TS47/16: Jan Böhmermann unter Polizeischutz und jeden Tag eine weitere Eskalation

+++ Jan Böhmermann jetzt unter Polizeischutz
Der Medienkritiker Stefan Niggemeier bringt die aktuelle Dynamik in Sachen Jan Böhmermann in diesem Tweet auf den Punkt! SaSe kann der Flut der Meldungen nur hilflos hinterher tippen.
Neueste Eskalationsstufe, vermeldet in Tagesschau und Tagesthemen am 12. April 2016: Aufgrund von massiven Drohungen steht Jan Böhmermann jetzt unter Polizeischutz. Die Neo-Magazin-Royale-Sendung für diese Woche wurde abgesagt.
Der türkische Staatspräsident Erdogan geht inzwischzen auf drei verschiedenen Wegen juristisch gegen den Satiriker vor und hat den deutschen Medienanwalt Michael-Hubertus von Sprenger als Vollstrecker mandatiert. Der gab am Dienstagabend dem heute-journal ein Interview. Auffallend dabei war die auch optisch wahrnehmbare, durch bequemes Zurücklehnen artikulierte Selbstgefälligkeit des Anwalts, wie sie für deutsche Medienanwälte so typisch ist. Sprenger tritt in diesem Fall mit einem Erziehungsauftrag an. Im heute-journal erklärte er dafür sorgen zu wollen, dass sich die Beleidigung nicht wiederholt. Zu den prominenten Kunden dieses Anwalts gehören unter anderem der Holocaust-Leugner David Irving und der Chefredakteur des Compact-Magazins Jürgen Elsässer.


+++ Presseecho zur „Anne-Will“-Sendung über Jan Böhmermann und Satire
+ Berliner Zeitung + Die Welt + n-tv + borlife.de + Bild (1) + Bild (2)


+++ Der offene Brief von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner
Es ist verstörend, wie „lendenlahm“ die Reaktionen der Satire-Szene selbst auf die immer mehr aus dem Ruder laufende Causa Böhmermann ausfällt. Als Satire-Freund hätte man sich eine Flut grenznaher Satiren, Videos, Karikaturen und Gedichte auf-über-zu den/m durchgeknallten türkischen Staatspräsidenten gewünscht. Stattdessen kommen die Solidaritätsbekundungen für Jan Böhmermann von ungewohnter und teilweise auch befremdlicher Seite – etwa vom Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, der sich in einem offenen Brief an den Satiriker wendet und sich in juristisch relevanten Formulierungen vollumfänglich mit ihm solidarisiert.
Meedia erklärt uns, wo wir diesen Brief einzuordnen haben: hür und hür.


+++ Solidaritätslied von Dieter Hallervordern
Apropos befremdlich: Auch der Komiker Dieter Hallervorden stellt sich an Böhmermanns Seite … oder springt auf den Zug auf, je nach Gusto. In seinem Anti-Erdogan-Song heißt es: „Ich sing‘ einfach, was du bist. Ein Terrorist, der auf freien Geist scheißt“. Auch dazu: Meedia.
Kritische Beobachter der erst jüngst in Querfront-Optik erschienenen Umtriebe des alten Mannes kommentieren dessen Opportunismus deftig.


+++ #freeboehmi: Böhmi hat jetzt seine eigene Petition
Böhmermann muss auch nicht etwa hinter rumänischen Straßenhunden zurückstehen. Auch ihm erwächst aus dem traditionellen Empörungskanon der Deutschen: eine Petition: #freeboehmi. Die Netz-Aktivistin Christine Doering hat sie gestartet. Und sie hat gleich Erfolg: schon knapp 165.000 Unterzeichner [Stand: 13.04.16, 9.30 h].


+++ Rechtsexperte Udo Vetter fordert Nein der Kanzlerin
Ein notizwürdiges Nebenergebnis des Meedia-Beitrags  Ein Nein von Merkel ist die einzig richtige Entscheidung zu der Bewertung der Causa Böhmermann durch den Rechtsexperten Udo Vetter ist der völlig überholte Status von Paragraf 103 des Strafgesetzbuches, der die „Ehre“ von Staatsoberhäuptern über alle anderen stellt. „Unzeitgemäß“ lautet dazu die Bewertung des Experten.


+++ Solidaritätsbotschaft von „Spiegel TV“
Auch Spiegel TV hat sich mit Jan Böhmermann solidarisch erklärt. In einem Beitrag am Sonntagabend, der sich gar nicht mit dem Fall beschäftigte, war ein Schild zu sehen: „Je suis Böhmermann“. Berichterstattung bei Meedia.


+++ Yanis Varoufakis springt Böhmermann bei
Der griechische Ex-Finanzminister, der dem Satiriker über #Varoufake verbunden sein dürfte, erklärt sich ebenfalls solidarisch. Erst habe Europa seine Seele verloren und jetzt seinen Humor. Näheres bei Spiegel.


+++ Substanzielles von Oliver Kalkofe

Zu den wenigen Satirikern, die den Ruf gehört haben, zählt Oliver Kalkofe, der auf Facebook erklärt, worin die eigentliche Gefahr dieser zur Staatsaffäre eskalierten Nummer liegt. Der stern berichtet. Kalkofes Elaborat endet mit:

Wie so oft ist es einfach unfassbar, traurig und so unendlich dumm und nicht durchdacht, was hier gerade geschieht…
Eigentlich ist es in seiner Absurdität fast schon wieder lustig… aber darf man darüber lachen, wenn das Recht auf Satire getötet wird?
(Oliver Kalkofe in stern 12.04.16: „Man darf Böhmermann nicht zur Staatsaffäre machen“)

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