SüS15: TV-Kritik „Die Anstalt“ 05.04.2016: Max Uthoff checkt Seriosität von Sanktionsfrei.de

[Satire]

Sie werden mit jeder Sendung besser, die Macher von Die Anstalt. Ein neuer Höhepunkt der so viel gelobten Form des investigativen Kabaretts war die Sendung vom 5. April 2016. Die war zunächst aufgrund der Terroranschläge von Brüssel verschoben worden. Zwischendurch war das Thema der Sendung aber schon bekannt geworden: Arm & Reich! Aber dass sich Max Uthoff so offensiv dem Mainstream entgegenstellen würde, wie das dann in der Sendung mit dem Seriositätscheck an dem offene-Fragen-schwangeren 150.000-Euro-Geldsammel-Projekt Sanktionsfrei.de erfolgte, überraschte dann doch.

„Wir möchten die politische Unabhängigkeit des deutschen politischen Kabaretts exakt zwei Jahre nach der prozessfolgenreichen Sendung im April 2014 auch dadurch belegen, dass wir bei den linken Netzwerken ebenso kritisch und genau hingucken, wie wir das bei den ZEIT-Journalisten und deren Kollegen mit ihren Mitgliedschaften und ihrer Mitwirkung in diversen transatlantischen Verbänden 2014 getan haben“, erklärt Uthoff in einer nie stattgefundenen Presseauskunft an diese Redaktion. Schon für die eigene Glaubwürdigkeit sei es existenziell, das ganze Netzwerk von DenkfunkPatchworX Media GmbHTom Aslan alias Umman Aslan – Global Change Now e. V. – Parteifunktionären von DIE LINKE, PIRATEN & Co. bis hin zu den Profiteuren von Sanktionsfrei.de offenzulegen, heiß es weiter frei erfunden.


Was die Schere (sonst) so gebiert

Die Sendung begann mit einer witzigen Kreißsaal-Szene. Es kreißte unter bundeweit vernehmbaren Getöse: die Schere. Max Uthoff in seiner Rolle als Hebamme wies darauf hin, dass der Nachzucht von Frau Schere unbedingtes Misstrauen entgegenzubringen sei. In Wahrheit handele es sich nicht selten um Entitäten der sogenannten Armutsindustrie. Erkennungsmerkmal dieser widerlichen Perversitäten seien nicht selten völlig unerfüllbare Heilsversprechen; zum Beispiel: „fördern & fordern“ oder noch trommeliger: „Hartz-IV-Sanktionen abschaffen“!

Nur für Kenner des Themas wurde dabei offenbar, dass sich Uthoff bei seinem Seriositätscheck von Sanktionsfrei.de streng an der Kritik entlanghangelte, wie sie in dem Experten- und Betroffenenforum von GegenHartz, hartz.info,  seit Wochen und offensichtlich von den Verantwortlichen unwidersprochen diskutiert wird. Im nie stattgefundenen Gespräch mit der SaSe-Redaktion wies der studierte Jurist Uthoff ausdrücklich darauf hin, welches Gewicht damit dieser nach Telemediengesetz unwidersprochen öffentlich gemachten Kritik an den Akteuren hinter dem Projekt zukomme.

Nachdem das Gezücht im Kreißsaal, in dem es zuging wie auf dem Bahnhof, erfolgreich entbunden war, führte Max Uthoff in der Sendung einen Abstammungsnachweis von Sanktionsfrei.de durch über verschiedene für jedermann sofort überprüfbare Merkmale.


Offene Frage: Warum Fragen beantworten?
Beim Thema Hartz IV liege es natürlich nahe,  so die „Hebamme“ Uthoff weiter, sich an denjenigen zu orientieren, die zum einen über sozialrechtliche Themenexpertise verfügen und die zum anderen seit vielen Jahren und kostenlos und ohne gigantomanisches Crowdfunding den größeren Teil der Leistungen anbieten, für die Sanktionsfrei.de erst einmal  150.000 Euro einsammelt. Zu dem effizienten Dreiergespann bei der – bisher und wohl nur für die Vergangenheit und bewährt – kostenlosen Hilfe für Hartz-IV-Bezieher gehört der eingetragene (!!!) Verein Tacheles-Sozialhilfe e. V., das Erwerbslosenforum rund um Martin Behrsing sowie die Experten von GegenHartz um Sebastian Bertram.

