TS47/20: Wo die Krone Blüten treibt: Das Verhältnis von toten Rentnern zu lebendigen Einzelhändlern

Diesen Link habe ich bei Schroeder gefunden. Danke dafür. Der streitbare Jurist Thomas Fischer kommentiert im Spiegel die derzeit aufbäumende Wir-können-die-Wirtschaft-nicht-Diskussion derart humorvoll, dass ich vor lauter Lachen gar nicht weiß, worüber ich zuerst nachdenken soll. Fischer schält den gefährlich redundanten Diskurs bis zu seinem sozialdarwinistischen Kern ab: das Verhältnis von toten Rentnern zu lebendigen Einzelhändlern. Herrlich!

Zwangsläufig kommen dabei auch die Virolokratie und das ambivalente Verhältnis des Bürgers zu derselben zur Sprache. In einer Weiterdenke dazu auch bei Der Freitag.

Interessant an dieser kitzeligen Stelle nun wiederum ist der NDR-Podcast mit dem Virologen Dr. Christian Drosten, den ich sonst sehr schätze. Am 30.März 2020 allerdings beklagt er sich bitter darüber, dass es „in diversen Medien“ schon Karikaturen von Virologen (noch genauer: von ihm) gäbe. Das bringt den Herrn Wissenschaftler dann aber mal so richtig in Wallung: „Das geht so nicht.“ Und er droht. Wenn nicht Schluss mit lustig, dann ziehe er sich aus der Öffentlichkeit zurück – wie auch dieser WELT-Artikel bestätigt. Ein Mimosen-Virologe mit defizitärer Verfassungskenntnis?

An dieser Stelle lässt sich problemlos zur Spiegel-Fischer-Kolumne zurückkoppeln, die sauber herausziseliert, was denn alles so geht und was nicht. Also in Wirklichkeit. Inklusive der deckungsungleichen Meinungspakete dazu von Fröschen und Eidechsen.

Eines macht Fischer klar: Es braucht eine grunderneuerte Diskussion des fatal unterschätzten Personalpronomens „wir“.
(Denk ich: Die Parolen der Rechtsextremisten, welche dieses „wir“ schon mit „Volk“ existentiell verkoppelt hatten, hätten uns darauf vorbereiten können?)

Und auch Fischer kann sich dem Gerechtigkeitsvektor dieser Viruskrone nicht vollständig entziehen. (Gefährliches Terrain, weil spirituelle Sprengladung. Assoziationen dazu kann sich unser Fußball-Yogi erlauben; für Akademiker ist das vermintes Gelände.) Der gewichtige Richter erweitert das neoliberale Abwägen zwischen toten Rentnern und lebendigen Einzelhändlern, also das Abwägen zwischen Opfern und Profiteuren, auf die weltweite Gesamtsituation unter besonderer Würdigung ethischer Aspekte.

Lesen!

Die Google-Recherche zu diesem Themenkreis führt zu allerhand erhellenden Artikel wie etwa auch diesem über „Retrotopia„.

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