letztgenannten als „Anfass-Incentive“ für eine exklusive Veranstaltung nur für Denkfunk-Mitglieder i. e. PatchworX Media GmbH


Exkurs: Desinformative Synergieeffekte mit „NachDenkSeiten“

Selbst die Hardcore-Fans, die sich auf dem Facebook-Account zur Sendung einfinden, loben die Premiere entweder ernüchternd einsilbig und unbegründet oder legen den Finger in die nämliche Wunde:e

Es gibt besseres Kabarett. Die Pointen sind flach. Konnte nichtmal schmunzeln.
(Facebook „Mann, Sieber!“ User-Kommentar)

Lob wird, warum auch immer, in keiner Weise begründet oder ausgeführt:

Entgegen einiger Miesepeter hier, hielt ich es für einen äußerst gelungenen Auftakt! Ich schalte beim nächsten Mal gern wieder ein.
(ibid.)

Viel spannend auf besagter Facebook-Seite finde ich diesen Vorgang, der neuerlich einen Anknüpfungspunkt zwischen Denkfunk und NachDenkSeiten (NDS) bietet:

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Facebook "Mann, Sieber!"

Ausschnitt aus Bildzitat Screenshot Facebook „Mann, Sieber!“

Besagte Dame verlinkt damit auf diesen „Beitrag“ von Albrecht Müllers NDS, der einen eigenen SaSe-Artikel unter der Überschrift „Verlust der publizistischen Redlichkeit“ verdient hätte. Der Text, auf den die Dame auf dem Facebook-Account von Mann, Sieber! verlinkt, arbeitet mit – m. M. n. – unlauteren Mitteln. Er wird eingeführt als die Veröffentlichung eines Planungspapiers, das Albrecht Müller „zugespielt“ worden sei;

Aufgrund meiner früheren Tätigkeit als Leiter der Planungsabteilung Bundeskanzleramt habe ich immer noch Kontakt in die Regierungszentrale. Jetzt ist mir ein Planungspapier vom 4. August 2015 zugespielt worden. Hier also Auszüge aus diesem Papier, das den Ruf unseres Landes und das Image der Bundeskanzlerin Merkel und die Einbettung der Flüchtlingsfrage in ihre PR-Arbeit betrifft. Albrecht Müller.
(NachDenkSeiten 15.09.15: „Könnte es sein, dass die Flüchtlinge und wir die Opfer einer PR-Strategie der CDU-Vorsitzenden/Bundeskanzlerin geworden sind?“; Hervorhebg. SaSe)

Entgegen aller publizistischen Standards und – meiner Meinung nach – in Verletzung des Pressekodex erfolgt kein Hinweis darauf, dass es sich hierbei um eine reine Fiktion handelt. Erst vier (Druck-)Seiten = 116 Zeilen = 27 Absätze später folgt die Aufklärung:

Das war ein fiktives Papier
Ich habe diese Form der Vermittlung benutzt, um besonders nachdrücklich auf den Missbrauch der Flüchtlinge für innenpolitische Belange hinzuweisen.

(ibid.)

Aber es passiert, was gerade ein Albrecht Müller als permanenter Warner vor Meinungsmanipulation sehr wohl und ganz genau weiß bzw. wissen müsste: Viele Leser kriegen diese fundamentale Korrektur (Fiktion statt Fakten auf einem „Nachrichtenportal“)  gar nicht mehr mit!

Bezeichnend jedoch und um zum Thema dieses Artikel zurückzukehren: Auf den Facebook-Account der Kabarettisten, denen es doch angeblich so um die Aufklärung der Menschen geht, wird die desinformierte Posterin nicht über ihren Irrtum aufgeklärt oder für dritte Leser ein entsprechender Vermerk angebracht! Man lässt dieses fatale und – meiner Meinung nach – gezielt herbeigeführte Missverständnis unkommentiert stehen! So wird es wohl noch weitere Verbreitung finden!


Der Betreiber des Facebook-Accounts

Werfen wir zum Abschluss und zur Abrundung des Themas Intransparenz (bei Denkfunk & Co.) noch einen Blick auf den Betreiber des Facebook-Accounts „Mann, Sieber!“. Allein von der Bezeichnung her und den verwendeten Bildern aus dem Sendestudio könnte man der Annahme erliegen, dieser Account werde vom ZDF betrieben. Dem ist nicht so. Das Info weist im Impressum als Verantwortlichen die Tetraeder Events GmbH in Göttingen aus. Nur nebenbei erwähnt sei die Tatsache, dass das Impressum der Facebookseite in der jetzigen Gestaltung auch nicht den gerichtlich bestätigten Anforderungen an ein Impressum entspricht; schon gar nicht an das eines Gewerbeunternehmens.