Letztgenannter hatte sich mit einigen der vielen offenen Fragen zu diesem Projekt an Sanktionsfrei.de gewandt – und keine Antworten erhalten, wie er im Internet behauptet. Im Forum heißt es weitergehend informierend dazu sogar:

Die Redaktion von gegen-hartz.de hat bereits am 26.02. das Team von Sanktionsfrei angeschrieben und um eine Stelllungnahme auf den da schon zur Veröffentlichung vorliegenden Artikel gebeten. 1 1/2 Wochen später kam dann eine Antwort, in der man aber weder den Artikel noch die Redaktion von gegen-hartz.de ernst nahm, sondern sich stattdessen darüber lustig machte.
Aus Gründen der Fairness schrieb die Redaktion von gegen-hartz.de daraufhin erneut das Team von Sanktionsfrei an, drückte ihre Enttäuschung über diese Reaktion von Sanktionsfrei aus und bat – in der Hoffnung zur Rückkehr auf eine sachliche Ebene – um Beantwortung mehrerer konkreter Fragen, die sich unmittelbar aus dem Artikel ergaben.
Darauf erfolgte keine Reaktion, auch eine weitere Nachfrage blieb unbeantwortet, woraufhin dann endlich am 18.03.2016 der Artikel veröffentlicht wurde. Zwei Tage danach erfolgte eine Antwort von Sanktionsfrei.

Sanktionsfrei hat darin leider die, von der Redaktion von gegen-hartz.de erbetene, Zustimmung zur Veröffentlichung ihrer Stellungnahme nicht erteilt.
Nach meinen Informationen hat Sanktionsfrei jedoch den überwiegenden Teil der Fragen nicht ansatzweise glaubhaft beantworten können, was dem Team von Sanktionsfrei zwischenzeitlich auch von der Redaktion von gegen-hartz.de mitgeteilt wurde.

Warum Sanktionsfrei die Redaktion von gegen-hartz.de solange hängen lies und erst nach der Veröffentlichung des Artikels reagierte, bietet sicher Raum für Spekulationen.
Fest steht jedenfalls, dass auch dies kein sauberer Stil ist. Da helfen auch keine Entschuldigungen und vorgeschobenen Gründe. Genau dieser unsaubere Stil wird ja im Artikel über das Crowdfunding von Sanktionsfrei von der Redaktion von gegen-hartz.de bemängelt.
Sanktionsfrei hatte jede Menge Zeit für die eigene Selbstdarstellung in den Medien, da hätte man sicher auch ein paar Minuten Zeit gehabt, die Anfrage der Redaktion von gegen-hartz.de zu beantworten. Das dies erst passierte, als der Artikel Online war, ist meiner Ansicht nach reine Schadensbegrenzung, da das Aussitzen nicht funktioniert hatte.
Die Darstellung von Sanktionsfrei auf www.startnext.com/sanktionsfrei dazu lässt leider einige wesentliche Informationen dazu vermissen.
Das sich Sanktionsfrei dort nun als Opfer der Redaktion von gegen-hartz.de darstellt, ist eine Fortsetzung dieses unsauberen Stils.

Ich bin kein Freund davon, dreckige Wäsche in der Öffentlichkeit zu waschen. Aber da das Team von Sanktionsfrei damit offenbar kein Problem hat, zumindest solange es der eigenen Selbstdarstelllung zugute kommt, hat mich zu dieser Klarstellung veranlasst.
(GegenHartz, hartz.info-Forum, Thread „Sanktionsfrei ist gestartet“, Posting #68 Administrator „Ottokar“ vom 26.03.16; Hervorhebg. SaSe)

Max Uthoff als Sanktionsfrei-Testimonial klärte dazu in der Anstalt-Sendung vom 5. April 2016 wie folgt rückstandslos auf: …

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Foto: ediathome / pixelio.de

Foto: ediathome / pixelio.de

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Offene Frage: Warum nicht allen Hilfeempfängern schaden?
Für den Gutgläubigen und willigen Spender irritierend sei auch das Ziel von Sanktionsfrei.de, durch eine Flut von Widersprüchen & Co. die Jobcenter lahmzulegen, ging Uthoff mutig den nächsten Fragezeichen-Gipfel rund um die Kampagne an:

Wir wollen die Zahl der erfolgreichen Widersprüche und Klagen massiv erhöhen.
(Sanktionsfrei.de, FAQ: Was ist euer Ziel?)

