SatBur12: Glaubwürdigkeit: Der Südkurier als Untertan

Dieser Artikel ist der vierte und letzte (und lang verschleppte) Teil der insgesamt vierteiligen Südkurier-Satire:
Teil 1: SatBur9: Untertanen-Presse: Nach Michael Lünstroth feuert der Südkurier jetzt Hans Esser
Teil 2: SatBur10: Fairness: Der Südkurier und die Schweinehonorare
Teil 3: SatBur11: Beschissen: Der Südkurier und die journalistischen Grundsätze

SatBur12 knüpft nahtlos an SatBur11 an, nahtlos geknüpft an SatBur10, das ohne Naht an SatBur9 andockt.

 

SATIRE

Bürgermeister kontrolliert Südkurier-„Journalisten“
Die journalistische Unabhängigkeit beim Südkurier wie auch bei der regionalen Konkurrenz drückt sich unter anderen im funktionalen und familiären Status der unfreien Freien aus. Seit Jahrzehnten gern genommen werden für den Job der kritischen Berichterstattung über Kommunalpolitik diejenigen, die am meisten davon verstehen: kommunalpolitische Funktionsträger! Also zum Beispiel schreiben für den Südkurier und dessen Konkurrenz Ortschaftsräte, Gemeinderäte oder Ehefrauen von Gemeinderäten – über den Ort so allgemein, über die Gemeinderatsarbeit oder über die Gemeinderatsarbeit des Gemeinderatsehemann der „Journalistin“.

Das wird auch gar nicht verheimlicht. Im Gegenteil:  Frank und frei, öffentlich und nachlesbar, ohne Not und ohne Scham lobt Lokalredakteur Gregor Moser jahrzehntelangen abhängigem Journalismus, dem er einen eigenen Artikel mit ausdrücklichem Lob dieser Form unfreier Presse widmet. Es ist das systemanzeigende Beispiel des „freien“ Südkurier-Mitarbeiters Karl M. Seine kommunalpolitische Funktion: Er ist Ortschaftsrat. Damit die Meßkircher Bevölkerung sich den richtigen Eindruck von seiner kommunalpolitischen Tätigkeit verschaffen kann (und nehme diese auch nur Ausdruck in einem virulenten Vereins- und Kulturleben), schreibt er für den Südkurier. Und zwar – schnallen Sie sich an: seit 45 Jahren!

Der berichtend sich selbst ins Knie schießende Lokalchef verschweigt dabei auch nicht die Qualitätskriterien der journalistischen Arbeit dieses stromlinienförmigen „Journalisten“ im Nebenamt:

Bürgermeister Arne Zwick und sein Vorgänger Robert Rauser hätten stets ein wachsames Auge darauf gehabt, ob aus seiner Feder etwas aus nichtöffentlichen Gemeinderatssitzungen in die Zeitung kam oder ob er anderweitig Informationen weitergab, erinnert er sich und lacht. Denn fündig wurden die Bürgermeister nie. Denn hier trennte M. [Name von SaSe gekürzt] immer scharf und tut es noch.
(Südkurier 05.08.2016, Lokalausgabe Meßkirch: „Karl M. berichtet seit 45 Jahren“; Hervorhebg. SaSe)

Also da würde ich auch lachen! Und sei es nur über den Begriff unabhängigen Journalismus oder den kacki Pressekodex!
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Wo sich der submissive Geist frei entfaltet
Lassen Sie den submissiven Geist dieses Artikels auf sich wirken und Sie wissen alles über das Verhältnis zwischen Regionalpresse und Kommunalpolitik. Was ist das für eine im Schritt gelb-warm müffelnde Ergebenheitsadresse an den Meßkircher Bürgermeister! Aus hündischer Rückenlage wird die Kontrolle bestätigt: „Gib’s uns, Massa“. Halleluja: Der Bürgermeister überwacht, dass der Journalist keine Informationen freigibt, die er in seinem kommunalpolitischen Amt nicht freigeben darf, als unabhängiger Journalist aber freigeben müsste, wofür der Zeitungskäufer schließlich bezahlt. So etwas nennt man einen Interessenskonflikt. Im Artikel heißt es weiter: „Und er tut es noch“ … den Lesern Informationen verschweigen, die er hat, aber nicht rausgeben darf. Abonnieren Sie den Südkurier!

