TS47/15: Pen-offener-Brief + Prix Pantheon 2015 + Satire vor Gericht + Vollhorst

+++ Der offene Brief der PEN-Autoren und dessen Einordnung durch die NZZ
Okay, beim Thema offener Brief der PEN-Autoren hat SaSe mit dem Service etwas geschlampt. Aber besser spät als nie: Hier der Link auf den schon mehrfach zitierten offenen Brief der 204 PEN-Mitglieder im Protest gegen den PEN-Award für  die französische Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo.
Wirklich hilfreich zur Bewertung dieses offenen Briefes und seiner argumentativen Schwächen könnte auch der aktuelle Artikel von Marc Zitzmann in der Neuen Zürcher Zeitung Satire unter Rassismusverdacht: Für „Charlie Hebdo“ endet die Schonfrist sein. Zitzmann benennt ein Informationsdefizit der Autoren hinsichtlich der französischen Usancen in Sachen Religion und Satire. Er thematisiert den grundsätzlichen „clash of cultures“, den Wertekonflikt. Er zitiert wissenschaftliche Untersuchungen und Daten von Soziologen, die die Titelblätter von Charlie Hebdo der vergangenen zehn Jahre ausgewertet und thematisch klassifiziert haben. Und nicht zuletzt verweist er darauf, dass die Satirezeitschrift bisher alle Gerichtsprozesse unter dieser Anklage gewonnen habe. SaSe meint: SEHR LESENSWERT! 


+++ Prix Pantheon 2015: Sebastian Nitsch und Suchtpotenzial
Das Personal der Kabarettsendungen der kommenden Monate steht fest: Neben dem Stammpersonal, die meisten derer ebenfalls frühere Prix-Pantheon-Preisträger, dürften als frische Gesichter zu erwarten sein: Sebastian Nitsch (Homepage, Facebook, YouTube, YouTube, YouTube) Prix Pantheon Jurypreis 2015, und das Damen-Duo Ariane Müller und Julia Gamez Martin, named: Suchtpotenzial (Homepage, Facebook YouTube), Prix-Pantheon Publikumspreis 2015 (Finale in der Mediathek). Über den Ehrenpreis für Jürgen von der Lippe in der Rubrik „Reif und bekloppt“ wurde in TS44/15 berichtet. Berichterstattung Focus.

Die SaSe-Lieblingsszene vom Finale Prix Pantheon 2015 am vergangenen Freitag zielt auf das Rahmenprogramm und den Auftritt von Rainer Grebe. Sein subtiler Humor mit dem per schwarzem Klebeband abgedeckten „Apple-Zeichen“ auf dem Laptop zuzüglich dem liebevoll daneben arrangierten Apfel  … unübertroffen! Elegant, filigran, leise, brüllend.


Bildzitat Screenshot WDR Finale Prix Pantheon 2015 Rahmenprogramm Auftritt Rainer Grebe: Die ganz feine Satire am Beispiel von Markenwerbung …

 

+++ Satire vor Gericht: Die Zulässigkeit einer Parodie und das Urheberrecht
Die Anwaltskanzlei Ferner beleuchtet einen weiteren orientierenden Pfeiler der Rechtsprechung im Kontext von Satire. Im vorliegenden und vom Europäischen Gerichtshof beschiedenen Fall  aus dem Jahr 2014 ging es um eine Parodie und die Urheberrechte am parodierten Werk. Ferner übersetzt in dem Artikel die für den juristischen Laien immer schwierigen Ausführungen des Gerichts. Quintessenzen (nach SaSe-Verständnis):  „Parodie“ ist ein eigenständiger Begriff im Unionsrecht. Das Parodieprivileg findet seine Grenzen im Interessenausgleich zwischen dem Recht auf freie Meinungsäußerung auf der einen Seite und dem Urheberrecht auf der anderen. Parodie kann aber nicht dadurch verhindert werden, dass der Urheber sein Werk durch die Parodie diskriminiert sieht. Das von Ferner formulierte Fazit wird in der Alltagspraxis weder dem Satiriker noch dem Karikaturisten weiterhelfen, denn alle darin formulierten Faktoren sind Auslegungssache.  Heikel wird es besonders dann, wenn die Parodie das Ausgangswerk mit einer diskrimierenden Aussage in Verbindung bringt, die dieses ursprünglich nicht enthält. Alles klar? Wenn nicht, halten sich Satiriker und Kabarettisten am besten weiterhin an der Binse fest, vor Gericht und auf hoher See …


+++ Bruno Jonas neues Buch über den Vollhorst Seehofer et. al.
Die Münchner Abendzeitung informiert uns – unisono mit anderen Zeitungen (siehe unten) – zur Abwechslung einmal darüber, was Satire NICHT MUSS: komisch sein! Schlimmer noch: Das neue Buch von Bruno Jonas, Vollhorst: Der Erfolgstyp in Politik, Kultur und Gesellschaft, sei ein bitteres? Inhalt des Bitterbuches: die Abrechnung mit der Tagespolitik, bei der der bayerische Ministerpräsident „Vollhorst“ Seehofer aber nicht die Hauptrolle spiele. Das Buch sei „eine Philippika über alles und jeden: die Politiker, die EU, die politische Korrektheit, die Sexualaufklärung, das Fernsehen – eine fundamentale Kulturkritik aus konservativem Blickwinkel“ (Quelle). So richtig Lust auf die mündige Lektüre allerdings macht dieser Hinweis der Münchner Abendzeitung: „Wäre nicht Bruno Jonas der Autor, würde der eine oder andere politisch interessierte Leser hinter manchen Kapiteln möglicherweise sogar einen humorbegabten AfD-Anhänger vermuten“ (Quelle). What?
Die Bitterkeit allerdings hat sich auch dem stern und der ZEIT mitgeteilt. Das kommt vorzüglich daher, dass sowohl Münchner Abendzeitung wie stern wie ZEIT und weitere die Meldung aus dem dpa-Newsticker nahezu gleichlautend übernehmen und lediglich die Textblöcke etwas umsortieren! Bisher gibt es auch auf Amazon (das hier mit Bedacht nicht verlinkt wird) noch keine Rezension. SaSe ist diesbezüglich sehr ambitioniert …


+++ Reichsbürger scheitern mit Sturm auf den Reichstag
Die Komiker der Reichsbürgerbewegung haben sich wieder erfolgreich und mit der nächsten Pleite in die Schlagzeilen gebracht. Heise online und Reichsdeppenrundschau berichten amüsiert.

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