Max Uthoff pointierte in der Sendung dieses offen bekannte Ziel wie folgt: Nur wer die Jobcenter lahmlege,  könne allen Hilfeempfängern langfristig richtig schaden. Dabei bezog er sich ganz offensichtlich auf diese öffentliche Kritik:

Wer hier erledigt ist, wenn die JC handlungsunfähig werden, ist ja wohl klar: die Antragsteller, die Bedürftigen, alle die auf eine schnelle Bearbeitung ihrer Anträge angewiesen sind, weil sie sonst keine Existensgrundlage mehr haben, kurz: alle ALG II Empfänger.
[…]
Wer sich einbildet, man könne das Hartz IV System erledigen, indem man die JC handlungsunfähig macht, leidet unter totalem Realitätsverlust. Dem System ist es scheißegal, ob das JC für einen Antrag 4 Wochen oder 4 Monate zur Bearbeitung benötigt, denn die Verantwortung dafür liegt lt. Gesetz (§ 6 SGB II) bei den Kommunen und nicht bei den für das Hartz IV System verantwortlichen Politikern. Denen geht sowas, wie die allermeisten Meinungsäußerungen aus der Bevölkerung, kilometerweit am Allerwertesten vorbei.
(Hartz.Info Thread „Sanktionsfrei ist gestartet“, Seite 4; Posting #55 Administrator „Ottokar“ vom 22.03.2016)

In der Anstalt-Sendung konnte Max Uthoff diesen Vorwurf rückstandslos aus der Welt räumen. Er machte deutlich, dass …

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Foto: rotmarder / pixelio.de

Foto: rotmarder / pixelio.de

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Offene Frage: Ist Sanktionsfrei eine wirtschaftliche Totgeburt?
Die Experten auf Hartz.info hatten die Taschenrechner angeworfen und waren zu dem von Bertram auch schon formulierten Ergebnis gekommen:

Wirtschaftlich ist das Projekt ohnehin bereits jetzt eine Totgeburt.
Zitat Sanktionsstatistik der BA für Oktober 2015:
„Die Sanktionen bewirkten bundesweit bei knapp 135.000 eLb mit mindestens einer Sanktion im Oktober 2015 eine durchschnittliche Kürzung des laufenden Leistungsanspruchs um 19%. Dies entspricht einer durchschnittlichen Kürzung um 106 Euro …“
Allein im Monat Oktober 2015 wurde die Leistung bei 135.000 eLb um jeweils 106 Euro gekürzt, das sind 14.310.000,00 Euro, also über 14 Millionen!
Sanktionen laufen aber 3 Monate. Um alle sanktionierten 135.000 eLb mit einem Überbrückungsdarlehen zu helfen, würden also 42.930.000,00 Euro benötigt, also knapp 43 Millionen! Das Gründungskapital des Projektes wird mit 75.000 Euro angegeben.
Dieser Betrag reicht gerade mal für knapp 236 Sanktionierte, das sind 0,17% aller von Sanktionen betroffenen ALG II Bezieher.
Wie will man die Glücklichen auswählen? Mit einer Lotterie?
Der Topf wäre jedenfalls bereits nach wenigen Tagen leer und die Rückzahlungen dürften diesen erst nach etlichen Monaten wieder füllen – wenn sie denn überhaupt eingehen. Der Verein wäre Pleite, bevor der erste Monat rum ist.
Das ringt mir nicht mal ein müdes Lächeln ab, höchstens ein unverständliches Kopfschütteln, denn ich frage mich, was die Initiatoren da tatsächlich bezwecken außer Polemik und Selbstdarstellung. Oder haben die alle nur eine Matheschwäche?
Tatsächliche Hilfe ist damit jedenfalls vollkommen unmöglich.
(Hartz.Info, Thread „Sanktionsfrei ist gestartet“, Seite 2, Posting #28 Administrator „Ottokar“ am 11.02.2016)