Wie weit die südkurierende Untertanenpresse von den journalistischen Standards entfernt ist, zeigt die Tatsache, dass hier ein Lokalredakteur – offensichtlich vollkommen selbstvergessen – so etwas auch noch in die Welt hinausposaunt.

Allerdings ist es schon so, dass diese bejubelten 45 Jahre auch an den Südkurier-Lesern und –Abonnenten in der Region nicht spurlos vorübergegangen sind.

Im Übrigen: Der Südkurier bildet hier und in der unjournalistischen Nähe zur Nomenklatur keine Ausnahme. Einen anderen, durch eine fehladressierte E-Mail hervorragend dokumentierten Fall berichtete jüngst das NDR-Medienmagazin ZAPP.


Was wird nun aus der Recherche „Gemeindeprüfungsanstalt“?
Also, wir sind auf Seite 10 nach Word-Format unserer Plauderei und ich kann immer noch keinen Artikel, keine Meldung, keinen Bericht im Südkurier finden über den Lebensmittelkonzern unter der Überschrift „Der Südkurier deckt zu …“! Womöglich ein Fake von Esser? Obwohl: Er hat mir den Kontoauszug gezeigt, der bestätigt, dass er die Recherche für einen mittleren dreistelligen Betrag verkauft hat. Die Welt ist und bleibt rätselhaft.

Dabei geht es zumindest in einigen der hiesigen Gemeinderäte zu wie bei den Hottentotten. Die Verwaltungen versemmeln ein Ding nach dem anderen und verpulvern dabei Steuergelder, dass es der Sau (!) graust. Bei jedem neuen Paket Steuergelder, das da gerade zum Fenster hinaus geschmissen wird, stellt keiner – und der Südkurier schon gar nicht – die wichtige steuersparende Frage, welche strukturellen Veränderungen in der Verwaltungsabläufen diese Panne nun künftig verhindern sollen. Den Lesern werden diese Vorkommnisse im Gewande höherer Gewalt in der unvermeidlichen Rubrik „Mit Verlust zu rechnen“ en passant hingebröselt.

Die – sowieso dramatisch überwiegend männlichen – Gemeinderäte gehören oft eher zur Entourage des Bürgermeisters als dass sie die Verwaltungsarbeit kritisch begleiten. Viele von ihnen sind mit dem Großvisier auch irgendwie wirtschaftlich verbandelt und sei es nur, dass das Bürgermeistertöchterlein seinen Gaul bei einem Gemeinderat kostenpflichtig unterstellt.

Und wer als Gemeinderat aus der Reihe tanzt, der wird in den kleinen Dorfgemeinschaften dermaßen gemobbt, dass er im Telefonat mit der Freien fast heult und nahezu auf Knien bittet, nichts über die von  der Südkurier-Entsandten  im Gemeinderat selbst erlebten Schikanen gegen den Querulanten zu berichten. Welche Freie in den daraus entstehenden Gewissensnöten ihren Südkurier-Lokalredakteur bittet, sich mit dem Gemobbten in Verbindung zu setzen und ihm die Kontaktdaten vermittelt, erlebt Folgendes: nix! Der ruft den Betroffenen nicht einmal zurück! Kann er auch gar nicht, denn er steckt bis zu den Ohren im Arsch der Bürgermeister; gern auch ohne deren aktive Mitwirkung oder eine diesbezügliche Willenbekundung, quasi im vorauseilanden Gehorsam.
Das einzig Bewundernswerte daran ist die Multilokation, denn er steckt in allen Amtschefrekta gleichzeitig. Und wenn die Gemeindeprüfungsanstalt daherkommt, einen Zweckverband prüft und dem schriftlich attestiert: „Hey, bei euch geht es ja zu wie bei den Hottentotten“, steht davon – natürlich – nichts im Südkurier. Wie auch: Den Freien, der das ohne Auftrag selbst recherchiert hat, schmeißt man raus! In dem Fall wäre es gegen  den Papst einen Oberbürgermeister gegangen!