Die Tetraeder Events GmbH sei eine „Künstler- und Veranstaltungsagentur“, heißt es auf der Webseite des Unternehmens. Als namentlich geführter Künstler jedoch tritt ausschließlich Tobias Mann auf:

Im Fokus steht das Management von und um den Künstler Tobias Mann. Darüber hinaus plant und organisiert Tetraeder eigene Veranstaltungen, wie zum Beispiel die „Comedy Night“ oder „Kölle meets Mainz“ und vermittelt Kabarettisten und Comedians für Firmenveranstaltungen.
(Tetraeder Events GmbH, Göttingen)

Die gesamte Webseite besteht aus nur zwei Seiten (obige plus Impressum)! Dafür allerdings benötigt die Tetraeder Events GmbH gleich drei Geschäftsführer, wie das Impressum angibt.

Immerhin jedoch – und das gibt nur eine Zeitungsberichterstattung aus dem Jahr 2011 preis – hat sich die Tetraeder Events GmbH im Immobilienbereich noch ein „zweites Standbein“ geschaffen. Dazu gibt es extra die Tetraeder Immobilien GmbH – mit den nämlichen drei Geschäftsführern. Die hat aber nicht einmal zwei Seiten einer Internetpräsenz; die hat gleich gar keine. Man findet sie nur in Unternehmensverzeichnissen und im zitierten Artikel des Göttinger Tageblatts. An diesem auffallend ist en passant die Penetranz, mit der in einem Bericht über eine Immobilien GmbH darauf hingewiesen wird, dass diese den bekannten Kabarettisten Tobias Mann managet. Schaden kann das (der Immobilien GmbH) mal auf jeden Fall nicht?
Auf der anderen Seite: Laut Eintrag bei Moneyhouse definiert sich das Tätigkeitsfeld der Tetraeder Immobilien GmbH als „Verwaltung eigenen Vermögens“. Da braucht man dann vielleicht auch keine Internetpräsenz?

Zu dem oben zitierten „Missverständnis“ mit dem Link auf einen Beitrag der NDS, der reine Fiktion ist: SaSe hat der Tetraeder Events GmbH, Dennis Weihs, Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Herr Weihs war bis zum Redaktionsschluss dieses Artikels nicht zu erreichen. Eine Stellungnahme wird ggf. nachgereicht.


Politisches Kabarett vor kapitalismuskonformer Kulisse
Aber es ist doch irgendwie beruhigend, dass sich so viele Veranstaltungsagentur-Mitarbeiter exklusiv um Tobias Mann kümmern und dass sich hinter unseren Kabarettisten kapitalismuskonforme Firmengeflechte auftun: PatchworX Media GmbH nur in Verbindung mit Digistore24, Tetraeder Events GmbH, Tetraeder Immobilien GmbH.
Falls Sie an dieser Stelle schon wieder vergessen haben sollten, wie wir vom ZDF und der Kabarett-Sendung Mann, Sieber! zu den Tetraeder GmbHs gekommen sind: über die Facebook-Seite Mann, Sieber!. Nur 1 Klick vom ZDF entfernt!

Gegenüber der Internetpräsenz von Tobias Mann und seinen betreuenden GmbH-Mannen im Kontext der Sendung scheint der arme Christoph Sieber fast etwas unterzugehen. Es ist gar nicht einzusehen, warum dessen Agentur – Null Problemo in Stein-Bockenheim – nicht auch so prominent in Verbindung mit dem ZDF gebracht wird. Allerdings ist dort auch der Betreuungsschlüssel total beschissen: Eine Agentur, die gleich mehrere (Stücker drei plus eine ganze Band) betreute Künstler nennen kann und dessen Webseite brutal viele Unterseiten aufweist – was soll das denn sein?


Gar keine Transparenz beim FB-Account „Die Anstalt“
Dabei möchte ich keine Klagen hören. Beim FB-Account Mann, Sieber!, der so dringend den Eindruck erweckt, vom ZDF zu sein und es doch nicht ist, erfährt man wenigstens noch, wer wirklich dahintersteht. So viel Transparenz gibt es beim FB-Account von Die Anstalt nicht. Dort gibt es gar kein Impressum, sondern nur den Hinweis:

Dies ist keine offizielle Seite der Fernsehsendung Die Anstalt. Sie soll lediglich Anregungen liefern und dem Austausch von Gedanken und Ideen dienen, die sich gerne auf die Sendung beziehen.
(Das Info“ von Facebook Die Anstalt; Hervorhebg. SaSe)

Wer dem Facebook-User da die „Anregungen“ liefert, ob der Räuber Hotzenplotz, Charming Traudl, RT Deutsch, die NSA, Ken Jebsen oder Max-Müller-Mustermann, das muss der unmündige Kabarett-Schenkelklopfer nicht wissen! Und fragt es auch gar nicht nach. Kommunizieren können mit diesem verschleierten Betreiber ohnehin nur Facebook-User. Interessierte, die sich der Mitgliedschaft beim Datensammler verweigern, haben überhaupt keine Möglichkeit, mit dem Betreiber der Seite Kontakt aufzunehmen.

Spüren Sie auch die enorme Glaubwürdigkeit … der ZDF-(= Denkfunk-)-Kabarettisten?

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