Auch diesen zentralen Kritikpunkt konnte der Sanktionsfrei-Promoter Max Uthoff, der sich seiner enormen Verantwortung für Empfehlungen dieser Art durch und durch bewusst ist, in der Sendung komplett ausräumen. In einer weiteren Spielszene im Ambiente eines Casinos legte er dar, dass  …

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Foto: bschpic / pixelio.de

Foto: bschpic / pixelio.de

Den Vorwurf, dass die angegebenen Programmierungskosten für Sanktionsfrei.de um mindestens den Faktor 10 zu hoch angesetzt seien, widerlegte Max Uthoff bündig wie folgt:

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Foto: Stephanie Hofschläger / pixelio.de

Foto: Stephanie Hofschläger / pixelio.de

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Offene Frage: Wie rechtsfähig ist ein nicht eingetragener Verein?
Argumentative Wucht erhielten die spielerischen In-Szene-Setzungen von Die Anstalt beim Seriositätscheck von Sanktionsfrei.de zum Thema Rechtsfähigkeit eines nicht eingetragenen Vereins. Zunächst klärte Sanktionsfrei-Promoter Uthoff die Zuschauer darüber auf, warum für diese Kampagne eine derart exotische und zum Status der Rechtsfähigkeit offensichtlich strittige Rechtsform gewählt wurde, die im Gegensatz zum klassischen eingetragenen Verein weniger staatlicher Kontrolle unterliege. Als Grund nannte er:

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Foto: Rike / pixelio.de

Foto: Rike / pixelio.de

Als nächstes bewies der durch und glaubwürdige Kabarettist am Diskussionspunkt Rechtsfähigkeit nicht eingetragener Vereine, wie wenig man solchem Forumgeraune vertrauen dürfte:

Mal was Grundsätzliches zu einem n.e.V.
Ein n.e.V. = nicht eingetragener Verein, richtiger ein „nicht rechtsfähiger Verein“ nach § 54 BGB, ist – wie der Name schon sagt – nicht rechtsfähig.
Der Verein als solcher kann also keine Rechtsgeschäfte tätigen, er kann nicht als Träger für eine Plattform fungieren und er kann keine Bescheide auf Rechtmäßigkeit prüfen, oder Hilfe leisten.

Und was hier am Wichtigsten ist: Er kann und darf keine Darlehensverträge abschließen, also keine Darlehen gewähren!

Übrigends: Das (Gründungs)Vermögen des n.e.V. ist rechtlich den Vereinsmitgliedern als Privatvermögen zuzurechnen.
Diese müssen über dessen Verwendung keinerlei Rechenschaft ablegen, denn bei einem n.e.V. gibt es keine staatliche Kontrollinstanz.

(Warum ist mir das eigentlich nicht eingefallen?
– Gründe einen n.e.V.,
– bewirb den mit großem Trara,
– starte ein Crowdfunding,
und dein Lebensunterhalt ist auf Jahre hinaus gesichert.
Warum helfe ich hier stattdessen ohne jede finanzielle Gegenleistung? Bin ich blöd?
Ach ja, es fällt mir wieder ein: ich wollte Leute, die ohnehin kaum Geld in der Tasche haben, nicht auch noch abzocken.)
(Hartz.info, Thread: „Sanktionsfrei ist gestartet“, Seite 4, Posting #32 Administrator „Ottokar“ am 13.02.2016)

In dem berühmten Top-Quality-Faktencheck von Die Anstalt, der gelegentlich auch schon mal auf impressumlose Kreml-Hetzseiten wie Propagandaschau verlinkt,  finde der Interessierte dazu folgende weiterführende Hinweise: this and that.

 

Offene Frage: Cui bono?
Ein bisschen Koketterie mit seiner humanistischen Bildung sei dem Vorzeige-Kabarettisten Max Uthoff verziehen, als er sich für Sanktionsfrei.de mit der Frage beschäftigte: Cui bono? Diese führe nicht nur in der Kapitalismuskritik fast immer zur richtigen Antwort, wobei Uthoff sich möglicherweise auf diese Forumsvorwürfe bezog?