Erfolgreiche Erpressung: Vereinsberichterstattung
Auf der anderen Seite: Um solche komplexen Sachverhalte dem Leser einigermaßen verständlich darbieten zu können, braucht es in der Regel eben doch mehr als 47 Zeilen. Die hamma beim Südkurier aba nich, weil die brauchen wir für Kacki-Vereinsberichterstattung auf allerunterstem Niveau. Diederich Heßling erzählt beim Stichwort Vereine und deren Manipulatoren frank und frei, dass vereinsaktive Südkurier-Abonnenten in der Redaktion anrufen und diese erpressen: Entweder 90 Zeilen Bericht von der Jahreshauptversammlung inklusive Namensliste der geehrten und der toten Mitglieder oder: Abo futsch. Plus Exekutionskommando-Bild vom Vorstand. In der ersten Jahreshälfte sitzen die Freien der Südkurier-Lokalredaktion überwiegend nur in den Jahreshauptversammlungen (Anzahl der Besucher dabei gern unter zehn Hansele)  von jedem Hämorrhoiden-Verein inklusive dessen lokale und verfeindete Abspaltungen: die mit dem Tätigkeitsschwerpunkt mehr auf den inneren und die bekennend auf den äußeren Hämorrhoiden.

Die gewünschte Vereinsberichterstattung ist so wichtig, dass der Lokalchef dafür die einzige Rundmail im Halbjahr an die „Freien“ rauslässt. In der steht dann zu lesen:

Bitte beachten Sie in Ihren Texten, dass sich Ehrungen und Wahlen konsequent in Ihren Haupttexten / im Infokasten finden. Was nicht sein darf, ist, dass die Ergebnisse von Ehrungen oder Wahlen ausschließlich im Bildtext auftauchen.
(Infomail der Lokalredaktion Meßkirch an die freien Mitarbeiter zum Thema Vereinsberichterstattung vom 22.03.2016)

Weißtebescheid.
Angenehmer, wenn nicht gar kalkulierter Nebeneffekt dieser unjournalistischen Akzentverschiebung: Wenn die Südkurier-Mitarbeiter sich so derart unkritisch, langweilig und routiniert um die Vereine kümmern müssen, haben sie – hurra! – schon keine Zeit, Verwaltung und Politik auf die Finger zu gucken.

Auf der anderen Seite sollte in den Berichten über das Vereinsgedöns aber auch wieder nicht drin stehen, dass der entsprechende e. V. so transparent ist wie Omas Stützstrümpfe. Lieber keine Recherche, die nur zu folgenden Erkenntnissen führen würde: Die Vereinswebseite im Internet weist noch nicht einmal ein ordnungsgemäßes und vorgeschriebenes Impressum auf; die eine Hälfte des Vorstandes ist miteinander verwandt oder verschwägert und die andere Hälfte führt als gewerblicher Unternehmer vorteilsnehmend bezahlte Aufträge für den Verein aus. Viele Vereine im Kreis sind von Transparenz so weit entfernt wie der Südkurier vom kritischen Journalismus.

Hier schließt sich der Kreis zu den Bürgermeistern, die übrigens auch gern noch selbst Mitglied in diesem oder jenem Verein sind, dessen Vorstand ohne jede Scham und öffentlich von demselben kommunalpolitische Einflussnahme verlangt, um dem Verein einen Vorteil zu verschaffen.
Und der Kreis schließt sich hier nicht nur metaphorisch, sondern auch anatomisch …

Gucken wir zum Schluss dies vierteiligen Lamentos über eine Regionalzeitung wie sicherlich viele andere, das gar nichts ändern wird, noch ein Filmchen an. Ich habe gedacht, was mit Tieren wäre nett?
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Nicht-satirischer Nachklapp: Wagen Sie es ja nicht, Herr Albrecht Müller von den NachDenkSeiten (NDS), meinen Hans Esser für Ihre KenJebso-forme Paranoia der Medienmanipulation zu instrumentalisieren! Wie Sie das schon im Fall Lünstroth taten.  Eine Verlinkung auf NDS  bringt dem Verlinkten zwar Tausende von Klicks – leider zu häufig von all den Beschrubbten und Lobotomierten, wie sie sich auch um die Rechtspopulisten versammeln. Nein, danke!
Der Fall Südkurier ist auch keiner für Reporter ohne Grenzen, sondern für die Leser, Abonnnenten und Konsumenten dieser Untertanenpresse, für die beiden journalistischen Berufsorganisationen Deutscher Journalistenverband (DJV) und Deutsche Journalistenunion (DJU bei Verdi), für den Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger, für die Künstlersozialkasse und die Deutsche Rentenversicherungsanstalt.
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