Nach meinen eigenen privaten Recherchen stehen hinter „Sanktionsfrei n.e.V.“ drei Personen:
– Michael Bohmeyer, Gründer und Vereinsvorsitzender des Gewinnspielvereins „Mein Grundeinkommen e.V.“,
– Dirk Feiertag, medial bekannter Rechtsanwalt,
– Inge Hannemann, bekanntes Gesicht aus der Arbeitslosenaktivistenszene mit politischen Ambitionen.
Auf Twitter posieren diese drei bei der Vorstellung von Sanktionsfrei für Fotos.

Ein selbständiger Webentwickler, ein Anwalt und eine Arbeitslosenaktivistin rufen das Projekt „Sanktionsfrei n.e.V.“ ins Leben.
Für die Umsetzung und langfristige Betreuung des ganzen Projektes wird zwangsläufig ein Webentwickler benötigt.

Für die von Sanktionsfrei angebotene bzw. vermittelte Rechtsberatung und -vertretung wird zwangsläufig ein Anwalt benötigt.
Und damit das Ganze auch so erfolgreich wie möglich startet, wäre ein bekanntes Gesicht aus der Arbeitslosenaktivistenszene ideal, am Besten langfristig als Vereinsvorsitzende.
(ibid.; Posting #41 Administrator „Ottokar“ am 13.02.2016; und hier noch der Link zum Stichwort „Gewinnspielverein“)

Uthoff zeigte juristisch geschulte Rechercheroutine und hat nie gesagt: “Das mit dem ‚medial bekannten‘ Rechtsanwalt stimmt und erlaubt die volle Namensnennung von Dirk Feiertag. Immerhin berichtete schon einmal die BILD-Zeitung über seinen Coup, als OB-Kandidat der Piraten aus einem Jobcenter Unterlagen zu klauen versucht haben zu sollen. Das Gegenteil war der Fall! Die BILD-Zeitung berichtete seinerzeit auch über eine angekündigte Anzeige bei der Rechtsanwaltskammer.“

Ob, was und dass an dem Vorwurf im hartz.info-Forum etwas dran ist, belegte Uthoff mit den eingeblendeten Screenshots der Domaininhaber von etablierten, kostenlosen, transparenten und seit Jahren in der Sozialberatung bewährten Einrichtungen wie Tacheles Sozialhilfe e. V. oder auch dem Erwerbslosenforum – im Kontrast zu einem Screen des Domaininhabers von sanktionsfrei.de. Domaininhaber von www.tacheles-sozialhife.de ist der Trägerverein Tacheles Sozialhilfe. e. V. Domaininhaber von www.erwerbslosenforum.de ist der Trägerverein Erwerbslosenforum Deutschland e. V. (irrtümlich bei Denic noch als „iG“, in Gründung, bezeichnet; hier wurde möglicherweise die Aktualisierung vergessen?). Domaininhaber von www.sanktionsfrei.de ist:

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Das ist natürlich eine enorme Verantwortung, die da auf den Schultern des Softwarentwicklers Michael Bohmeyer lastet, der nach eigenem und öffentlichem Bekenntnis ein interessantes Verhältnis zu Verantwortung hat:

Ich hasse es, Verantwortung zu übernehmen. Ich schlafe gern aus. Ich lebe gern nach meinem eigenen Zeitplan. Ich kann nicht kochen. Ich räume nie auf. Und ich finde dieses Leben gut und habe überhaupt keine Lust mich in puncto Lebensqualität auf irgendwelche Kompromisse einzulassen.
(EMMA 19.05.2014: „Suse und Michael: „Wir sind echte 50/50-Eltern„; Hervorheb. SaSe)

„Dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen“, kommentierte Max Uthoff mit einem Augenzwinkern in der Sendung und verwies auf die enorme Kompetenz des verantwortungsallergischen Bohmeyers beim Crowdfunding, der parallel noch weitere Projekte dieser Art zu laufen hat.


Offene Kardinalfrage: Anrechnung der Darlehen als Einkommen?

Wenn jetzt schon Personen (zumindest) als Domaininhaber die Verantwortung für gecrowdfundete 150.000 Euro übernehmen, die öffentlich bekennen, dass sie es hassen, Verantwortung zu übernehmen, könne in man diesem Zusammenhang auch gleich noch die wichtigste Frage rund um Sanktionsfrei.de klären, antanzte Uthoff leichtfüßig die Kardinalfrage des so lautstark betrommelten Projekts. Angeblich sollen sanktionierte Hartz-IV-Empfänger aus dem in seiner Finanzierung auch nicht richtig nachvollziehbaren Sozialfonds des nicht eingetragenen Vereins mit dem verantwortungsabstinenten Domaininhaber irgendwelche Zuschüsse oder Darlehen erhalten, die sie über die Sanktionszeit tragen sollen. Experten rätseln, wie das gehen soll:

Zitat von: Hexe am 11. Februar 2016, 14:01:01
Wenn es ein Darlehen ist, ist es dann anrechenbar ?
LG Hexe
In der angedachten Form definitiv ja, das hat das BSG schon längst klargestellt.
Darlehen müssen mit einer ernsthaften Rückzahlungsverpflichtung belastet sein, ansonsten stellen sie sonstiges Einkommen nach § 11 SGB II dar.
Eine Beschränkungs- bzw. Ausschlussklausel wie „Rückzahlung erst nach Ende der Sanktion“ oder „… nach ALG II Bezug“ erfüllen diese Anforderung an die Ernsthaftigkeit nicht. Das ist rechtlich hinreichend geklärt.

Zitat von: TazD am 11. Februar 2016, 15:11:52
Laut Jurist Schwarz gibt es aber eine rechtlich saubere Lösung: Das Bündnis könnte sogenannte zweckgerichtete zinslose Darlehen vergeben, die zurückgezahlt werden müssen. „Das darf auf Hartz IV nicht angerechnet werden, weil es ja wieder zurückgezahlt werden muss“, sagt Schwarz: „Aber das nimmt den Betroffenen den Druck.“
Jurist Schwarz scheint die Problematik leider auch nicht voll erfasst zu haben, denn ein solches Darlehen wäre zweckidentisch mit ALG II und somit lt. § 11a Abs. 3 S. 1 SGB II voll anzurechnen.
Es hängt also allein an der inhaltlichen Ausgestaltung des Darlehensvertrages.

Abgesehen davon wird damit ein neues Problem geschaffen: dieses, jedem ALG II Empfänger zur Verfügung stehende, „Überbrückungsdarlehen“ hebelt die vom Gesetzgeber gewollte „erzieherisch-bestrafende“ Funktion der Sanktion aus. Das wird nicht ohne Folgen bleiben. Entweder wird die Rechtsprechung oder der Gesetzgeber dagegen vorgehen.
(Hartz.info, Thread „Sanktionsfrei ist gestartet“, Seite 2, Posting #28 Administrator „Ottokar“ am 12.02.2016; Hervorhebg. SaSe)

Der Denkfunk-Promoter und Sanktionsfrei-Werber Max Uthoff, nebenbei ja noch, wir wollen das nicht vergessen, studierter Jurist,  klärte dazu in der Sendung wie folgt auf:

 

Foto: Heidi Apel / pixelio.de

Foto: Heidi Apel / pixelio.de

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Offene Frage: Wie wollen die sich finanzieren?
Am Whiteboard zeichnete Max Uthoff für alle verständlich rasch noch einmal nach, dass die zu crowdfundenden 150.000 Euro für Sanktionsfrei.de nach acht Monaten wie vorangekündigt schon mal sicher und vollständig weg sind.

Wenn die Plattform gut werden soll, müssen einige Menschen aber Vollzeit am Projekt arbeiten. Mit 150.000 € können wir insgesamt acht Menschen acht Monate lang bezahlen. Die größte Gruppe dabei sind fünf Programmierer*innen. Dazu kommen zwei Personen für Social Media, Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Projektleitung sowie eine halbe Stelle für die rechtliche Beratung unseres Projekts. Die monatliche Basiskosten des Vereins, wie etwa Büromiete und Bürobedarf, sind vergleichsweise gering.
Insgesamt kommen wir für acht Menschen und Büro auf monatliche Gesamtkosten in Höhe von 18.750 €, die sich über einen Zeitraum von 8 Monaten auf 150.000 € belaufen.
Sofern wir nur 75.000 € erreichen, können nur halb so viele Menschen am Projekt arbeiten, so dass der Aufbau der Plattform entsprechend länger dauern würde. Auch in diesem Fall bringen wir aber in den ersten sechs Monaten eine erste, kleinere Version der Plattform an den Start.
(Sanktionsfrei.de, FAQ)

Nach acht Monaten ist also in jedem Fall Ende Gelände. Da der Verein keine Mitgliedsbeiträge erhebt, wäre er danach vollständig auf Spenden angewiesen. Eine andere Finanzierungsquelle stellen die Akteure auch gar nicht in Aussicht. Nur: Bis dahin sind die 150.000 Euro gemäß eigener Verlautbarung von Sanktionsfrei.de futsch.

Max Uthoff konnte zu dieser hochrelevanten Kernfrage aber alle Unterstützer vollständig beruhigen. Er zeigte auf, dass …

 

Foto: Angela Pareszyk / pixelio.de

Foto: Angela Pareszyk / pixelio.de

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Offene Frage: Warum spielen offene Fragen keine Rolle?
Im Übrigen zeige doch der phantastische Erfolg des Crowdfundings von Sanktionsfrei.de, dass weder Berge von ganz offensichtlichen Fragen noch Bedenken von Experten irgendeine Rolle spielen. Stolz verwies Uthoff auf den öffentlichen Dank seiner Denkfunk-Kollegin Inge Hannemann für seine wirksame Unterstützung  via Twitter:

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Ausschnitt Bildzitat Screenshot Twitter Inge Hannemann

Ausschnitt Bildzitat Screenshot Twitter Inge Hannemann

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Eine / one / uno / bir / une / 1 Frage mit Antwort
Im hartz.info-Forum habe  ein Diskussionsteilnehmer mit Wut-Emoji gefragt:

Ich nehme an, der Spendenaufruf von Max Uthoff ist nicht als Satire gemeint? Gut, es kann sich jeder mal täuschen (lassen). Wenn der von mir eigentlich geschätzte Herr Uthoff nichts merkt und zurück rudert, dann werde ich künftig seine Beiträge mit äußerster Vorsicht genießen. Schade und ärgerlich.
(ibid. Posting #93)

Unzweideutig antwortete Max Uthoff dem Poster: „Ja! Nein, mein Eintreten für Sanktionsfrei ist nicht als Satire gemeint!“ Kein naiver Kabarettfan glaube doch wohl im Ernst, dass er für ein Projekt Werbung mache, deren Verantwortliche kritische Fragen von Experten nicht beantworten und zu dem es womöglich ziemlich relevante offene Fragen gäbe?

Damit setzte Uthoff für die Sendung und hinter das Thema ein furioses Abschlusszeichen, das notfalls auch als Besen zu gebrauchen sei, mit dem man 150.000 Euro über die Kante kehren könne.

Foto: bschpic / pixelio.de

Foto: bschpic / pixelio.de

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HINWEIS jenseits des Satire-Geländes:
1. Ein an dieser Stelle  zunächst vermeldeter (zunächst) nicht zustandegekommener Pressekontakt mit dem Betreiber von GegenHartz wie mit dem Administrator von hartz.info hat sich inzwischen als ein Provider-Mailversand-Problem geklärt. Die SaSe-Anfrage wurde von hartz.info beantwortet. Es bestehen allerdings Veröffentlichungsverbote von den Verantwortlichen von  Sanktionsfrei.de, die sowohl von hartz.info / GegenHartz wie selbstverständlich auch von SaSe eingehalten werden.

2. Sollten die Verantwortlichen von Sanktionsfrei.de das hartz.info-Forum nach Telemediengesetz abmahnen bzw. die Löschung von Einträgen verlangen, bitte ich um entsprechenden Hinweis!

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